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Started by Rudolf Ladwig
Tue, 30 Sep 1997 00:00
Deutscher Freidenker Verband
Author: Rudolf Ladwig
Date: Tue, 30 Sep 1997 00:00
Date: Tue, 30 Sep 1997 00:00
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## Nachricht vom 30.09.97 weitergeleitet
## Ursprung : /NM/POLITIK/INLAND/TRENNUNG_KIRCHE+STAAT
## Ersteller: R.LADWIG@NADESHDA.gun.de
>>> _Aus der Kirche austreten allein genuegt nicht..._
>> _18 Fragen an Freidenker zu Religion, Atheismus, Glaube, Kirche,_
>> _materialistischer Weltanschauung und Jugendweihe_
> _1. Was ist ein Freidenker?_
Ein Mensch ohne religioese Bindungen, der sich an wissenschaftlichen
Erkenntnissen orientiert und sich zu Menschenwuerde, zur Solidaritaet und
zum allgemeinen menschlichen Fortschritt bekennt.
> _2. Freidenker, Freigeistige, Freireligioese - gibt es da einen_
> _Unterschied?_
Ja, der Bund Freireligioeser Gemeinden Deutschlands wirkt ausserhalb der
grossen Kirchen als Religionsgemeinschaft. Die Freigeistigen lehnen
ueberwiegend die materialistische Weltanschauung ab. Freimaurer sind in
Logen organisiert. Sie stellen eine weltbuergerliche Bewegung dar "In
Erfurcht vor dem Hoechsten und seiner Schoepfung". Der Deutsche Freidenker -
Verband versteht sich als einzige Vereinigung von Atheisten, auf der
Grundlage einer wissenschaftlich - materialistischen Weltanschauung.
> _3. Ist der Deutsche Freidenkerverband eine neue Vereinigung?_
Nein, seine Geschichte ist bis 1905 zurueckzuverfolgen. Damals wurde der
Verein der Freidenker fuer Feuerbestattung e.V. Sitz Berlin gegruendet. Die
Feuerbestatung wurde uebrigens damals von den Kirchen heftig bekaempft.
> _4. Wo liegen die geschichtlichen Wurzeln des deutschen Freidenkertums?_
Schon in den Jahren vor den Erhebungen von 1848 gaerte es im damaligen
protestantischen, wie auch im katholischen Lager. Zumeist buergerliche
Freigeister standen gegen den Missbrauch durch den Klerus auf. 1859 wurde
dann der Bund freireligioeser Gemeinden gegruendet. Seit 1881 sammelte der
buergerliche Freidenkerbund der Kirche entfremdete Leute. 1906 gruendete
Ernst Haeckel den deutschen Monistenbund auf der Basis des
naturwissenschaftlixchen Materialismus.
> _5. Der Deutsche Freidenker-Verband ist also ueberparteilich?_
Der Deutsche Freidenker-Verband gilt als gutes Beispiel von atheistischen
Menschen, die unabhaengig von ihrer parteipolitischen Auffassung und ihrer
Herkunft zusammenarbeiten.
> _6. Der DFV hat aber eine klare Weltanschauung?_
Freidenker sind Vertreter und Verfechter der materialistischen
Weltanschauung, haben also ein wissenschaftlich fundiertes Weltbild und
lehnen den Glauben an ueberirdische Maechte ab.
> _7. Sind Materialisten nicht geldgierig und jedem Idealismus_
> _unzugaenglich?_
Nein, hier werden Freidenker oft Opfer einer sprachlichen Verwirrung. In
der Sprache der Wissenschaft sind Materialisten Anhaenger der
materialistischen Weltanschauung, nach der die Welt von der materiellen
(stofflichen) Wirklichkeit bestimmt wird. Aus ihr entwickelt sich das
menschliche Bewusstsein mit allen Handlungsweisen. Vor diesem Hintergrund
koennen Menschen die Welt und damit auch die Gesellschaft veraendern, sowie
wirtschaftliche und soziale Beziehungen schaffen, die Menschenwuerde,
soziale Gerechtigkeit und friedliches Zusammenleben umfassen.
> _8. Aber ohne Gott kann doch nichts wachsen?_
Doch - es kann! Und es waechst auch taeglich auf Grund von Naturgesetzen.
