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Started by Harry Schwerdtfeger
Sun, 09 May 1999 00:00
Das Ende der neuen Weltordnung 1
Author: Harry Schwerdtfeger
Date: Sun, 09 May 1999 00:00
Date: Sun, 09 May 1999 00:00
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Das Ende der Neuen Weltordnung Ein Essay zur globalen �konomie und Politik nach dem Epochenbruch [Teil 1 von 2] *Weltordnung und Weltchaos* Die historische Z�sur von 1989 schien ihre eigene Bedeutung unmittelbar und �u#erlich darzustellen. Auch ein halbes Jahrzehnt und einige unerwartete Negativerscheinungen sp�ter wird der Untergang des Staatssozialismus noch in subjekttheoretischen Terms begriffen. Zweihundert Jahre nach der Franz�sischen Revolution ist das b�rgerliche Aufkl�rungsdenken mit seinem Subjektbegriff trotz aller theoretischen Einspr�che in der �ffentlichen Diskussion augenscheinlich nicht nur ungebrochen, sondern so sehr zur axiomatischen Selbstverst�ndlichkeit geworden, da# die dramatische politisch-�konomische Entwicklung der Welt am Ende des 20. Jahrhunderts nicht anders als in subjektiven Kategorien von Irrtum und Wahrheit, von Sieg und Niederlage beschrieben werden kann. So war es nur folgerichtig, da# die westlichen Staaten und vornehmlich die F�hrungsmacht USA das Ende der bipolaren Nachkriegskonstellation im Sinne ihrer eigenen Machtsubjektivit�t verstanden; und damit als Anspruch, eine Neue Weltordnung aufzurichten. Der pure missionarische Eifer des Westens, die kapitalistische Hybris der totalen Machbarkeit und die Arroganz der konkurrenzlos gewordenen Macht feierten einen oberfl�chlichen und verd�chtig d�nnstimmigen Triumph. �konomisch, politisch und ideologisch sollte die Welt endg�ltig zur eindimensionalen nach dem Bilde des Westens gemacht werden. Das pl�tzliche Aufleben des alten Anspruchs nicht positiv aus eigener Substanz, sondern lediglich durch das sang- und klanglose Ableben des als Gegensystem definierten Ostblocks konnte aber nur m�hsam �berdecken, da# dieser Anspruch selber l�ngst schon kr�nklich und hinf�llig geworden war. Es geh�rt zu den unfreiwilligen Highlights der an objektiven Ironien reichen Auslaufgeschichte der Moderne, da# zugleich mit der politischen Feier einer nunmehr einzurichtende neuen Ordnung der theoretischen Feier des Chaos zur diskursiven Mode wurde. Das Prinzip der Selbst�hnlichkeit und die Theorie der Fraktale, Grundelemente der Chaostheorie,(1) wie sie auch philosophisch und sozial- bzw. gesellschaftstheoretisch inzwischen eifrig herangezogen werden, verweisen in ihrem mathematischen und naturwissenschaftlichen Zuschnitt auf den Zustand einer Gesellschaft, die sich gerade in Gestalt der Weltgesellschaft, die sie jetzt unwiderruflich geworden ist, als steuerlose Naturw�chsigkeit (Chaos) nicht nur begreift, sondern dies auch wirklich ist. Die westliche Ordnung ist das Chaos, und das Chaos wird als Ordnung erkannt; was dies aber im Unterschied zur physikalischen und biologischen Natur f�r die menschliche Gesellschaft bedeutet, das kann auch die Struktur des Zerfalls in die Barbarei sein. Denn hier taucht ein theoretischer Ordnungsbegriff auf, der mit dem subjektiven (aufkl�rerischen) nichts mehr zu tun hat. Hatten Strukturalismus und Systemtheorie seit den 60er Jahren die Subjektlosigkeit als Meta-Problem der Moderne noch im Sinne der systemischen Selbstregulation positiv und quasi mechanisch