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Started by Jens-Torsten Bohlke
Tue, 28 Oct 1997 00:00
Grass schlaegt zurueck
Author: Jens-Torsten Bohlke
Date: Tue, 28 Oct 1997 00:00
Date: Tue, 28 Oct 1997 00:00
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GRASS bekraeftigt politische Kritik
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Autoren sollen mitreden
Madrid (dpa). Der Schriftsteller Guenter Grass hat seine Vorwuerfe gegen
die deutsche Asyl- und Tuerkei-Politik bekraeftigt und den Kritikern
seiner Rede in der Frankfurter Paulskirche einen "Mangel an Niveau"
vorgehalten. In einem Interview mit der spanischen Zeitung "El Pais", das
am Sonntag veroeffentlicht wurde, rief er die juengeren deutschen Autoren
dazu auf, sich haeufiger zu politischen Fragen zu aeussern.
"Ich wuenschte mir, dass einige von den jungen Schriftstellern und
Intellektuellen von Zeit zu Zeit aus ihren Arbeitsstuben herauskaemen und
den Mund aufmachten." In der Zeit von Heinrich Boell haetten sich mehr
linke Autoren oeffentlich geaeussert. Den Kritikern seiner Rede in der
Paulskirche habe er wenig zu antworten, weil diese einen Mangel an Niveau
bewiesen haetten. "Ich wuenschte mir auch bessere Gegner", sagte Grass.
"Es ist eine Tatsache, dass wir der Tuerkei seit Jahren Waffen geliefert
haben. Es ist ebenfalls eine Tatsache, dass wir Panzerfahrzeuge, die der
DDR-Armee gehoert hatten, der Tuerkei gegeben haben. Und es ist eine
Tatsache, dass in Deutschland ueber 4000 Menschen in Abschiebehaft sitzen.
Diese Leute haben nichts Verbotenes getan, und sie befinden sich in Haft,
ohne zu wissen, ob sie morgen per Flugzeug nach Algerien, Nigeria oder in
die Tuerkei abgeschoben werden. Dort ist die Polizei bereits unterrichtet
und erwartet sie am Flughafen. So enden diese Leute im Gefaengnis und
werden gefoltert", sagte Grass in dem Interview mit dem renommierten
Blatt.
Der Schriftsteller bemaengelt ferner, dass der Foederalismus in
Deutschland durch die Wiedervereinigung geschwaecht worden sei. "Berlin
wird wieder die Hauptstadt sein, und dies wird immer den Trend zum
Zentralismus verstaerken. Damit sind wir Deutschen nie gut gefahren". Die
Wiedervereinigung haette langsamer und behutsamer vonstatten gehen sollen.
"Ich war nie gegen die deutsche Einigung. Ich war gegen die, die alles an
sich gerissen haben", betonte Grass. 90 Prozent des Immobilienbesitzes in
der frueheren DDR befindet sich heute in der Hand von Westlern. Seine
Kritiker, die ihn Anfang der 90er Jahre als Vaterlandsverraeter beschimpft
haetten, schwiegen heute, weil die Realitaet seine Befuerchtungen
uebertroffen habe.
Quelle: Neues Deutschland, Sozialistische Tageszeitung, 27.10.1997.
Aboservice 030-29390800, e-mail nd_redaktion@compuserve.com
J.Bohlke, der sich nicht nur ueber Reaktionen freut.
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Die deutsche Revolution steht noch aus.
Bereiten wir sie gegen alle jene Parteien vor, die ein wirtschaftliches
oder ideologisches Interesse haben, sie zu verhindern -
die Gefaehrlicheren unter ihnen sind die, die so tun als ob -,
und die unter alten Flaggen neue, aber verfaulte Ware ver-
kaufen: ueberaltert, feige, verlogen und seelisch korrput.
Gesetze fallen nicht vom Himmel. Erst wenn dem Deutschen
die revolutionaere Idee ueber das Gesetz, ueber die Bestimmung
und ueber seine eigene Wichtigkeit geht, werden wir einen
9. November erleben, der keinen Noske, keinen Ludendorff
und keinen Otto Wels uebriglaesst. Nieder mit den lebenden
Leichnamen
Es lebe die Revolution!
(Kurt Tucholsky, 1928, aus: November-Umsturz)
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