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Started by Guido Gabriel
Sat, 06 Jan 1996 00:00
ai/Journal: ANGOLA Interview mit Mario Paiva
Author: Guido Gabriel
Date: Sat, 06 Jan 1996 00:00
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------------------------------------------------------------------ amnesty international AI-JOURNAL ------------------------------------------------------------------ 01/96 - angola.doc ANGOLA Interview mit Mario Paiva Kontrolle und Zensur Mario Paiva ist freier Journalist in Angola. Er arbeitet unter anderem f�r die Nachrichtenagentur Reuters, f�r Channel Africa, das portugiesische Radio und unabh�ngige Medien in seinem Land. Er geh�rt zu den Gr�ndern des in Windhuk ans�ssigen Medieninstituts f�r das s�dliche Afrika (Misa). Er ist au�erdem Mitbegr�nder der unabh�ngigen Journalistengewerkschaft Angolas (SJA) Gemma P�rzgen sprach f�r das ai-Journal mit Mario Paiva in Frankfurt am Main. ai-Journal: Gibt es heute in Angola unabh�ngige Medien? Mario Paiva: Ja, es gibt sie, aber wir m�ssen jeden Tag aufs Neue darum k�mpfen. Die angolanische Regierung ist der Presse- und Meinungsfreiheit immer noch feindlich gesinnt. Bis heute ist der Mord an meinem Kollegen Ricardo de Melo vom Januar 1995 nicht aufgekl�rt. Es gab keine seri�se Untersuchung der Polizei zu dem Fall. Viele meiner Kollegen verlassen das Land. Es gibt immer noch den Minister f�r Information, der �ber alles wacht, das ver�ffentlicht wird. Die meisten Medien sind unter staatlicher Kontrolle und werden zensiert. Deshalb ist es sehr schwer, unabh�ngige Medien zu starten. Au�erdem mu� man genug Geld zur Verf�gung haben. Papier wird schlie�lich importiert. Sie sprechen von Zensur. Wie gehen die Beh�rden dabei vor? Vor ein paar Wochen habe ich mit Anabela Cadete ein Interview gef�hrt. Sie geh�rt zur F�hrung der unabh�ngigen Lehrergewerkschaft. Sie hat mir folgendes erz�hlt: Vor einigen Monaten rief die Gewerkschaft einen gro�en Streik in der Hauptstadt Luanda aus und forderte die Erh�hung der Lehrergeh�lter. Die staatlichen Medien, Fernsehen und Radio, berichteten dar�ber nicht. Die Journalisten sagten Cadete, es sei ihnen nicht erlaubt, da der Streik die nationale Sicherheit und die nationalen Interessen gef�hrde. Sie machten nur ein paar Interviews mit einigen Schulkindern, aber nicht mit den Lehrern. Cadetes Fall ist ein gutes Beispiel f�r Manipulation. In einem anderen Fall ver�ffentlichte die Regierung eine Presseerkl�rung, in der es hie�, UNITA-Truppen h�tten in den Diamentengebieten im Osten des Landes K�mpfe begonnen. Nach ein paar Tagen widersprachen die Vereinten Nationen der Behauptung, es habe K�mpfe gegeben. Das sind nur zwei Beispiele von vielen. Was soll passieren, damit der Journalismus freier wird? Wir fordern eine Verfassungs�nderung zum Status der Medien. Nach dem Willen unabh�ngiger Journalistenorganisationen sollen alle Medien einen �ffentlich-rechtlichen Charakter erhalten. Wir sind nicht damit einverstanden, da� die Regierung Direktoren f�r das Fernsehen oder den Rundfunk ernennt. Welche Rolle spielt die Behinderung der Medienarbeit f�r den Friedensproze� in Angola? Nach dem Lusaka-Protokoll soll die Regierung den Pluralismus, die nationale Vers�hnung und die Toleranz f�rdern. Die staatlichen Medien tun also nicht das, was sie eigentlich tun sollten. Ich erinnere mich an ein schlimmes Beispiel im nationalen Rundfunk vor etwa zwei Jahren. Da fingen sie eine Kampagne an gegen Leute aus dem Norden Angolas und aus Zaire, die den Pr�sidenten attackiert hatten. Staatliche Journalisten machten daraus einen ethnischen Konflikt. Wie w�rden Sie denn die gegenw�rtige politische Lage beschreiben? Bei der Geberkonferenz in Br�ssel war es erstaunlich, die politischen Rivalen Savimbi von der UNITA und Pr�sident dos Santos gemeinsam auftreten zu sehen. Steht dieses Bild f�r ein neues Angola? Der gemeinsame Besuch in Br�ssel ist eine