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1 total messages Started by Buendnis antinationaler Gruppen Tue, 31 Mar 1998 00:00
KOMMERS IM MAI IN WIEM
#2
Author: Buendnis antinationaler Gruppen
Date: Tue, 31 Mar 1998 00:00
295 lines
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hallo

am 16. mai findet in wien wieder einmal ein burschenschafterkommers statt.
diesmal im andenken an die 1848er revolution.
das buendnis antinationaler gruppen (bang!) hat dazu eine
gegenveranstaltung geplant:

KATZENMUSIK GEGEN STAAT UND PATRIARCHAT!
Antifaschistisches RAVEolutionaeres Ringspektakel

Treffpunkt: 18h Rampe vor der Uni Wien, Karl Lueger Ring 1
Spektakel: 19h Heldentor am Ring (vor der Hofburg, wo der Kommers
stattfinden wird)
um 21h: Spaziergang vorbei an den Burschenschafter-Buden

mehr infos auch unter: http://bang.oeh.net, email: bang@oeh.net, snail
mail: BANG!, c/o OEH GRUWI, PF 101, 1096 Wien


mit der bitte um weiterverbreitung

genossInnen aus wien

p.s. hier der text vom flugi:

Wider das gegenrevolution�re �bel

Die Methode hat System: Faschisten nennen sich Arbeiterpartei und Diktatoren
Demokraten, gro�e M�nner geben sich als Anw�lte der "kleinen Leute" und
Patriarchen engagiert in Sachen Frauenrechte, Staatsrassisten reden von
Menschenrechten und Reaktion�re machen auf Revolution�re.
Gerade Jubil�en bilden willkommene Anl�sse f�r derartige ideologische
Selbstdarstellungen. 1998 haben wir es mit einer derartigen Gelegenheit zu
tun: Die rechten bis rechtsextremen Burschenschaften samt dazugeh�render
freiheitlicher Partei feiern sich als Erben der Revolution von 1848. Die
Selbstverst�ndlichkeit, mit welcher die Inszenierung �ber die B�hne geht,
wollen wir - AntifaschistInnen aus unterschiedlichen Zusammenh�ngen - nicht
hinnehmen. Als B�ndnis antinationaler Gruppen (BANG!) haben wir daher vor
einiger Zeit damit begonnen, Interventions- und Widerstandsm�glichlichkeiten
auszuloten. Dabei geht es uns nicht darum, mit den JubilarInnen um das
richtige Geschichtsbild zu streiten. Propaganda ist nicht widerlegbar, sie
kann h�chstens einged�mmt werden.

Gegen den Kommers!

Am 16. Mai wollen sich auf Einladung der zur "ARGE 1848"
zusammengeschlossenen national-freiheitlichen Studentenverbindungen
schmissige Germanomanen aus allen deutschen Gauen in der Wiener Hofburg
versammeln. Auf einem "Revolutions-Kommers", der nur den H�hepunkt
burschenschaftlicher Aktivit�ten in diesem Gedenkjahr darstellt, werden sich
honorige "Alte Herren" aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gemeinsam
mit ihren S�hnen und Nachfahren im Geiste als Erben des b�rgerlichen und
deutschnationalen Aufstandes von 1848 abfeiern. Als G�ste willkommen:
Gattinnen und T�chter.
Warum pr�sentieren sich ausgerechnet Rechtsextremisten, Reaktion�re und
Sozialdemagogen so vehement als "48er", als Nachkommen der Vork�mpfer f�r
demokratische, b�rgerliche Freiheiten? Zum einen gehorcht der R�ckgriff auf
die liberalen Regungen des B�rgertums der notwendigen Selbststilisierung als
Demokraten. Bei den Deutschnationalen f�llt diese deswegen so heftig aus,
weil rund 80 Jahre sp�ter mit der NSDAP nicht gerade eine Gralsh�terin der
Demokratie dieses Milieu fast vollst�ndig aufgesogen hat. Das
burschenschaftliche Gedenken an 1848 stellt also den Versuch dar, die eigene
Geschichte vom Makel des Nationalsozialismus zu befreien.
Gleichzeitig erlaubt es der nationalistische Charakter des Aufstandes, im
Andenken an 1848 die gro�deutsche Idee zum Ausdruck zu bringen. W�hrend etwa
die Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia noch 1971 vom "Anschlu�" als
Verwirklichung des "Traum(es) der Deutschen Burschenschaft vom gro�en Reiche
aller Deutschen" schrieb, �bt mann sich heute in taktischer Zur�ckhaltung.
Die 38er feiern sich als 48er und der Pangermanismus gibt sich demokratisch.
Etwa bei Andreas M�lzer, wenn er schreibt: "Das Parlament in der Frankfurter
Paulskirche war das einzige, frei gew�hlte gesamtdeutsche Parlament der
Geschichte, bis 1848 und seit 1848."
Im permanenten Vergleich von Metternichscher Diktatur und NS- Verbotsgesetz,
Verhetzungsparagraphen, Anschlu�verbot und "politisch- korrektem
Tugendterror" liegt eine weitere Besonderheit der national- freiheitlichen
1848er-Rezeption. Im Verweis auf die mangelnde "Freiheit der Wissenschaft"
beklagen sich Rassisten, da� sie nicht mehr Sch�del vermessen d�rfen,
Holocaustleugner, da� sie mit ihren "Erkenntnissen" hinterm Berg halten
m�ssen. Hetzer geben sich als Gehetzte, Meinungsf�hrer als Oppositionelle -
T�ter als Opfer eben. Die rechtsextreme Behauptung einer "linken
Meinungsf�hrerschaft" ist zwar angesichts etwa der rassistischen
"Ausl�ndergesetze" perfid, sie hat dennoch System.

