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Started by a9504438
Tue, 03 Aug 1999 00:00
Ein Nachtrag zum Sprachenstreit
Author: a9504438
Date: Tue, 03 Aug 1999 00:00
Date: Tue, 03 Aug 1999 00:00
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Ich habe mich im Laufe eines Linguistik Seminars mit diesem Thema auseinandergesetzt und m�chte, da mir die bisherige Diskussion unzureichend erscheint, einige Punkte einbringen. Erstens ist das Thema �Sprachen in der EU� sehr unmittelbar mit der Stellung des Englischen verbunden. Immer wieder findet man Leute die der Meinung sind, die Europ�er sollten �halt alle einfach Englisch lernen�. Auch die Stellungnahme von Herrn Georg Hoffmann-Ostenhof geht in diese Richtung. Englisch wird gerne mit Eigenschaften wie �modern� und �weltm�nnisch assoziiert und diese Eigenschaften werden � implizit oder explizit � anderen Sprachen abgesprochen (dies hat Phillipson in seinem vieldiskutierten Buch �Linguistic Imperialism� [1992] aufgezeigt). Im neunzehnten und beginnenden zwanzigsten Jahrhundert war Englisch in Europa auf der gleichen Stufe wie Franz�sisch oder Deutsch, erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges trat die Sprache im Schlepptau der Amerikanisierung Europas ihren Siegeszug an. Soviel zur Vorgeschichte. Die heutige Situation ist leider komplexer als bisher dargestellt. Wie Georg Hoffmann-Ostenhof selbst schreibt ist die jeweilige Sprache stark mit Nationalit�t und Identit�t gekoppelt. Es geht daher nicht nur darum wie man den Franzosen beibringt Englisch zu sprechen! Es geht darum, ob Englisch als alleinige Amtssprache wirklich mit den Zielen und Idealen der Union zu vereinbaren ist. Die Union hat sich verpflichtet die kulturelle Vielfalt Europas und die damit einhergehende Sprachenvielfalt zu respektieren. Englisch als einzige Amtssprache w�rde dieses Prinzip mi�achten. Au�erdem sollten wir uns klarmachen, da� nur sehr wenige internationale Organisationen nur eine Amtssprache haben. Nat�rlich mu� man irgendwo Grenzen setzen; deshalb scheint mir der Vorschlag einer Sprachtroika mit Englisch (als Weltsprache), Franz�sisch (als ex-Weltsprache, Sprache der Diplomatie und Sprache eines bedeutenden EU-Mitglieds) und Deutsch durchaus vern�nftig. Es spricht viel daf�r den Status der deutschen Sprache aufzuwerten: erstens sprechen (wie man oft h�rt) die meisten B�rger der EU Deutsch (90,2 Millionen), zweitens ist Deutschland ein wirtschaftlich und politisch bedeutendes Mitglied, drittens sind es Deutschland und Frankreich, die den Einigungsproze� am deutlichsten vorantreiben und � last but not least � zahlt Deutschland auch am meisten in die gemeinsame Kasse. Warum sollen sich diese Umst�nde nicht auch in der Sprachregelung wiederspiegeln? Der Artikel von Herrn Hoffmann- Ostenhof scheint mit hier ein Beispiel eines Ph�nomens zu sein das die Times �German linguistic submissiveness� (deutsche Linguistische Duckm�userei) genannt hat. Schon in der �berschrift (�Bitte nicht Deutsch�) macht Herr Georg Hoffmann-Ostenhof klar das er nichts mit den b�sen Deutschen zu tun haben will. Englisch als alleinige Amtssprache br�chte den englischsprechenden Staaten der Union enorme Vorteile, erstens finanzieller Art - schon heute bringt das Gesch�ft mit der englischen Sprache den Engl�ndern 6.25 Millionen Pfund weltweit (Kurse, B�cher usw.) � und zweitens im allt�glichen B�roleben. �Native Speakers� k�nnten effektiver und schneller arbeiten als Beamte, die Englisch "nur" als Fremdsprache gelernt haben und st�nden daher bei ihren Chefs h�her im Kurs. Die �Non-Native Speakers� dagegen w�ren frustriert, weil sie den ganzen Tag in einer Fremdsprache arbeiten m��ten und ihre Dokumente wom�glich noch von �Native Speakers� umgeschrieben w�rden. �berhaupt ist es eher unrealistisch anzunehmen, man k�nnte die Arbeit aller EU-Organe auf Englisch umstellen. Mitarbeiter aus den nordeurop�ischen L�ndern h�tten damit vielleicht noch wenig Probleme aber schon bei den �sterreichern kommen mir Zweifel, und Angestellte aus den s�dlichen Mittelmeerl�ndern w�ren �berhaupt nicht in der Lage den regul�ren Gesch�ftsbetrieb nur mit Englisch aufrecht zu erhalten. Englisch als alleinige Amtssprache erscheint mir aus diesen Gr�nden unwahrscheinlich, eine Kombination aus mehreren Sprachen wird es auch in Zukunft geben. Die jetzt gef�hrte Diskussion ist keineswegs �schlecht f�r Europa� wie Herr Hoffmann-Ostenhof meint. Im Gegenteil � sie ist �berf�llig. Bis jetzt hatte die EU den Grundsatz �alle Sprachen sind gleich � aber einige, n�mlich Englisch und Franz�sisch, sind gleicher� Dies war aber eine inoffizielle Regelung, die nie festgehalten wurde. Es ist deshalb n�tig das Thema ein f�r alle mal auzudiskutieren und die entstehende Regelung offiziell zu verankern. Ein kleiner Nachsatz sei mir noch erlaubt: Es w�re h�chst an der Zeit die Sprachausbildung an den Schulen zu reformieren � nicht nur in �sterreich, sondern auf gesamteurop�ischer Ebene. Es w�re zu �berlegen den f�r das sp�tere Leben gr��tenteils nutzlose naturwissenschaftlichen Teil zur�ckzuschrauben und in allen Schulen mindestens zwei lebenden Fremdsprachen einzuf�hren. Klassen sollten l�ngere Zeit im fremdsprachigen Ausland verweilen. Daniel Spichtinger
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