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Started by GHeinen
Thu, 31 Jul 1997 00:00
"Treibhauseffekt" auf Menschen zur�ckzuf�hren?
Author: GHeinen
Date: Thu, 31 Jul 1997 00:00
Date: Thu, 31 Jul 1997 00:00
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Ist der Treibhauseffekt wirklich auf menschlichen Einfluss
zurueckzufuehren? Zweifel sind angebracht
von Dirk Maxeiner
Vor der naechsten UN-Klimakonferenz in Kyoto ist den Meteorologen
die Katastrophe abhanden gekommen. Nur hat das noch keiner
gemerkt.
Der Morgen des 26. Mai war der Beginn meiner Reise ins Nichts.
Dabei fing alles ganz harmlos an. Im Internet fragte die Londoner
Nachrichtenagentur Reuters: "Klimaerwaermung alles Einbildung?" Es
wurde ein gewisser Nigel Calder zitiert, der ein neues Buch
geschrieben hat: "The Manic Sun" (Pilkington Press London 1997,
deutsche Ausgabe "Die launische Sonne" im Boettiger Verlag,
Wiesbaden voraussichtlich ab Oktober 1997 im Handel) - die
verrueckte Sonne. Aha, also ein Verrueckter. Normalerweise haette
ich gleich weitergeklickt. Aber der Name: Calder?
Was er laut Reuters so zu sagen hat: Die Klimaschwankungen der
Vergangenheit gingen hauptsaechlich auf Sonnenstrahlung zurueck,
und die aendert sich zyklisch. Die Klimaforschung habe jene
Erklaerungen straeflich vernachlaessigt, die von der Treibhausthese
abweichen, lautet Calders Vorwurf. Aha. Das sagen doch auch diese
finsteren Kohle- und Autolobbyisten in Amerika. Calder? Woher
kenne ich bloss diese Hyaene? Das Archiv bringt Aufklaerung: Nigel
Calder ist angesehener Wissenschaftsautor in Grossbritannien.
Sapperlot, was geht hier vor? Will der uns etwa die
Klimakatastrophe kaputtmachen? Gehen wir dennoch jeder Spur noch
einmal sorgfaeltig nach:
Sommer 1988. In Washington koechelt das Thermometer bei 40 Grad
Celsius. Nasa-Forscher James Hansen klaert einen Ausschuss des
Senats der Vereinigten Staaten ueber den Treibhauseffekt auf.
Zuerst die gute Nachricht: Wasserdampf, aber auch Spurengase wie
Kohlendioxid (CO2) absorbieren die Sonnenstrahlen in der
Erdatmosphaere und ermoeglichen das Leben - sonst waere es auf Erden
minus 18 Grad kalt. Und dann die schlechte Nachricht: Die heissen
Sommer der achtziger Jahre seien auf einen "zusaetzlichen vom
Menschen verursachten Treibhauseffekt" zurueckzufuehren, und zwar
"mit 99prozentiger Sicherheit". Ursache sei die Verbrennung von
Kohle, OEl und Gas. 24 Stunden spaeter steht die Story auf der
Titelseite der New York Times. Der damalige Senator Al Gore
spricht von der "Kristallnacht vor dem Treibhaus-Holocaust".
Und die Uno sieht endlich einmal die Chance, die Menschheit zu
retten, ohne einen einzigen Schuss abzufeuern. Sie gruendet das
Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC. Zwei
Dutzend Staaten beauftragen 170 Wissenschaftler, die
Treibhausgefahren abzuschaetzen. Geballter Sachverstand befindet:
Der Erde steht eine Erwaermung von bis zu 8 Grad bevor. Bis Ende
des 21. Jahrhunderts sei das Treibhaus komplett: Big Bang.