Allerdings greift der Mensch vielfaeltig in die Natur ein und gefaehrdet
dabei sie und auch sich selbst. Wir sehen es deshalb als notwendig an, die
Rohstoffe sparsam zu verwenden, die Produktions- und Lebensweisen
umweltvertraeglich zu gestalten und in Frieden mit der Natur zu leben.
> _9. Ist "Glaube - Liebe - Hoffnung" ein Leitmotiv fuer Freidenker?_
Freidenker lehnen jeglichen Glauben ab, da er die Abhaengigkeit der
Menschen von uebersinnlichen Maechten zur Bedingung macht. Die Liebe zu den
Menschen und der Umwelt befluegeln die Freidenker, sich fuer die
Menschenrechte, den Frieden, die Freiheit, die Gerechtigkeit und gegen
einseitige egoistische Machtdurchsetzungen Einzelner oder Gruppen, gegen
Krieg und dessen Folgen einzutreten. Mit der Hoffnung verbinden die
Freidenker die Einsicht der Menschen, dass nur die Solidaritaet Aller
miteinander ein Ueberleben der Menschen und der Welt ermoeglicht.
> _10. Hatten die Freidenker Anteil am Widerstand gegen die_
> _Nazi-Barbarei?_
Ja! Nach dem Verbot des Deitschen Freidenker-Verbandes durch die Nazis
stand er verbunden mit der Arbeiterbewegung in der vordersten Reihe des
Widerstandes. Symbol dieses unbeugsamen Widerstandes war unser damaliger
Vorsitzender Max Sievers, der 1944 hingerichtet wurde. Auch heute nach der
Befreiung von der faschistischen Willkuer sind die Freidenker Teil des
antifaschistischen Widerstandes und aufgerufen, allen neuen faschistischen
Anfaengen zu wehren.
> _11. Sind Freidenker kirchenfreindlich?_
Die Freidenker betrachten sich nicht als Feinde der mehr oder weniger
glaeubigen Mitglieder der Kirchen, eines oertlichen Kirchenvorstandes oder
Pfarrers. Wir wissen aber, dass Religionen in der Geschichte der Menschen
eine verhaengnisvolle Rolle spielen, weil nach unserer Auffassung die
Religionen eine unwissenschaftliche idealistische Fehlorientierung sind.
Die Katholische Kirche hat seit ihrer Erhebung zur Staatsreligion im
spaetroemischen Reich immer mit den Herrschenden gegen die Unterdrueckten und
Benachteiligten paktiert. Diese wurden von der Kirche auf ein Jenseits
vertroestet, in dem diese Ungerechtigkeiten beseitigt seien. Auch die
Evangelische Kirche gehoerte 1933 zu denjenigen, die von Anfang an im
Gleichschritt mit den Nazis mitmarschierten. Mit der Reformation wurde in
weiten Teilen Deutschlands auch die Evangelisch-Lutherische Kirche
Staatsreligion. Nach dem Prinzip "Wessen Land, dessen Religion" artete
dies in die Schrecken des Dreissigjaehrigen Krieges aus. Mit der Bildung der
Deutschen Nation als Kleindeutsch-Preussische 1870 wurde die Lutherische
Kirche inoffiziell Staatskirche. Als Lehre aus der schaendlichen
Verquickung von Religion und Politik in der deutschen Geschichte fordern
die Freidenker strikte Trennung von Kirchen, Religionen und Staat.
> _12. Aber es gibt doch viele Kraefte in den Kirchen, die man als_
> _ausgesprochen fortschrittlich bezeichnen kann?_
Ja, darueber freuen sich die Freidenker sehr und schaetzen diese Christen
hoch als Mitstreiter z.B. in der Friedens- und Oekologiebewegung.
Freidenker bewundern auch ihren Mut, auf Kirchentagen gegen den erklaerten
Willen ihrer Kirchenoberen aufzutreten. Aber sie sind weder tonangebend
noch bestimmend in den grossen Kirchen. Bestenfalls werden sie als ein
Beweis der angeblichen Vielfalt der Auffassungen in den Kirchen und der
nachsichtigen Toleranz der Kirchenoberen gegenueber der allzu stuermischen
Jugend benutzt.
