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Article #8

Re: LIST zum drohenden Verschlsselungsverbot

#8
From: Dieter Schmitt
Date: Mon, 30 Oct 1995 13:49
97 lines
4731 bytes
Hi Axel,

am Freitag, den 27.10.95 um 00:00 hast Du wegen
LIST zum drohenden Verschlsselungsverbot folgendes geschrieben:

>Auch mir widerstrebt es, dass man sich immer neuen Verboten immer wieder
>beugen muss!

Muss man? Ist es nicht vielmehr so, dass schon in der puren Absicht, die  
vielen User von PGP zu kriminalisieren eine erhebliche kriminelle Energie  
steckt?

Schliesslich steht die klare Aussage im Raum, dass mit dem Verbot die  
Nutzung dieser Verschluesselungstechnologie _auf breiter Basis_ durch  
Kriminelle unterbunden werden soll.....

Da die *breite Basis* ja doch wohl in den _nicht kriminellen_ Nutzern zu  
sehen ist, muss man nichts mehr hinzufuegen!

Durch das Verbot soll _die breite Basis der Kriminellen_ erst geschaffen  
werden!

>Jedoch muss ich sagen, dass die in der c't vertretene Meinung, stures
>Durchboxen des Wunsches die 'perfekte' Codierung behalten zu koennen, den
>demokratischen staat gefaehrde (wenn nicht gar in Frage stellt), zum
>Nachdenken anregt.

Ich habe den Artikel auch gelesen. Kenn mich dieser Meinung aber nicht  
ganz anschliessen. Zugegeben, PGP erleichtert politischen bzw. kriminellen  
Aktivisten den konspirativen Gedankenaustausch ueber oeffentliche Kanaele  
ungemein - geheime Treffen werden immer mehr an Bedeutung verlieren - ....  
*aber* dies gilt auch in umgekehrtem Sinn!

Die _Informationbeschaffung durch Unbefugte_ wird erheblich erschwert,  
wenn in Kreisen der Politik/der Wirtschaft/der Verwaltung der  
Informationsaustausch unter Einsatz wirksamer Kryptographie erfolgt.

Auch unter einem totalitaeren Regime liesse sich der Widerstand mit Hilfe  
von PGP leichter organisieren, wenn man in Betracht zieht, dass das Recht  
auf geheimen Gedankenaustausch ein Grundrecht eines jeden Menschen dar- 
stellt! (Ob man unter einem totalitaeren Regimen PGP zuliesse sei dahin- 
gestellt)

Bisher war dafuer die Zusammenkunft an einem sicheren Ort notwendig ...
dieser hinderliche Umstand kann nun entfallen.

Man darf durchaus fragen, ob eine Demokratie ohne die Moeglichkeit zu  
geheimem Gedankenaustausch ueberhaupt moeglich ist ....


>Wenn man dann sieht, was in Paris regelmaessig passiert, braucht man mit
>Franzosen keine Diskussion mehr ueber PGP anzufangen, denn die Argumente
>wuerden einen erdruecken.

Dass Frankreich Probleme mit seinem historischen Erbe hat und Ziel  
terroristischer Aktionen mit politischem Hintergrund ist, muss als  
Tatsache hingenommen werden.

Da PGP in Frankreich ohnehin verboten ist, und eine Kommunikation unter  
PGP ohne weiteres als solche feststellbar ist, kann es nicht als _der_  
Deckmantel des Terrorismus gelten, den manche gerne darin sehen moechten.

Oberstes Ziel muesste die Verhinderung jeglicher terroristischer  
Aktivitaeten sein.

Hier kann sowieso nur mit den traditionellen geheimdienstlichen Methoden  
entgegengewirkt werden - massive Infiltration der terroristischen Gruppen  
durch Informanten, Verhoere und noetigenfalls Liquidierung von Terroristen  
durch Agenten mit Sondervollmachten (James Bond laesst gruessen).

Man kann zu solch "schmutzigen" Methoden stehen wie man will, entscheidend  
ist die Wirksamkeit. Die Einschraenkung der Grundrechte _aller_ Buerger  
muss als wesentlich schwerwiegender bezeichnet werden als Ausnahmerecht  
gegenueber Terroristen.

>Wie gesagt, bitte nicht meinen ersten Satz vergessen. Auch hier laeuft PGP.

Bei mir auch.

>Abgesehen von allen Bedenken der Politiker braucht es nur eine geringe
>Menge an krimineller Energie (naeml. gar keine) um zu erfahren, dass man PGP-
>Mails in Grafikdateien verstecken kann.

Meine Meinung ist, dass die staendigen Interessenvertretungen in einer  
parlamentarischen Demokratie mehr kriminelle Energie an den Tag legen,  
indem sie die Politik in ihrem Sinne und zum Schaden des Steuerzahlers  
beinflussen.

Genug geflamed

Dieter
--
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Date: 30 Oct 1995 14:49:00 +0100
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