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Started by Joerg Tretow
Mon, 20 Oct 1997 00:00
Behindertenfeindlichkeit an der TU Dresden
Author: Joerg Tretow
Date: Mon, 20 Oct 1997 00:00
Date: Mon, 20 Oct 1997 00:00
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Sehr geehrte Leser, sehr geehrte Leserinen, Dieses Schreiben ist ein Hilferuf an die Oeffentlichkeit. Es geht dabei um juengste Vorkommnisse an der technischen Universitaet in Dresden. Kurz gesagt: es liegt offenbar im Interesse der Fakultaetsleitung, einen blinden Studenten der Wirtschaftsinformatik abzuschieben bzw. das Studium nicht ausreichend zu unter- stuetzen. Dabei eilt grade der TU in Dresden der ruf voraus, da� sie sehr behinderten und insbesondere blindenfreundlich ist! Sieht man jedoch die neueste Entwicklung an der groe�ten Fakultaet (Wirtschaftswissenschaften), dann kann man sogar ohne in irgend einer Form zu uebertreiben von Behindertenfeindlichkeiit sprechen. Ich habe im Juni an der Blindenschule Koenigs Wusterhausen mein Abitur abgeschlossen. Schon frueh war fuer mich klar, da� ich Wirtschaftsinformatik studieren werde. Wie fuer jeden Behinderten stellte sich natuerlich auch fuer mich die Frage, welche Uni meinen Beduerfnissen moeglichst Rechnung tragen koennte. Immer wieder wurde die TU in Dresden ins Gespraech gebracht. Insbesondere weil es dort eine Arbeitsgruppe (Blinde und Sehgeschaedigte studieren) am Lehrstul (Mensch-Maschine- kommunikation) an der Fakultaet Informatik gibt. so fanden an unserer Schule recht regelmae�ig Informationstage statt. Es berichteten Studenten, die ehemals in Koenigs Wusterhasen das Abitur abgelegt haben und anschlie�end an die TU gegangen sind. Diese Erfahrungen waren immer sehr positiv. Dabei ist allerdings zu sagen, da� kein Studi an der Fakultaet Wirtschaftswissenschaften darunter war. die Erfahrungsberichte beschraenkten sich ausschlie�lich auf Informatik und Psychologie. ich bin der erste blinde Student an der Fakultaet Wirtschaftswisssenschaften, welche den Studiengang der Wirtschaftsinformatik anbietet. Ausdruecklich wurde auf meine Nachfragen erklaert, da� jeder Sehgeschaedigte Student in Dresden bei jeder Fakultaet willkommen sei. Offenbar ein gro�er Irrtum, welcher mir nun zum Verhaengniss zu werden droht. Im Mai fand dann ein Informationstag in Dresden statt. Dort war auch ich zugegen. Natuerlich mein Interesse auf die Wirtschafts- informatik gerichtet. Zwar stand die Informatik im Vordergrund, doch fand ein Vertreter der Fakultaet Wirtschaftswissenschaften Zeit um mir sogar persoenlich ans Herz zu legen, da� es nur von Vorteil sein koennte an der TU in Dresden Wirtschaftsinformatik zu studieren. Als ich mir im Informatikzentrum die Arbeitsplaetze anschaute, welche auch fuer Blinde benutzbar sind, war ich hell auf begeistert. Fuer mich war nun entguelltig klar, da� ich Wirtschaftsinformatik in Dresden studieren wuerde. Die Bewerbung verlief problemlos, und ich bin nun hier Student. Leider mu�te ich jedoch schon frueh merken, da� die einstellung zu Behinderten von Fakultaet zu Fakultaet sehr unterschiedlich ist. so nahm ich zu der Arbeitsgruppe (Blinde studieren) Kontakt auf. ich mu� sagen, da� ich hier wirklich glueck hatte. Man war bereit mich in allen wichtigen Punkten zu unterstuetzen, und man ist dies auch immer noch. Leider gibt es aber ein erstes Grundproblem: der Studiengang Wirtschaftsinformatik wird von der Fakultaet Wirtschaftswissenschaften angeboten. Zwar koenne, so sagte man mir bei den Informatikern, die Arbeitsgruppe einiges Aufarbeiten aber nur unter der Ma�gabe, da� die Fakultaet Wirtschaftswissenschaften dies bezahle. au�erdem fehlen Hilfskraefte, welche Arbeiten wie Scanen usw. uebernehmen. Leider ist die Fakultaet dazu nicht bereit! Da das Studium der Wirtschaftswissenschaften stark auf grafischer Darstellung beruht (insbesondere VWL und Mathe) bin ich auf das Erstellen von Folien (taktil) angewiesen. Auch hier ist die Loesung naheliegend. Das Problem lie�e sich durch die oben erwaehnte arbeitsgruppe loesen. doch dreht die Fakultaet auch hier den hahn zu! ein weiteres Problem kommt hinzu. es hat sich als sehr gut erwiesen, wenn ein Blinder einen Tutor, das ist eine studentische Hilfskrat, an die Seite bekommt. Dieser Student