> _13. Was ist die Moral der Freidenker, wenn sie sich nicht an die Zehn_
> _Gebote halten?_
Ueberall, wo Menschen zusammenleben, muessen sie als Richtschnur Gesetze
aufstellen, um das Zusammenlebemn ertraeglich zu gestalten. Rechte und
Pflichten des Einzelnen muessen festgelegt werden. Besagte Zehn Gebote
stammen nicht von einem, Gott, sondern wurden von Menschen aufgestellt,
Gott aber zugeschrieben, weil die Menschen ihrer eigenen Autoritaet nicht
trauten.
> _14. Wie kann man ueberhaupt ohne den Glauben an Gott leben, ohne_
> _abzugleiten oder jeden Halt zu verlieren?_
Freidenker setzen nicht auf Furcht, sondern auf die Erziehung und die
Ueberzeugung des Menschen und seine Einsicht in die Regeln des
Zusammenlebens. Religionsstifter glauben nicht ohne die Furcht vor
Hoellenstrafen, ihre Glaeubigen von Raub und Mord, Pluenderung und Unzucht
abhalten zu koennen. Dies zeigt letztendlich nur wie wenig sie von den
Menschen halten. Geboten und akzeptiert wird auch nicht die Flucht in
Beichte. Gefordert ist, Fehler zu verarbeiten, um daraus entsprechende
Konsequenzen zu ziehen.
> _15. Was bedeutet die Forderung nach Trennung von Kirche und Staat im_
> _einzelnen?_
Die Kirchen sollen nicht weiter Vermoegenssonderrechte und Privilegien
geniessen, z.B. Kirchensteuer-Einzug durch den Staat,
Vermoegensentschaedigungen seit Jahrhunderten und Sonderstellungen im
Arbeitsrecht. Ihre "Lehren" in den Schulen verkuenden zu koennen muss
unterbunden werden. Damit muss auch der Vorstellung ein Ende gemacht
werden, unsere Gesellschaft sei durch religioese Grundsaetze bestimmt.
Schliesslich ist es nur ein Automatismus, z.B. der der Kindertaufe, der
viele Menschen in unserem Land zum Mitglied einer Kirche macht, dies aber
nicht aus Ueberzeugung.
> _16. Worin sieht der Deutsche Freidenker-Verband seine Aufgaben?_
- Verbreitung der atheistischen Weltanschauung und des wissenschaftlichen
Materialismus.
- Interessenvertretung aller atheistischen Menschen in allen Bereichen des
oeffentlichen Lebens.
- Eintreten fuer eine demokratiscvhe und sozialistische
Gesellschaftsordnung.
- Durchsetzung der Forderungen nach Trennung von Kirche und Staat sowie
von Kirche und Schule.
- Anerkennung der Weltanschauungs- und Gewissensfreiheit.
- Eintreten fuer Frieden, Freiheit, soziale Gerechtigkeit und
Voelkerverstaendigung.
- Aufhebung jeder Art von gesellschaftlichen Bildungsvorrechten.
- Foerderung von atheistischer und sozialistischer Kultur und die
Verbreitung weltlicher Feiern wie Namensgebung, Jugendfeier,
Eheschliessungsfeier und die Trauer- und Bestattungskultur.
> _17. Seit wann und warum wird die Jugendweihe durchgefuehrt?_
Schon im buergerlichen Freidenkerbund von 1881 wurde die Jugendweihe als
sichtbares Zeichen des Wendepunktes im Leben eines jungen Menschen
zwischen Kindheit und Jugend gefeiert. Nachweislich wurde 1890 die
Jugendweihe in Hamburg und 1891 in Berlin als Weltanschauungsfeier
durchgefuehrt.
> _18. Wer kann Mitglied des Deutschen Freidenker - Verbandes werden?_
Jeder, der die Satzung des DFV anerkennt und nicht religioes gebunden ist.
Konfessionell gebundene Menschen koennen Foerdermitglieder werden.
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_Deutscher Freidenker - Verband e.V. Sitz Dortmund_
_Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. Sitz Koeln_
_Herr Elmar Klevers, Landesvorsitzender_
_Postfach 102112_
_50461 Koeln_
_Tel. 0221/327374_
_Fax: 0221/311361_
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Zeitschrift: _Freidenker_
Abonnement und Vertrieb: Elmar Klevers
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