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Mon, 26 Jun 2000 00:00
(GER) Die GRATEFUL DEAD Biographie 1989
Author: Karl-Heinz Jessen
Date: Mon, 26 Jun 2000 00:00
Date: Mon, 26 Jun 2000 00:00
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Die GRATEFUL DEAD Biographie 1989 Als die Grateful Dead im September 1978 Aegypten besuchten, um am Fuss der Grossen Pyramide zu spielen, war in den Strassen von Kairo nichts anderes als "Stayin' Alive" zu hoeren, so als ob sich dieses degenerierte Stadium des Rock'n'Roll nunmehr der ganzen Welt bemaechtigt haette. Da ist es schon wichtig, daran zu erinnern, dass die Dead, obwohl ihre Mitglieder Rock'n'Roll-Songs auf elektrischen Gitarren spielen, nicht ausschliesslich eine Rock'n'Roll-Band sind. Indem sie sich dem konventionellen Rock-Habitus versagen, sind sie Teil einer viel aelteren amerikanischen Musiktradition. Nahezu 24 Jahre lang haben sie eine exzentrischen Kurs verfolgt, der einerseits auf musikalischer Improvisation, anderseits auf einem in sich abgeschlossenen, kommunalen Weg zum Leben und zum Business basiert und der letztlich in einem aussergewoehnlichem Erfolg resultiert. Nebenbei haben sie die technologische Seite des Auffuehrens elektronisch verstaerkter Musik zu ganz neuen Qualitaeten vorrangetrieben, in der Tat zum Update der Technik. Grateful Dead's Heimat ist die San Francisco Bay Aera, wo ihnen durch ein tolerantes, intellektuelles Umfeld, das eher durch die Golden Gate blickt als zurueck nach Europa, der noetige Raum geschaffen wurde, ihren speziellen Pfad auszutreten. Dead-Musik ist eine elektronische Fusion aller denkbaren amerikanischen (und einigen anderen) Musikformen, zu der jedes Mitglied eigene Erfahrungen beitraegt. 1964 trafen sich ein Banjo-Picker (Jerry Garcia), ein Folk-Gitarrist (Bob Weir) und ein Blues-Mundharmonika-Spieler (Ron "Pigpen" McKernan), um die Mother McCree's Uptown Jug Champions zu gruenden, eine Band, die in oeffentlichen Bars und Coffee Shops auftrat. Zu ihnen stiessen 1965 der Rock/R&B-Drumer Bill Kreutzmann sowie der Bassist Phil Lesh, dessen Background allerdings Jazz-Trompete und moderne Komposition a la Stockhausen war. Damit wurde aus der Jug-Band die elektrische Blues-Band Warlocks.1967 nahmen sie noch den Perkussionisten Micky Hart hinzu, der ein gehoeriges Interesse an afrikanischen und asiatischen Rhythmen mitbrachte. Ende 1965 entschieden sie sich, ihren Gruppennamen zu aendern, und fanden in einem Lexikon die Phrase "Grateful Dead" fuer bestimmte Folk-Songs, die um die Jahrhundertwende vom britischen Musikwissenschaftler Francis Childe definiert wurde. Waehrend sie dieses Wortspiel mehr im Sinne zyklischer Veraenderungen denn Morbiditaet verwendeten, waren sie bereits Bestandteil der radikalen kulturellen Umwandlungen in der Bay Area und den Jahren 1966/67; sie spielten auf dem Trips Festival und aehnlichen Veranstaltungen mit Ken Kesey und seinen Marry Pranksters. Ab Herbst 1966 hiess ihre neue gemeinsame Adresse 710 Ashbury Street im Haight-Ashbury-Distrikt mitten in San Francisco. Hier wurden sie schnell zu Zentralfiguren der bluehenden lokalen Musikszene und traten unter anderem regelmaessig im Bill Graham's Fillmore Auditorium und im Avalon Ballroom der Family Dog auf. Ihre Ablehnung gegenueber dem althergebrachten Geschaeftsgebaren im Musikbusiness machten sie vor allem durch Free Shows und Benefizkonzerte im Golden Gate Park deutlich. Anfang 1968 zogen sie ins noerdlich von San Francisco gelegene Marin County und liessen sich auf eine Reihe ausschweifender Aufnahmesessions ein. Nach ihren beiden ersten Veroeffentlichungen, "Grateful Dead" (1967) und "Anthem Of The Sun" (1968), waren sie die erste Band der Welt, die ein 16-Spur-Aufnahmestudio verwendeten: so entstanden "Aoxomoxoa" (1969) und das Doppel-Live-Album "Live Dead" (1970). Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie sich auf instrumentale Improvisation konzentriert, zumal von 1968 bis 1970 der experimentelle Pianist Tom Constanten die Band erweiterte. Im Jahr 1970 allerdings spielten sie mit "Workingsman's Dead" und "American Beauty" gleich zwei klassische Studio-LPs ein, auf denen Garcia's Melodien und Gesang, Weir's Harmonien und die Texte langjaehrige Mitstreiters Robert Hunter im Vordergrund standen. Garcia's Beschaeftigung mit der Pedal-Steel-Gitarre erweiterte das Spektrum der Dead so betraechtlich, dass sie auf alte Freunde aus fruehen Folk-Tagen zurueckgriffen, um eine zweite, countryorientierte Band aus der Taufe zu heben: die New Riders. 1970 begann eine Serie nationaler US-Tourneen, die dem Konzept einer Familien-Show sehr nahekam: "An Evening With The Grateful Dead, Featuing The New Riders Of The Purple Sage". Bereits 1971 hatten sie eine solche Popularitaet erlangt, dass die Forderungen nach Eintrittskarten die Kapazitaeten der von der Gruppe bevorzugten kleinen Hallen weit ueberstiegen. Sie begegneten diesem Problem, indem sie ihre Musik fuer Live-Stereo-Radiosendungen freigaben. Ihr zweites Doppel-Live-Album (und gleichzeitig die erste Goldene Schallplatte) "Grateful Dead", auch als "Skull & Roses" ein Begriff, wurde in dieser Zeit aufgenommen. Zudem beschaeftigten sich Garcia, Weir und Hart parallel zur Arbeit in der Band mit ersten Solo-Projekten: "Garcia" (1971),"Ace" (1972) und"Rolling Thunder" (1972) lauteten die Ergebnisse. Pigpen's sich staendig verschlechternder Gesundheitszustand fuehrte zur Hinzunahme des Pianisten Keith Godchaux (1971) und seiner Frau Donna Jean (1972) als Saengerin. Anfang 1973 starb Pigpen nach einer Reihe von Krankenhausaufenthalten an Magen- und Leberproblemen. Auf der im selben Jahr erschienen Live-LP "History Of The Grateful Dead, Vol. 1 (Bear's Choice)" wird sein Beitrag noch einmal besonders dokumentiert. 1972 reisten die Dead zwei Monate lang in einem Bus quer durch Europa und traten in sieben Laendern auf, was zu dem 3-LP-Live-Set "Europe '72" fuehrte. Inspiriert durch andere Kulturen (so bestritten sie z.B. eine Open Air Show im franzoesischen Lille, mitten in einer impressionistenischen Landschaft) begann die mittlerweile zur Tradition gewordene Suche nach ungewoehnlichen Auftrittsorten. In den Jahren 1973 und 1974 wurden sie und ihre Tontechniker mit den Grundlegenden Problem der Praesentation von Musik in Stadien und anderen Grossarenen konfrontiert - wie kann hier guter Sound produziert werden? Die Antwort war "The Wall", das aussergewoehnlichste PA-System, das je gebaut wurde; 20 Kw Power wurden durch 641 Lautsprecher gejagt. Und die Fan - sie wurden immer zahlreicher, gipfelnd in der groessten Rock-Veranstaltung aller Zeiten, als ueber 600.000 Menschen im Juli 1973 die Grateful Dead, die Band und die Alman Brothers in Watkins Glen, New York, erlebten. Die Kosten einer solch aufwendigen Verstaerkeranlage sowohl finanzieller als auch menschlicher Hinsicht, waren natuerlich enorm und letztendlich zu hoch. Nach einem endgueltigen 5-taegigen Einsatz in San Francisco's Winterland im Oktober 1974 wurde "The Wall" eingemottet - die Dead stoppten vorerst ihre Tourneen. Aber sie blieben am Ball. Als ihr Plattenvertrag mit Warner Brothers 1973 auslief, nutzten sie die Gelegenheit, ihre eigene, voellig unabhaengige Firma Grateful Dead Record Company (G.D.R.C.) zu gruenden, um ihre Platten ueber ebenfalls unabhaengige Vertriebe zu vermarkten. In denn folgenden drei Jahren wurden auf G.D.R.C. und dem Sub-Label Roud Records 14 Werke veroeffentlicht; vier LPs von Grateful Dead selber: "Wake Of The Blood" (1973), "From The Mars Hotel" (1974), "Blues For Allah" (1975) und "Steal Your Face" (1976), ein weiteres Doppel-Live Album; einmal Jerry Garcia: "Garcia" (1974) und "Reflections" (1976); zweimal Robert Hunter: "Tales Of The Great Rum Runners" (1974) und "Tiger Rose" (1975); Mickey Hart's Diga Rhythm Band mit "Diga" (1976); ein Album mit elektronischer Musik von Phil Lesh und Ned Lagin, "Seastones" (1975); zwei Bluesgrass-Projekte, eines von Jerry Garcia mit Peter Rowan, Davis Grisman u.a., "Old And In The Way" (1975), das andere von den Good Ol' Boys, "Pistol Packin' Mama" (1976); "Keith & Donna" (1975), mit dem Godchaux-Ehepaar; "Kingfish" (1976), die Debuet-LP von Bob Weir's damaliger Nebenbeschaeftigung. Waehrend dieser Zeit widmete sich Garcia auch noch dem Editieren von Filmmaterial der 1974er Konzerte im Winterland. Das daraus Resultierende "The Grateful Dead Movis" mit den beruehmten Trickeinspielungen wurde 1977 veroeffentlicht. Nach ihrem selbstgewaehlten "Urlaub" waren die Grateful Dead im Juni 1976 "back on the road". Sie gaben ihre Firma aus finanziellen Gruenden auf und unterschrieben bei Arista Records, fuer die sie sogleich die LP "Terrapin Station" (1977) einspielten, ihre erste seit 10 Jahren mit einem aussenstehenden Produzenten - Keith Olsen. Ihr naechstes Album "Shakedown Street" (1978), produziert von den ein Jahr spaeter verstorbenen Lowell George, war das erste, das im bandeigenen Studio Le Club Front aufgenommen wurde. Ebenfalls hier entstand Garcia's vierte Solo-LP "Cats Under The Stars" (1978). Zu gleicher Zeit machte Weir seine zweite Platte, "Heaven Help The Fool", auch mit Keith Olsen. 1978 erfuellten sich die Dead einen alten und wahrlich grotesken Traum, als sie an drei Naechten im Gizeh Sound and Light Theatre vor der Sphinx und der Grossen Pyramide bei Kairo auftraten. Die Shows wurden von der Gruppe und dem aegyptischen Kultusministerium koproduziert, als Wohltaetigkeitsveranstaltung fuer behinderte Kinder. Der unheimliche, geheimnisvolle Hoehepunkt war eine totale Mondfinsternis waehrend des dritten Konzertes, und ...12 Stunden darauf... wurden die Camp David Vereinbarungen zwischen Aegypten und Israel unterzeichnet. Noch im selben Jahr trat die Band in der bekannten TV-Sendung Saturday Night Live des Senders NBC auf, wobei sie mit den Blues Brothers, Dan Aykroyd und John Belushi, als Vermittler dieses Gigs Freundschaft schloss. Im Gegenzug revanchierten sich die Dead, indem sie ihrerseits die Blues Brothers fuer das Sylvesterkonzert 1978 im Winterland Auditorium einluden, das gleich darauf seinen Betrieb einstellte. 1979 verfolgten Hart, Kreutzmann und Lesh mit etlichen Musikerfreunden als Rhythm Devils ein ganz spezielles Projekt, als sie den Percussionspart der Filmmusik zu Francis Ford Coppola's Antikriegsfilm "Apocalypse Now" kreierten. Das Jahr war darueberhinaus gekennzeichnet von einem besonderen Benefiz Konzert fuer die California Campaign for Economic Democracy und Shows in einer Bandbreite von beliebten Open Air-Staetten wie dem Red Rocks Amphitheatre in Colorado bis zum Madison Suare Garden in Manhattan, wo sie den Gold Ticket Award fuer den Verkauf von 100.000 Karten erhielten. Im April bekamen sie mit Brent Mydland (als Ersatz fuer die ausscheidenden Godchauxs) einen neuen Keyboarder/Saenger, der merklich zu ihrem folgenden Studio-Album "Go To Haven" (1980) beitrug. Immerhin noch rund 75 Konzerte jaehrlich absolvierend, feierten Grateful Dead 1980 ihren 15.Jahrestag mit einer einzigartigen Serie von 23 Auftritten - 15 im Warfield Theatre in San Francisco, 8 in New York's Radio City Music Hall. In diese Konzerte packten sie, rueckblickend auf ihre Geschichte, zusaetzlich einen akustischen zu den zwei gewohnten elektrischen Sets. Hiervon entstanden zwei Dokumente in Form von Doppel-Live-Alben, fuer deren Produktion sie speziell