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Article #358Re: Wie bekomme ich Mail+News 8bit-sauber (SUN) ?
From: Carsten Rossenhoevel
Date: Sun, 22 Nov 1992 16:51
Date: Sun, 22 Nov 1992 16:51
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kruel@phys-chemie.uni-wuerzburg.dbp.de (Thomas-Martin Kruel) writes:
> - NNTP+CNews fuer den Newstransport
clean
> - rn, trn, xrn, tin zum Lesen
rn, trn, xrn: clean
tin: keine Ahnung
> - sendmail zum Mail-Transport
Fuer sendmail gibt es noch keine "richtige" 8-bit-Faehigkeit, es gibt
nur die IDA-Version aus Schweden, die das Problem aber non-standard und
inkompatibel zu allem anderen loest (Header X-Charset und X-Char-Esc).
Lohnt nicht zu installieren -- Mail kann vorerst besser durch den UA
konvertiert werden (mmencode erzeugt z.B. quoted-printable).
> - mail zum Lesen
proprietaere mail-Programme: keine Ahnung
elm: ab 2.4 clean
emacs-rmail: haengt davon ab, ob der 8-bit-emacs-Patch angewendet wurde.
> - csh und tcsh sowieso
tcsh: clean
proprietaere csh's: die meisten sind clean, nur uralte Vanilla-BSD4.3 und
SysV < R3 benutzeen das 8. Bit noch als Statusbit.
> - vi und emacs als wichtigste Editoren
emacs: 8-bit-Patch anwenden, s.u.
proprietaere vi's: Auf allen POSIX-Rechnern per Environmentvariable
umstellbar.
> - NCSA-Telnet als VT100-Emulation der angeschlossenen PCs
telnet hat einen transparenten 8-bit-Datenpfad, kein Problem.
> - Uniterm fuer den seriell angeschlossenen Atari
ist schon immer 8-bit-clean gewesen (vorausgesetzt, die Leitung wird
nicht mit Parity betrieben ;-)), da Atari jedoch andere Umlaute hat,
muss ein Mapping eingebaut werden (mit keyedit oder so, gehoert zu
uniterm).
> Parallel dazu wuerde ich (privat) ganz gerne wissen, wie man die Umstellung
> bei HERMES/UUCICO auf einem ST hinbekommt (ueber serielle Leitung an
> die SUN angeschlossen).
keine Ahnung, Atari-Spezialisten an die Front!
> Es waere gut, wenn die Verfechter der 8bit-Zeichen einmal eine umfassende
> Anleitung zu diesen Punkten aufstellen wuerden; dieses wuerde - mehr
> als alles Geschreie - vielen Admins die Arbeit sehr erleichtern (und ich
> koennte dann auch 8bit-tauglich werden :-).
Die gibt es schon seit ca. Juli in
ftp.cs.tu-berlin.de:/projects/umlaute/install
Sie ist aus einer Umstellungsanleitung fuer das Fachbereichsnetz des
FB Informatik der TU Berlin entstanden.
Ist unten angehaengt.
Ich poste die Anleitung nicht als FAQ und ueberhaupt ungern, weil sie noch
etwas zu Sun-zentriert ist. Da ich aber jetzt einen Bereich auf einer HP
bekommen habe (ich haette uebrigens sehr gern zum Testen Bereiche auf
Interactive-, SGI- und vor allen Dingen AIX-Maschinen), wird sich die
Sun-Bezogenheit in Zukunft vielleicht etwas bessern...
> Eine weitere Frage (evtl. an Kosta Kostis): Ist es moeglich, auch
> griechische Schrift ueber 8bit zu transportieren, wenn ja, wie ?
Klar, per ISO-8859-7.
Natuerlich muessen beide Seiten entsprechende Zeichensaetze haben.
Gruesse, Carsten
.........................................................................
Carsten Rossenhoevel Make The Net a place where
{cross,gnu,ftpadm}@cs.tu-berlin.de Everybody's in. Nobody's out.
{caro,newsmaster}@specs.de -- Electronic Frontier Foundation
$Header: /home/c/cross/texts/RCS/Umlaute,v 1.6 1992/10/25 00:00:08 cross Exp cross $
ISO 8859-1 Umgebung -- Umlaute
------------------------------
Dieser Text soll beschreiben, wie man/frau die Arbeitsumgebung
(insbesondere die Sun- und UNIX-Umgebung) so einstellen kann,
dass die Verwendung von Zeichen, deren 8. Bit gesetzt ist
(im folgenden 8-bit-Zeichen genannt), moeglich wird. Dabei wird
von einem Zeichensatz ausgegangen, der die normalen ASCII-Zeichen
um in Westeuropa gebraeuchliche Sonderzeichen erweitert: ISO 8859-1.
