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Article #234

Re: Gericht stoppt Bundesauftrag an Microsoft

#234
From: Theo Schmidt
Date: Sat, 06 Jun 2009 12:14
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Stefan Werner schrieb:
...
> Es ist klar, dass Microsoft -ebensowenig wie Novartis oder die UBS- mit 
> Samthandschuhen agiert, sondern auf Profit aus ist. Trotzdem: Die 
> wenigsten Windows-User mussten bestochen oder erpresst werden, um 
> Windows zu benutzen...

Ich denke es gibt mehrere Effekte.

1) Ein "normaler" User merkt kaum etwas von Linux und nur sehr beschränkt von 
FOSS allgemein, weil die normalen PC-Händler PCs mit vorinstalliertem Windows 
(oder Macintosh) verkaufen. Nur die allerwenigsten Händler bieten FOSS/Linux an, 
und dann meistens nur auf Anfrage. Einerseits kennen es viele Händler selber 
nicht, und andererseits scheuen sie sich ein weiteres OS zu supporten.

2) Microsoft, Apple und weitere grosse Firmen machen viel Werbung, FOSS-Firmen 
kaum. Firmen wie IBM, HP und Dell, welche sich durchaus fĂĽr Linux/FOSS einsetzen 
und Geräte dafür verkaufen, werben trotzdem viel häufiger mit "XY empfiehlt 
Windows XY". Warum? Weil AFAIK Microsoft fĂĽr diese Werbung zahlt. Echte 
Linux-Firmen wie Redhat oder frĂĽher SuSE mach(t)en schon Werbung nach ihren 
Möglichkeiten, aber es ist natürlich viel weniger. Und dann kommen die ganzen 
Verträge, welche Händlern beschränken, welche Software sie auf oder mit einem 
Windows oder Mac-System installieren. Ich habe jedenfalls noch nie ein mit 
gängiger FOSS komplett ausgestatteten Windows-PC zu kaufen gesehen, wie das bei 
einem Linux-PC ĂĽblich ist.

3) Microsoft, Apple und weitere grosse Firmen machen viel und geschicktes 
Marketing bei den Entscheidungträgern. Selbstverständlich, dass sich Bill Gates 
am WEF mit Bundespräsdident Merz und anderen Staatschefs trifft. Bill Gates ist 
hat wohl seine Schwächen, ist aber vermutlich der netteste reichste Mann der 
Welt, den man sich vorstellen kann. Wer denkt da böses, wenn nachher die Länder 
Grossaufträge an Microsoft vergeben? Microsoft hat auch sehr freundliche 
Marketing-Mitarbeiter, welche Politiker und Verwalter zum Essen einladen oder 
sogar auf Reisli in die USA. Das ist nicht verboten, ist nicht wirklich 
Bestechung, aber man könnte schon von "Korruption light" sprechen.

4) In den meisten Schulen lehren die Kinder heutzutage fast nur mit proprietärer 
SW umzugehen. Weder die Lehrer, Gemeinden, noch Erziehungsdirektoren haben eine 
grosse Ahnung von etwas anderem. Versuchen einzelne aus der Falle auszubrechen, 
scheitern sie meistens zuerst an der Mehrheit ihrer Kollegen, oder bei 
Grossaufträgen an der Marketingmaschinerie z.B. von Microsoft, die sehr gut 
weiss, wenn ein zusätzlicher Effort nötig ist.

5) "Monokultur"-Systeme wie Windows und frĂĽher MacOS sind leichter vermittelbar, 
da fast alles zueinander passt und funktioniert. Die grosse Vielfalt der freien 
Software macht vielen Angst.

6) Mit Scheinlösungen wie das wohl absichtlich verwirrlich benannte "Office Open 
XML" Format streut Microsoft Sand in die Augen und teilt auch gekonnt die Open 
Source Befürworter. Wenn nötig gibt's auch ein Prozess, z.B. gegen TomTom, der 
in seinen Navigationsgeräten Linux mit dem Dateisystem FAT einsetzt.

Trotzdem richtet siche der Vorwurf nicht gegen Microsoft (oder Novartis,UBS, 
etc. wie du schreibst) sondern gegen die Vertreter der öffentlichen Hand, also 
die Regierungen, Verwaltungen und Parlamente, welche ihre Kunden - die 
Ă–ffentlichkeit - regelrecht verraten, wenn sie diesen Firmen zu sehr auf den 
Leim gehen. Ich staune wie geduldig diese Ă–ffentlichkeit ist. Neben 60 
Milliarden oder so Steuergelder an die Banken regt sich natĂĽrlich niemand wegen 
ein paar Millionen für unnötige Software Lizenzen auf.

Dann gibt es als weitere Kraft Presse und Medien, welche gemäss dem "David und 
Goliath" Effekt meistens wohlwollend ĂĽber Linux und FOSS berichten. Aber es ist 
halt ein Off-Topic und somit wird sehr wenig geschrieben.

Als letzter Ausweg bleibt die Justiz, um zu prĂĽfen, was von den obigen 
Machenschaften legal und was illegal ist. Deshalb die Klage und die vorläufige 
superprovisorische VerfĂĽgung.

Theo Schmidt
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From: Theo Schmidt <theo.schmidt@wilhelmtux.ch>
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