bestimmt, so bringt die gesellschaftswissenschaftlich reformulierte Chaostheorie als affirmative (marktwirtschaftliche) ein negatives und gef�hrliches Moment hinzu. M�glicherweise kann die Chaostheorie auch anders und kritisch reformuliert werden; davon ist bis jetzt aber kaum etwas zu sehen. In einem affirmativen Bezug zum globalen Marktsystem wird sie jedenfalls Teil des theoretischen und sozialen Zynismus. Dabei enth�llt sich ein grunds�tzliches Problem, das den vom Westen ausgehenden Modemisierungsproze# schon immer begleitet hat, heute aber erstmals eine absolute Grenze zu markieren scheint; gerade weil die Logik des Westens den nicht mehr �berschreitbaren globalen Raum nunmehr als ganzen durchdringt und eindimensional ausrichtet. Dieses Problem ist das Verh�ltnis von b�rgerlichem Subjekt der Moderne einerseits und blinder Fetisch-Objektivit�t der kapitalistischen Produktionsweise andererseits. Im Marxschen Begriff der Fetisch- Konstitution liegt die Erkenntnis, da# das b�rgerliche Subjekt seiner eigenen Form nach (als Ware-Geld-Subjekt) gar nicht zu jener selbstbewu#ten M�ndigkeit gelangen kann, die von den Aufkl�rungsideologen beschworen worden ist. Der in die warenf�rmige Vergesellschaftung eingeschlossene und sich stufenweise bis zum Rechts- und Staatsfetisch entfaltende Fetischismus konstituiert, obwohl durch menschliche Handlungen in die Welt gebracht und von menschlichen Subjekten getragen, eine blinde Systemgesetzlichkeit jenseits der subjektiven Willens aller Beteiligten. Exekutiert wird diese sich herausbildende subjektlose Chaos-Struktur durch das "Zwangsgesetz der Konkurrenz", von dem alle Willens�u#erungen und Handlungen immer schon pr�formiert sind, solange die Warenf�rmigkeit von Bewu#tsein und Aktion nicht durchbrochen und aufgehoben wird. Das Subjekt, gleichg�ltig in welcher individuellen oder institutionellen Erscheinung, ist von Anfang an blamiert durch seine eigene gesellschaftliche Form. Ordnungspolitisch wird also von den alten institutionellen Tr�gem der Macht noch einmal der alte Subjektanspruch erhoben, w�hrend gleichzeitig die Subjektlosigkeitstheorien bereits das affirmative Frustbes�ufnis hinter sich haben und sozusagen gr�lend vom Zustand des Chaos k�nden. Dementsprechend sehen die realen Ereignisse auch aus. Der Golfkrieg war ebenso eine Blamage wie die Intervention in Somalia und die Haltung zum jugoslawischen B�rgerkrieg oder die Beeinflussung der marktwirtschaftlichen Reformen in Osteuropa. Trotz riesigen finanziellen und logistischen Aufwands der G-7-Staaten schreitet die globale Destabilisierung fort. Die zwanghafte �ffnung aller Staaten f�r den totalen Weltmarkt f�hrt offenbar nur zu einer Verwilderung der ehemaligen Entwicklungsdiktaturen. Von den monstr�sen politischen Gesch�pfen, die der Westen im fr�heren Systemkonflikt mit dem staatssozialistischen "Reich des B�sen" installiert und funktionalisiert hatte, macht sich eines nach dem andern selbst�ndig wie ein gest�rter Kampfroboter. Auch die ehemaligen Befreiungsnationalismen der Dritten Welt gehen in Bandenkriege �ber. Und vor allem die Nachfolgestaaten der zerbrochenen Sowjetunion versinken im �konomischen Chaos und in B�rgerkriegen, sogar auf besonders gef�hrliche Weise durch ein unberechenbar gewordenes Atomwaffenarsenal. Statt mit demokratischen Politikern und marktwirtschaftlichen Managern bev�lkert sich die ge�ffnete Welt des Ostens und S�dens mit Warlords und Mafiah�uptlingen. Schillernde Figuren vorn Schlage eines Saddam Hussein, eines Mohammed Aidid oder eines Wladimir Schirinowski betreten die B�hne, ohne entscheidend gestoppt werden zu k�nnen. "Au#er Kontrolle" drohe die Welt zu geraten, wie ein ehemaliger US-Sicherheitschef feststellen mu#te.