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Fri, 01 Dec 1995 00:00
ai/Journal: UNO Weltfrauenkonferenz - Aktionen mit viel Aufmerksamkeit
Author: Guido Gabriel
Date: Fri, 01 Dec 1995 00:00
Date: Fri, 01 Dec 1995 00:00
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------------------------------------------------------------------ amnesty international AI-JOURNAL ------------------------------------------------------------------ 11/95 - peking.doc UNO-Weltfrauenkonferenz Aktionen mit viel Aufmerksamkeit Auf der Weltfrauenkonferenz der UNO und dem Forum der Nichtregierungsorganisationen in Peking im September gelang es amnesty international und anderen Organisationen, den Menschenrechtsaspekt in die Veranstaltungen einzubringen. "Was macht Ihr hier", fragte eine junge chinesische Freiwillige w�hrend des Forums der Nichtregierungsorganisationen (NGO-Forum), als ai- Delegierte den Geburtstag der inhaftierten �rztin und Schriftstellerin Ma Thida aus Myanmar (Birma) feierten. Mit Trommlerinnen und zwei riesigen Torten sowie Geburstagsbr�uchen aus Lateinamerika und China machten sie auf das Schicksal von Ma Thida aufmerksam. Ma Thida ist wegen ihrer politischen Aktivit�ten und ihrer Freundschaft zu Aung San Suu Kyi zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Die ai-Vertreter forderten ihre bedingungslose Freilassung - sehr zum Erstaunen der Beobachterin. Die Weltfrauenkonferenz und das dazugeh�rige NGO-Forum mit seinen knapp 30.000 Teilnehmerinnen bot ai die Gelegenheit, das erste Mal offiziell nach China einzureisen. Vertreter der Organisation nutzten die Gelegenheit, auf Menschenrechtsverletzungen an Frauen, auch in China, hinzuweisen. Schon am ersten Tag des Forums marschierten ai-Aktivistinnen vor das Plenargeb�ude, ausgestattet mit Plakaten und einer W�scheleine, an der T-Shirts hingen. Diese beschrieben Menschenrechtsverletzungen an Frauen und konkrete F�lle aus verschiedenen L�ndern, darunter aus China. Die Aktion war die erste �ffentliche Kundgebung des Forums und wurde von chinesischer Seite genau beobachtet und gefilmt. Behindert oder unterbrochen wurde sie aber nicht. Das Gel�nde des NGO-Forums war zu UNO- Territorium erkl�rt worden. F�r Demonstrationen stand ein kleiner Platz zur Verf�gung. Chinafeindliche Aktionen waren verboten. Was das genau hei�en sollte, wu�te allerdings niemand. Die ai-Aktion war der erste Schritt der Nichtregierungsorganisationen, sich das Forum-Gel�nde zu eigen zu machen. Schon tags zuvor hatte amnesty eine Pressekonferenz veranstaltet. Dabei hatte Generalsekret�r Pierre San� die ai-Forderungen an die Konferenz sowie Menschenrechtsanliegen zur Volksrepublik China vorgetragen. Trotz erfolgreicher Aktionen setzten sich die Schwierigkeiten, die sich den Nichtregierungsorganisationen schon vor Beginn der Konferenz stellten, setzten sich in China fort. Es ist unklar, wieviele Frauen nicht nach Peking kommen konnten, weil sie nicht rechtzeitig die f�r ein Visum n�tigen Unterlagen bekamen - einige tausend waren es bestimmt. Auch gab es Probleme der Kommunikation, des Transports und vor allem der Sicherheit. Unz�hlige chinesische Sicherheitskr�fte, die mehr Unsicherheit als Sicherheit verbreiteten, beobachteten, fotografierten und filmten vor allem Veranstaltungen von Menschenrechtsorganisationen, von Lesben und von behinderten Frauen. Besonders betroffen war eine kleine Delegation von Exiltibeterinnen, die auf Schritt und Tritt beobachtet, eingesch�chtert und bedroht wurden. Exiliranerinnen wurden von der gro�en iranischen Delegation beschimpft und bedroht, Sudanesinnen sagten auf Druck offizieller Vertreter ihres Landes eine Veranstaltung ab. Kein r�hmliches Bild bot das f�r das Forum verantwortliche Organistionskomitee, das sich nur mangelhaft gegen die Eingriffe in die Meinungs- und Versammlungsfreiheit von NGO-Teilnehmerinnen zur Wehr setzte. Erstaunlich war aber auch die Reaktion so mancher Betroffener: Offensichtlich schienen sich viele in ihrer Begeisterung, es nach China geschafft zu haben, mit den Schwierigkeiten abzufinden. Nordamerikanerinnen und Europ�erinnen beschwerten sich mehrfach �ber die Sicherheitsvorkehrungen. Andere f�hlten sich nicht beeintr�chtigt: Ein Schweigemarsch der "Frauen in Schwarz" (eine Bewegung gegen Militarismus und Gewalt gegen Frauen) wurde von einem Polizisten aufgehalten. Die Organisatorinnen, eine asiatische Frauenbewegung, erkl�rten den Marsch als beendet, nicht f�r unterbrochen. amnesty international hatte einen Platz f�r einen Infostand gesucht. Das zugewiesene Zelt befand sich am Ende des Gel�ndes, doch es gelang, Tische im Hauptzelt zu mieten. So konnten ai-Vertreter ungest�rt Informationsmaterial - auch in chinesischer Sprache - verteilen und Unterschriften f�r verfolgte Frauen sammeln, auch f�r die inhaftierte chinesische Journalistin Gao Yu und f�r die tibetische Nonne Phuntsog Nyidron. Viel Material wird durch offizielle Kan�le wandern. Offen ist aber, welche Wirkung dieses Material und das vieler anderer Organisationen auf die zahlreichen jungen chinesischen Freiwilligen haben wird, die mit Begeisterung Flugbl�tter und Brosch�ren gesammelt haben. Dar�ber hinaus beteiligten sich ai-Vertreter an diversen Veranstaltungen. Pierre San� war einer von drei Richtern eines internationalen Tribunals, das von den Vereinten Nationen und der internationalen Staatengemeinschaft angesichts massiver Menschenrechtsverletzungen an Frauen Rechenschaft forderte. Beeindruckend waren die t�glichen Veranstaltungen im australischen Frauenzirkus. Die Mitarbeiterinnen stellten in einer 40min�tigen Performance zehn Appellf�lle der ai-Kampagne gegen Menschenrechtsverletzungen an Frauen dar. Die Regierungskonferenz mit etwa 17.