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1 total messages Started by Guido Gabriel Sun, 15 Dec 1996 00:00
ai/FAQ: ai weltweit
#29
Author: Guido Gabriel
Date: Sun, 15 Dec 1996 00:00
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amnesty international                                  JAHRESBERICHT
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ai weltweit - St�rke durch Vielfalt
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Auf den ersten Blick m�gen die Gemeinsamkeiten zwischen einem ehe-
maligen gewaltlosen politischen Gefangenen und mittlerweile amtieren-
den Abgeordneten des s�dafrikanischen Parlaments, einer Sch�lerin auf
der Karibikinsel Curacao und einer Masseuse aus der im Norden des Ural
gelegenen Bergwerksstadt Gremjachinsk nicht ersichtlich sein.  Es gibt sie
gleichwohl.  Alle drei verbindet ihr gemeinsames Engagement f�r die
weltweite Durchsetzung der Menschenrechte.  Zusammen mit mehr als
einer Million Gleichgesinnten aus allen Bev�lkerungs- und Gesellschafts-
schichten bilden sie das R�ckgrat von amnesty international.  Sie opfern
Zeit und Energie, um das Bewu�tsein f�r die Menschenrechte zu sch�rfen
und gegen Verst��e aktiv zu werden.

Die Tatsache, da� Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen
amnesty international unterst�tzen, ist Spiegelbild und zugleich Best�ti-
gung der Ziele der Organisation.  Ihre Mitglieder vereint das Bewu�tsein
daf�r, da� bestimmte grundlegende Menschenrechte �ber alle Schranken
der Nationalit�t, Religion oder Rasse hinweg universell G�ltigkeit besit-
zen und verteidigt werden m�ssen.  Als weltumspannende Bewegung, die
offen ist f�r jeden, der an der Verwirklichung dieser Ziele mitarbeiten
m�chte, hofft amnesty international, einen Beitrag zur dauerhaften Be-
endigung von Menschenrechtsverletzungen zu leisten.

Von den mehr als einer Million Mitgliedern und F�rderern der Organisa-
tion in �ber 150 Staaten und Territorien der Welt sind viele in den 4329
�rtlichen Gruppen organisiert, die sich regelm��ig treffen und �ber die
Planung ihrer Aktivit�ten beratschlagen.  In 55 L�ndern existieren Sektio-
nen, die auf nationaler Ebene Koordinierungsaufgaben f�r die �rtlichen
Gruppen wahrnehmen.

Jahr f�r Jahr schlie�en sich mehr Menschen aus den unterschiedlichsten
Lebensbereichen und Kulturen amnesty international an.  Auf dem euro-
p�ischen Kontinent sind neben den seit vielen Jahren etablierten westeu-
rop�ischen Sektionen in Ost- und Mitteleuropa Gruppen von amnesty
international entstanden.  Auch im s�dlichen Afrika hat amnesty interna-
tional neue Mitstreiter gewinnen k�nnen.  Rund um den Erdball stellen
Rechtsanw�lte.  Angeh�rige medizinischer Berufe, Gewerkschafter,
Journalisten und Studenten ihre berufsspezifischen Kenntnisse bezie-
hungsweise ihre Kontakte in den Dienst der Arbeit von amnesty interna-
tional.  Die kulturelle Vielfalt der Organisation spiegelt sich nicht
zuletzt in ihrem Interationalen Sekretariat in London wider. dessen rund  
300 Mitarbeiter aus mehr als 50 verschiedenen L�ndern stammen.

