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1 total messages Started by G.LANGE () Wed, 07 Apr 1999 00:00
OSSIETZK.TXT
#51
Author: G.LANGE ()
Date: Wed, 07 Apr 1999 00:00
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## Nachricht vom 07.04.99 weitergeleitet
## Ursprung : /CL/FRIEDEN/ALLGEMEIN
## Ersteller: G.Lange@VLBERLIN.comlink.de

Der nachfolgende Artikel wurde entnommen der Ausgabe 7/99 der Zeitschrift �Ossietzky� vom 10.04.99.
*Ossietzky* ist eine Zweiwochenschrift fuer Politik, Kultur und Wirtschaft und versteht sich als Nachfolgezeitschrift der 
*Weltbuehne*.
Bestelladresse: Verlag Ossietzky GmbH, Gretchenstrasse 36, 30161 Hannover
Tel: 0511/314191, Fax: 0511/3480364, e-mail: ESPOO@t-online.de


Otto Koehler   Plastiksack statt Zinksarg

3. Juli 1914: *Jetzt oder nie*, notiert Kaiser Wilhelm II, *mit den Serben muss aufgeraeumt werden.* Am 31. Juli 
verkuendeten Extrablaetter im ganzen Deutschen Reich den *allgemeinen Kriegszustand* - der Erste Weltkrieg beginnt.
6. April 1941. Ohne Kriegserklaerung eroeffnet die deutsche Wehrmacht mit einem Luftangriff auf Belgrad den Krieg 
gegen Jugoslawien. Wenige Monate spaeter hatte Deutschland den 1939 begonnenen Krieg zum Zweiten Weltkrieg 
ausgeweitet.
24. Maerz 1999. Ohne Kriegserklaerung beginnt die Bundeswehr mit Luftangriffen auf Belgrad und andere Ziele in 
Jugoslawien den dritten deutschen Krieg gegen die Serben, diesmal im Bund mit der NATO, deren europaeische 
Verbuendete von Tag zu Tag mehr auf Distanz gehen.
Am Ostersamstag versprach Gerhard Schroeder: *Wir wollen das Morden im Kosovo beenden*. Er hat seine Zusage, wie 
alles, was er versprochen hat, gebrochen - die deutschen Tornados bombten auch am Ostersonntag weiter, sie wurden 
sogar verstaerkt: ein Ende des deutschen Mordens in Jugoslawien ist nicht abzusehen.
Sein Verteidigungsminister Rudolf Scharping war mit dem Ruf in den Krieg gezogen: *Wir wollen verhindern, dass es 
neue Leichenberge auf dem Balkan und neue Fluechtlingsstroeme in Europa gibt.* Seit Scharpings Soldaten Jugoslawien 
bombardieren, gibt es neue Leichenberge und neue, in ihrem Ausmass bisher ungeahnte Fluechtlingsstroeme, die sich 
schliesslich auch ueber die Laender der Angreifer, Deutschland zuerst, ergiessen werden.
Jetzt verlangt er am Ostermontag ploetzlich: *dass die Militaermaschinerie gestoppt werden muss, die zugleich auch eine 
Mordmaschinerie.* Richtig. Aber er meint wohl, verwirrt wie er ist, dass die Bundeswehr kein Militaer sei, stattdessen 
eine humanitaere Massnahme. Denn die Mordmaschinerie das ist fuer ihn das fremde Militaer. Scharping zum ZDF: 
*Wenn man ein Video sieht mit vielen Leichen, die alle umgebracht worden sind, dann sind das alles handfeste Beweise. 
Vielleicht waere es nicht schlecht, wenn auch das ZDF dieses Video zeigen wuerde*. Thomas Bellut von der ZDF-PK 
meldete am Bildschirm gehorsam den bereits erfolgten Vollzug der Propagandamassnahme.
Doch es gibt, wie Scharping wohl weiss, viele Videos. Bundeswehrvideos auf denen das Morden - mangels Krieg - 
vorerst nur geuebt wurde, blieben strafrechtlich ungesuehnt. So wie es auch ungesuehnt bleiben soll, dass die 
Luftangriffe nach zum Teil bestaetigten serbischen Angaben Kindergaerten, Krankenhaeuser und Schulen trafen.
Die alte Geschichte von Bert Brecht, von dem maechtigen Karthago, dass drei Kriege fuehrte, und nach dem letzten 
endlich nicht mehr auffindbar war, ist leider auch nur Propaganda, wenn auch gegen den Krieg. Deutschland wird, leider, 
