Article View: ch.comp.os.linux
Article #240Re: Gericht stoppt Bundesauftrag an Microsoft
From: Stefan Werner
Date: Mon, 08 Jun 2009 04:54
Date: Mon, 08 Jun 2009 04:54
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Theo Schmidt schrieb: > 1) Ein "normaler" User merkt kaum etwas von Linux und nur sehr > beschränkt von FOSS allgemein, weil die normalen PC-Händler PCs mit > vorinstalliertem Windows (oder Macintosh) verkaufen. Nur die > allerwenigsten Händler bieten FOSS/Linux an, und dann meistens nur auf > Anfrage. Einerseits kennen es viele Händler selber nicht, und > andererseits scheuen sie sich ein weiteres OS zu supporten. Das ist sicher richtig festgestellt (und macht aus der Sicht des Händlers auch Sinn). Die Marktwirtschaftslehre würde allerdings nachelegen, dass einige Händler in der Marktlücke ihr Glück suchen und finden müssten. Das findet nicht statt. FOSS wird in Foren und Usenet zwar heftig verteidigt und empfohlen, aber offensichtlich kaum gekauft. Otto Normaluser versteht das "Free" in "Free Software" eben immer noch eher wie in "free beer" und nicht wie in "free speech". Er will also Perfektion und Support, aber nichts dafür bezahlen. Das bekommt er bei Windows, weil Windows "sowieso" auf seinem neu gekauften PC drauf ist, und weil es Support dafür an jeder Ecke gibt.... > 2) Microsoft, Apple und weitere grosse Firmen machen viel Werbung, > FOSS-Firmen kaum. Firmen wie IBM, HP und Dell, welche sich durchaus für > Linux/FOSS einsetzen und Geräte dafür verkaufen, werben trotzdem viel > häufiger mit "XY empfiehlt Windows XY". Warum? Weil AFAIK Microsoft für > diese Werbung zahlt. Echte Linux-Firmen wie Redhat oder früher SuSE > mach(t)en schon Werbung nach ihren Möglichkeiten, aber es ist natürlich > viel weniger. Und dann kommen die ganzen Verträge, welche Händlern Hier haben wir ein Henne-Ei-Problem. Wieso hat Microsoft denn mehr Geld für Werbug als, sagen wir, Red Hat? Oder, etwas böser formuliert: Wieso gibt IBM weniger Geld für FOSS-Werbung aus, als Microsoft für WIndows-Werbung? Man kann ja schlecht behaupten, IBM (Umsatz: $100 Mrd) werde von Microsoft (Umsatz: $60 Mrd) dominiert. Ich habe vor Jahren mal auf OS/2 gesetzt. Und was tat IBM bei den eigenen 486er PC's? Schrieb in der Werbung: "IBM empfiehlt Windows 95". Ähnlich scheint es mir jetzt auch beim IBM- oder Dell-Engangement für FOSS auszusehen. > 3) Microsoft, Apple und weitere grosse Firmen machen viel und > geschicktes Marketing bei den Entscheidungträgern. Selbstverständlich, Dasselbe: Es wäre an sich ja nicht verboten, dass irgendjemand aus der grossen und heterogenen FOSS-Szene ebenfalls geschicktes Marketing machen würde. Dass das nicht passiert, kann man schwerlich Microsoft anlasten. > 5) "Monokultur"-Systeme wie Windows und früher MacOS sind leichter > vermittelbar, da fast alles zueinander passt und funktioniert. Die > grosse Vielfalt der freien Software macht vielen Angst. Ein wichtiger Punkt. Wobei mit Kompatibilität viele Ängste genommen werden. > Trotzdem richtet siche der Vorwurf nicht gegen Microsoft (oder > Novartis,UBS, etc. wie du schreibst) sondern gegen die Vertreter der > öffentlichen Hand, also die Regierungen, Verwaltungen und Parlamente, > welche ihre Kunden - die Öffentlichkeit - regelrecht verraten, wenn sie > diesen Firmen zu sehr auf den Leim gehen. Ich staune wie geduldig diese > Öffentlichkeit ist. Neben 60 Milliarden oder so Steuergelder an die > Banken regt sich natürlich niemand wegen ein paar Millionen für unnötige > Software Lizenzen auf. Wie gesagt, ich bin nicht sicher, dass di Öffentliche Hand unterm Strich und als TCO gerechnet, wirklich günstiger käme mit FOSS. Ich bin allerdings wie Du der Meinung, dass man es evaluieren sollte. Warum die Öffentlichkeit so geduldig ist: Es geht hier für die Öffentlichkeit nur um Arbeitsgerät, nicht um "Kulturkampf". Dem Bund die Software vorschreiben, wäre im Prinzip so ähnlich, wie wenn man ihm die Marke der Kugelschreiber vorliegen würde, die er verwenden muss. Auch hier sagt die Öffentlichkeit im Prinzip ganz logisch: Es ist egal, mit welchen Kugelschreibern die Leute arbeiten, hauptsache sie arbeiten korrekt. > Als letzter Ausweg bleibt die Justiz, um zu prüfen, was von den obigen > Machenschaften legal und was illegal ist. Deshalb die Klage und die > vorläufige superprovisorische Verfügung. Möglicherweise wird sich das Gericht zu den Kugelschreibern äussern, oder möglicherweise wird es zum Schluss kommen, dass die Beschaffung von Kugelschreibern in der Kompetenz der Abteilungsleiter liegt. Möglicherweise wird nach einer Evaluation auch rauskommen, dass die TCO der FOSS höher wäre, als die von Microsoft-Produkten. Wer FOSS fördern will, soll dies in seinem Umkreis tun und sie selber anwenden. Dann wird sie auch in die Schulen und Unis einsickern. -stef
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