🚀 go-pugleaf

RetroBBS NetNews Server

Inspired by RockSolid Light RIP Retro Guy

Article View: cl.glauben.diskussion
Article #592

Re: Wer glaubt hier was - 2, und Danke

#592
From: DIE GRÜNEN/GAL Wandsbek)
Date: Thu, 16 May 1996 00:00
54 lines
3574 bytes
GIESELA_HOELLING@FEM-WI.rhein-main.de meinte am 15.05.96
zum Thema "Re: Wer glaubt hier was - 2, und Danke":

> Ich verstehe nicht, warum es so wichtig sein soll, wenn schon nicht zu
> wissen, dann zu glauben, wer der leibliche Vater ist?
> 
> Charlotte

Gute Frage! - Im allgemeinen wird es ziemlich egal sein ob ich glaube
oder wei�, wer mein leiblicher Vater ist.

Thomas von Aquin hat dieses Beispiel gebracht, als er eine Erkl�rung
zum Glaubenbekenntnis schrieb. Seine Grundwahrheit die er vertritt zielt
darauf ab deutlich zu machen, wie viel die Menschen glauben, ohne genau
zu wissen. Glauben hat schlie�lich auch etwas mit Vertrauen zu tun. Dazu
ein interessanter Fall, mit dem sich das Bundesverfassungsgericht ausein-
andersetzen mu�:

Eine Ehe, aus der ein Kind hervorgegangen ist, wurde geschieden. Der Mutter
steht das Sorgerecht zu. Der Vater mu� zahlen. Aus irgendeinem Grunde zwei-
felt jetzt aber der Vater, ob er wirklich der leibliche Vater ist.

Der Vater beantragt eine entsprechende Untersuchung. Ergebnis: Der Vater
kann nicht der leibliche Vater des Kindes sein.

Die Mutter aber schweigt. Sie nennt keine Namen. War es ein Mann, der als
Vater infrage kommen k�nnte oder waren es mehrere?

Ein Landgericht verurteilt die Mutter, den Namen des Vaters zu nennen.
Das tut sie aber trotzdem nicht. Sie beruft sich auf den Pers�nlichkeits-
schutz und sagt, es sei eine Verletzung der Menschenw�rde, m��te sie ihr
Intimleben vor anderen ausbreiten. Sie legt daher Verfassungsbeschwerde
ein. Das Ergebnis ist offen. Ein Rattenschwanz an weiteren Fragen ist die
Folge. Das Jugendamt ist verpflichtet alles dran zu setzen, um den leibli-
chen Vater zu finden. M�glich w�re ja, da� bedeutende Erbschafts- und
Unterhaltsanspr�che dem Kind verloren gingen. Auch denkbar k�nnte es
sein, da� die Mutter k�nstlich durch einen anonymen Samenspender be-
fruchtet wurde. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Um nun aber zu dem Ausgangspunkt zur�ckzukommen: Die genetische Unter-
suchung wurde nach streng wissenschaftlicher Methode durchgef�hrt. Das
hat nicht das Gericht gemacht, sondern ein entsprechender Wissenschaft-
ler. Diesem Wissenschaftler hat das Gericht geglaubt. Es hat ihm vertraut.
Insoweit hat also der Glauben etwas mit Vertrauen zu tun. Und wenn der
Wissenschaftler sich geirrt hat oder irgendwelche Proben vertauscht
wurden? - Nichts ist unm�glich!

Thomas von Aquin versucht nachzuweisen, es ist oft vern�nftig zu glauben.
Man soll aber nur glauben, was glaubw�rdig ist. Denn es kann fatale Folgen
haben, wenn ich das Falsche glaube. "Der F�hrer hat immer recht!" So hie�
es in der Hitlerzeit. Viele Menschen habe das geglaubt. In der ehemaligen
DDR wurde im Lied von der Partei, das Honni gern anstimmte, gesungen: "Die
Partei, die Partei
Technical Details
Message-ID: <68yX1G3o8jB@p-gal76.cl-hh.cl.sub.de>
Path: arc1-ca.pugleaf.net!unknown!not-for-mail
References: <67hhkEmcV-B@p46.link-k> <68iS9JzZ8jB@p-gal76.cl-hh.cl.sub.de>

Show Full Headers
Complete Article Headers
X-Google-Language: GERMAN,ASCII
X-Google-Thread: f9084,9716d2c5b3a047e8
X-Google-Attributes: gidf9084,public
From: GAL-WANDSBEK@CL-HH.cl.sub.de (DIE GRÜNEN/GAL Wandsbek))
Subject: Re: Wer glaubt hier was - 2, und Danke
Date: 1996/05/16
Message-ID: <68yX1G3o8jB@p-gal76.cl-hh.cl.sub.de>
X-Deja-AN: 155271544
references: <67hhkEmcV-B@p46.link-k> <68iS9JzZ8jB@p-gal76.cl-hh.cl.sub.de> 
content-type: text/plain; charset=ISO-8859-1
organization: GAL-Hamburg/Kreisverband Wandsbek
x-zc-post: Schellingstrasse 83; 22089 Hamburg
x-gateway: ZCONNECT zelator.berlinet.de [LEGO v0.11]
mime-version: 1.0
newsgroups: cl.glauben.diskussion
x-mailer: CrossPoint v3.1