seinen dritten Angriffskrieg ueberleben, und - diesmal Seite an Seite mit den USA - die Welt mit immer neuen Kriegen 
ueberziehen. Es sei denn, die Menschen in diesem Land erinnern sich endlich, was Krieg, der von deutschem Boden 
ausgeht, bedeutet. Sie brauchen - scheint es - Nachhilfe: Die deutschen Tornados muessen endlich herunterkommen.
Am Vorabend der 58jaehrigen Wiederkehr von Hitlers Bombardement auf Belgrad verkuendete der ARD-
Propagandamann mit dem Namen Metzger den *Point of no return*, verlangte: *Jetzt muss Milosevic besiegt werden* 
und setzte sich wie US-Aussenministerin Albright fuer einen Krieg mit Bodentruppen in Jugoslawien ein. Schroeder, 
Fischer und Scharping und ihre Militaermaschinerie werden sich diesem Ruf nicht entziehen.
Bodentruppen? Was deutsche Luftwaffe, was deutsche Tornados in Jugoslawien machen, wissen wir schon. Und was 
machen deutsche Bodentruppen? *In allen Standorten in Serbien sind durch schlagartige Aktionen umgehend alle 
Kommunisten, als solche verdaechtigen maennlichen Einwohner, saemtliche Juden, eine bestimmte Anzahl 
nationalistischer und demokratisch gesinnter Einwohner als Geisel festzunehmen*, ordnete am 10. Oktober 1941 der 
Kommandierte deutsche General in Serbien Franz Boehme an. Und er erlaeuterte: *Treten Verluste an deutschen Soldaten 
oder Volksdeutschen ein, so haben die territorial zustaendigen Kommandeure umgehend die Erschiessung von 
Festgenommenen in folgenden Saetzen anzuordnen: a) fuer jeden getoeteten oder ermordeten deutschen Soldaten oder 
Volksdeutschen 100 Gefangene oder Geiseln, b) fuer jeden verwundeten deutschen Soldat oder Volksdeutschen 50 
Gefangene oder Geiseln.*
Da nun Milosevic, wie uns taeglich eroeffnet wird, der Hitler des Balkan ist, koennten diesmal fuer jeden getoeteten 
serbischen Zivilisten hundert Bundeswehrsoldaten ihre glueckliche Heimkehr verfehlen. Wir sollten es Angelika Beer, 
jener Schmerzenreichen, die unser aller Verachtung verdient, ueberlassen, darob Traenen zu vergiessen. Aber wir sollten 
nicht hoffen muessen, dass nur so der dritte deutsche Krieg gegen die Serben ein Ende nehmen kann. Die Muetter der 
Soldaten haben sich schon zu Wort gemeldet. Und nach den ersten Ruecktransporten im Plastiksack - Zinksaerge hat 
Scharping fuer seine Soldaten nicht uebrig - werden es nicht nur die Muetter sein, die ihre Stimme erheben, sondern alle 
Deutschen, denen es nicht egal ist, dass das Getoetetwerden sich nicht auf die Hilfsvoelker beschraenkt, sondern auch 
das Herrenvolk betreffen kann.
Es gibt noch eine - geringe - Chance, dass nicht allzuviel deutsche Soldaten ihren Heldentod erleiden. Ein 
Sonderparteitag der Gruenen verweigert Joseph Fischer die Gefolgschaft fuer den Krieg, mit dem er beweisen will, dass er 
und Deutschland endlich erwachsen sind. Und der Parteitag der SPD verweigert ebenso Gerhard Schroeder den 
Parteivorsitz und holt Oskar Lafontaine zurueck. Einer wie er, der alles schon wusste und darum zu Recht desertierte, 
koennte als neuer Kanzler vielleicht noch verhindern, dass das rotgruene Regieren in einer Katastrophe endet, die alles 
andere als humanitaer ist. Aber das ist zuviel verlangt von einer Partei, die 1914 jubelnd den Kriegskrediten zustimmte und 
am 17. Mai 1933 - gewiss schon etwas beklommen - Hitlers *Friedenspolitik* im Reichstag zustimmte, bevor sie am 21. 
Juni 1933 verboten wurde
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