(2) Zu viel Chaos, zu viel Unberechenbarkeit, zu viele B�rgerkriege, zu viel endemische Gewalt und Verzweiflung, zu viel absurde und kriminelle Personage �berfordern s�mtliche US-Flotten, UNO-Eins�tze und G-7-Beschl�sse. Hier ist nichts mehr "funktional", auch mein im Sinne irgendeiner Kapitalverwertung. Die funktionalistische Struktur selber verwildert. Die fl�chendeckende Durchsetzung der westlichen Verkehrsformen ist nicht identisch mit einem Sieg der westlichen Machtsubjekte. Der subjektlose Sieg der kapitalistischen Systemkriterien ist vielmehr identisch mit dem Verfall aller kapitalistischen Ordnungspolitik. Der Anfang der Neuen Weltordnung als globale Systemstruktur des Chaos bedeutet also gleichzeitig das Ende der Neuen Weltordnung als Programmkonstrukt in den K�pfen der Pr�sidenten, Konzernvorst�nde, Finanzstrategen, Planungsst�be und wissenschaftlichen Wassertr�ger. Sie werden vom Chaos der Neuen Weltordnung �berrollt, bevor sie diese selber ordnungspolitisch erfinden k�nnen. So kommt es, da# die mit unheimlicher Selbst�ndigkeit sich vollziehende "Ordnungsver�nderung" von den kapitalistischen Machern selber zunehmend als Verh�ngnis empfunden wird. Aber wie ist diese negative Gesamtentwicklung zu interpretieren? Die Reste der geschlagenen sozialistischen Linken ziehen es meistens vor, die neue Situation in den alten Begriffen zu beschreiben. Danach sei es die pure Existenz der (wie immer zu kritisierenden, von Unterdr�ckung, B�rokratie usw. deformierten) �stlichen Gegenmacht gewesen, die "den Kapitalismus" dazu veranla#t habe, aus strategischen Gr�nden "soziale Kompromisse" einzugehen und sich selber rechtsstaatlich zu domestizieren. Mit dem Wegfallen dieser Macht kehre "das Kapital" jetzt zur hemmungslosen Ausbeutung und offenen Repression zur�ck. Nun stimmt es zwar, da# das "Gleichgewicht des Schreckens" in der bipolaren Nachkriegskonstellation tats�chlich bei inneren Konflikten die Machttr�ger in beiden Lagern zu einer gewissen Zur�ckhaltung gezwungen hat. Aber dennoch wird hier das Problem noch in altaufkl�rerischen subjekttheoretischen Terms definiert (private Verf�gungsgewalt, Vorherrschaft, monopolistische Macht etc.), die den gesellschaftlichen Proze# weitgehend in einem Subjekt dieses Prozesses (in dessen Willens�u#erungen und Handlungen) aufgehen lassen. Eine solche Denkweise f�llt immer schon hinter die Marxsche Theorie zur�ck; jedenfalls hinter jene Argumentationsebene dieser Theorie, die das Kapital als blinden, fetisch- konstituierten Systemproze# bestimmt hat. Jetzt r�cht es sich auch, da# die linke Kapitalismuskritik auf die postmodernen Theorien, in denen dem Subjekt konstruktivistisch/dekonstruktivistisch und affirmativ "der Proze# gemacht" wurde, nicht kritisch und aufhebend, sondern blo# defensiv (und teilweise selber affirmativ) reagiert hatte. Schon die �u#ersten Spitzen der Kritischen Theorie in Gestalt der "Negativen Dialektik"(3) hatten sich dem Aufhebungsproblem von Subjektform und Warenform gen�hert, es jedoch nicht gel�st; und auch die sp�teren Ans�tze etwa feministischer Provenienz hatten die Subjektkritik nicht von der marktwirtschaftlichen Affirmation trennen k�nnen und verdammten sich selbst dazu, auf irgendeine Variante des scheinhaften (warenf�rmigen) Aufkl�rungssubjekts zur�ckzufallen.