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Article #92

Einfrieren: Tod oder Bewusstseinsunterbrechung?

#92
From: Frank Vohla
Date: Tue, 30 Dec 1997 00:00
52 lines
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(Entschuldigt bitte, wenn im nachfolgenden manchmal ein technischer Jargon  
durchkommt. Ich bin ein Techniker und kein Philosoph und habe daher nicht  
die Kenntnis der treffenden Kategorien.)

Wie hatten auf Arbeit in einer Kaffeepause dar�ber diskutiert, welche  
Erfolgsaussichten das Einfrieren totkranker Menschen haben k�nnte. Neben  
der ungekl�rten Frage, ob das Nervensystem nach einem Auftauen selbst  
starten w�rde oder irgendwie angeworfen werden m��te, erregte die Frage  
die Gem�ter, welche stehen w�rde, falls das Verfahren funktioniert: Wird  
die Bewu�tseinst�tigkeit in der eingefrorenen Phase nur unterbrochen oder  
stirbt ein Bewu�tsein beim Einfrieren und wird beim Auftauen ein neues  
belebt.
Die Frage l��t sich durch ein Gedankenexperiment zuspitzen. Nehmen wir an,  
mit einem besondern Scanner wird ein Gehirn kopiert und gestartet. Zum  
Zeitpunkt der Kopie waren beide Bewu�tseins das gleiche. Trotzdem sind sie  
nicht das Selbe. Denn sie entwickeln sich getrennt fort. Das eine  
Bewu�tsein kann nicht mit den Ressourcen des anderen denken und umgekehrt.  
Es besteht eine r�umliche Trennung. Bei unserem eingefrorenem Gehirn ist  
die Situation �hnlich. Die r�umliche Trennung wird durch eine zeitliche  
ersetzt. Im eingefrorenen Zustand flie�en keine Gehirnstr�me. Das Organ  
ist somit tot. Nach dem Auftauen l�uft es unter der gegebenen  
Voraussetzung wieder hoch. Nun steht die Frage, ob das erwachende  
Bewu�tsein eine Kontinuit�t zum Leben vor dem Einfrieren hat oder nicht.  
Ich meine "nicht", denn sonst m��te die, in tot ruhenden Synapsen liegende  
Information f�r die Erhaltung des Bewu�tseins sorgen. Diese Information  
liesse sich beliebig auf andere Massenspeicher �bertragen und in irgend  
einem System zum Laufen bringen lassen. Man h�tte dann mehrere, sehr  
�hnliche Bewu�tseins, die aber nicht ein und dasselbe sind.
Ich bin daher der Meinung, da� man sich durch einfrieren nicht am Leben  
erhalten lassen kann, es sei denn, man l��t einige Prozesse im Gehirn  
weiterlaufen. Man hat dann ein kontinuierlich ablaufendes Proze�gemenge.  
Dieses ist auch nicht kopierbar. Es k�nnte allerdings �ber eine  
entsprechende Hardware aus dem K�rper hinauswandern, in dem man irgend  
etwas aus Prozessoren und Speicher an den Kopf anbaut, in welchem die  
Prozesse weiter laufen, die f�r das Kontinuit�tsempfinden des Bewu�tseins  
notwendig sind. Diese Proze�gruppe, �hnlich einem Betriebssystem, w�re  
dann soetwas �hnliches, wie eine Seele, allerdings nicht unsterblich (Es  
sei denn, der liebe Gott verf�gt, von uns unbemerkt und ohne das wir es  
wissen, �ber eine entsprechend sichere Hardware, welche die  
Seelenwanderung erm�glich.). Nach dem Auftauen k�nnte das minimierte  
Bewu�tsein in das Gehirn zur�ckwandern, die dortigen Ressourcen  
erschlie�en und sich erinnern. Es g�be keine Unterbrechungen in Raum und  
Zeit.

Frank Vohla (F.VOHLA@LINK-ABG.cl.sub.de)
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From: f.vohla@link-abg.cl.sub.de (Frank Vohla)
Subject: Einfrieren: Tod oder Bewusstseinsunterbrechung?
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