gute Entwicklung. Beide Politiker haben sich dem angolanischen Friedensproze� verpflichtet. Aber die Situation in Angola wird sich nicht von heute auf morgen ver�ndern. Wir haben eine UNO-Schutztruppe mit 7000 Soldaten im Land, die den Friedensproze� �berwachen soll. Das wird dauern. Und es wird sehr lange dauern, bis es gelingt, eine Regierung der nationalen Vers�hnung zu schaffen. Wo liegen die Schwierigkeiten denn genau? Die nichtstaatlichen Organisationen sind in den Proze� viel zu wenig eingebunden. Au�erdem gibt es sehr viele Streiks mit der Forderung nach h�heren L�hnen, die es erschweren. Das Land braucht deshalb sehr viel Unterst�tzung durch die Geberl�nder. Inwiefern ist die Entwicklung in S�dafrika mit einer Regierung der nationalen Einheit beispielhaft f�r Angola? Nur wenig. Wir hatten schlie�lich einen langen B�rgerkrieg mit vielen Toten. Wir m�ssen wegkommen von der politischen Bipolarisierung unserer Gesellschaft. Vor allem m�ssen wir verhindern, da� die beiden k�mpfenden Parteien den Krieg fortsetzen und den friedlichen Wandel zur Demokratie stoppen. Sie erw�hnten den Fall Ricardo de Melo. Wie ist der Stand der Untersuchungen in diesem Mordfall? Der neue Kommandant der Nationalpolizei trat k�rzlich im Fernsehen auf und sagte, selbst die besten Polizisten k�nnten nicht jeden Fall l�sen. Die Leute sollten deshalb nicht zu hohe Erwartungen an diese Untersuchung richten. Das hei�t, die Geschichte ist f�r die Polizei gelaufen. Sehen Sie noch eine M�glichkeit herauszufinden, was geschehen ist? Ricardo de Melo war ein wirklich unabh�ngiger Journalist. Er hat die Regierung und die UNITA kritisiert. Alle Journalisten in Angola glauben, da� es ein politischer Mord war. Gemma P�rzgen ist Redakteurin der Frankfurter Rundschau und Vorstandssprecherin der Organisation "Reporter ohne Grenzen". Kastentext: Langsamer Fortschritt Der Friedensproze� in Angola kommt nur schleichend voran. Doch nach jahrelangem B�rgerkrieg mit mehreren zehntausend Toten besteht Hoffnung, da� die Waffen diesmal ruhen k�nnten. Schon 1991 hatten die bewaffneten Rebellen der UNITA - im den Jahren des Kalten Krieges wurden sie von S�dafrika und den USA unterst�tzt - und die fr�her von Kuba milit�risch gest�rkte Regierung ein Friedensabkommen unterzeichnet. Nachdem bei den Pr�sidentschaftswahlen vom September 1992 der Regierungskandidat Eduardo dos Santos wiedergew�hlt wurde, akzeptierte die UNITA unter ihrem F�hrer Jonas Savimbi das Ergebnis nicht und kehrte zum bewaffneten Kampf zur�ck. Zwei Jahre lang wurde in Angola heftig gek�mpft mit riesigen Verlusten auf beiden Seiten. Ende 1994 kehrten die Kriegsparteien an den Verhandlungstisch zur�ck und schlossen in Lusaka ein neues Friedensabkommen. Mittlerweile hat Savimbi seinen Rivalen dos Santos als Pr�sidenten offiziell anerkannt. Die UNITA soll in eine Regierung der nationalen Vers�hnung eingebunden werden. Dennoch gehen die Menschenrechtsverst��e weiter. Immer wieder kommt es zu kleineren Gefechten und zu politischen Morden. Soldaten beider Konfliktparteien bedrohen Zivilisten, von denen sie glauben, sie w�rden mit der anderen Seite zusammenarbeiten. Die wenigsten Berichte �ber solche �bergriffe lassen sich von unabh�ngigen Stellen best�tigen. ------------------------------------------------------------------ Aus: ai-Journal Januar 1996 (c) amnesty international 1995 Verbreitung nur mit Genehmigung von amnesty international. Redak- tion: Harald Gesterkamp (hgesterk@amnesty.cl.sub.de, Telefon 0228/ 98373-46). amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V. Nationales Sekretariat, 53108 Bonn (Heerstrasse 178, 53111 Bonn) Telefon (02 28) 9 83 73-0, Telefax (02 28) 63 00 36 - Spendenkonto 80 90 100 bei allen Banken, Sparkassen sowie dem Postgiroamt Koeln ------------------------------------------------------------------ ai-de@amnesty.cl.sub.de - 3 -
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