(4) Der hilflose Antikapitalismus kann, ebenso wie die hilflose kapitalistische Ordnungspolitik, die Neue Weltordnung wieder nur subjekt- und machttheoretisch bestimmen, die in solchen Kategorien aber nicht einmal dem Augenschein nach mehr aufgeht. Die bisherige Kapitalis= muskritik erweist sich so als Bestandteil der vergangenen Epoche und als selber noch der b�rgerlichen, warenf�rmigen Gesellschaft mit Haut und Haar zugeh�rig. *Das Ende der nachholenden Modernisierung* Entscheidend f�r eine weitergehende Bewertung der neuen Weltsituation ist nat�rlich auch, in welchem Kontext der Zusammenbruch des Staatssozialismus angesiedelt wird. Vom Standpunkt ihrer ideologischen Selbstlegitimation aus war die sowjetische Staatsplangesellschaft die einzige "reale" Alternative zum westlichen Kapitalismus; und auch von einem Gro#teil der westlichen linken Kapitalismuskritiker wurde ihr. trotz vieler b�rgerlich-demokratischer Vorbehalte im Sinne der westlichen Aufkl�rungstradition, zumindest �konomisch dieser Status zuerkannt. Offenbar konnten sich auch die westlichen Kapitalismuskritiker trotz des fortgeschrittenen Entwicklungsstandes ihrer Gesellschaften eine Aufhebung des Kapitalverh�ltnisses nicht anders als in Kategorien einer staats�konomischen Planung allgemeiner Warenproduktion vorstellen. Im Rahmen der Kritischen Theorie hat Friedrich Pollock, der gelegentlich als der "Polit�konom" der Frankfurter Schule bezeichnet worden ist, genau diese Auffassung dargestellt,(5) �ber die auch seine sp�teren Analysen nie hinausgekommen sind. Nicht der historische Entwicklungsstand und nicht der innere krisenhafte Reifegrad der Gesellschaft wurde so zum entscheidenden Kriterium, sondern haupts�chlich der "politischen Wille" (Primat der Politik) gegen�ber den vermeintlich verwaltungstechnisch reduzierten, aber unaufgehobenen Warenkategorien, und sp�ter die abgrenzende politische Selbstbehauptung des "sozialistischen Lagers" gegen�ber den westlichen Anspr�chen (Eiserner Vorhang). Damit wurde der historische Charakter dieses Sozialismus verkannt: n�mlich sein Wesen als ein System nachholender Modernisierung, das gerade durch eine (nachholende) Implementierung warenf�rmiger Gesellschaftlichkeit statt durch deren Aufhebung gekennzeichnet war. Das ist auch nur logisch: was noch gar nicht entwickelt ist, kann auch nicht aufgehoben werden. Es geht dabei keineswegs um eine absolute, pr�destinierte Zwangsl�ufigkeit von Entwicklung Oberhaupt. Aber man mu# schon sehr weit zur�ckgehen (etwa ins Zeitalter der Pest, als die alte feudale Ordnung ersch�ttert wurde aber die Weichen f�r die weitere Entwicklung noch nicht eindeutig gestellt waren), um die l�ngst vergangene M�glichkeit eines grunds�tzlich anderen und wahrscheinlich sehr viel langsameren Entwicklungsprozesses ausmachen zu k�nnen. Unter der Bedingung eines schon fortgeschrittenen kapitalistischen Weges im Westen aber war (nicht nur in Ru#land) f�r die historischen Nachz�gler zun�chst gar nichts anderes m�glich als "nachholende Modernisierung". Diese Kennzeichnung als "objektivistisch" zu denunzieren, enth�llt unfreiwillig s�mtliche Defizite des linken