Da� amnesty international zu einer wahrhaft internationalen Bewegung
geworden ist, zeigt sich auch in der Vielzahl der Sprachen, in der ihre
Ver�ffentlichungen inzwischen erscheinen.  Regelm��ige �bersetzungen
von Publikationen ins Arabische, Englische, Franz�sische und Spanische
werden erg�nzt durch die Initiativen einer ganzen Reihe von Sektionen,
die daf�r Sorge tragen, da� die Dokumentationen von amnesty interna-
tional auch in weniger verbreiteten Sprachen erscheinen.  Das ai-B�ro in
Hongkong beispielsweise �beretzt den monatlichen Amnesty Internatio-
nal Newsletter (in der Bundesrepublik das ai-Journal) in die Sprachen
Bengali, Chinesisch, Hindi, Koreanisch, Nepali, Tamilisch, Thai und
Urdu.  Die israelische Sektion fertigt Ubersetzungen ins Hebr�ische an. In  
S�dafrika werden alsbald Publikationen in Afrikaans, Xhosa und Zulu
erscheinen und landesweit vertrieben werden.

Die F�rderung des Mehrsprachenprogramms ist eine von vielen Politik-
entscheidungen, die die Mitglieder von amnesty international in den zu-
r�ckliegenden Jahren getroffen haben.  Die basisdemokratische Struktur
der Organisation beh�lt den Mitgliedern die Festlegung der politischen
Leitlinien und der Schwerpunkte der Arbeit von amnesty international
vor.  Sie entsenden Delegierte zur Internationalen Ratstagung, dem ober-
sten beschlu�fassenden Gremium der Organisation, das im Zwei-Jahres-
Rhythmus zusammentritt.

Eine weitere Initiative ausj�ngster Zeit hat darin bestanden, die Jugend
der Welt zur Mitarbeit bei amnesty international zu ermutigen.  Mit ihren
unkonventionellen Ideen und ihrer Vitalit�t haben sie neue Impulse in die
Arbeit der Organisation gebracht.

Die erste ai-Gruppe in Ost- und Mitteleuropa wurde 1988 von einer 16j�h-
rigen slowenischen Obersch�lerin ins Leben gerufen.  Seitdem sind in Slo-
wenien f�nf weitere Gruppen entstanden, deren Mitglieder ein Durch-
schnittsalter von wenig mehr als 20 Jahren aufweisen.  Im Dezember erhiel-
ten sie Sektionsstatus.  �berdies wird die Internationale Ratstagung von
amnesty international 1995 im slowenischen Ljubljana stattfinden.
Auch in anderen Sektionen waren Anstrengungen darauf gerichtet, junge
Menschen f�r die Inhalte der amnesty-Arbeit zu interessieren.  Die tune-
sische Sektion beispielsweise hat eine mit Zeichnungen illustrierte Fas-
sung der Allgemeinen Erkl�rung der Menschenrechte ins Arabische
�bersetzt und unter Jugendlichen verbreitet.  Obersch�ler aus Botsuana
haben in Maru im Rahmen einer Aktionswoche in symbolischer Form die
Inhaftierung von Studenten und Hochschulpersonal nachgestellt.  Dar-
�ber hinaus haben sie einen 24st�ndigen Briefschreibe-Marathon initi-
iert, in dessen Verlauf nicht weniger als 1550 Appelle an menschenrechts-
verletzende Staaten weltweit verschickt worden sind.

amnesty international hei�t junge Menschen in der Organisation will-
kommen.  Um sie strukturell einbinden und ihnen die M�glichkeit bieten
zu k�nnen, mit ihren Initiativen tatkr�ftig f�r die Ziele von amnesty inter-
national einzutreten, befindet sich momentan ein internationales Jugend-
programm in Vorbereitung.

Vor allem in den Entwicklungsl�ndern ist die Arbeit der amnesty-Mitglie-
der immer wieder durch Geldn�te gef�hrdet.  Um die Mittel f�r ihre Men-
schenrechtsaktivit�ten aufzubringen. legen die Mitglieder der Organi-
sation weltweit ein hohes Ma� an Einfallsreichtum an den Tag.  Mit viel-
f�ltigen Aktionen - von der Einladung zum Morgenkaffee bis hin zur
Veranstaltung von Gro�konzerten - tragen sie zur St�rkung der finan-
ziellen Basis von amnesty international bei.