entwickelte Aufnahmetechniken verwendeten - das akustische "Dead Reckoning" und das elektrische "Dead Set". Ebenfalls 1981 wurden "Bobby & The Midnites" von Bob Weir und Jerry Garcia's "Run For The Roses" veroeffentlicht. Und ihre Odyssey ging weiter. Normale Auftrittsorte wechselten sich mit dem Aussergewoehnlichen ab: das Aladin Theatre in Las Vegas, der Oregon Field Trip in Veneta, das US Festival bei San Bernadino (1982, als sie zusammen mit Santana als "Woodstook -Repraesentanten" das Open Air Ereignis des Jahres bestritten) und das World Music Festival in Montego Bay, Jamaica, auch 1982. Mittlerweile waren sie der Ansicht, dass ihre uebliche Winterpause einfach zu lang ausfiel. So absolvierten sie 1984 zusaetzlich zu den bereits traditionellen Sylvester-Konzerten eine Serie Ende Januar zu Ehren des chinesischen Jahreswechsels, gemeinsam mit dem San Francisco Chinese Orchestra und Drachentaenzern. Neben den immensen Tour-Erfolgen gelangte ausgerechnet jene Band, die von keiner Plattenfirma so richtig versanden wurde, mitten ins Herz der amerikanischen Massenkultur und nahm 1985 die Musik fuer die CBS-TV-Serie The Twilight Zone auf. Interessanterweise haben die Dead ihren ganz eigenen Weg in der Geschichte amerikanischer Unterhaltung nie verlassen. So produzierten sie zu Halloween 1983 ihre eigenen Show-Folgen in Marin Civic Centre. Im allgemeinen ist in den Achtzigeren ein steter Reifeprozess in ihrer Bandstruktur zu vermerken; Grateful Dead sind die einzigen in den USA, die ihre eigenen Ticket-Verkaeufe kontrollieren, die direkt mit der geschaeftlichen Infrastruktur verhandeln, die einzigen, die Tour-Booklets anbieten, in denen spezielle Eintrittskarten fuer jede Show einer Tour enthalten sind. Es ist nicht nur so, dass sie mit der herrschenden Doktrin kommerzieller amerikanischer Kuenstler brechen, indem sie sich mehr aufs Live-Spielen als aufs Plattenverkaufen verlassen und lieber improvisieren als Hits zu produzieren. Die Gruppe, ihre Crew, ihr Personal und ihre Freunde bilden eine Art Grossfamilie, die eher auf einem langen Weg der Kreativitaet nach vorne blickt, denn einen kurzlebigen "Erfolg" sucht. Die Beziehung zwischen den Dead und ihren Helfern ist absolut einzigartig. Trotz der Tatsache, dass sie bis Anfang 1987 sieben Jahre lang kein Studioalbum mit neuem Material veroeffentlicht haben, gehoeren sie weiterhin zu den ersten zwei oder drei Top-Konzert-Attraktionen im Lande. 1986 und 87 kehrten sie sogar wieder in die ungeliebten Stadien zurueck, in Begleitung von Bob Dylan. Als die neue LP "In The Dark" endlich im Juli 1987 erschien, reagierte das Publikum, das so lange gewartet hatte, euphorisch; nach 22 Jahren schafften die Dead erstmals die Top 10, mit dem Album auf Platz 6 und der ausgekoppelten Single "Touch Of Grey" auf Platz 9. Im Herbst veroeffentlichten sie eine einstuendige Video-Cassette, "So Far", die noch im Maerz 1988 nach etlichen Monaten auf Rang 1 der Musikvideo-Charts zu finden war. Und auch wenn die legendaeren "Tuning"-Phasen zu kurzen Momenten verkuemmert sind - nach fast 24 bzw. 1700 dokumentierten Konzerten, in denen sie 366 verschiedene Songs spielten, sind die Grateful Dead die einzige Band in den Staaten, die auf die Buehne kommt und erst dann entscheidet, was gespielt wird. Um den einen Hit-Song zu zitieren: "We will survive - we will get by". 25. Maerz 1991 Mit freundlicher Genehmigung von der Line Musik GmbH, P.O.Box 605220, D-22247 Hamburg, Germany. Aus dem Buch "ROCKXIKON" Naturismus und wo man danach leben kann HTTP://www.flevo-natuur.de Naturismische Lebensart unterstuetzen: Jessen, Karl-Heinz, Kto.-Nr.: 1211407620, BLZ: 20050550 (HASPA) Ueber Naturismus diskutieren: http://f14.parsimony.net/forum23720
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