Thread View: blindnet.allgemeines
1 messages
1 total messages
Started by Uwe Frehse
Tue, 27 Feb 1996 00:00
SGB XI: Norbert Bluem im Nov. 1991 1#2
Author: Uwe Frehse
Date: Tue, 27 Feb 1996 00:00
Date: Tue, 27 Feb 1996 00:00
169 lines
8739 bytes
8739 bytes
1#2
Selbstbestimmtes Leben
fuer behinderte Menschen
Europaeische Ministerkonferenz
der 25 Mitgliedsstaaten des Europarates
vom 7. und 8. November 1991 in Paris
II. Abschlusserklaerung
1. Auf Einladung der franzoesischen Regierung kamen die fuer
Behindertenpolitik zustaendigen europaeischen Minister am 7.
und 8. November 1991 in Paris zu einer Konferenz mit dem
Thema "Selbstbestimmtes Leben fuer behinderte Menschen"<1>
zusammen. Die Konferenz wurde von Frau Catherine LALUMIERE,
der Generalsekretaerin des Europarates, eroeffnet; Teilnehmer
waren Minister aus den 25 Mitgliedsstaaten des Europarates
wie auch Vertreter der Parlamentarischen Versammlung des
Europarates, der Staendigen Konferenz der Gemeinden und
Regionen Europas und der Kommission der Europaeischen
Gemeinschaft. Ausserdem wohnten der Konferenz Vertreter
Albaniens, Bulgariens, Kanadas, des Heiligen Stuhls,
Lettlands, Polens, Rumaeniens und der UdSSR als Beobachter
bei. Ebenfalls als Beobachter waren Vertreter der UNO, der
UNESCO, der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der
Organisation fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) anwesend. Zudem lud die Konferenz die
internationalen Behindertenorganisationen Rehabilitation
International (RI), Disabled Peoples' International (DPI),
und Mobility International (MI) sowie den Bund der
Familienorganisationen der Europaeischen Gemeinschaften
(COFACE), das Europaeische Netzwerk fuer Selbstbestimmtes
Leben<2> (ENIL) und die Internationale Liga von Vereinigungen fuer
Menschen mit Geistiger Behinderung (ILSMH) zur Teilnahme ein.
<1> Independent living for people with disabilities;
<2> European Network on Independent Living;
2. Herr Michel GILLIBERT, franzoesischer Staatssekretaer fuer die
Angelegenheiten von Behinderten und Unfallopfern, wurde auf
Vorschlag der Parlamentarischen Staatssekretaerin im
Ministerium fuer Familie und Senioren der Bundesrepublik
Deutschland, Frau Roswitha VERHUeLSDONK, zum Vorsitzenden
gewaehlt.
3. Nach Abschluss ihrer Gespraeche verabschiedeten die Minister
die folgende Erklaerung:
Abschlusserklaerung
1. In der Vergangenheit wurden Massnahmen zugunsten von
behinderten Menschen hauptsaechlich durchgefuehrt, um ihre
Wohlfahrt oder ihr Einkommen zu sichern, bestimmte Gruppen,
wie zum Beispiel Kriegsversehrte, zu entschaedigen oder ihnen
ein Recht auf eine spezielle Versorgung zu verschaffen.
Behinderte galten allgemein als "anders" als andere Menschen
und hilflos. Wohltaetige Aktionen fuehrte oft zu ihrer
Isolation und Ausgrenzung in Einrichtungen, die vom sozialen
Umfeld abgeschnitten waren. Dort hatten sie selten
Moeglichkeiten, sich zu verbessern, und genossen nicht die
gleichen Rechte und Moeglichkeiten wie alle anderen.
Als man jedoch davon ausging, dass alle Menschen Anspruch auf
die gleichen Grundrechte haben, erkannte man allmaehlich, dass
die Wirtschafts- und Sozialpolitik allen Buergern die volle
Ausschoepfung ihres Potentials ermoeglichen musste.
2. Umfragen haben ergeben, dass 10% der Bevoelkerung mit einer
Behinderung leben. Zudem wird die Zahl der aelteren Menschen
in der Gemeinschaft in den kommenden Jahren stark ansteigen.
Das bedeutet, dass immer mehr Menschen direkt betroffen sein
werden, entweder durch die eigene Behinderung, oder durch die
Beduerfnisse von Familienmitgliedern, Freunden und Nachbarn.