Die venezolanische Sektion hat 1994 ein langfristig angelegtes Programm
der Finanzbeschaffung ins Leben gerufen.  Dessen erste Phase bestand
darin, durch eine intensive Medien- und �ffentlichkeitsarbeit den Be-
kanntheitsgrad von amnesty international zu steigern.  In Rundfunk- und
Fernsehinterviews sowie in Anzeigen in Tageszeitungen und Magazinen
wurde die Bev�lkerung �ber die Arbeit von amnesty international infor-
miert.  In den gr��eren St�dten des Landes mietete die Sektion Plakat-
w�nde an, die sie mit dem Slogan "Wir verteidigen Leben - amnesty inter-
national" beklebte.

Die venezolanische Sektion ist zuversichtlich, da� sich der erh�hte Be
kanntheitsgrad im Ergebnis einer von ihr f�r 1995 geplanten Direct-mail-
Kampagne niederschlagen wird.  Die Gelder, die sie einzunehmen er-
hofft. sollen zum Teil der Vorbereitung weiterer Initiativen der Finanzbe-
schaff ung dienen. zum Teil werden sie direkt in die Menschenrechtsarbeit
der Organisation einflie�en.  Die venezolanische und britische Sektion
haben 1994 einen zeitweiligen Austausch ihrer f�r Finanzbeschaffung zu-
st�ndigen MitarbeiterInnen vereinbart, ein Beispiel f�r die Zusammenar-
beit zwischen den ai-Sektionen. wie sie im Berichtszeitraum auf verschie-
denen Ebenen stattgefunden hat.

Die �rtliche ai-Gruppe im slowakischen Bratislawa hat am Tag der Men-
schenrechte selbstkonzipierte Weltp�sse verkauft und dadurch betr�cht-
liche Einnahmen erzielt.  In Hongkong beteiligten sich zahlreiche Men-
schen an einem Wohlt�tigkeitsmarsch, zu dem die dortige Sektion unter
dem Motto "Die Suche nach den "Verschwundenen"" aufgerufen hatte. Eine ai- 
Gruppe auf den Bahamas hat Mittel aufgebracht, indem sie eine
Tauchexpedition organisierte.

Der Erfolg der Kampagnen und Aktionen von amnesty international ge-
gen Menschenrechtsverletzungen h�ngt entscheidend von dem Einfalls-
reichtum ihrer Mitglieder ab.  Die japanische Sektion beispielsweise hat
anl��lich des 45.  Jahrestages der Unterzeichnung der Allgemeinen Erkl�-
rung der Menschenrechte alle 45j�hrigen Japaner und Japanerinnen auf-
gerufen, sich amnestv international anzuschlic�cn und sich an der Kam-
pagne gegen "Verschwindenlassen" und politischen Mord durch ihre Un-
terschrift unter Petitionen oder durch das Versenden von Appellschrei-
ben zu beteiligen.  Eine ebenso phantasiereiche Aktion hat die brasiliani-
sche Sektion mit ihren �Botschaftern der Hoffnung� auf die Beine ge-
stellt.

Auf die Menschenrechtskrisen der Welt haben die Mitglieder von amne-
sty international im Berichtszeitraum mit aufopferungsvollem Engage-
ment reagiert.  In den meisten Sektionen wurden enorme Anstrengungen
unternommen. um die �ffentlichkeit �ber das verzweifelte Schicksal der
Menschen in Burundi und Ruanda zu informieren.  Insbesondere die afri-
kanischen Sektionen haben unerm�dlichen Einsatz an den Tag gelegt. Die  
Mitglieder in Ghana haben ihre Aktivit�ten auf die Lobbyarbeit ge-
gen�ber ihrer eigenen Regierung konzentriert und unter anderem in den
Ministerien das 15-Punkte-Programrm von amnesty international zur
Durchsetzung der Menschenrechte im Rahmen internationaler friedens-
erhaltender Operationen in Umlauf gebracht (siehe Anhang 1).  In Cote
d'Ivoire wurde eine Plakatierungskampagne mit der Botschaft "Heute ist
es Ruanda! Und morgen?" organisiert.

