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Article #242Re: Gericht stoppt Bundesauftrag an Microsoft
From: Theo Schmidt
Date: Mon, 08 Jun 2009 13:43
Date: Mon, 08 Jun 2009 13:43
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Stefan Werner schrieb: ... >> ... Einerseits kennen es viele Händler selber nicht, und >> andererseits scheuen sie sich ein weiteres OS zu supporten. > > Das ist sicher richtig festgestellt (und macht aus der Sicht des > Händlers auch Sinn). Die Marktwirtschaftslehre würde allerdings > nachelegen, dass einige Händler in der Marktlücke ihr Glück suchen und > finden müssten. Das findet nicht statt. FOSS wird in Foren und Usenet > zwar heftig verteidigt und empfohlen, aber offensichtlich kaum gekauft. Nun, die meiste FOSS muss ja nicht gekauft werden. Ich bin auch überzeugt, dass mehr verwendet wird als angenommen. Schliesslich hat jeder grössere Kiosk zu jedem Zeitpunkt Dutzende von Heften an Lager, welche hauptsächlich Linux Distributionen dabei haben. Wer aber so ein Heft kauft, erscheint nicht in der Statistik als Linux User, ausser er verwendet es dermassen viel um z.B. in Browser-Statistiken aufzutauchen. In unserem "Dorf" haben wir mehrere PC-Händler. Der eine verkauft Windows-only, will nichts anderes wissen, und richtet sie auch so ein, dass jeder User volle Admin-Rechte hat. Dann verkauft er "Symantec" und "Norton" dazu, und setzt die Systeme neu auf, wenn sie kaputt sind. Meine Bekannten kaufen übrigens häufig immer wieder Software-Lizenzen, die sie nicht brauchen, z.B. wenn sie einen neuen PC kaufen und den altem im Geschäft lassen.Der Händler verkauft gerne neue Lizenzen, statt die vorhandenen zu transferrieren. Der andere Händler hat Linux-PCs im Angebot, einen grossen Tux im Schaufenster, und wirbt dafür. Aber er bewirbt seine Windows PCs viel intensiver. FOSS auf Windows-PCs könnte eine Marktlücke sein, aber für einen kleinen Händler ist es wohl zu mühsam und grosse Händler dürfen nciht wegen den Microsoft-Knebel-Verträge. Die Discounter schliesslich verkaufen lieber teure proprietäre SW als günstige FOSS. ... > Dasselbe: Es wäre an sich ja nicht verboten, dass irgendjemand aus der > grossen und heterogenen FOSS-Szene ebenfalls geschicktes Marketing > machen würde. Dass das nicht passiert, kann man schwerlich Microsoft > anlasten. Nein, nicht Microsoft und auch nicht Privatleuten, sondern denjenigen Vertretern der öffentlichen Hand, welche nicht zwischen ihren persönlichen Bedürfnissen und dem Wohl der Öffentlichkeit unterscheiden können. Und es ist klar, dass eine FOSS-Szene viel weniger Resourcen hat als die grossen Firmen. Natürlich kann man das nicht Microsoft anlasten. Aber die FOSS-Firmen und Vertreter müssten erwarten von den Behörden ernster genommen zu werden, als dies der Fall ist. ... > Wie gesagt, ich bin nicht sicher, dass die Öffentliche Hand unterm Strich > und als TCO gerechnet, wirklich günstiger käme mit FOSS. Ich bin > allerdings wie Du der Meinung, dass man es evaluieren sollte. Dort, wo Geld wirklich ein Problem ist und FOSS eingesetzt wird, z.B. bei den Schulen in Extremadura in Spanien, ist die TCO per Definition besser, da man sich die Alternative gar nicht leisten kann. Da wo zu viel Geld vorhanden ist, wie bei uns, dürfte die TCO bei FOSS erst langfristig sinken. Die Hauptsache ist es jedoch, aus den Abhängigkeitsfallen der Hersteller zu entkommen, sogar wenn dies kurzfristig mehr kostet. > Warum die Öffentlichkeit so geduldig ist: Es geht hier für die > Öffentlichkeit nur um Arbeitsgerät, nicht um "Kulturkampf". Dem Bund die > Software vorschreiben, wäre im Prinzip so ähnlich, wie wenn man ihm die > Marke der Kugelschreiber vorliegen würde, die er verwenden muss. Auch > hier sagt die Öffentlichkeit im Prinzip ganz logisch: Es ist egal, mit > welchen Kugelschreibern die Leute arbeiten, hauptsache sie arbeiten > korrekt. Die ICT geht weit über Geräte wie Kugelschreiber hinaus. Von einem Kugelschreiber kann man nicht abhängig werden, gerade weil es so viel Marken gibt. Die ICT wird aber immer wichtiger in unserem Leben, und nicht nur die Geräte selber, sondern eben auch ihre SW, Schnittstellen, Formate, usw. Da gibt es hunderte von Abhängigkeiten, ein ständiger Kampf zwischen den Grossfirmen und den Bedürfnissen der Menschheit. Da dürfen sich die Verwaltungen eben nicht in den Dienst der Grossfirmen stellen. Die Finanzkrise war nur ein Vorgeschmack, was passieren kann. Information ist künftig vielleicht mächtiger als Resourcen und Geld, oder ist es schon. Hier heisst es gut aufzupassen, nicht nur bei Microsoft und ähnliche Firmen, sondern auch bei Google, der heute wohl mächtigste Informationsbroker. ... > Möglicherweise wird sich das Gericht zu den Kugelschreibern äussern, > oder möglicherweise wird es zum Schluss kommen, dass die Beschaffung von > Kugelschreibern in der Kompetenz der Abteilungsleiter liegt. > Möglicherweise wird nach einer Evaluation auch rauskommen, dass die TCO > der FOSS höher wäre, als die von Microsoft-Produkten. Wie gesagt, es geht um viel mehr als um TCO oder um Kugelschreiber. Ich hoffe, die Richter werden das merken. Wenn nicht, haben wir schon verloren, da dieselben Richter am Bundesverwaltungsgericht sich ja persönlich - also bei ihrem Gericht selbst - schon für Microsoft und gegen die Unix-Lösung des Bundesgerichts ausgesprochen haben. > Wer FOSS fördern will, soll dies in seinem Umkreis tun und sie selber > anwenden. Dann wird sie auch in die Schulen und Unis einsickern. Machen wir. Aber es reicht nicht. Das ist wie wenn du einem armen Bauer in einem Entwicklungsland sagst, dass er langfristig mit Biolandbau besser dasteht, als wenn er das Gift und patentierte Saatgut von Monsanto und Syngenta kauft. Nur die wenigsten Bauern merken dies, sondern fallen auf das Marketing der Grossfirmen und von ihnen bestochenen Regierungen hinein. Der Staat ist verantwortlich für die Schulen. Er setzt die SchülerInnen in der Schule ja wenigstens in der Schweiz nicht Firmen wie Coca Cola oder MacDonalds aus. Aber bei der ICT tut er genau das, und es ist falsch. (Dasselbe gilt natürlich sinngemäss für Privatschulen.) Theo Schmidt
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