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Article #110Re: Gericht stoppt Bundesauftrag an Microsoft
From: Theo Schmidt
Date: Tue, 09 Jun 2009 09:59
Date: Tue, 09 Jun 2009 09:59
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Stefan Werner schrieb: ... > Es "heisst" vielleicht nirgends, aber es wird kolportiert. Gerade im > Firmenumfeld muss man das jedem (potentiellen) Kunden aufs Neue > erklären: "Nein, OpenSource heisst nicht 'gratis', sondern 'frei'. Sie > sparen vermutlich kein Geld, sondern Sie erwerben verringerte > Abhängigkeit." Genau. Wobei man durchaus auch Geld sparen kann, vor allem langfristig. ... > Wikipedia ist einfacher zu maintainen, als eine komplexe Software (da > kaum Abhängigkeiten zwischen Artikeln) und ausserdem ist sie ein > Massenprodukt. "Einfacher zu maintainen" würden die Wikipedia-Admins sicher abstreiten. Ich meine die Tausende von Freiwilligen, nicht die paar wenige Profis, die sich um die Server kümmern. Massenprodukt ist richtig, es hat die "kritische Masse" überschritten. ... > Spätestens beim 100. abendlichen > Telefonat nimmt die Lust deutlich ab, auch wenn der Anrufer "Danke" und > "Super Arbeit!" sagt. Die meisten Entwickler, die ich kenne, freuen sich durchaus, wenn man sie anruft, aber die Anerkennung suchen sie eher durch Ihresgleiche in - für uns obskure - Foren. Es ist aber kaum ihre Aufgabe, 1st level Support zu leisten. Dafür gibt es entweder Publikumsforen oder professionellen Support. Das ist bei proprietärer Software nicht anders. Viele Anbieter schliessen bestimmte Support-Angebote in den Preis ihres Produkts ein. Bei FOSS hat der Kunde hingegen die Wahl, darauf zu verzichten, oder den Support woanders einzukaufen. > Daher arbeiten so viele Linux Kernel Entwickler > eben nicht gratis. Das Geld, das sie für ihre gute Arbeit bekommen, muss > aber irgendwo verdient werden. Daher ist es m.E. falsch, beim Kunden die > Erwartung zu wecken und zu schüren, OpenSource sei gratis. Stimmt. Aber es kann für den privaten Kunden gratis sein, wenn er will, d.h. sich genau mit dem zufrieden gibt, was er bekommt, oder seine eigene Zeit investiert, was ja durchaus auch befriedigend sein kann. Aber das ist hier ja nicht das Thema, es geht um die Bundesverwaltung. >> Das geschieht eben nicht, da verschiedene Leute daran arbeiten und es >> sehr unwahrscheinlich wäre, dass eine dunkle Macht gleichzeitig alle >> korrumpiert (durchaus auch bildlich zu verstehen). Das ist ja gerade der > > HA! Danke für die Steilvorlage :-). Du unterstellst da, dass jeder den > gesamten Code kennt und analysiert. Natürlich nicht. Aber es ist möglich, was bei closed source software eben nicht möglich ist. ... > Sicherheitslücken sind in Firefox nicht seltener, als im Internet > Explorer und sie werden auch nicht schneller gefixt. Ich denke schon. Wer will, kann jeden Tag aktualisieren. Es sind natürlich mehr Sicherheitslücken *bekannt*, weil sie sofort veröffentlicht werden, während Microsoft sie i.d.R. erst veröffentlicht, wenn sie bekannt sind. Es sind zwei verschiedene Ansätze. > Root Kits für Linux sind eine Realität. Natürlich. Sie kommen ja von Unix (root = super user oder administrator). Aber aktive Viren im üblichen Sinn gibt es nicht. ... > Es müssen also keineswegs alle gleichzeitig korrumpiert werden, sondern > nur einer oder zwei, die für eine passende Stelle im Code zuständig > sind. Die Chancen stehen ausgezeichnet, dass dann niemand ein halbwegs > geschickt eingebautes Backdoor entdeckt. Ich bin kein Entwickler, kann mir aber schon vorstellen, dass es viel kriminelle Energie und sehr gute Kenntnisse bräuchte, um schlimme Malware an den Kollegen vorbei zu schleusen. Vielleicht geht das kurzfristig, aber wenn es auffliegt, wäre man "erledigt", ähnlich wie bei Betrügern in der akademischen Welt. > Ist es nicht eher so, dass rund 90% aller OpenSource-Projekte nach > weniger als einem Jahr wieder eingehen bzw. nicht mehr weiterentwickelt > werden? Schau mal auf Sourceforge die Aktivitätsstatistiken an. Die weit > überwiegende Mehrheit der Projekte zeigt keine oder kaum Aktivität. > Natürlich gibt es grandiose Ausnahmen, wie den Apache httpd oder den > Linux-Kernel, aber die sind, eben, Ausnahmen. Ich denke man muss sich das wie die evolutionäre Prozesse in der Natur vorstellen. Jeden Tag entstehen hunderte neue Arten und (leider etwas mehr) hunderte Arten sterben aus. Die meisten davon sind den wenigsten oder gar keinen Menschen bekannt. Die "Stars", also die bekannten Arten, sind hingegen recht stabil und erfolgreich und werden sogar "maintained", wenn es ihnen zu gut oder zu schlecht geht. Die Schöpfung ist auch "free open source" auch wenn es noch sehr viel Geheimnisse gibt, da der "offene code" sehr vielschichtig ist. ... > Ich sehe schon was Du meinst - Der IT-Verantwortliche einer Firma wird > zur TCO auch das vorhandene Wissen der Angestellten einkalkulieren. Er > darf davon ausgehen, dass sämtliche KV-Absolventinnen mit Microsoft Word > und Excel umgehen können und sich auf dem Windows-Desktop einigermassen > zurechtfinden. Wenn er AbiWord oder OpenOffice installiert, wird er > Schulungen machen müssen. Vielleicht keine langen Schulungen, aber doch > soviel, dass die Kosten des IT-Profis zu Buche schlagen. Der Umstieg von einem älteren Word auf eine der freien Textverarbeitungen ist einfacher als auf MS Office 2007. Es hängt vor allem von der Motivation ab: wer etwas nicht will, hat es schwerer als wenn er es will. Es geht der Bundesverwaltung wohl auch weniger um die User als um bestehende Vorlagen und Fachanwendungen. > Man müsste zuerst die Schulen und Lehranstalten gewinnen, FOSS zu > verwenden. Dort wird man mit dem Henne-Ei-Problem argumentieren: "Die > Wirtschaft will, dass die Absolventen Microsoft(tm) sprechen...". Ich > weiss auch nicht, wie man dieses Dilemma lösen könnte. Ein erster Schritt wäre es eben, wenn die geltenden Gesetzte und Absichtserklärungen eingehalten würden. Deshalb die Klage. Die Schulen argumentieren aber weniger mit der Wirtschaft als mit den Kenntnissen der Lehrer. Die Schüler und Schülerinnen haben hingegen kein Problem und profitieren, dort wo man sie lässt. Aber man lässt sie eben nicht. Es ist wie wenn man in der Schule keine Sprachen lernen würde, sondern ausschliesslich Schweizerdeutsch, oder keine Physik, sondern nur der Gebrauch irgendwelcher Geräte, welche von der Industrie gesponsert werden. Theo Schmidt
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