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Started by Markus Kolbeck
Wed, 07 Feb 1996 00:00
compuserve und zensur
Author: Markus Kolbeck
Date: Wed, 07 Feb 1996 00:00
Date: Wed, 07 Feb 1996 00:00
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Ein Artikel aus der CHIP 2/96, Seite 50 Autor: Uwe Kauss *Nicht nur sauber, sondern rein* Da steht eines Morgens der Staatsanwalt samt Fahndern und Durchsuchungsbefehl vor der Tuer von Compuserve und begehrt Einlass. Der Grund: Verdacht auf Verbreitung von Kinderpornographie. Selbstverstaendlich zeigt sich Compuserve schadensbegrenzend kooperativ und laesst von der Zentrale in Ohio aus etwa 200 Internet-Newsgroups sperren, die sich im weitesten Sinne mit Sex beschaeftigen. Laut einer Mitteilung des Online-Dienstes hat die Muenchener Staatsanwaltschaft die Gruppen hoechstselbst ausgesucht. Unter den gesperrten Foren sind viele Newsgruppen von Schwulen und Lesben; andere haben Sex und Politik oder Behinderte zum Thema - ganz nach dem Metzger-Motto: Darf's ein bisschen mehr sein? Denn unter den rund 200 gesperrten Newsgroups findet sich gerade ein knappes Dutzend, in denen sich Kinderpornographie vermuten laesst. Ein Sieg im Kampf gegen das Verbechen ist die Aktion nicht, aber die Nebenwirkungen sind fatal. Die unselige Kombination - deutscher Amtstraeger mahnt, amerikanische Businessmen folgen - bricht jeder Form der Zensur die Bahn. Ein schwedischer Staatsanwalt koennte Diskussionen sperren lassen, in denen der dort festgeschriebene Minderheitenschutz in irgeneiner Weise verletzt wird. Ein islamisch-fundamentalistischer Amtstraeger koennte behaupten, Bilder von angezogenen Damen mit nackten Armen und Beinen seien in seinem Land strafbar und duerften den Glaeubigen nicht zugaenglich sein. Doch nicht einmal vorbeugend hat die Aktion einen Sinn. Wer sich ueber denselben Compuserve-Zugang ins World-Wide Web einwaehlt, muss man sich nur mit etwas Muehe einen neuen News-Server suchen- schon jetzt ist die Sperre umgangen. Zudem haben die Ermittler selbst jetzt ein Problem: Bislang lediglich mit T-Online- und Compuserve-Zugaengen ausgestattet, koennen sie kuenftig kaum noch ihrem Auftrag nachkommen und Kinderporno-Geschaeftemachern im Netz auf die Spur kommen. T-Online hat den Schweinekram ebenfalls nicht im Angebot, und Compuserve selbst ist ja jetzt nicht nur sauber, sondern rein. Absurde Alternative fuer die Fahnder: ein Zugang zu Amerika Online in Hamburg - mit Kindersicherung und Newsgroup-Zugang, aber ohne Hausdurchsuchung, weil nicht im Zugriff der Muenchner Ermittler. So saegt man am eigenen Ast. Ein Staatsanwalt wird fuers Ermitteln bezahlt, nicht fuers Zensieren. Ob Pornos im Netz moralisch richtig oder falsch sind, hat er nicht zu entscheiden. Schliesslich geht es nicht um Moral, sondern darum, endlich das dreckige Geschaeft mit Kindern zu unterbinden. Und da macht es ebensowenig Sinn, eine Strassenbahnlinie abzuschaffen, nur weil sie durchs Rotlichviertel faehrt. Dann kommen sie Bordellkunden halt zu Fuss. Dem Zuhaelter kann's egal sein. so long, markus [* 0341/4802521 * markus@le-line.east.de *]
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