sollte moeglichst aus dem gleichen Semester und dem gleichen Studiengang sein. Aber er mu� natuerlich finanziert werden. Bei der Iformatikabteilung, welche ebenfalls blinde Studenten betreut, ist das kein Problem. die Wirtschaftswissenschaftler denken darueber anders. bis Ende des Kalenderjahres 1997 wurden mir 5 Wochenstunden finanziert. In der Informatikfakultaet sagte man nur, da� das viel zu wenig sei. Dort sprach man von 40 Stunden im Monat! er Stura, ein Organ der Studenten an der TU, finanzierte man mir weitere 5 Wochenstunden unter vorbehalt. Man will sich an die Unileitung wenden. Die studentische Hilfskraft ist eine Mindestvoraussetzung um ein erfolgreiches Studium zu absolvieren. Zu diesem ganzen Thema fand nun am 15.10.1997 neine Fakultaetsratssitzung statt. diese verlief sehr entt�uschend. Mir wurde mitgeteilt, da� ich von der fakultaet in keinster Weise mehr Unterstuetzung zu erwarten habe. Zudem, so bestehtigte mir ein Fachschaftsratsmitglied, seien auf der Sitzung von leitenden Professoren sehr behindertenfeindliche (mehr oder weniger) �u�erungen gefallen. Man einigte sich auf folgendes: ich solle moeglichst schnell die TU verlassen und mir eine "Blindenuni" suchen. Das wurde mir vom Dekan direkt so gesagt. Man sei nicht in der Lage blinde Studenten zu unterrichten. An dieser Stelle moechte ich auf die Person kommen, welche im Mai mir gegenueber deutlich machte, da� jeder Blinde Wirtschaftswissenschaften studieren koenne. diese Person soll sich, wie ich allerdings ueber Umwege hoerte auf einmal dafuer stark machen, da� Behinderte moeglichst nicht mehr studieren sollten an der fakultaet in Dresden. als ich kurz mit dem Dekan sprach, am Rande einer Vorlesung, stand dieser Herr auuch auf Seiten des Dekans. Er ist wie ich erfuhr auch am Lehrstul (Wirtschaftsinformatik) des Dekans angestellt. Ein vorschlag eines Professors, die Moeglichkeiten eines Studiums eines blinden durch einen Sachverstaendigen darlegen zu lassen, wurde direkt abgelehnt. Dabei haette man nur den leitenden Professor des Lehrstuls (Mensch-Maschinekommunikation)aus der fakultaet Informatik hinzuziehen brauchen. Kurz kann man sagen: nach Willen der fakultaet insbesondere unseres Herrn "Dekans" soll ich weg und zwar so schnell als moeglich. Ich sage hier in aller Deutlichkeit, da� ich mich nicht Abschieben lasse und um mein Recht mit allen Mitteln kaempfen werde und zwar bis zum Letzten. Notfalls werde ichauch groe�ere Medien einschalten. Ich fordere das im Grundgesetz verbriefte recht auf Gleichberechtigung. Unterstuetzung ist mir von Seiten des fachschaftsrates und anderer studentischer Organisationen sicher. So will vor allem der Stura mich unterstuetzen. Jedenfalls wird dieses Thema auch die Leitung der technischen Universitaet beschaeftigen. Innerhalb der Fakultaet stehen auch einige, aber wohl wenige auf meiner Seite. Aber ich wei�, da� ich das Recht auf meiner Seite habe! Ich habe mich an die Oeffentlichkeit gewandt, weil ich Euch alle um Hilfe bitte! Leider wei� ich selbst noch nicht, wie diese richtig aussehen koennte. Vielleicht koennen sich andere Studentenoorganisationen mit der Uni hier in Verbindung setzen. Studium nicht erfolgreich absolvieren kann. Doch ich moechte es in Drsden absolvieren. Mit Nachdruck mu� ich aber sagen, da� wnn sich an meiner jetzigen Situation nichts aendert ich das Klingeln wir gemeinsam die Leute wach! Ich zaehle auf jeden von Euch! Fuer mich haengt einiges davon ab! Schlie�lich reduziert sich die ganze Angelegenheit auf die Frage: wenn man blinde oder ueberhaupt behinderte Studenten annimmt, dann mu� man sie auch unterstuetzen. Sonst mu� die TU und insbesondere die FakultAET OFFEN BEKENNEN; DA� SIE BEHINDERTE NICHT GEBRAUCHEN KANN! Dazu wird sie, wenn es so weitergeht, schon bald in der Oeffentlichkeit Gelegenheit haben. Jedenfalls darf es nicht so sein, da� sich die TU mit etwas schmueckt, was letztlich nur ein Schein ist, oder zumindest nicht auf alle Fakultaeten uebertragbar ist. Ich bitte dringend um Hilfe jeder Art!! mit freundlichen Grue�en verbleibt bis bald Joerg Tretow Joerg Tretow Hochschulstr. 50 Zimmer 0205 01069 Dresden Telefon: 0351 47 62 95 9 Computer veraendern die Welt ## CrossPoint v3.11 R ##
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