3. Jeder Mensch ist einzigartig und hat eine Reihe
unterschiedlicher Eigenschaften und Ziele. Das Vorhandensein
oder Auftreten einer Behinderung stoert die Lebensumstaende der
Betroffenen, auch in der Umgebung der Familie, Freunde und
Nachbarn. Die Behinderung als solche beeintraechtigt jedoch
nicht die individuellen Eigenschaften und Ambitionen - sie
erschwert es der betreffenden Person lediglich, ihr Potential
voll auszuschoepfen.
4. Eine Behinderung kann jeden zu jeder Zeit und an jedem Ort
treffen. Behinderungen sind nie einheitlich, die Beduerfnisse
der behinderten Menschen selbst und der ihnen nahestehenden
Personen unterscheiden sich ebenso wie die Faehigkeit der
Gemeinschaft, mit diesen Beduerfnissen umzugehen. Folglich
sollte die Gesellschaft erkennen, dass jeder Buerger die
Moeglichkeit erhalten muss zu waehlen, in welcher Weise er am
taeglichen Leben teilnehmen moechte.
5. In den vergangenen Jahrzehnten wurden grosse Fortschritte beim
Abbau von Vorurteilen und Schranken und bei der Entwicklung
einer neuen Art des Umgangs mit Behinderung erzielt.
Verschiedene Faktoren haben, in groesserem oder geringerem
Masse, zu diesem Fortschritt beigetragen, je nach
geschichtlichem Hintergrund und politischen Strukturen der
einzelnen Laender.
Der wissenschaftliche Fortschritt ermoeglichte eine genauere
Ursachenermittlung bei einer Reihe von Stoerungen, eine
Verbesserung der Behandlungsmethoden und den Ausgleich der
aus den Behinderungen resultierenden Folgen mittels neuer
Technologien.
Gesetzgebung und staatliche Massnahmen einschliesslich der
Bereitstellung oeffentlicher Mittel haben in vielen Laendern zu
einer erheblichen Verbesserung der Situation behinderter
Menschen gefuehrt.
Nichtstaatliche Organisationen haben wesentlich dazu
beigetragen, die Aufmerksamkeit auf die aus Behinderung
resultierenden Folgen im menschlichen, sozialen und
wirtschaftlichen Bereich zu lenken. In einigen Laendern
uebernehmen sie auch entsprechende Dienstleistungen, oft in
Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen. Sie haben
insbesondere zu einer Bewusstseinsschaerfung im Bezug auf das
Recht der behinderten Menschen auf ein selbstbestimmtes Leben
und aktive Teilnahme in allen Bereichen der Gesellschaft
beigetragen.
Ein Ergebnis all dieser Massnahmen ist, dass die Rechte der
behinderten Menschen in internationalen gesetzlichen
Bestimmungen verankert worden sind.
6. Die Arbeit ist jedoch noch nicht beendet und muss fortgesetzt
werden.
Die Minister sind der Ansicht, dass individuelle Problemlagen
durch eine in sich schluessige Politik, die alle Aspekte des
Lebens umfasst, verbessert werden muessen. Sie sind der
Meinung, dass Menschen, die aufgrund eines Schicksalsschlages
besondere Beduerfnisse im Hinblick auf ein normales Lebens
haben, von einer umfassenden Politik profitieren sollten, die
alle Aspekte ihres Lebens beruecksichtigt.
Der Europarat ist in seiner Arbeit besonders darum bemueht,
eine in sich schluessige Politik zugunsten der behinderten
Menschen zu entwickeln. Die gegenwaertig stattfindende
Konferenz zum Thema Selbstbestimmtes Leben fuer behinderte
Menschen unterstreicht ihr Anliegen, neue zukunftsweisende
Wege zu begehen.
Diese neuen Wege sind umso wichtiger, als ein neues und
groesseres Europa entsteht, dass auf Demokratie, Recht und
Achtung der Wuerde des Einzelnen basiert.
Seine Durchsetzung erfordert eine enge und kontinuierliche
Zusammenarbeit mit den Staaten Ost- und Mitteleuropas, damit
sie aus der Erfahrung ihrer europaeischen Partner auf dem
Gebiet der Integration von behinderten Menschen Nutzen ziehen
koennen.
2#2
Thread Navigation
This is a paginated view of messages in the thread with full content displayed inline.
Messages are displayed in chronological order, with the original post highlighted in green.
Use pagination controls to navigate through all messages in large threads.
Back to All Threads