Die deutlichste Treibhausfolge ist ein warmer Regen: Geld ergiesst
sich ueber wissenschaftliche Eliteeinheiten in Deutschland,
Grossbritannien und den USA. In Hamburg wird das
Max-Planck-Institut fuer Meteorologie zum Deutschen
Klimarechenzentrum geruestet, das britische Meteorological Office
nennt seine Klimaretter Hadley Centre for Climate Prediction and
Resarch. In den USA bekommt das Lawrence Livermore National
Laboratory schoene Grossrechner. Die sind gleichsam die Jaeger 90
des Klimafeldzuges: teuer und absturzbedroht. Sie sollen den
Luftkampf mit den Treibhausgasen durchspielen und Aufschluss ueber
das Klima der Zukunft geben.
Zum Umweltgipfel von Rio 1992 einigt sich das IPCC diesmal auf
eine mittlere Katastrophe: Das Klima werde zum Ende des naechsten
Jahrhunderts bis zu sechs Grad waermer - das ist zwar weniger als
zuvor geschaetzt, aber immer noch mehr als genug. Es entstehen
neue, inzwischen vertraute Bilder: Pole schmelzen wie
Moevenpick-Eis, dem Koelner Dom steht der Rhein bis zu den
Turmspitzen, in Moskau tummeln sich Krokodile. Die letzte
Grillparty der Wohlstandsgesellschaft ist anberaumt.
1995 erreicht die fiebrige Erwartung erneut Hoechststaende, diesmal
gipfeln die Klimatologen in Berlin. Mittlerweile arbeiten 2500
Wissenschaftler aus 100 Laendern dem IPCC zu. Allein fuer das
deutsche Klimarechenzentrum hat der Forschungsminister 540
Millionen Mark lockergemacht. Doch waehrend die Zahl der
Mitarbeiter steigt, werden bei den Vorhersagen kleinere Broetchen
gebacken: Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts soll es jetzt nur
noch etwa 1 bis 3 Grad waermer werden. Hoppala.
Die Trendvorhersage von 1 Grad wird durch Satellitenmessungen
bestaetigt - und korrespondiert mit der natuerlichen Variabilitaet
des Klimas. Die Aussagekraft ueber den Einfluss des Menschen auf
das Klima tendiert gegen Null. Zum Glueck merkt das keiner.
Wer die beiden IPCC-Berichte vergleicht, kommt aus dem Staunen
nicht heraus: 1990 galt eine Erwaermung um 2 Grad bis zum Jahr
2100 als vergleichsweise erstrebenswert. Fuer dieses Ziel
("Szenario B") seien drastische Massnahmen erforderlich: der
vollstaendige UEbergang von Kohle auf Erdgas, der Stopp jeglicher
Abholzung sowie eine Halbierung des Kohlendioxid-Ausstosses. Fuenf
Jahre spaeter prognostizieren die Fachleute das gleiche Ergebnis
fuer den Fall, dass die Menschheit mehr oder weniger so
weiterwurstelt wie bisher. Zum Glueck merkt auch das keiner.
Wie heisst doch das erste Gebot der Klimabibel: Du sollst nicht
verharmlosen. Deshalb apportiert Klaus Hasselmann, Chef des
deutschen Klimarechenzentrums, entschlossen wie Kommissar Rex den
Treibhaustaeter - puenktlich zum Berliner Klimagipfel. Auf einer
Pressekonferenz versichert er in Gegenwart des
Forschungsministers: Die Klimaaenderungen der vergangenen
Jahrzehnte seien "mit einer geschaetzten Wahrscheinlichkeit von 95
Prozent durch den Menschen hervorgerufen", was auch immer eine
"geschaetzte Wahrscheinlichkeit" sein mag. Der Minister weiss es
auch nicht, nickt aber betroffen.
