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Started by Guido Gabriel
Fri, 01 Dec 1995 00:00
ai/Journal: BOSNIEN-HERZEGOWINA Die Vermissten von Srebrenica
Author: Guido Gabriel
Date: Fri, 01 Dec 1995 00:00
Date: Fri, 01 Dec 1995 00:00
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------------------------------------------------------------------ amnesty international AI-JOURNAL ------------------------------------------------------------------ 11/95 - jugo3.doc Die Vermi�ten von Srebrenica Das Wort "Schutzzone" t�uschte eine Sicherheit vor, die es nicht gab. Im Juli dieses Jahres griff die bosnisch-serbische Armee die im Osten Bosnien- Herzegowinas gelegenen muslimischen Enklaven Srebrenica und Zepa an. Nach wenigen Tagen war die Schlacht entschieden: etwa 40.000 Menschen allein in Srebrenica waren heimatlos geworden und begaben sich auf die Flucht, wurden evakuiert oder festgenommen - letzteres vor allem die M�nner im "wehrf�higen Alter". Bis heute ist der Verbleib von circa 4000 M�nnern zwischen 13 und 77 Jahren ungekl�rt. Es gibt deutliche Hinweise darauf, da� es zu Entf�hrungen und Ermordungen gekommen ist. Rund 15.000 Bewohner der Enklave versuchten, durch die W�lder in bosnisch kontrolliertes Gebiet bei Tuzla zu fl�chten. Auf ihrem Weg dorthin wurden sie von serbischen Truppen attackiert. Zeugen, mit denen Mitarbeiter von amnesty international wenige Tage nach dem Fall Srebrenicas sprechen konnten, berichteten, da� M�nner, die sich den serbischen Truppen ergaben, weggebracht oder erschossen wurden. Es gibt auch Hinweise darauf, da� Massenhinrichtungen stattgefunden haben. Ein Augenzeuge sch�tzt, da� rund 3000 M�nner auf der Flucht von serbischen Truppen aufgegriffen worden sind. Sie sind bis heute nicht wieder aufgetaucht. Die im Ort verbliebenen Menschen zogen sich mit den Soldaten der UNPROFOR in eine stillgelegte Batteriefabrik nach Potoaari, f�nf Kilometer n�rdlich von Srebrenica, zur�ck. Die Interviews, die ai-Mitarbeiter mit fr�heren Bewohnern Srebrenicas f�hrten, lassen kaum Zweifel zu, da� es zu Mi�handlungen, Ermordungen und Vergewaltigungen durch die serbischen Eroberer gekommen ist. Die meisten der Fl�chtlinge von Potoaari wurden sp�ter unter der Kontrolle des Roten Kreuzes nach Tuzla evakuiert. In Tuzla soll es zu Racheaktionen gegen in der Region verbliebene Serben gekommen sein. Beim Fall der kleineren "Schutzzone" Zepa sind ebenfalls M�nner aus Bussen geholt und festgehalten worden. ai liegen aber deutlich weniger Berichte �ber �bergriffe und Pl�nderungen aus Zepa als aus Srebrenica vor. Srebrenica war seit 1992 von Truppen der bosnischen Serben belagert worden. Im April 1993 hatte der UNO-Sicherheitsrat die Enklave zur UNO- Schutzzone erkl�rt und einige Einheiten der Schutztruppe UNPROFOR stationiert, die die Sicherheit der Bewohner gew�hrleisten und den Waffenstillstand �berwachen sollten. Zwei Jahre lang blieb es bei kleineren milit�rischen Auseinandersetzung, bis serbische Befehlshaber am 8. Juli die Offensive anordneten. Drei Tage sp�ter fiel die Enklave in die H�nde der Angreifer. Recherchen der Berliner "tageszeitung" zufolge haben Milit�r und Geheimdienst der USA schon vor den Angriffen auf Srebrenica von der bevorstehenden Offensive gewu�t. Das Blatt zitiert Abh�rprotokolle von Gespr�chen zwischen dem serbischen Oberbefehlshaber Pericic aus Belgrad und dem milit�rischen Chef der bosnischen Serben, Mladic, in denen der Angriff auf die UNO-Schutzzone geplant worden sei. Auch h�tten US- Aufkl�rungsflugzeuge schon Wochen vor dem Angriff mit Luftausnahmen dokumentiert, da� die Serben ihre Truppen um Srebrenica zusammenzogen. Sp�tere Aufnahmen, die ebenfalls zur�ckgehalten w�rden, sollen Erschie�ungen zeigen. Washington habe weder die UNO noch die NATO- Verb�ndeten �ber ihre Erkenntnisse informiert - nach Einsch�tzung der "taz" habe man den Fall Srebrenicas genauso wie die Vertreibung der Serben aus der Krajina in Kauf genommen, um die eigene Friedensinitiative f�r Bosnien-Herzegowina nicht zu gef�hrden. hg ------------------------------------------------------------------ Aus: ai-Journal November 1995 (c) amnesty international 1995 Verbreitung nur mit Genehmigung von amnesty international. Redak- tion: Harald Gesterkamp (hgesterk@amnesty.cl.sub.de, Telefon 0228/ 98373-46). amnesty international, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V. Nationales Sekretariat, 53108 Bonn (Heerstrasse 178, 53111 Bonn) Telefon (02 28) 9 83 73-0, Telefax (02 28) 63 00 36 - Spendenkonto 80 90 100 bei allen Banken, Sparkassen sowie dem Postgiroamt Koeln ------------------------------------------------------------------ ai-de@amnesty.cl.sub.de - 1 -
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