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Started by Guido Gabriel
Sat, 17 Feb 1996 00:00
ai/Journal: BURUNDI Schleichender Voelkermord
Author: Guido Gabriel
Date: Sat, 17 Feb 1996 00:00
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------------------------------------------------------------------ amnesty international AI-JOURNAL ------------------------------------------------------------------ 02/95 - burundi.doc Burundi Schleichender V�lkermord Anders als im n�rdlichen Nachbarland Ruanda hat es in Burundi in den vergangenen drei Jahren keine Massaker mit Hunderttausenden Toten gegeben. Doch Hunderte von todbringenden �bergriffen haben die ohnehin explosive Lage im Land noch einmal eskalieren lassen. Einigen Dorfbewohnern hatte man Schutz versprochen und sie zu einer Versammlung in die Schule gelockt. Dort angekommen, wurden M�nner, Frauen und Kinder von Soldaten mit Schu�waffen und Bajonetten get�tet. Sie waren nicht die einzigen: Milit�rs umstellten am 14. November 1995 das Dorf Gasarara im Bezirk Kanyosha umzingelt und ernordeten Hunderte unbewaffnete Hutus. Die Soldaten pl�nderten und brandschatzten. Am 20. November gab der Provinzgouverneur von Kanyosha die Zahl von 421 Toten an: 40 M�nner, 73 Frauen, 165 Jungen und 143 M�dchen. In einem unver�ffentlichten Untersuchungsbericht des Milit�rs wurde festgestellt, da� mindestens 430 Menschen get�tet worden sind. Andere Quellen geben sogar 500 Ermordete und viele "Verschwundene" an. Drei Wochen sp�ter: Ungef�hr 300 unbewaffnete Zivilisten, zumeist Hutu, werden am 6. und 7. Dezember in Stadtteilen der Hauptstadt Bujumbura - Mutanga-Nord, Kirir, Gishosha und Kanyosha - get�tet. Das Milit�r setzt automatische Waffen, Raketen und Kampfhubschrauber ein. Burundische Beh�rden behaupten sp�ter, die Menschen seien bei K�mpfen der Regierungstruppen gegen die Rebellen des von Hutu dominierten "Nationalen Rates zur Verteidigung der Demokratie", CNDD ums Leben gekommen. Der CNDD allerdings bestreitet jede Beteiligung. Andererseits haben auch bewaffnete Hutu-Banden eine Anzahl von Tutsi ermordet. So wurde ein Fl�chtlingslager im Muruta-Distrikt, in der Provinz Kirundo, �berfallen, wobei mindestens 40 Menschen ums Leben kamen. Z�: Neue Eskalation seit November Die Massaker in Gasarara und in den Sororezo-Bergen sind nur zwei von vielen in den vergangenen drei Monaten. Seit der Ermordung des ersten demokratischen Pr�sidenten im Oktober 1993 l�ste einen Kampf um die Macht in Burundi mit wschweren Menschenrechtsverletzungen aus. Zwar gab es nicht den Ausbruch von Gewalt wie in Ruanda im April 1994 mit 500.000 bis einer Million Toten, doch steht auch Burundi am Abgrund, weil hier der V�lkermord schleichend stattfindet. Seit November 1995 eskaliert die Lage. Im November und Dezember hat es mindestens 1.300 Opfer politisch oder ethnisch motivierter Gewalt gegeben. Obwohl w�hrend des �ber zwei Jahre dauernden Konfliktes weit mehr als 100.000 Menschen get�tet worden sind, bleibt die internationale Gemeinschaft weitgehend passiv. Zwar hat es an verbalen Solidarit�tsbekundungen von vielen Seiten nie gefehlt, doch sind dem bis heute kaum Taten gefolgt. Trotz der massenhaften T�tungen in Burundi haben die Vereinten Nationen und die Europ�ische Union immer noch nicht die erforderlichen Mittel f�r den Einsatz von Menschenrechtsbeobachtern zur Verf�gung gestellt. Beobachter sind aber dringend erforderlich, um unabh�ngige und unparteiische Untersuchungen der Menschenrechtsverletzungen zu gew�hrleisten. Ihre Abwesenheit f�rdert den B�rgerkrieg, da die Morde weitgehend unbeobachtet und damit jeglicher �ffentlicher Kontrolle entzogen geschehen k�nnen. Internationale Beobachter k�nnten f�r die Ermittlung objektiver Informationen sorgen und Ratschl�ge geben, welche Ma�nahmen erforderlich sind, um die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Ein Einsatz der Beobachter ist nur sinnvoll, wenn er sorgf�ltig geplant wird und die �berwachung der Handlungen der Sicherheitskr�ft und der bewaffneten politischen Banden mit einschlie�t. Der Kreislauf der in Burundi allgegenw�rtigen Straflosigkeit f�r begangene Menschenrechtsverletzungen kann nur durchbrochen werden, wenn ein unabh�ngiges und unparteiisches Justizsystem aufgebaut wird. Das heutige Rechtswesen funktioniert nicht und ist in den H�nden der Tutsi-Elite. Berichte �ber Menschenrechtsverst��e, die nicht zur Verfolgung der T�ter genutzt werden, sind wenig wert. Die seit Ende 1995 in Burundi t�tige UNO- Untersuchungskommission erleidet daher das Schicksal aller vorherigen Missionen, wie etwa jener der Organisation f�r Afrikanische Einheit. Denn auch ihre Berichte dienen nicht dazu, T�ter zur Rechenschaft zu ziehen. Hinzu kommt, da� die UNO-Untersuchungskommission nur die Vorf�lle untersuchen soll, die in direktem Zusammenhang mit dem Oktober-Putsch 1993 stehen. Z�: Mangelnder internationaler Einsatz Seit 1994 haben verschiedene UNO-Organe - unter ihnen der Sicherheitsrat - wiederholt den Einsatz von Menschenrechtsbeobachtern gefordert. UNO- Generalsekret�r Boutros-Ghali hat ihren Einsatz bef�rwortet, um eine nationale Auss�hnung zu erm�glichen. Das Menschenrechtszentrum der Vereinten Nationen in Genf setzte im September 1995 einen Beamten als Leiter einer Menschenrechtsdelegation f�r Burundi ein. Die von der EU zugesagten Mittel f�r diese Mission sind aber bis heute nicht freigegeben worden. Auch die Europ�ische Kommission hatte im Februar 1995 der Entsendung von f�nf Menschenrechtsbeobachtern zugestimmt. Obwohl von nationalen Regierungen Zusagen gemacht worden sind, ist selbst dar�ber von der Europ�ischen Kommission noch nicht entschieden worden. Auch die deutsche Politik mu� sich fragen lassen, wie ernst sie es mit ihrer viel mehrfach erw�hnten Solidarit�t mit den Demokraten in Burundi meint. Viele der Opfer der vergangenen Wochen sind prominente Vertreter der gem��igten und sich f�r die Vers�hnung engagierenden Gruppierungen. Alle im Bundestag vertretenden Fraktionen hatten am 20. Juni 1995 nicht weniger als 14 Beschl�sse zur "Sicherung des Friedens und der demokratischen Entwicklung in Burundi" zugestimmt. Unter Punkt 4 des Antrages war zu lesen, da� die Bundesrepublik Deutschland "aufgefordert ist, die Entsendung milit�rischer und ziviler Beobachter zu unterst�tzen und Menschenrechtsbeobachter auf eigene Initiative hin selbst zu entsenden." Auf diese Initiative wartet man bis heute vergeblich. Frank Eckhardt Der Autor ist Sprecher der Burundi-Koordinationsgruppe in der deutschen Sektion von amnesty international. ------------------------------------------------------------------ Aus: ai-Journal Februar 1996 (c) amnesty international 1996 Verbreitung nur mit Genehmigung von amnesty international. Redak- tion: Harald Gesterkamp (hgesterk@amnesty.cl.sub.de, Telefon 0228/ 98373-46). amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V. Nationales Sekretariat, 53108 Bonn (Heerstrasse 178, 53111 Bonn) Telefon (02 28) 9 83 73-0, Telefax (02 28) 63 00 36 - Spendenkonto 80 90 100 bei allen Banken, Sparkassen sowie dem Postgiroamt Koeln ------------------------------------------------------------------ ai-de@amnesty.cl.sub.de ??
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