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Article #646Re: Glauben und Angst
From: Martin Schoch
Date: Fri, 12 Apr 1996 00:00
Date: Fri, 12 Apr 1996 00:00
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Frank Vohla schrieb am Mon, 08 Apr 1996 20:06:00 +0100
zum Thema "Glauben und Angst":
> Kann man sich irgend ein Ph�nomen nicht erkl�ren, ist die Annahme, da� ein
> Gott oder eine G�ttin daf�r verantwortlich ist, f�r die Erkl�rung nicht
> informativer als die Auffassung, da� das Ph�nomen mit den gegenw�rtigen
> Mitteln nicht erkl�rbar ist.
Bis ungef�hr bis zur Aufkl�rung mag diese Darstellung zugetroffen
haben, da wurde zu oft Unerkl�rbares oder Noch-Nicht-Erkl�bares mit
"Gott" erkl�rt, aber diese Zeit ist m.M. nach l�ngst vorbei. Aus
meiner Sicht ist z.B. der uralte Streit zwischen
Sch�pfungsgeschichte(n) und Evolutionstheorie schon l�ngst ein
k�nstlicher Streit, weil da Dinge auf die selbe Ebene gebracht werden,
die nicht auf dieselbe geh�ren.
> Zus�tzlich werden von den Religionen Erkl�rungen f�r Ph�nomene angeboten,
> die �berhaupt nicht beobachtet werden.
Da liegt m.M. nach jetzt aber ein Problem im Ansatz vor. So wie ich
Religion sehe, geht es ihr (jedenfalls heute) nicht um die Darstellung
von Ph�nomenen im Sinne der Naturwissenschaft. Religion bewegt sich
viel mehr auf der Ebene von Symbolen und Mythen - versucht damit, das
Leben zu "erkl�ren".
> Das schlecht belegte Verschwinden der Leiche Jesu ist IMHO eine
> unbrauchbare Beobachtung eines Lebens nach dem Tod.
Noch einmal, es geht auch hier nicht um eine naturwissenschatliche
Erkl�rung "eines Lebens nach dem Tode".
> IMHO liegt das an ihren Angstmanagementfunktionen. Eine
> verbreitete Angst ist die vor dem Tode.
Ich denke erstens, dass es nicht um Angst geht, sondern schlicht um
den Versuch der Menschen, auch das Unerkl�rliche auf irgend eine Weise
erkl�ren zu wollen - sei es eben hier mit den Bildern von Auferstehung
usw. Aber m.M. sind diese Bilder ja nie im realistischen,
naturwissenschaftlichen Sinn zu verstehen.
> Eine solche Vorstellung ist wesentlich
> angenehmer als das entg�ltige Nichts.
Zugegeben, ein Wissen auf der realistischen Ebene eines "absoluten
Nichts" ist f�r viele Menschen nicht sehr angenehm - darum denke ich,
hat die Menschheit, seit es sie gibt, nach Erkl�rungen, meinetwegen
nach Halt gesucht, hier eine Antwort zu bekommen.
> Umgekehrt ist es auch m�glich, mit Hilfe von Glauben v�llig harmlose
> Erscheinungen furchteinfl��end zu machen.
Alle Ideale, die es in der Geschichte der Menschheit bisher gegeben
hat, sind auch missbraucht worden - leider. Das k�nnte man ja gerade
so gut auch von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen sagen (vom
Schiesspulver bis zur Kernspaltung).
Gruss,
Martin
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