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1 total messages Started by Guido Gabriel Sun, 27 Oct 1996 00:00
ai/Journal: FOLTER ai und Zentren fuer Folteropfer
#20
Author: Guido Gabriel
Date: Sun, 27 Oct 1996 00:00
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amnesty international                                   AI-JOURNAL
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9/96 - behandl.doc



Enge Kooperation

Zwischen amnesty international - speziell den bei ai organisierten  
Medizinern, Psychologen und Pflegern - und den Zentren f�r Folteropfer  
besteht seit Jahren eine inhaltliche und personelle Zusammenarbeit. Denn  
in den Zentren findet eine folgerichtige Fortsetzung der ai-Arbeit statt.



Im ai-Bundesarbeitskreis Medizin-Psychologie-Pflege, der etwa 2000  
Mitglieder hat, sind auch die Psychosozialen Zentren f�r Fl�chtlinge und  
die Behandlungszentren f�r Folteropfer vertreten. Das Anliegen des  
Arbeitskreises ist zum einen die aktive Unterst�tzung von weltweit  
verfolgten, inhaftierten und gefolterten Berufskollegen, die aus ihrer  
ethischen Verpflichtung heraus Opfer politischen Terrors unterst�tzt,  
versorgt und behandelt haben oder daran durch Drohungen und Gewalt  
gehindert wurden. Au�erdem deckt der Arbeitskreis in seinen Aktionen die  
indirekte Verwicklung und direkte Beteiligung von �rzten, Psychologen und  
anderen Heilberuflern an Mi�handlungen, Folterungen, Menschenversuchen,  
Hinrichtungen, Organentnahmen bei Hingerichteten auf.

Arbeitskreis und Behandlungseinrichtungen sind eng in das "International  
Health Professionals Network" von amnesty eingebunden. So werden  
gemeinsame Aktionen gegen Verhaftungen und Verurteilungen von  
Berufskollegen in anderen Behandlungszentren der Welt organisiert. In  
j�ngster Zeit wurden etwa Kollegen von Behandlungszentren f�r Folteropfer  
in der T�rkei vor Gericht gestellt. Der Arbeitskreis hat zusammen mit  
einem deutschen Behandlungszentrum die Proze�beobachtung sichergestellt.  
Durch die internationale Zusammenarbeit von amnesty vor allem mit den  
bedrohten und verfolgten Kollegen in den gef�hrdeten Behandlungszentren  
der Welt sind in einigen F�llen Patenschaften entstanden, die gute Schutz-  
und Krisenmechanismen bilden.

In den Zentren findet die Arbeit von amnesty international eine  
folgerichtige und pragmatische Fortsetzung: Fachlich hochqualifizierte  
�rzte, Psychologen oder Psychotherapeuten, Sozialarbeiter,  
Physiotherapeuten, Dolmetscher und viele andere leisten Beratungs- und  
Behandlungsarbeit f�r schwertraumatisierte Fl�chtlinge, speziell f�r  
Folteropfer. Die daraus gewonnenen umfangreichen Erfahrungen flie�en nicht  
nur in den ai Arbeitskreis Medizin-Psychologie-Pflege ein. Sie f�hren auch  
zu R�ckschl�ssen �ber Ver�nderungen oder eine Zunahme von k�rperlichen und  
psychischen Foltermethoden in den jeweiligen Herkunftsl�ndern der  
Fl�chtlinge und regen schlie�lich auch dazu an, Konzepte zur Behandlung  
von Folterfolgen auszutauschen und gemeinsame Studien und  
Forschungsprojekte durchzuf�hren.

Besonders hilfreich und effektiv haben regionale amnesty-Gruppen dazu  
beigetragen, die medizinsich-psychologische, forensische und  
psychiatrische Gutachtert�tigkeit in den Behandlungseinrichtungen mit  
Hintergrundinformationen �ber die betroffenen L�nder und Ethnien zu  
versorgen.

Einige der Klienten und Patienten waren w�hrend ihrer Inhaftierung von  
amnesty betreut worden. Nach ihrer Entlassung wurden sie von amnesty- 
Mitarbeitern in die hiesigen Behandlungseinrichtungen vermittelt, weil sie  
auff�llige Beeintr�chtigungen ihrer Gesundheit zeigten.

F�r die meisten Fl�chtlinge, die Verfolgung und Folter in der Heimat  
entkommen konnten, bedeutet das Exil neue und fortgesetzte  
Traumatisierung: Trotz der erlittenen Mi�handlungen wird ihr Asylbegehren  
oft als "unbeachtlich" oder "offensichtlich unbegr�ndet" abgelehnt. Die  
angezweifelte Glaubw�rdigkeit ihres Schicksals, der Verlust kultureller  
Bindungen, der Dauerstre� in der fremden und ungesicherten Situation des  
Exils und das Leiden unter posttraumatischen Belastungsst�rungen wie  
Depressionen, E�st�rungen, psychosomatische Erkrankungen, Phobien und  
anderes mehr l��t viele Opfer verzweifeln. Hinzu kommt die Angst vor  
Abschiebung und davor, im Heimatland wieder in die H�nde der Folterer zu  
geraten. Die "Sicherheitsdienste" warten schon am Flughafen.

F�r traumatisierte Fl�chtlinge und Folteropfer kann eine solche  
Exilsituation zum unertr�glichen Mehrfachtrauma werden; die Folter  
�berlebt zu haben, erscheint ihnen im nachhinein sinnlos und paradox. So  
besteht ein hohes Selbstt�tungsrisiko f�r die Menschen, die gerade der  
totalen Lebensbedrohung entkommen sind und nun in dem Land, das f�r sie  
der rettende Strohhalm war, mit einem fortgesetzten Leben in Angst,  
Unsicherheit und Ablehnung konfrontiert werden.

Die medizinisch-psycho-soziale Behandlung der Folterfolgen kann Jahre in  
Anspruch nehmen. Eine "Heilung" von derart extremen Erfahrungen im  
klassischen Sinn ist kaum zu erwarten. Um so w�nschenswerter ist es, die  
Zusammenarbeit von Heilberuflern und amnesty international zu verst�rken,  
um die problematische Situation der Betroffenen zu erleichtern. Viele der  
bei amnesty engagierten Heilberufler suchen fundierte Weiterbildung f�r  
die Behandlung von Folteropfern. Als Niedergelassene, in Kliniken oder  
sozialen Einrichtungen k�nnen sie helfen, mi�brauchten, vergewaltigten und  
gefolterten Menschen Sinn und Selbstachtung zur�ckzugeben.

Norbert F. Gurris



Der Autor ist Sprecher der Psychologen im Arbeitskreis Medizin/Psychologie/ 
Pflege von amnesty international und arbeitet als klinischer Psychologe  
und Psychotherapeut im Berliner Behandlungszentrum f�r Folteropfer





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Aus: ai-Journal September 1996
(c) amnesty international 1996

Verbreitung nur mit Genehmigung von amnesty international.  Redak-
tion: Harald Gesterkamp (hgesterk@amnesty.cl.sub.de, Telefon 0228/
98373-46).

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