Zehntausende Menschen, die sich an den Eilaktionen, den "Urgent Ac-
tions", wie sie international hei�en, beteiligen, haben im Berichtsjahr in
Appellen an Regierungen drohende Folterungen, Hinrichtungen und an-
dere schwere Menschenrechtsverletzungen abzuwenden versucht.  Sie ha-
ben in Briefen, Telefonaten oder Telefaxen zugunsten Hunderter Perso-
nen interveniert, die von Menschenrechtsverletzungen gef�hrdet waren
oder Menschenrechtsverletzungen erlitten hatten.

Grundlage der Aktivit�ten und Kampagnen von amnesty international
bilden Informationen, die die Mitarbeiter des Internationalen Sekreta-
riats der Organisation in London sorgf�ltig recherchiert und analysiert
haben und die �ber das Eilaktions-Netz im monatlichen Amnesty Interna-
tional Newsletter, in Publikationen und Kampagnenmaterialien an die
Mitgliedschaft und die �ffentlichkeit verbreitet werden.

Im Berichtsjahr hat amnesty international Trainingsseminare veranstal-
tet, deren Intention es war, eine effektive Nutzung der umfangreichen
Informationen und eine St�rkung der Kampagnenf�higkeit der Mitglied-
schaft voranzubringen.  Auf dem afrikanischen Kontinent fand 1994 erst-
mals ein Workshop f�r die in den dortigen Gruppen und Sektionen f�r
den Trainingsbereich Verantwortlichen statt.  An dem in Ghana veran-
stalteten Seminar, das f�nf Tage dauerte, beteiligten sich TeilnehmerIn-
nen aus Gambia, Ghana, Nigeria, Sambia, Sierra Leone und S�dafrika. Auf  
dem Treffen wurde ein Trainingsprogramm erarbeitet, das unter an-
derem auf die Region zugeschnittene Vorschl�ge f�r Finanzbeschaffungs-
aktivit�ten enth�lt.

Die Workshops tragen den speziellen W�nschen und Bed�rfnissen der
TeilnehmerInnen Rechnung.  Die Mitglieder von amnesty international
in Ost- und Mitteleuropa beispielsweise haben aufgrund des geringen Be-
kanntheitsgrades der Organisation in der Region gr��te M�he, neue Mit-
streiter zu gewinnen und die f�r ihre Arbeit notwendigen Mittel aufzu-
bringen.  Auf einem regionalen Workshop im Juni in Bulgarien, an dem
Vertreter von amnesty international aus 13 L�ndern teilnahmen, wurde
dieses Problem eingehend er�rtert und L�sungsvorschl�ge erarbeitet.
Das R�ckgrat von amnesty international bildet eine informierte und en-
gagierte Mitgliedschaft in den unterschiedlichsten L�ndern der Welt, die
die Botschaft der Organisation weitertragen.  Diese Botschaft ist so �ber-
zeugend wie einfach: Jeder Mensch �berall auf der Welt hat das Recht auf
Wahrung seiner grundlegenden Menschenrechte.  Die Mitglieder von am-
nesty international werden nicht nachlassen, ihre Arbeit effizienter und
noch �berzeugender zu gestalten, um sicherzustellen, da� die Botschaft
der Organisation rund um den Erdball noch deutlicher als bisher vernom-
men wird.


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Aus: ai-Jahresbericht 1995
(c) amnesty international 1995

Verbreitung nur mit Genehmigung von amnesty international.

amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V.
Nationales Sekretariat, 53108 Bonn  (Heerstrasse 178,  53111 Bonn)
Telefon (02 28) 9 83 73-0, Telefax (02 28) 63 00 36 - Spendenkonto
80 90 100 bei allen Banken, Sparkassen sowie dem Postgiroamt Koeln
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ai-de@amnesty.cl.sub.de
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