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1 total messages Started by Guido Gabriel Thu, 02 Jan 1997 00:00
ai/FAQ: Research bei ai
#35
Author: Guido Gabriel
Date: Thu, 02 Jan 1997 00:00
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amnesty international                                          FAQ
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Research bei amnesty international
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Sorgf�ltig recherchiert, gewissenhaft gepr�ft


Etwa 50 sogenannte Researcher arbeiten im Internationalen Sekretariat von  
amnesty international in London. In Teams ermitteln sie  
Menschenrechtsverletzungen in "ihrer" Region (regional programs). Jedes  
Research-Team besteht aus drei bis f�nf Ermittlern und einer etwa gleich  
gro�en Zahl an "Campaignern", die die Forschungsergebnisse in  
Mitgliederaktionen umsetzen. Die Teams der Subregionen sind zu  
Gro�regionen zusammmengefa�t, die von einem Programmdirektor geleitet  
werden (program director).

Die jeweilige L�nderstrategie wird nicht von den einzelnen Mitarbeitern  
festgelegt, sondern in Besprechungen mit anderen Abteilungen - etwa denen  
f�r �ffentlichkeitsarbeit oder Mitgliedschaft und dem Generalsekret�r. F�r  
juristische Fragen steht ebenfalls Beratung zur Verf�gung.

Viele Details machen gute Ermittlungsarbeit aus. Researcher lesen  
Tageszeitungen und politische Magazine aus "ihren" L�ndern, sie erhalten  
Informationen von Nichtregierungsorganisationen, Journalisten oder  
Rechtsanw�lten, die sie in der Region kennen. Auch Hilferufe von Opfern  
gehen st�ndig ein, manchmal in der - leider nicht immer realistischen -  
Hoffnung, ai k�nnte Regierungen sofort zwingen, auf die Organisation zu  
h�ren. Oft m�ssen die Ermittler dann schnell handeln: Informationen m�ssen  
gepr�ft und bei anderen Quellen gegenrecherchiert werden. Manchmal gen�gt  
ein Anruf, von dem man wei�, da� er abgeh�rt wird, um das Schlimmste zu  
verhindern: Die Tatsache, da� amnesty international zu einer  
Menschenrechtsverletzung ermittelt, kann Offizielle manchmal bremsen und  
Opfern Schutz erm�glichen. Werden schnelle Massenproteste als sinnvoll  
erachtet, werden Eilaktionen - Urgent Actions - gestartet. Mitunter  
erscheinen andere Protestformen effizienter.

Wichtig ist das Verfassen von L�nderdokumentationen oder Kapiteln anderer  
Ver�ffentlichungen, etwa des Jahresberichts. Mit Hilfe eines  
ausgekl�gelten Systems werden die Berichte intern mehrfach auf ihren  
Wahrheitsgehalt und die Zuverl�ssigkeit der benutzten Informationen hin  
kritisch �berpr�ft.

Die Informationsbeschaffung erfolgt zudem nat�rlich durch  
Ermittlungsdelegationen in das Zielland. In der Regel versuchen die ai- 
Ermittler, zwei bis drei Wochen pro Jahr in "ihrem" Land  
Menschenrechtsverletzungen zu recherchieren. L�ngere Delegationen sind zur  
Zeit in der Diskussion. Die Researcher sprechen mit Opfern, Anw�lten,  
Angeh�rigen oder auch Vertretern von Nichtregierungsorganisationen. Alle  
Reisen werden den Regierungen zuvor bekanntgegeben. Manchmal wird um ein  
Gespr�ch mit den Machthabern ersucht, gelegentlich dient die Reise der  
Beobachtung politischer Prozesse.

Die wenigsten Regierungen begr��en die "Besuche" von ai-Mitarbeitern, aber  
im Normalfall wird die Einreise und Forschungsarbeit genehmigt. Viele  
Regierungen schauen sich wahrscheinlich umgehend nach geeigneten  
Beschattern um. In einigen wenigen Staaten - etwa Birma oder China - wird  
ai-Ermittlern die Einreise verweigert. amnesty international startet dann  
keine Under-Cover-Delegationen, sondern konzentriert sich auf andere  
Quellen: Menschenrechtler vor Ort etwa oder Fl�chtlinge, die das Land  
verlassen haben.

Im Bewu�tsein, da� solche Delegationen ai viel Geld kosten, verl�ngern die  
Researcher ihre anstrengenden Arbeitstage meist bis in die Abendstunden.  
Oft spricht es sich herum, da� amnesty international im Land ist: Dann  
kann man sich vor dem Andrang der Menschen, die ihre Anliegen an die  
Organisation herantragen wollen, kaum retten. Einige politische Gruppen  
versuchen zudem, die ai-Mitarbeiter vor ihren Parteikarren zu spannen. Die  
amnesty-Ermittler pr�fen jedoch gerade in kritischen Situationen besonders  
sorgf�ltig bei der Gegenseite und betonen gegen�ber allen  
Gespr�chspartnern, da� sie politisch neutral und allein am Einsatz f�r die  
Menschenrechte interessiert sind.

Solche Reisen k�nnen auch dazu dienen, den Kontakt zur Presse im Land  
aufzubauen. Journalisten sind ma�geblich an der Meinungsbildung beteiligt,  
und es ist sinnvoll, sie f�r die Idee der Menschenrechte zu gewinnen. Sie  
k�nnen neben Menschenrechtserziehung auch wichtige Recherche-Arbeit  
leisten.

Das auf Delegationsreisen gesammelte Material - Zeugenaussagen,  
Gerichtsakten, medizinische Atteste, Notizen, B�cher und Berichte - werden  
meist innerhalb eines halben Jahres aufgearbeitet und in Dokumentationen  
und Aktionen umgesetzt. Es kann auch vorkommen, da� Delegationen noch aus  
dem Land heraus eine Eilaktion initiieren oder eine Pressekonferenz  
abhalten.

Die Mitarbeiter des Internationalen Sekretariats stellen meist den Kern  
der ai-Delegationen, doch auch Kogruppenmitglieder aus den Sektionen  
werden zunehmend beteiligt. So waren etwa deutsche L�nderexperten bereits  
mit Delegationen in Australien, Peru oder der T�rkei.

Angelika Pathak



Die Autorin, in den achtziger Jahren Mitglied der Bangladesch-Kogruppe in  
Deutschland, arbeitet seit Juli 1991 als "Researcherin" im Internationalen  
Sekretariat in London zu den L�ndern Pakistan und Bangladesch.




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Aus: ai-Journal Oktober 1995
(c) amnesty international 1995

Verbreitung nur mit Genehmigung von amnesty international.

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