Seine Geschwister werden weiter unten dargestellt.
Es gibt sowohl im Fachbereichsnetz als auch in den deutschen News
seit langem zwei Lager: die einen sagen, UNIX sei ASCII-basiert,
und man solle mit der Umstellung auf internationale Zeichensaetze
solange warten, bis es (a) eine Norm gebe, die wirklich alle denkbaren
Zeichen beruecksichtigt, und (b) alle Tools und Protokolle darauf
eingestellt seien. Ihre Gegner wollen darauf nicht warten, sondern
meinen, Umlaute gehoerten zur deutschen Schriftsprache, auf deren
vollstaendigen Gebrauch sie auch auf dem Rechner nicht verzichten
wollten.
Dieses Dokument will nicht zu der Diskussion beitragen; es schildert
lediglich die Massnahmen, die bei einer Umstellung notwendig sind.
Grundsaetzlich gilt leider die Regel: Jedes noch so kleine Programm
muss einzeln dazu ueberredet werden, 8 Bit zu verstehen.
Ein grosses Uebel ist die fehlerhafte Benutzung der libc: Viele
Programme benutzen entweder 'signed char' als Zeichentyp oder rufen
isprint() und andere Klassifizierungsroutinen auf, ohne vorher mit
setlocale() die Zeichenklassen richtig eingestellt zu haben.
Bevor die Tuecken der einzelnen Programme geschildert werden,
eine Kurzzusammenfassung der Situation und notwendigen Schritte
im Fachbereichsnetz.
Kurzzusammenfassung fuer X-Umgebungen in cs.tu-berlin.de
========================================================
Folgende Aenderungen sind fuer die Standardsituation im
Fachbereichsnetz, SunOS4.1 unter X, notwendig (natuerlich nur,
soweit die entsprechenden Programme benutzt werden ;-)):
~/.cshrc: setenv LC_CTYPE iso_8859_1
setenv LESSCHARSET latin1
~/.emacs: (set-default 'ctl-arrow 1)
(autoload 'accent-mode "accent-mode" "Mode for iso chars" t)
~/.nn/init: set data-bits 8
~/.elm/elmrc: [pager = builtin ersetzen durch] pager = less
(ab elm-2.4 unnoetig)
Falls der emacs-mode aktiviert werden soll, der als "a, "u, etc.
eingegebene Umlaute automatisch in ISO-Zeichen umsetzt, im emacs eingeben:
M-x accent-mode
Einzelne Programme (auch ausserhalb des Fachbereichsnetzes gueltig)
===================================================================
terminal
-------- [dieser Absatz gilt nur fuer ASCII Terminals]
Bevor irgendwas an der Software gedreht wird, muss natuerlich
das Terminal 8-bit-Zeichen uebertragen und anzeigen koennen.
Es sollte also auf 8 bit, no parity eingestellt werden;
der Zeichensatz sollte auf ISO8859 stehen (nicht 'International
ASCII', dabei werden nur einige 7-bit-Zeichen ueberladen).
VT-Terminals haben eine verlockende Option "8-bit-controls",
die stiftet aber nur Verwirrung, solange termcap und terminfo
nicht auch geaendert werden, und sollte deshalb auf
"7-bit-controls" stehenbleiben.
Die Eingabe von Umlauten geschieht meist ueber die Compose-Taste:
z.B. Compose-"-a (nacheinander) ergibt umlaut-a.
Nicht zu verwechseln mit Compose-a-e (daenische ae-Ligatur).
Alle Compose-Argumente sind mit zwei, solche mit Shift mit drei
Tastendruecken zu erreichen.
Die Bedeutung einiger Compose-Argumente ist davon abhaengig,
welche Tastatur eingestellt ist.