Nationaler "Sozialismus"

�hnliches gilt f�r die Selbstdarstellung freiheitlicher Kader als "Anw�lte
der kleinen Leute". Der Wiener FP�-Chef und Burschenschafter Pawkowicz griff
dabei schon am "Millieniums-Kommers" auf 1848 zur�ck: Damals h�tten
"national-freiheitliche Intellektuelle und Arbeiter gemeinsam gek�mpft." In
Wahrheit war - von einer kleinen radikaldemokratischen, kommunistischen
Minderheit abgesehen - davon wenig zu merken. Sobald vom Kaiser (dessen
Enthauptung in �sterreich nie auf der Tagesordnung stand!) das Versprechen
einer Verfassung und der Gew�hrung b�rgerlicher Freiheitsrechte gegeben
worden war und ein Weitertreiben der politischen zur sozialen Revolution
drohte, war von einem gemeinsamen Kampf nicht mehr viel zu merken. Das
ohnehin stets untert�nige B�rgertum (und kurz darauf ein Gro�teil der
revoltierenden Studenten) schlo� angesichts der aufkommenden
ArbeiterInnenbewegung rasch einen Kompromi� mit der alten Herrschaft. Als
etwa die "Nationalgarde", aufgestellt zum Schutz des Eigentums, im August
1848 revoltierende Wiener ArbeiterInnen niedermetzelte, stand die
"Akademische Legion" in abwartender Neutralit�t abseits. Die Mehrzahl der
Studenten hatte damals wichtigeres zu tun: die Einigung eines gro�deutschen
Reiches. Dort wo die soziale Frage gestellt wurde, propagierten sie
volksgemeinschaftliche, st�ndische L�sungen. Der romantische
Antikapitalismus der Burschenschaften kann h�chstens als Ressentiment gegen
die Moderne bezeichnet werden. Und als solches war und ist er durchsetzt von
Antisemitismus.