Auf dem grossen Klimarad, das global gedreht wird, glaubt auch das
Team um Benjamin Santer am amerikanischen Lawrence Livermore
National Laboratory einen menschlichen "Fingerabdruck" gefunden
zu haben. Santer ist einer der Autoren der 95er IPCC-Studie. Dort
heisst es: "Bei Abwaegung aller wissenschaftlichen Erkenntnisse
scheint ein merklicher menschlicher Einfluss auf das Klima
erkennbar." Ob des ueberfuehrten Missetaeters bricht medialer Jubel
aus: Von Focus ("Beweis erbracht") bis taz ("Endgueltig: Menschen
schaufeln sich Klimagrab"). Umweltschuetzer sehen sich bestaetigt -
und zwar durch eine "ueberwaeltigende Mehrheit" der
Wissenschaftler.
Doch was muessen wir im Mai 1997 von Klaus Hasselmann in Science
lesen: "Die Frage, ob der Anstieg der Temperaturen im letzten
Jahrhundert tatsaechlich vom Menschen verursacht wurde oder ob es
sich einfach um eine natuerliche Variabilitaet des Klimas handelt,
bleibt kontrovers." Eine Woche spaeter sagt auch Benjamin Santer:
"Die Zweifel sind da." Aus Mehrheiten werden rasch Minderheiten.
Der Fingerabdruck der Klimakatastrophe scheint mit einer
geschaetzten Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent wieder verschwunden
zu sein.
In Nigel Calders Buch "The Manic Sun" fungiert der Daene Eigil
Friis-Christensen als Kronzeuge. Der Leiter der Abteilung fuer
Solarterrestrische Physik am Meteorologischen Institut in
Kopenhagen entschluesselt seit Jahren Zusammenhaenge zwischen der
Aktivitaet der Sonne und unserem Klima. Die Sonne "haeutet" sich in
einem Rhythmus von neun bis fuenfzehn Jahren, was mit
Sonnenflecken und veraenderter Strahlung einhergeht. Die Forscher
interessieren sich nicht nur fuer die sichtbaren Sonnenstrahlen,
sondern fuer die gesamte, erheblich schwankende Strahlung.
Funkamateure koennen vom stoerenden "Sonnenwind" ein Lied singen.
Treibt die Sonne es ganz wild, schwanken sogar Kompasse,
Stromnetze brechen zusammen. Leuchtende Boten der Strahlung sind
die Polarlichter.
Beachtliches haelt die Sonne auch fuer die Klimaforschung bereit:
Die Laenge ihrer Zyklen und die Vehemenz ihrer Aktivitaeten
korrespondieren in erstaunlicher Weise mit Temperatur- und
Wetteraenderungen auf der Erde. Dank neuer Analysemethoden lassen
sich die Aktivitaeten der Sonnenflecken bis in graue Vorzeit
zurueckverfolgen. Als sie das letzte Mal im 17. Jahrhundert fast
voellig ausblieben, folgten strenge Winter und abnorme Kaelte. Das
Team um Eigil Friis-Christensen glaubt inzwischen auch dem
Mechanismus auf der Spur zu sein: Die kosmische Strahlung wirke
sich auf die Wolkenbildung aus. Darf das wahr sein?
Das haben sich auch daenische Parlamentarier gefragt. Peter Laut,
Chefberater des Umweltministers in Klimafragen, erschien am 28.
April 1997 zu einer Fragestunde vor dem Parlament in Kopenhagen.
Zunaechst erlaeuterte er die amtliche These vom menschengemachten
Treibhauseffekt. Die Rede kam jedoch schnell auf Eigil
Friis-Christensen und sein solares Widerstandsnest. Frueher hatte
der Regierungsberater das stets als Unsinn abgetan. Nun sagte er:
"Es erheben sich herausfordernde Fragestellungen." Die Zuhoerer
erheben die Augenbrauen. Was tut sich denn hier?
Buchautor Nigel Calder zitiert auch Arbeiten von Karin Labitzke
an der Freien Universitaet Berlin. Zusammen mit ihrem in den USA
forschenden Kollegen Harry van Loon hat sie festgestellt, dass
sich das Wetter ueber der Nordhalbkugel augenfaellig mit dem Zyklus
der Sonnenflecken aendert. "Waehrend die Daenen die grosse Klimaskala
im Auge haben", sagt Karin Labitzke, "zoomen wir uns naeher an das
Wettergeschehen heran." Das IPCC hielt ihre Ergebnisse ebenso wie
die daenischen Resultate fuer Kaffeesatzleserei.