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verabschiedete nach langen Verhandlungen das Schlu�dokument, die Aktionsplattform - den zur Zeit m�glichen Konsens von mehr als 180 Staaten zu Themen wie Gewalt an Frauen, Gesundheit, die Feminisierung von Armut, und den Rechten von M�dchen. Es erf�llt alle Forderungen, die ai an die Weltkonferenz gestellt hatte. Es war das erste Mal �berhaupt, da� bei einer Weltfrauenkonferenz von Menschenrechten gesprochen worden ist. Die Universalit�t und Unteilbarkeit aller Menschenrechte wurde dabei bekr�ftigt. Spannungen ergaben sich aus dem Konflikt zwischen individuellen Rechten von Frauen und dem Wunsch, Frauen in kulturell und religi�s definierte Rollen zu pressen. Die Bruchlinie verlief nicht, wie vielleicht erwartet, zwischen Nord und S�d, sondern zwischen fundamentalistischen und nicht- fundamentalistischen Staaten. Die internationale Frauenbewegung hat sich in den letzten Jahren professionalisiert. Viele Expertinnen und Lobbyistinnen waren angereist, die sich nicht mehr als Bittstellerinnen pr�sentierten, sondern die ihnen zustehende Rechte einforderten. Dazu geh�rt die Freiheit von Gewalt im privaten wie �ffentlichen Raum. Gewalt an Frauen, f�r die der Staat direkt verantwortlich ist, wird im Schlu�text verurteilt. Auch die Verpflichtung, die Verantwortlichen vor Gericht zu bringen und die Opfer zu entsch�digen, ist enthalten. Wie im internationalen Recht auch wird die Vergewaltigung von Frauen in bewaffneten Konflikten als Menschenrechtsverletzung bezeichnet. Die Rechte von Aktivistinnen werden garantiert: keine Frau, die sich f�r Frauen- und Menschenrechte engagiert, darf wegen dieser Aktivit�ten bel�stigt, eingesch�chtert oder verhaftet werden. Ein weiterer Erfolg der Konferenz ist die explizite Erw�hnung der Rechte von M�dchen, inklusive ihrer Erbrechte, das Recht auf Bildung - unter Ber�cksichtigung des Rechts auf Gedanken-, Gewissens-, und Religionsfreiheit. Urspr�nglich war von Bildung auf der Basis "moralischer und religi�ser Werte" gesprochen worden. Das Schlu�dokument spricht allen Paaren und Individuen das Recht zu, frei und verantwortungsbewu�t �ber die Anzahl ihrer Kinder, den Zeitpunkt und Abstand zwischen Geburten zu entscheiden. Erstmals festgeschrieben wurde das Recht von Frauen, frei �ber ihre Sexualit�t ohne Zwang, Diskriminierung und Gewalt zu entscheiden. Zu einem Hinweis auf sexuelle Orientierung konnten sich die Staaten aber nicht durchringen. "Frauenrechte sind Menschenrechte", hie� es immer wieder. Was dieser mittlerweile �berbeanspruchte Slogan wirklich bedeutet und welchen Erfolg die Konferenz wirklich hat, wird an konkreten Ma�nahmen zur F�rderung der Menschenrechte von Frauen gemessen werden. F�r zuk�nftige UNO-Konferenzen stellt sich zudem die Frage nach der Beziehung zwischen den nichtstaatlichen Organisationen und den Regierungen. Werden die Organisationen als vollwertiger Teil der Gesellschaft akzeptiert oder kann man ihre Stimmen ungestraft zum Schweigen bringen? amnesty international jedenfalls hat die Bedeutung der Frauenrechte erkannt. Pierre San� steckte in der Pressekonferenz zum Ende der Konferenz die Ziele der Organisation klar ab: "Unsere Teilnahme an dieser Weltfrauenkonferenz hat unsere �berzeugung best�rkt, da� Menschenrechtsverletzungen an Frauen besser identifiziert, dokumentiert, ver�ffentlicht und umgehend beendet werden m�ssen." Sylvia Hordosch Die Autorin arbeitet in der �sterreichischen ai-Sektion zu Menschenrechtsverletzungen an Frauen und war als offizielle Delegierte f�r amnesty international w�hrend der UNO-Weltfrauenkonferenz in Peking. ------------------------------------------------------------------ Aus: ai-Journal November 1995 (c) amnesty international 1995 Verbreitung nur mit Genehmigung von amnesty international. Redak- tion: Harald Gesterkamp (hgesterk@amnesty.cl.sub.de, Telefon 0228/ 98373-46). amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V. Nationales Sekretariat, 53108 Bonn (Heerstrasse 178, 53111 Bonn) Telefon (02 28) 9 83 73-0, Telefax (02 28) 63 00 36 - Spendenkonto 80 90 100 bei allen Banken, Sparkassen sowie dem Postgiroamt Koeln ------------------------------------------------------------------ ai-de@amnesty.cl.sub.de
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