Burschenschaften: Wegbereiter des Faschismus

Auch vom Makel Auschwitz will mann sich im ideologischen R�ckgriff auf
b�rgerliche Emanzipationsforderungen befreien. Da den deutschnationalen
Korporationen, die in �sterreich seit dem Ende der 1850er Jahre aktiv sind,
eine herausragende Rolle im organisierten Antisemitismus zukommt, sind sie
angehalten, sich als Vork�mpfer f�r die politische Gleichberechtigung
unabh�ngig von der Konfession darzustellen. Da� die b�rgerlichen
Revolution�re, die f�r die Emanzipation der Juden stritten, gerade nicht in
burschenschaftlicher Tradition stehen, wird dabei naturgem�� verschwiegen.
Denn die Burschenschaften wurden gegr�ndet als Reaktion gegen Aufkl�rung und
franz�sische Revolutionsimporte. Die Frontstellung gegen die
Emanzipationsforderungen der Juden, ArbeiterInnen und Frauen zieht sich wie
ein brauner Faden durch die Geschichte der Korporationen.
In den antinapoleonischen "Befreiungskriegen" (1813-15), in welchen sich der
deutsche, v�lkische Nationalismus ausbildete, verteidigten die Untertanen
die alte Ordnung gegen die franz�sische "Fremdherrschaft". Neben dem
Christen- bzw. Gottkaisertum stellte die auf Jahn und Arndt zur�ckgehende
v�lkische Ideologie jenen Kitt dar, der das antizivilisatorische B�ndnis aus
F�rsten und (vor allem b�uerlichen) Massen zusammenhielt. Die unter
franz�sischer Herrschaft aus dem Ghetto befreiten Juden und J�dinnen wurden
als f�nfte Kolonne Frankreichs identifiziert. Die aufkommende deutsche Idee
vom Einheitsstaat, der nicht als Nation politisch hergestellt, sondern einer
nat�rlichen Wesenheit "Volk" erwachse, war von Anfang an verbunden mit der
Abgrenzung von Feinden: im inneren die Juden und J�dinnen, im �u�eren
Frankreich, wobei die Grenzen verschwammen. Gleichzeitig erwuchs
insbesondere unter der akademischen Jugend aus der entt�uschten Hoffnung auf
staatliche Einigung des deutschen "Volkes" nach 1815 jenes rebellische
Ressentiment gegen die adelige Obrigkeit, das bis heute mit revolution�rem
Freiheitsdrang verwechselt wird. Diese kollektive Entt�uschung der
Studenten, die in "Freikorps" gegen die franz�sischen Truppen gezogen waren
und sich danach in Burschenschaften organisierten, verschaffte sich 1817 am
Wartburgfest erstmals Luft. Das Treffen im Andenken an die Schlacht bei
Leipzig und die Lutherische Reformation gipfelte in der ersten deutschen
B�cherverbrennung. Bei dieser kommt die spezifische Verbindung von
romantischem Freiheitsdrang, nationalem Einigungswunsch und v�lkischem
Reinheitswahn zum Ausdruck. Denn verbrannt wurden nicht nur Symbole und
Schriften der verha�ten Diktatur, sondern auch b�rgerlich-liberale Schriften
und Saul Aschers "Germanomanie". Als die Burschenschafter die Schrift, mit
welcher Ascher vor dem W�ten der V�lkischen warnte, ins Feuer warfen, riefen
sie: "Wehe �ber die Juden, so da festhalten an ihrem Judentum und wollen
�ber unser Volkstum und Deutschtum schm�hen und spotten."
Geradezu mit prophetischem Weitblick warnte Heinrich Heine angesichts dieser
symbolischen Ermordung: "Dies war ein Vorspiel nur; dort wo man B�cher
verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen." Mehrheitlich war die fr�he
Burschenschafterbewegung also gepr�gt von militanten Abwehrhaltungen
gegen�ber b�rgerlichen Emanzipationsforderungen, die als "undeutsch"
("franz�sisch" oder "j�disch") denunziert und mit romantischen Vorstellungen
der st�ndisch strukturierten, christlich-patriarchalen "Volksgemeinschaft"
kontrastiert wurden. Heine geh�rte zu den wenigen, welche die deutsche
Fusion von nationaler Revolution und antisemitischem Pogrom fr�h erkannten.
Schon 1823 schrieb er, da� er �berall ein Revolution�r w�re, nur nicht in
Deutschland, wo bei deren Sieg "einige tausend j�dische H�lse" abgeschnitten
werden w�rden.
Entgegen aller korporierten Legenden war der Antisemitismus von Anfang an
fixer Bestandteil burschenschaftlicher Agitation. Ausgehend von der
Denunziation der Juden als feige und waffen- bzw. wehrunf�hig wurde ihnen
die Satisfaktionsf�higkeit abgesprochen. Bereits die 1815 gegr�ndete Jenaer
Urburschenschaft nahm in ihre Verfassung den Passus auf, da� "nur ein
Deutscher und Christ" Mitglied werden d�rfe. Bei der Vereinigung der bereits
bestehenden Burschenschaften stritt mann 1818 um den "Arierparagraphen".
Dieser fand 1820 beim geheimen Burschentag in Dresden eine Mehrheit, wobei
sich zun�chst nicht alle Burschenschaften an diesen Beschlu� hielten. Da� er
1831 wieder zur�ckgenommen wurde, ist Ausdruck einer Kr�fteverschiebung.
Denn neben der v�lkischen Gruppe existierten tats�chlich demokratisch-
jakobinische Positionen. Diese erhielten unter dem Eindruck der Pariser
Julirevolution von 1830 Aufwind. Jahn und seine Germanomanen sahen darin
zurecht ein Abr�cken von den Idealen der Urburschenschaft. Sie wetterten
gegen die "Verjudung" und "Verw�lschung" der Bewegung, die am Vorabend der
48er Revolution tief gespalten war.
Nach dem Scheitern der Revolution, das gleichbedeutend ist mit der
endg�ltigen Niederlage demokratischer Positionen innerhalb der
Burschenschaften, gewann die v�lkische Richtung, die 1848 im Abseits war,
wieder Oberhand. Nun stimmte mann ein in den Chor der Reaktion, welche die
Revolution von Anfang an als "j�disch" denunziert hatte.