Die widerspenstigen Meteorologen liessen sich nicht unterkriegen.
Sie erhielten bisher unzugaengliche Wetterdaten von 1973 bis 1995.
Die erlauben einen Blick auf die Suedhalbkugel. Die Ergebnisse
werden bald veroeffentlicht: Nord- und Suedhalbkugel zeigen
spiegelbildlich die gleichen Wetteraenderungen im Rhythmus der
Sonnenflecken. "Das ist schon fast ein Beweis", sagt Karin
Labitzke, "da muss ein Zusammenhang bestehen, auch wenn wir den
Wirkungsmechanismus nicht verstehen."
Die Berliner Meteorologin will das Kind nicht mit dem Bade
ausschuetten: "Es geht gar nicht darum, die These vom
Treibhauseffekt zu widerlegen. Aber der Einfluss der
Sonnenvariabilitaet ist so offensichtlich, dass man wirklich nicht
mehr so tun kann, als gebe es ihn nicht." Joerg Negendank,
Physiker am Geoforschungszentrum Potsdam, urteilt: "Das ist ein
Feld, das angegangen werden muss, um die umlaufenden Ideen vom
Treibhauseffekt in die richtige Perspektive zu bringen."
Einigkeit herrscht in einem Punkt: Der Anteil des Kohlendioxids
in der Atmosphaere ist seit 1870 von 270 Teilen pro Million (ppm)
auf heute 364 ppm gestiegen. Und schon scheiden sich die Geister:
Welche Rolle spielt dabei der Mensch?
Die Forscher um Eigil Friis-Christensen machte besonders eine
Beobachtung nach dem Ausbruch des Vulkans Pinatubo stutzig:
Anfang der neunziger Jahre sanken die Temperaturen infolge der
abschirmenden Eruptionswolken. Das laesst sich mit der These vom
menschengemachten Treibhaus in Einklang bringen. Aber dann wird
es wunderlich. Die Zunahme des Kohlendioxids ging nach dem
Vulkanausbruch zwar nur voruebergehend, aber auffallend zurueck
(von 2,5 ppm auf 0,6). Und das, obwohl die Industrie das Gas
weiter in die Luft pustete.
Koennte es sein, dass beim Klima Ursache und Wirkung vertauscht
werden? Unsere Ozeane speichern Kohlendioxid und sind so etwas
wie eine grosse Sprudelflasche. Und wer eine solche (geoeffnet!)
erhitzt, sieht, wie CO2 entweicht. Hohe
Kohlendioxid-Konzentrationen sind auf der Erde nichts Neues: In
der Zeit der Dinosaurier war der CO2-Anteil drei- bis fuenfmal so
hoch wie heute. "In der Erdgeschichte kann man feststellen, dass
mit hoeheren Temperaturen auch der CO2-Spiegel sehr stark steigt",
erklaert Joerg Negendank und stellt die delikate Frage: "Wer
verursacht hier eigentlich was?"
Hier kommt das zweite Gebot der Klimabibel zum Tragen. Es lautet
ebenfalls: Du sollst nicht verharmlosen. Aber denken ist erlaubt.
