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1 total messages Started by Rudolf Ladwig Tue, 30 Sep 1997 00:00
Horst Groschopp:Dissidenten. (Eine Rezension)
#8
Author: Rudolf Ladwig
Date: Tue, 30 Sep 1997 00:00
84 lines
4626 bytes
## Nachricht vom 30.09.97 weitergeleitet
## Ursprung : /NM/POLITIK/INLAND/TRENNUNG_KIRCHE+STAAT
## Ersteller: R.LADWIG@NADESHDA.gun.de


>>_Freigeistige Kultur in Deutschland_

Eine ausgezeichneten kulturgeschichtlichen Ueberblick ueber die Entwicklung  
saekularistischer Stroemungen in Deutschland bietet:

>_Horst Groschopp: DISSIDENTEN. Freidenkerei und Kultur in Deutschland._    
>      _Dietz-Verlag, Berlin 1997, 448 Seiten ( DM 48.-)_

Der Autor, Kulturwissenschaftler, bis 1996 am Institut fuer  
Kulturwissenschaften der Humbold-Universitaet, Berlin, seit 1990 befasst mit  
Forschung und Lehre zum kulturellen Wandel in Ostdeutschland, zur  
deutschen Freidenkerei und zur Geschichte von Kulturpolitik und  
Kulturarbeit in Deutschland, beschreibt die Wurzeln, die gesellschaftliche  
Bedeutung und die vielfaeltigen Veraestelungen freidenkerischer Kultur im  
Deutschland des 19. und der ersten Haelfte des 20. Jahrhunderts.  
Zurueckgreifend bis zu dem 1759 erschienenen Freydenker-Lexicon von Johann  
Anton Trinius geht er den Motiven, Organisationen und Aktionen der  
"Dissidenten", also der von staatlich gestuetzter Konfessionalitaet  
Abtruennigen, nach. Das Buch zeigt, wie sich freidenkerische  
Kulturauffassungen, Kunst, praktische Kulturarbeit, Kulturpaedagogik und  
Jugendpflege zwischen Vormaerz und Novemberrevolution formten und  
politisches Handeln begruendeten. Seine Kristallisation fand die  
Entwicklung im "Weimarer Kartell" der deutschen Freidenkerei, das 1907  
begruendet worden war. In ihm sammelten sich Vereinigungen, Buende und  
Ortsgruppen von Vereinen, die vornehmlich kulturpolitisch taetig wurden -  
allerdings nicht als Gesamtverband - koordiniert von einem staendigen  
Ausschuss. Zu dieser illustren Versammlung von geistigen Individualisten  
und weltanschauoeichen Gruppierungen, wo "Selbststaendigkeit und Eigenart  
jedes einzelnen Vereins unangetastet" bleiben sollten, gehoerten u.a.: die  
Deutsche Gesellschaft fuer Ethische Kultur, der Deutsche Monistenbund, der  
Deutsche Bund fuer Mutterschutz, der Deutsche Bund fuer weltliche Schule und  
Moralunterricht, der Deutsche Freidenkerverband. Als "verwandte"  
Organisationen galten u.a. der Bund freireligioeser Gemeinden Deutschlands,  
der Zentralverband der proletarischen Freidenker Deutschlands, der  
Freimaurerbund Zur Aufgehenden Sonne.
H. Groschopp behandelt auch die sich mit dem ersten Weltkrieg  
abzeichnenden tiefen Zerwuerfnisse und Aufloesungstendenzen, u.a. als sich  
eine pazifistisch gesonnene Minderheit den deutschnationalen Tendenzen  
widersetzte, als die Verfassung von 1918 das Ende der Staatskirche  
verfuegte und schliesslich die "Deutschglaeubigkeit" zu einer der  
ideologischen Stuetzen des heraufziehenden Naziregimes wurde und  
"voelkische" gegen "sozialistische" Politisierung stand. Tendenzen und  
Differenzen in der freidenkerischen Tradition der Zeit nach dem zweiten  
Weltkrieg behandelt ein Schlusskapitel, das nicht den Anspruch einer Studie  
erhebt und nach differenzierter Fortfuehrung verlangt.
Insgesamt verdient das Werk Verbreitung, auch zum besseren Verstaendnis der  
Entstehung heutiger saekularer Gesellschaft, in der jedoch noch immer  
Forderungen des "Weimarer Kartells" von 1909 der Umsetzung in politische  
Realitaet harren.

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Verfasser der Rezension:
Bernd Michl.

in: MITTEILUNGEN der HUMANISTISCHEN UNION e.V.
Zeitschrift fuer Aufklaerung und Buergerrechte.
Nr. 158, II/Juni 1997, S. 60.
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> _bisher noch gueltige Anschrift:_

Humanistische Union e.V.
Braeuhausstr. 2
80331 Muenchen
Tel. 089/226441
Fax: 089/226442
e-mail: HUMANIST.UNION@LINK-M.de

>  _neue Adresse der Geschaeftsstelle_
>> _ab dem 18. Oktober 1997:_

Humanistische Union e.V.
-Haus der Demokratie-
Friedrichstrasse 165
10117 Berlin (Mitte)
Tel.: 030 - 20450-256
Fax:  030 - 20450-257
e-mail: HU@IPN-B.de
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