Kaderschmiede f�r ein "Herrenvolk von Untertanen"

Da� das Scheitern der b�rgerlichen Revolutionen in Deutschland und
�sterreich in urs�chlichem Verh�ltnis zum Aufkommen des Faschismus steht,
wurde oft betont. Da� aber gerade die selbsternannten Erben der 48er
Revolution�re auch in struktureller Hinsicht hier vorbereitend wirkten, ist
weniger bekannt.
Im nun gebildeten B�ndnis zwischen B�rgertum und Adel kam den Korporationen
zentrale Bedeutung zu: Sie stellten jenen sozialen Ort dar, in welchem die
angehenden Eliten ausgebildet wurden. �ber die Burschenschaften (und das
Milit�r) konnten B�rger Angeh�rige der besseren, satisfaktionsf�higen
Gesellschaft werden. In einer Unmenge von starren Riten, einem klar
festgelegten System von �ber- und Unterordnung, paramilit�rischen und
gewaltf�rmigen Handlungen (wie der "Mensur") wurde in dieser "Schule der
Nation" jene autorit�re Charakterstruktur zuk�nftiger M�rder und
Schreibtischt�ter ausgebildet, die Norbert Elias als "menschlichen Habitus
ohne Mitleid" bezeichnete. Die v�lkische Ideologie verband sich hier mit dem
soldatischen M�nnerbild zur umfassenden Weltanschauung, die sich gegen�ber
allem als "schwach" und "minderwertig" Identifizierten mit Verachtung abhob.
Das milit�rische Ich des M�nnerbundes, definiert durch Sekund�rtugenden wie
H�rte, Gehorsam, Wehr- und Ehrhaftigkeit, kontrastiert mit
"Verweichlichung", "Verweiblichung" und "Verjudung", war also auch
strukturell mit Demokratisierung und Emanzipation unvereinbar.
Ab den 1870er Jahren erfuhr die antiemanzipatorische Ideologie der
Burschenschaften eine Radikalisierung. Dies betrifft vor allem den
Antisemitismus: Eine nach der anderen Verbindung stellte sich auf den
"Rassestandpunkt" und f�hrte Jahrzehnte vor den "N�rnberger Rassegesetzen"
der Nazis "Arierparagraphen" ein. In �sterreich waren am Ende des
Jahrhunderts alle Burschenschaften "judenrein". Auch auf den Hochschulen
k�mpften die Burschenschaften f�r die Durchsetzung ihrer antisemitischen
Prinzipien und forderten einen Numerus Clausus f�r j�dische H�rerInnen. Fast
t�glich griffen sie unter dem duldenden Auge weiter Teile der
Professorenschaft die "Feinde des Deutschtums" (i.e. j�dische, ausl�ndische
und marxistische Studenten) an und versuchten, sie von der Universit�t zu
vertreiben.
Gleichzeitig erfolgte zur Jahrhundertwende, als Frauen auf die Universit�ten
und in den Staat dr�ngten, eine offensive Deutung der m�nnerb�ndischen
Praxis �ber die Grenzen der Korporationen hinaus. Die M�nnerbundideologie
als theoretische Vornewegverteidigung patriarchalen Besitzstandes setzte
Staat mit M�nnlichkeit gleich. In zahllosen antifeministischen Schriften
wurde der "Nachweis" erbracht, da� es die M�nner sind, die mit einem
"Geselligkeitstrieb" ausgestattet sind und daher als einzige
gesellschaftliche bzw. staatliche Ordnungen begr�nden k�nnen. Frauen wurde
hier ein "Familien-" oder "Geschlechtstrieb" attestiert, welcher nur zur
Ausbildung verwandtschaftlicher Gemeinschaften ausreiche. Neben den Juden,
von denen ebenfalls behauptet wurde, sie w�ren nicht zur Staatsbildung (i.e.
M�nnerbundbildung) f�hig, wurde so eine zweite gesellschaftliche Gruppe aus
dem �ffentlich-politischen Leben ausgeschlossen. Bis 1918 stemmten sich die
Korporationen vehement gegen Demokratisierung und die sozialen Forderungen
der ArbeiterInnenbewegung. Danach wurden sie neben anderen (soldatischen)
M�nnerb�nden zur gelebten Antithese des demokratischen Staates, der als
"Herrschaft der Minderwertigen" denunziert wurde. Auch unmittelbar politisch
standen die Korporationen an der Wiege der republikfeindlichen Kr�fte in der
Ersten Republik. An der Niederschlagung der R�tebewegung waren sie genauso
f�hrend beteiligt wie am Kapp-Putsch und an Hitlers "Marsch auf die
Feldherrenhalle" in M�nchen. Der Nationalsozialismus hat gerade in
�sterreich personell wie ideologisch seinen Ausgang von den Universit�ten.
Der "Anschlu�" von 1938 wurde hier schon in den sp�ten 20er Jahren
vollzogen.

