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2 total messages Started by hajo. Sun, 18 Jan 1998 00:00
Sozial behindert - das Syrdom VSL
#4
Author: hajo.
Date: Sun, 18 Jan 1998 00:00
158 lines
8241 bytes

Sozial behindert
""""""""""""""""

Nach allgemeinem Verständnis liegt eine Behinderung dann vor, wenn für
durchschnittliche Menschen übliche Tätigkeiten nicht verrichtet werden
können, weil es der betreffenden Person an den körperlichen oder
geistigen Voraussetzungen dafür fehlt.

Diese - bisherige - Definition ist unvollständig.

Erst seit relativ kurzer Zeit wächst die Erkenntnis, daß es eine weitere
Voraussetzung gibt, deren Fehlen eine bisher wenig beachtete Form der
Behinderung bedingt. Andererseits ist eben diese Behinderung in so
erschreckendem Maße verbreitet, daß sie (wie noch vor Kurzem der Alters-
Schwachsinn) auch heute noch üblicherweise zur allgemeinen Normalität
gezählt wird: das Fehlen bestimmter SEELISCHER Voraussetzungen.

Aus diesem - für den Laien nur schwer erkennbaren - Mangel ergibt sich
leider oft genug das Syndrom der "SOZIALEN Behinderung". Was in
amerikanischen Fachkreisen schlicht "Off Learning Generalistics" ("OLG",
in etwa: "ungelernte Grundlagen") heißt, wird hierzulande als
"Verminderte soziale Lernfähigkeit" (VSL) bezeichnet. Daß die Abkürzung
"OLG" in Deutschland für "Oberlandesgericht" steht, dürfte bei der
Namensgebung allerdings eher eine untergeordnete Rolle gespielt haben.


Was ist VSL?
""""""""""""
Hier ein (bewußt populär formulierter) Überblick:

Die Symptome von VSL entsprechen ungefähr dem, was üblicherweise mit dem
Wort "Herzlosigkeit" bezeichnet wird: Im Fehlen von
Verantwortungsbewußtsein und Mitgefühl (von Soziologen schon seit langem
als "sozialer Authismus" klassifiziert) begründen sich frappierende
Minderleistungen in so alltäglichen Bereichen wie Umsicht, Rücksicht
oder Vorsicht (die sog. "interaktive Taubheit") ebenso wie Handlungen,
die aus Unwissenheit über VSL zumeist auf "Charakterschwächen" wie
Egoismus, Engstirnigkeit, Kaltherzigkeit oder Mißgunst geschoben oder
irrtümlich mit Streß und Überlastung begründet werden.

Diese Symptome werden üblicherweisemeist nur von zufälligen Opfern
dieser inneren Mangelerscheinungen bemerkt, weil die selbstbezogenen
Handlungen oder halbfertigen sozialen Leistungen der "sozial
Behinderten" oft genug auf ihre Kosten gehen:

Das fängt mit Rempeleien im öffentlichen Personennahverkehr an, steigert
sich zu unnützen Stufen und hohen Bordsteinen, und es hört mit dem
aktuellen Urteil des Oberlandesgerichtes Köln zur nachbarlichen
Lärmbelästigung durch die "fremdartige spezifische klangliche
Ausgestaltung", welche schwerer wiege als die Lautstärke des
kritisierten "Lallens, Kreischens und Stöhnens" sieben ganz bestimmter
Behinderter noch lange nicht auf.

Das aktuelle Beispiel des obigen Gerichtsurteiles mag hier zur Erklärung
des VSL-Syndromes genug Anhaltspunkte bieten: Ein fühlender Mensch wird
die Haltung der Kölner Richter sicherlich als ebenso kaltschnäuzig und
herzlos empfinden wie die des Musiklehrers, des harmoniebedürftiges Ohr
sich nach Wohlklang sehnt. Doch setzt dies bereits voraus, daß Nachbar
oder Richter über so etwas wie eine "gesunde Herzlichkeit" verfügen.
Gerade dies ist aber nicht der Fall: Der Richtspruch läßt eher auf die
klassischen Symptome sozialer Behinderung schließen, beinhaltet er doch
sämtliche Merkmale von VSL.


Doch gilt es hier einem Irrtum vorzubeugen:

Ebenso wie Lesen und Schreiben wollen soziale Fähigkeiten erlernt und
geübt sein, und oft genug sind mangelnde Fertigkeiten tatsächlich auf
Bequemlichkeit zurückzuführen.

