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Article #588

Re: Wer glaubt hier was - 2, und Danke

#588
From: Bruno Melchert
Date: Mon, 13 May 1996 00:00
87 lines
4147 bytes
Zum Thema "Re^2: Wer glaubt hier was - 2, und Danke" stolperte ich doch �ber diese
beachtenswerten Silben von R.KENDON@OLN.comlink.apc.org:


>|
>|Glauben ist und war nie unproduktiv. Wie viele Bewegungen
>|wurde durch den Glauben motiviert? Leider waren diese
>|allzuoft Kriege, aber nicht alles.


Nein, es war auch Hexenwahnsinn die Folge. Glauben ist immer mit Dummheit  
gleichzusetzen, und es ist schon beeindruckend, wie selbst  
hochintelligente Menschen pl�tzlich die Vernunft abschalten, um Dinge  
glauben zu k�nnen, die bei n�chterner Betrachtung alles andere als m�glich  
erscheinen.

>|Zum Gl�ck
>|gibt'S positivere Wirkungen des Glaubens.


Die gibt es wohl nur im Rahmen von Gemeinden. Wir haben es hier aber um   
einen inneren Zirkel von Gemeinschaft zu tun, wie man ihn auch in gut  
funktionierenden Vereinen findet. Geborgenheit, gegenseitige Hilfe ist da  
ausgepr�gt. Das ist durchaus n�tzlich. Es w�re aber verfehlt, das nun dem  
Glauben zuzuschreiben. Es ist nichts anderes als ein Gruppierung um ein  
gemeinsames Interesse. Dieses gemeinsame Interesse Kann Gott sein, aber  
ebenso Sport oder Theaterspielen. Demnach ist Religion in eine Gemeinde  
nur Mittel zum Zweck und nichts anderes. Die Gefahr liegt darin - und da  
habe treffende Beispiele vor Augen -, da� der Blickwinkel in einer solchen  
Gemeinde auf den Kirchturm beschr�nkt bleibt und sich eine Art  
Sektierertum breit macht. Alles was �ber den geschlossenen Kreis  
hinausgeht, interessiert kaum noch.

>|Ich vermute, Du
>|meintest mit "unproduktive Sache" so etwas wie positiv
>|wirkende Sache", oder?


Nein, nein. Eine Gemeinde im obigen Stil kann f�r ihre Mitglieder durchaus  
n�tzlich sein. Unproduktiv wird die Sache nur dadurch, da� jeder  
Fortschritt, jede neue Erkenntnis dort eher st�rt und als Bedrohung  
empfunden wird. Es sind stagnierende Systeme ohne Produktionskraft, die  
nach au�en hin wirken kann.

>|pers�nlicher religi�ser Erfahrung entstammt, sondern in
>|dem Glauben der vielen Schafe, die durch
>|Religionsvermittler (zB Institution Kirche, "Gurus" etc)
>|von der _eigenen_ Erfahrung ferngehalten werden,


Da liegst Du ganz richtig. Wer Gott unbesehen anerkennt, entzieht sich   
sogleich der Eigenverantwortung und wird automatisch ztum  
Befehlsempf�nger.  Das ist jener Proze�, den Kant mit selbstgew�hlter  
Entm�ndigung angesprochen hat.

>|Man kann eine intellektuelle
>|Diskussion f�hren, so, wie man zB an der Uni lernt, oder
>|man kann sich mit anderen austauschen �ber das, was man
>|selbst glaubt bzw erlebt (letzteres insbesondere, weil
>|die Schriften schon festgelegt sind, nur unterschiedlich
>|interpretiert werden [k�nnen]).


Der Unterschied liegt darin, da� man zum einen �ber die Substanz der Lehre  
diskutiert und im letzteren Fall diese Substanz bereits als gegeben  
voraussetzt (glaubt, es sei so).

>|Eine intellektuelle Diskussion �ber "Theologie"
>|interessiert mich weniger, das habe ich aber damals nicht
>|deutlich gemacht.

Theologie in gelehrtem Sinn interessiert mich auch weniger, wohl aber  
interessiert mich der Wahrheitsgehalt jedweder Aussage �ber Religion und  
Gott. Und von daher kritisieren ich S�tze wie: "Gott will dies und Gott  
tut das." Was ein Gott denkt und was er will, kann n�mlich nur ein Gott  
wissen, niemals aber ein Mensch - es sei denn, er h�tte diesen Gott  
erfunden.


Der Vernunft eine Chance!

Viele Gruesse
Bruno
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From: B.MELCHERT@LINK-K.gun.de (Bruno Melchert)
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