M�nnerb�nde zerschlagen!

Wenn wir heute gegen das burschenschaftliche Unwesen mobilisieren, dann tun
wir dies nicht nur aufgrund der rechtsextremen Traditionen, die den "Bruch"
von 1945 beinahe unbeschadet �berstanden haben, sondern auch angesichts der
sozialen und HERRschaftsstabilisierenden Funktion, welche Korporationen als
m�nnliche Solidargemeinschaften zukommt. Nicht nur die deutschnationalen
Verbindungen bilden Seilschaften in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft und
organisieren im Alltag den Ausschlu� von Frauen. Strukturell wie inhaltlich
stehen alle Studentverbindungen exemplarisch f�r Antifeminismus und
Frauenfeindlichkeit. Sie kultivieren bis heute ein gewaltf�rmiges, elit�res
Denken, das auf Kategorien wie "St�rke" und "Durchsetzungsverm�gen" basiert.
Daneben betreiben sie �ber die Grenzen des M�nnderbundes hinaus eine
Militarisierung der Gesellschaft.
So wie wir unsere Aufmerksamkeit aber auch auf informelle M�nnerb�nde lenken
sollten, d�rfen wir unsere Oppositon gegen den nationalen Wahn nicht
verk�rzen: Der Kampf gegen das v�lkische Prinzip verleitet, die historische
Alternative (die Nation als politische Gemeinschaft der Staatsb�rger)
hochzuhalten. Zun�chst basiert auch sie auf einem Mythos: Statt der
gemeinsamen Abstammung wird hier die Gleichheit behauptet. Als Ideolgie des
kapitalistischen Marktes meint Gleichheit die Vergleichbarkeit von
Warenbesitzern. Dieses Nationsverst�ndnis der b�rgerlichen Revolution hat
daneben den Ausschlu� der Frauen vorausgesetzt. Als Staatsb�rger und
Rechtssubjekte galten nur M�nner, die einzig zu Tr�gern der damit verbunden
Rechte wurden. Dahinter steht die Trennung des Lebens in eine private und
eine �ffentliche, politische Sph�re und - damit verbunden - die Zuordnung
der Geschlechter. Frauen hatten sich auf das Private zu beschr�nken, w�hrend
M�nner als �ffentlich-politische Akteure die Nation oder den Staat bildeten.
Die Aufnahme der Frauen in den Staat wurde in jahrzehntelangen
Auseinandersetzungen erk�mpft. Doch auch der formaldemokratische Sozialstaat
ist nicht geschlechtsneutral, wie das die modernen Patriarchen dauernd von
sich behaupten. Jenseits dem Andauern m�nnerb�ndischer Politikformen und
m�nnlicher Dominanz in den staatlichen (ideologischen wie Repressions-)
Apparaten stellt er jene Form dar, in welcher die soziale Ungleichheit der
Geschlechter verwaltet wird. Gleich der politischen Ungleichheit beruht auch
diese auf der Trennung und Hierarchisierung der beiden Sph�ren.
F�r uns stellt die Nation (samt der dazugeh�renden "Identit�t") keinen
leeren Begriff dar, der mit fortschrittlichen Inhalten gef�llt und gegen die
Rechte gewendet werden k�nnte. Die nationale Rede ist vielmehr jene beliebte
ideologische Form, in welcher das Schweigen �ber Geschlechter- und
Klassenunterdr�ckung organisiert wird. Sie harmonisiert die Gegens�tze im
Inneren und schafft einen neuen - das Ausland bzw. die "Fremden". Das Gerede
vom "linken" Nationalismus ist ein Widerspruch in sich: Links, so wie wir es
verstehen, meint Kampf gegen Staat und Patriarchat, Nation(alismus)
stabilisiert beide Herrschaftsformen.
Darum: Die Nation, ob �sterreichisch, deutsch oder sonstwie genannt,
�berlassen wir der Rechten. Die Linke ist antinational, oder sie ist keine.

PS: 16. Mai 1998, 18 Uhr, Uni-Rampe: Auftakt zum raveolution�ren
antifaschistischen Ringspektaktel
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