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Mon, 10 Mar 1997 00:00
MOMA 3.97: EDITORIAL
Author: MOMA
Date: Mon, 10 Mar 1997 00:00
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MOMA, das Monatsmagazin fuer neue Politik Ausgabe 3.97 vom Maerz ist erschienen zum Thema SICHER IST SICHER? Im folgenden das Editorial Totale Kontrolle Eric Pougin de la Masisonneuve, G๏ฟฝneral de Division und Direktor der Pariser Stiftung fuer Verteidigungsstudien, genoss unlaengst Gastrecht in der "Allgemeinen Schweizer Militaerzeitschrift". In seinem Essay "Die Metamorphose der Gewalt" ging er von der Feststellung aus, dass die Konzepte des klassischen und des kalten Krieges heute untauglich geworden seien: "Wir sind in flagranti ueberrascht worden, dass wir gar keine Konzepte mehr besitzen." Freude herrscht, sage ich da als guter Friedensfreund und lese weiter. "Anstatt sich unnuetz ueber die Verteidigungspolitik aufzuregen, die einer vergangenen Epoche angehoert, sollten die Staaten ihre Intelligenz und ihre Ressourcen zusammenlegen, um Sicherheitssysteme auszudenken, d.h. Systeme zur Regulierung der Gewalt nach innen wie nach aussen." Aha. "Logischerweise", so der General weiter, muessten diese Systeme zivile und militaerische Komponenten kombinieren: "Wo aktuelle Konflikte zur Zeit nicht-militaerischer oder zivil- militaerischer Art sind, muessen die gesuchten Loesungen ihnen angepasst sein." Und wenn alle Massnahmen der Praevention und Abschreckung versagten, sollten die Armeen nicht gemaess einer Machtlogik in den Krieg ziehen, sondern um "Gleichgewicht zu erzielen, eine minimale Ordnung". Kooperation, Gleichgewicht, Regulierung, minimale Ordnung - worum geht es eigentlich in diesem Diskurs um kollektive Sicherheit, in dem sich Linke ploetzlich mit der Nato aussoehnen und die Schweizer Armee fuer die Wahrung des Weltfriedens fit machen wollen? Es geht um die Anpassung eines repressiven Verstaendnisses von "Sicherheit" an eine veraenderte Welt. Der Mythos totaler Abschreckung ist mit dem Kalten Krieg in sich zusammengefallen. Ein neuer Mythos der totalen Kontrolle von Unfrieden und Unsicherheit ist am entstehen - als repressive Kehrseite der Globalisierungsmedaille. Nicht zuletzt die Ausgestaltung "kollektiver Sicherheit" wird das Gesicht unseres Planeten im naechsten Jahrhundert praegen. Ueberlassen wir diese Frage der Nato und ihren Strategen, dann wird nicht nur die gewohnte Grenze zwischen Militaerischem und Zivilem, sondern auch diejenige zwischen Krieg und Frieden verblassen. Der globale Low-Intensity-War koennte zum Alltag werden. Repression - und mag sie auch noch so "kollektiv" sein - vermag die Ursachen von Kriegen und Konflikten nicht zu beseitigen. Sie kann sie aber sehr wohl aus unserem Bewusstsein verdraengen und damit einem instrumentellen Sicherheitsdenken zum Durchbruch verhelfen. Wir muessen daher eine andere Vision kollektiver Sicherheit entwickeln, ein Vision, die Konflikte nicht einfach moeglichst effizient kontrollieren will. Wir muessen darauf bestehen, dass die Ursachen von Gewalt und Krieg Gegenstand politischer Loesungversuche bleiben. Und es geht darum, dass gewaltfreie Wege aus gewalttraechtigen Konflikten und Strukturen nur in der offenen politischen Auseinandersetzung zu finden sind. Die wichtigste Aufgabe dieses alternativen "Systems" kollektiver Sicherheit ist es, den Raum zu garantieren, in dem dies moeglich ist. "Solidaritaet" bedeutet in dieser Perspektive die gegenseitige Unterstuetzung beim Versuch, solche Raeume zu schaffen. Entsprechende Impulse muessen die Zivilgesellschaften geben. Wer denn sonst? Das Mitmischeln bei der Nato hat damit jedenfalls nichts zu tun. Wir muessen schon selbst dafuer sorgen, dass bessere Fragen gestellt werden. Die beiden Initiativen fuer eine Halbierung der Armeeausgaben und fuer das konstruktive Referendum koennen noch zustandekommen. Unterschriftenbogen liegen dem MOMA bei. Eure Unterschriften sind wichtig - nicht fuer eine billigere Landesverteidigung, sondern fuer mehr Gestaltungsmoeglichkeiten und weniger Repressionslogik. Hans Hartmann
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