Aufkl�rungsdenkens. Dabei kann sogar Adornos Begriffskritik in einer Art Double-bind Struktur instrumentalisiert werden: wird ein Begriff mit Bestimmtheit behauptet, z. B. eben die Wesensbestimmung des Sozialismus als nachholende Modernisierung, dann mokiert sich dieses Denken, da# eine Wirklichkeit mit allen ihren M�glichkeiten, Hoffnungen und Subjektivit�ten unter eine objektive Bestimmung subsumiert werde;(6) wird aber die Begriffskritik ihrerseits ernst genommen und mit ihrer Weiterentwicklung das Aufkl�rungsdenken und sein Subjektbegriff selber attackiert, dann schreien die Enkel der Kritischen Theorie erst recht auf. Das grundlegende Problem, in dem Adornos (bis heute un�bertroffenes) Denken sich zuletzt bewegte, wird so affirmativ eingesargt statt kritisch weitergedacht. Das aufkl�rerische Subjektdenken in seiner linken Sp�tvariante ignoriert also weitgehend die immanente Entwicklungsproblematik und damit die Binnengeschichte der Moderne; die Aufhebung des Kapitalismus wird praktisch jederzeit f�r m�glich (oder unm�glich) gehalten; der kapitalistischen Modernisierung wird eigentlich kein eigener historischer Gehalt zuerkannt. Einziger Bedingungsgrund ist dann das von der Geschichte abgel�ste subjektive Bewu#tsein (was die Tendenz zur Publikumsbeschimpfung einschlie#t, weil das "richtige" Bewu#tsein sich vermeintlich nie einstellt). Die Ambivalenz des Kapitalismus als gleichzeitige Destruktion und Emanzipation verschwindet, und der ambivalente Proze# erscheint dann im Westen als eine einzige Kette von "Niederlagen", w�hrend der nachholenden Variante desselben Prozesses im Osten ein falsches Moment der Transzendenz angedichtet werden mu#. Die politizistische Apotheose dieses Denkens, die eine starke Affinit�t zur Selbstlegitimation des Staatssozialismus aufweist, kann freilich nicht dar�ber hinwegt�uschen, da# die logische Kehrseite des Aufkl�rungssubjekts immer schon der totale Objektivismus der Warenform ist. Statt die Aufkl�rung vollst�ndig historisch zu dechiffrieren, wird ihr abstrakter Anspruch blo# ewig als uneingel�ster eingeklagt. Der Objektivismus, dem man sich fern glaubt, lauert in der nicht ernsthaft angetasteten Warenform selber, deren politische Regulierbarkeit f�r m�glich gehalten wird; der Streit geht dann nur �ber die Art und Weise der Moderation - ob diktatorisch oder demokratisch; ohne zu realisieren, da# die Demokratie selbst einen subjektlosen diktatorischen Kern besitzt, der gerade in ihrer Warenf�rmigkeit besteht. Der Zusammenbruch des Staatssozialismus hat diesem Konstrukt einer unbewu#t immanenten Kritik vollst�ndig den Boden unter den F�#en weggezogen und alle einschl�gigen Kriterien blamiert-, auch dann, wenn die Tr�ger dieses linken Denkens dem Staatssozialismus vordergr�ndig kritisch und ablehnend gegen�berstanden. In der Eindimensionalit�t der Neuen Weltordnung wird nur ratifiziert, was der nachholenden Modernisierung (sowohl im Staatssozialismus seit 1917 als auch in der Dritten Welt seit dem 2. Weltkrieg) von vornherein zugrunde gelegen hatte: die objektivierte Eindimensionalit�t der gesellschaftlichen Warenform entledigt sich jetzt nur ihrer ungleichzeitigen historischen Gew�nder und stellt eine negative Gleichzeitigkeit im Weltma#stab gewaltsam her. Der Begriff dieser neuen strukturellen Gleichzeitigkeit des globalen warenproduzierenden Systems kann nur aus einer Kritik der bisherigen Kritik entwickelt werden. Immerhin hatten die fortgeschrittensten Varianten der linken Entwicklungs- und Imperialismustheorie mehr von den Problemen der ehemaligen Dritten Welt als von denen des Staatssozialismus der "Zweiten Welt" ausgingen, bereits den Begriff des Weltsystems hervorgebracht.