Leicht sensibilisiert sollten wir die grundsaetzliche Frage
klaeren: Wie sieht es tatsaechlich aus mit den Temperaturen in
unserem irdischen Jammertal? Auch hier herrscht auf den ersten
Blick Einigkeit: Zwischen 1881 und 1993 stieg die globale
Durchschnittstemperatur den meisten Quellen zufolge um 0,54 Grad
Celsius. Auf den zweiten Blick stellt sich das Bild
differenzierter dar: 0,37 Grad dieser Erwaermung - also siebzig
Prozent - erfolgten in der ersten Haelfte der hundert Jahre. Der
weitaus groesste Teil der Kohlendioxide gelangte aber erst in den
letzten fuenfzig Jahren in die Atmosphaere. Treibhausgase koennen
die Atmosphaere aber nicht rueckwirkend erwaermen. Der Hund muss also
woanders begraben liegen. Gernot Patzelt vom Institut fuer
Hochgebirgsforschung in Innsbruck hilft beim Ausgraben: "Man laesst
diese Temperaturreihen zu einem Zeitpunkt beginnen, der deutlich
einen Tiefpunkt der Entwicklung zeigt", sagt er. Wenn man sich
die Klimaschwankungen als Wellenbewegung vorstellt, dann war 1880
ganz unten. Doch im Jahrhundert zuvor gab es aehnliche Warmphasen
wie heute. Patzelt: "Bezieht man diese mit ein, dann laesst sich
kein einheitlicher Trend mehr feststellen."
Gegenwaertig schwanken die Angaben ueber die globale
Durchschnittstemperatur zwischen 0,04 und 0,1 Grad Erwaermung pro
Jahrzehnt. Nun stehen heute auch Satellitendaten zur Verfuegung,
die den ganzen Globus erfassen und besonders genaue Zahlen
liefern. Der Meteorologe John Christy von der Universitaet von
Alabama hat die Messreihen seit 1979 ausgewertet: "Fuer die untere
Troposphaere bis zu 5 Kilometer Hoehe ergibt sich seit 1979 eine
leichte Abkuehlung von 0,05 Grad pro Jahrzehnt." In dieser Zeit
brachen allerdings Vulkane aus, die den Globus abkuehlten. Wenn
die Wissenschaftler die Naturereignisse herausrechnen, dann ist
die Welt um 0,09 Grad pro Jahrzehnt waermer geworden, theoretisch.
Wissenschaft kann wunderbar sein: Es wird waermer, obwohl es
eigentlich kaelter geworden ist. Egal, welchen Messungen wir
glauben, lebenspraktisch laesst sich wohl sagen: Nach der finalen
Grillparty sieht das alles nicht aus.
Doch Einspruch: War 1995 nicht das heisseste Jahr seit der
modernen Temperaturaufzeichnung? Leider wieder eine Niete: 1995
war kein Rekordjahr, sondern lag abgeschlagen an achter Stelle.
Das britische Metereological Office - eines der Forschungszentren
im Dienste des IPCC - hatte das Jahr nur geschaetzt. Vorab und
falsch, aber rechtzeitig zum Berliner Klimagipfel.
Deshalb sei vor der naechsten UN-Klimakonferenz, die Ende des
Jahres im japanischen Kyoto stattfindet, darauf hingewiesen: Auch
das Jahr 1996 kuehlte ab: um 0,08 Grad. Im Kalten Krieg lehrten
die Satelliten die Militaers das Fuerchten. Inzwischen leuchten sie
den Klimaforschern heim. Und von der himmlischen Warte aus muss
manch irdische Gewissheit korrigiert werden. Die Klimaweisen des
IPCC prophezeien, der Meeresspiegel werde sich bis zum Jahr 2100
um bis zu einem Meter erhoehen.
Doch der Meeresspiegel denkt gar nicht daran, den Prognosen zu
folgen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des
Geoforschungszentrums Potsdam, die Satellitendaten von 1992 bis
1995 ausgewertet haben: Der Pegel der Weltmeere hat sich im
globalen Durchschnitt jedes Jahr um etwa zwei Millimeter erhoeht.
Ebenso zeigen die Ergebnisse, dass die Ozeanspiegel keineswegs
gleichmaessig steigen: Wenn die Pegel des Indischen Ozeans und des
Suedwestpazifiks klettern, dann sinken die Fluten im zentralen
Pazifik und im Golf von Bengalen. Die Ozeane unterliegen einem
Rhythmus von etwa vierzehn Jahren, der jetzt erst einmal
vollstaendig beobachtet werden muss. Und auch die Sonne spielt bei
Meeresschwankungen womoeglich eine Rolle.