Doch ebenso, wie es eine - inzwischen als Behinderung anerkannte -
"Lese- und Rechtschreibschwäche" (LRS) gibt, so wirklich gibt es das
Syndrom der VSL ("Verminderte soziale Lernfähigkeit" oder "Soziale
Behinderung"), deren Vorliegen auch durch noch so eifriges Bemühen der
Betroffenen nicht gemildert werden kann.

Wer unter VSL leidet (und somit durch besondere Hartherzigkeit
auffällt), ist ebensowenig "faul" wie jemand, der oder die unter LRS
leidet (und daher beständig in der Rechtschreibung strauchelt).


Da eine solche Behinderung zumeist als ebenso peinlich empfunden wird
wie etwa mangelnde Lesefähikeit auch, wird ihr Vorliegen von den
Betroffenen nach Möglichkeit vertuscht. Und gerade die Häufigkeit des
Syndroms macht das Verbergen relativ leicht, da zudem von VSL Betroffene
andere Betroffene nicht als Solche wahrnehmen. Denen erscheint das
Verhaltensbild eines unter VSL leidenden Menschen gänzlich normal.

Bislang gibt es in Deutschland nur einige tausend registrierte Fälle,
doch liegt die Dunkelziffer wegen der leichten Verschleierbarkeit
dramatisch höher. Man geht davon aus, daß - die minderschweren Fälle
mitgerechnet - alleine in Deutschland beinahe ebenso viele Menschen an
VSL leiden wie es Kurzsichtige gibt.

Wenn die Definition von VSL einen größeren Bekanntheitsgrad erreicht
haben wird, ist damit zu rechnen, daß die Anerkennung von VSL als
Behinderung einen weitaus stärkeren Boom erfahren wird als die Lese- und
Rechtschreibschwäche (LRS).

Immerhin sind VSL-Geschädigte nicht in der Lage, in sozialen Berufen zu
arbeiten, was ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt drastisch
verschlechtert. Andererseits dürfte ein bescheinigtes VSL-Syndrom eine
gezielte Förderung seitens der Arbeitsämter mehr erleichtern als
wiederholte vergebliche Versuche, in Sparten Fuß zu fassen, für die die
Betroffenen einfach nicht geeignet sind.


Dies müßte übrigens für die in unserem Beispiel genannten Richter -
sofern sie denn unter VSL leiden - nicht unbedingt das Aus ihrer
Karriere bedeuten. Für Fragen des Wirtschaftsrechtes beispielsweise sind
VSL-Patienten geradezu prädestiniert. Lediglich das Familienrecht sollte
ihnen aus verständlichen Gründen nicht als Krönung ihrer Laufbahn
vorschweben.

Insgesamt gibt es eine große Anzahl von Berufen und Spezifizierungen, in
denen ausgeprägte soziale Fähigkeiten nur hinderlich sind. Dies nimmt -
anders als bei LRS - dem Syndrom zumindest ein Wenig von seinem
Schrecken, und es bildet einen Lichtblick für jene, die leiden, ohne daß
sei es zu wissen scheinen.



Um es kurz zusammenzufassen:

VSL-Geschädigte sind ganz normale Menschen, denen es ohne ihr
Verschulden an Herzlichkeit ermangelt. Sie brauchen nicht unser Mitleid,
sie brauchen Hilfe.

Und hier besteht auch begründete Hoffnung: In Schweden, wo man - wie so
oft - in diesen Dingen etwas weiter denkt als hierzulande, wird bereits
seit zwei Jahren eine Langzeit-Therapie erprobt, die zwar nicht das
gesamte Syndrom heilt, doch aber seine Auswirkungen so spürbar mildert,
daß eine Kostenübernahme von staatlicher Seite bereits erwogen wird.

Sobald sich hier etwas Neues ergibt, wird es nicht alleine in der
Fachpresse, sondern auch an dieser Stelle veröffentlicht werden.
Re: Sozial behindert - das Syrdom VSL
#5
Author: hajo. Dreyfuß
Date: Sun, 18 Jan 1998 00:00
24 lines
1862 bytes
 113303.436@compuserve.com (hajo.) wrote:

>
>Sozial behindert - Was ist VSL?
>""""""""""""""""""""""""""""""""""
>... ein (bewußt populär formulierter) Überblick ...


1. Habe ich mich da vertippt: "Syrdom" (*tschulliung*)

   Es darf heißen: "Syndrom VSL"


2. Wer noch nicht bemerkt haben sollte,
   daß der obige Beitrag zu "VSL" Satire ist,
   lese ihn am besten noch einmal von vorn.
   
-- 

cum grano salis
lat.: "mit einem Körnchen Salz",
im übertragenen Sinne: "Es steckt wohl Wahres in des Pudels Kern..."
   (aus: "Lateinisch für Schulschwänzer")
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