(7) Dieser Begriff des Weltsystems blieb freilich, dem tats�chlichen Entwicklungsstand bis zum Beginn der 80er Jahre entsprechend, selber noch den Problemstellungen der nachholenden Modernisierung verhaftet. Ausgehend von den Varianten der Dependenztheorie(8) und den Theoremen des "ungleichen Tauschs"(9) bezog sich die Weltsystem-Theorie immer noch auf die Problemebene der "Unterentwicklung", wobei als impliziter Ma#stab wie bei allen Entwicklungstheorien) die westlichen Kriterien einer koh�renten national�konomischen Warenproduktion auf hohem Konsumniveau dienten. Es ging also vor allem um das Entwicklungsgef�lle und um die "Ungleichheit" innerhalb des warenproduzierenden Systems; und diese strukturelle Schranke f�r die historischen Nachz�gler wurde im wesentlichen auf der Ebene der Zirkulation zwischen alten und neuen National�konomien abgebildet, wobei der Begriff der "internationalen Arbeitsteilung" einen eher deskriptiven Stellenwert hatte. Die Weltsystem-Theorie stellt so einen #bergang dar, der erst Ende der 80er Jahre mit dem Zusammenbruch des Staatssozialismus abgeschlossen wurde. In dieser vergangenen Epoche waren die Entwicklungsstrategien und kritischen Interventionen, egal ob mehr an einer neuen "gerechteren") Weltwirtschaftsordnung orientiert oder mehr an einer (emanzipatorischen) Abkoppelung vom Weltmarkt,(10) allesamt auf die Frage gerichtet, wie eine emanzipatorische Eigenst�ndigkeit und ein menschenw�rdiges Leben auf dem Boden des blind vorausgesetzten warenproduzierenden Systems in einer weitergehenden Entwicklungsperspektive erreichbar sein k�nnten. Die Tatsache, da# jede "Entwicklung" in diesem Sinne seit dem 17. Jahrhundert ihre Ambivalenz dadurch bewiesen hatte, da# immer die Massen mehr oder weniger diktatorisch den Systemkriterien der totalen Warenform und damit den Zumutungen der abstrakten Arbeit unterworfen wurden, und da# sich dies nicht nur in der nachholenden Modernisierung der Sowjetunion wiederholte, sondern auch in s�mtlichen Varianten "nationaler Befreiung" der Dritten Welt, blieb weitgehend ausgeblendet. Auch die Weltsystem-Theorie verl�#t das implizite warenf�rmige Paradigma nicht, aber ihr strukturalistischer Ansatz verweist bereits auf das Problem der subjektlosen Form, die zur Welt-Form wird, und da# diesem Ansatz gelegentlich "entwicklungspolitischer Pessimismus" (oder gar Nihilismus) vorgeworfen wurde, zeigt nur, da# die Grenze warenf�rmiger Entwicklung �berhaupt in Sichtweite r�ckte. Tats�chlich mu# seit Ende der 80er Jahre von einer qualitativen Ver�nderung des Weltsystems gesprochen werden. Hatte es sich bis dahin um ein national�konomisch vermitteltes Weltsystem gehandelt, in dem sich der zugrunde liegende Systemproze# abstrakter Arbeit auf der Ebene des Weltmarkts wirklich in der Hauptsache zirkulativ darstellte (als Waren- und Kapitalexport bzw. -import zwischen den National�konomien), so haben wir es nun mit einem schubweise sich durchsetzenden unmittelbaren Weltsystem zu tun, in dem sich die abstrakte Arbeit direkt im Weltma#stab reproduziert und die bisherigen National�konomien zerlegt. Zun�chst