Laeuft die Badewanne nicht spaetestens ueber, wenn die Pole
schmelzen? Schliesslich sagen die Modelle der Klimaforscher fuer
die Pole eine bis zu dreimal hoehere Erwaermung voraus als in
gemaessigten Zonen. Damit liegen sie weit daneben: Die
Satellitendaten zeigen fuer die Arktis eine Abkuehlung um 0,28 Grad
pro Jahrzehnt. Temperaturaufzeichnungen aus dem russischen Teil
der Arktis zeigen jetzt sogar einen Temperatursturz von bis zu 4
Grad in den vergangenen vierzig Jahren.
Auch am Suedpol ist der Zusammenhang zwischen einer Klimaerwaermung
und der Bewegung der westantarktischen Eisstroeme fragwuerdig
geworden. "Die vielfach zitierte Aussage, es wird waermer, die
Polkappen schmelzen, der Meeresspiegel steigt dramatisch, ist
falsch", resuemiert Heinz Miller vom Alfred-Wegener Institut fuer
Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven. "Das Gegenteil ist der
Fall." In den Rechenzentren der Klimaforscher wachsen Wissen und
Ratlosigkeit. Die Wissenschaftler haben alle Haende voll zu tun,
den Launen der Natur zu folgen. Der letzte Rueckzieher erfolgte
aufgrund einer simplen Entdeckung: Smog der Staedte und Rauch der
Brandrodungen schirmen das Sonnenlicht ab. Das kuehlt die Erde.
Nach dieser Erkenntnis wurden die Klimavoraussagen 1995 deutlich
zurueckgenommen. Daraufhin stimmten sie auch mit dem tatsaechlichen
Klima ueberein. Jetzt stellt sich jedoch heraus: Die kuehlende
Wirkung der winzigen Partikelchen in Smog und Rauch liegt
wahrscheinlich nicht bei dreissig, sondern hoechstens bei zehn
Prozent. Damit duerfte das muehsam austarierte Rechengebilde wieder
wanken: Weniger Kuehlung heisst hoehere Temperaturen - aber die gibt
es in diesem Masse nicht. Klimaforschung wie im Maggi-Kochstudio?
Das waere in der Wissenschaft nicht neu: "In der Praxis
widerstrebt es Menschen, eine Theorie aufzugeben, in die sie viel
Zeit und Muehe investiert haben", hat der Astro-Pysiker Stephen
Hawking erkannt, "gewoehnlich versuchen sie die Theorie so
abzuaendern, dass sie zu den Beobachtungen passt." Schliesslich
verwandele sich die Theorie in ein "schiefes und haessliches
Gebaeude".
Einigen wir uns auf eine eher salomonische Sicht: Wie das Wetter
ist auch das Klima ein Produkt aus unzaehligen, teils
unberechenbaren Faktoren. Wolken und Blitze, Meere und Moore: All
das wird erst langsam erforscht und kann in den Computern kaum
simuliert werden. Und mit der Sonne kommt jetzt auch noch die
kosmische Dimension hinzu. Auch noch schnellere Superrechner
werden vorlaeufig nichts daran aendern: Klimamodelle sind primitive
Abbildungen der Realitaet.
Fazit: Der menschliche Einfluss auf das Klima hat bisher noch zu
keiner Entwicklung gefuehrt, die es in der Vergangenheit ohne
menschlichen Einfluss nicht schon gegeben haette (was freilich
nicht gegen das Energiesparen spricht). Nigel Calder bringt es
auf den Punkt: "Die These vom Treibhauseffekt - zumindest in der
offiziellen, aufschreckenden Form - liegt in ihren Todeszuegen."
Nur wolle das noch keiner wahrhaben.
(C) DIE ZEIT 25.07.1997 Nr.31
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