erscheint dies als Zusammenbruch der meisten historischen Nachz�gler, weil deren Industrien die neuen (durch die mikroelektronische Revolution vermittelten) Produktivit�ts- und Rentabilit�tsstandards mit ihrer gesteigerten Kapitalintensit�t nicht mehr durchhalten k�nnen. Damit verf�llt die innere Reproduktion dieser Gesellschaften; die staatliche Umverteilungsf�higkeit erlischt, die terti�ren Sektoren im modernen, zivilisatorischen Sinne (Gesundheitswesen, Bildung etc.) werden stillgelegt und durch eine negative Tertiarisierung (Dienstboten, Schuhputzer, Prostitution etc.) ersetzt. Auf der monet�ren Ebene erscheint dieser Zusammenbruch als Entwertung des eigenen Geldes, das zur "W�hrung der Armen" wird, w�hrend die Reste der offiziellen Reproduktion nur noch �ber Devisen (DM, Dollars) laufen. Die Entwicklung seit 1989 hat bereits praktisch bewiesen, da# dieser national�konomische Zerfall keineswegs an die Reproduktionsformen des Staatssozialismus gebunden ist, sondern nach dessen Untergang erst richtig beginnt. Wir haben es mit dem Ende und Zusammenbruch der nachholenden Modernisierung Oberhaupt zu tun. Der gr�#ere Teil der Menschheit ist bereits jetzt warenf�rmig nicht mehr menschlich reproduzierbar. Aber der f�llige Paradigmenwechsel wird nicht vollzogen, weil er �ber die Schmerzgrenze des warenf�rmigen Bewu#tseins hinausfahren m�#te. Die westliche Kapitalismuskritik, die sich an der �u#erlichen jakobinischen Militanz der Bewegungen und Regimes nachholender Modernisierung eine Zeit lang berauscht und die fortgeschrittene eigene Gesellschaft in deren Begriffen verk�rzt und daher folgenlos attackiert hatte, verstummt zusammen mit dem b�rgerlichen Revolutionsethos des Staatssozialismus und der ehemaligen Dritten Welt. In der nunmehr hervortretenden negativen Gleichzeitigkeit des eindimensionalen Weltsystems klammern sich die meisten ehemaligen Kritiker geradezu krampfartig an die Fetisch-Konstitution der Warenform und beleuchten damit noch einmal unfreiwillig ihre fr�here Kritik. Ein Teil der Entwicklungstheoretiker verf�llt unter Ignoranz aller heutigen weltsystemischen Zusammenh�nge der regressiven und haltlosen Parole "Von Europa lernen",(11) der zufolge die ehemalige Dritte Welt ebenso wie der zusammengebrochene Ostblock noch einmal einem Paradigma weltmarktvermittelter Exportorientierung folgen und die kapitalistische Entwicklung Europas im 19. Jahrhundert wiederholen sollen. Die Frage eines "menschenw�rdigen Lebens" f�r die Menschen, die den abstrakten Kriterien dieser Perspektive zu unterwerfen w�ren, spielt nur noch eine Nebenrolle als schw�chliches Versprechen irgendeiner kapitalistischen Zukunft; in Wahrheit handelt es sich bereits um eine zynische globale Minderheits-Option. Kaum besser ist die Wiederbelebung der sogenannten Regulationstheorie,(12) mit der das Ende der nachholenden Modernisierung in einem letzten Aufgu# politizistischer Regulationsanspr�che auf Basis der ideologisch verewigten Waren- und Marktformen aufgehalten oder irgendwie gemildert werden soll.(13) Die b�rgerliche Subjektform, der auch die bisherige Linke zugeh�rt, kann den Gedem�tigten und Beleidigten keine Hoffnung und keine andere Perspektive mehr bieten als das endlose Scheitern und Zugrundegehen an den Kriterien der "alternativlosen" Welt- Marktwirtschaft. [Ende Teil 1 von 2]
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