Eine vollstaendige Liste befindet sich in jedem DEC Terminal-
Handbuch seit VT220.
terminalserver, telnet-Protokoll
--------------------------------
Das Telnet-Protokoll (RFC 854) benutzt einen 8-bit-breiten
Datenstrom, um ASCII-Daten zu uebertragen. Es ist spezifi-
ziert, dass andere als ASCII-Zeichen "zu keiner Aktion"
fuehren. Die meisten Terminalserver, -multiplexer und
Telnetprogramme (genaugenommen alle, die ich kenne) geben
8-bit-Zeichen trotzdem an den Benutzer weiter, so dass
ISO-Zeichen angezeigt werden koennen.
terminalserver, rlogin-Protokoll
--------------------------------
Manche Terminalserver beherrschen auch das rlogin-Protokoll;
bei den mir bekannten ist der Datenstrom 8 bit breit, wenn
er nicht umgestellt wird.
Modems
------ siehe Stichwort "TTY"; alle Modems am Fachbereichsnetz
und die des ZRZ sind auf 8-bit-Uebertragung geschaltet.
PC/Atari/Amiga-Terminalprogramme
--------------------------------
[Dieser Abschnitt wird demnaechst ueberarbeitet]
IBM verwendet Zeichensaetze, die nicht ISO 8859 entsprechen.
Atari hat sich IBM angeschlossen.
Die meisten Terminalprogramme sind aber auf ISO 8859
umschaltbar. Diese Einstellungsmoeglichkeit darf nicht
mit "8-bit-controls" (siehe Stichwort "Terminal") oder
mit "international ASCII character set" (einige 7-bit-
Zeichen mit nationalen Sonderzeichen ueberladen)
verwechselt werden.
Amiga benutzt ISO-8859-Zeichensaetze. Wenn Terminalprogramme
auf dem Amiga ISO 8859 nicht beherrschen, sind sei mutwillig
dumm programmiert ;-)
getty
----- Sun's default-Eintrag in /etc/gettytab definiert "ap":
7 bit, any parity. Er muss auf "p8" geaendert werden.
TTY
--- Obwohl 8-bit-Frames uebertragen werden, entfernen die
TTY Treiber der meisten Betriebssysteme das 8. Bit, wenn
sie nicht besonders daran gehindert werden.
In BSD: "stty pass8"; in System V: "stty -istrip -ostrip cs8".
In SunOS: eine der beiden Formen.
Manche wirklich alten BSD4.2/4.3-Versionen benoetigen
zusaetzlich (sogar auf pseudo ttys!!) "-even -odd";
standardmaessig sind sie auf 'Mark Parity' eingestellt
(codiert als even und odd parity gleichzeitig).
Shells
------ In POSIX wurde ein System zur Unterstuetzung nationaler
"Besonderheiten" eingefuehrt (nicht nur Zeichensaetze, sondern
auch Dezimalpunkte, Waehrungen, Datumformat, und schlimmsten-
falls die Sprache der Programm- und Systemmeldungen).
Es laesst sich durch Setzen von Environmentvariablen beein-
flussen. Der Zeichensatz wird durch LC_CTYPE umgesetzt.
Sun unterstuetzt zur Zeit nur "default" und "iso_8859_1".
Also: "setenv LC_CTYPE iso_8859_1".
Andere Betriebssysteme, die National Language Support (NLS)
schon vor POSIX hatten, benutzen meist andere Variablen, z.B.
"LANG". Einzelheiten sind mir nicht bekannt.
Die mitgelieferten Shells aelterer Betriebssysteme unterstuetzen
oft gar keine 8-bit-Zeichen -- viele Programme in der alten
4.3BSD-Release benutzen das 8. Bit als Statusbit (meist als
Kennzeichnung, ob das entsprechende Eingabezeichen in Quotes
eingeschlossen war).
Versionen der tcsh seit etwa 1988 benutzen fuer diese Zwecke
das 16. Bit statt des 8.
rlogin
------ sollte per Alias "rlogin -L" oder "rlogin -8" aufgerufen werden.
Die System V-Syntax (auch DEC) erlaubt -L/-8 nur nach der Option
"-l <user>" (falls -l angegeben wird).
Bei SunOS4.1 ist anscheinend -8 per default eingestellt, auch
wenn die ManualPage das nicht dokumentiert.
xterm
----- xterm selbst ist immer 8 bit clean. Sofern der verwendete Font
Umlaute enthaelt (Test mit xfd -fn <font>), werden sie auch
dargestellt (*). Die Eingabe ist etwas gewoehnungsbeduerftig:
Die Meta-Taste setzt das 8. Bit, also:
ae = M-d Ae = M-D
oe = M-v Oe = M-V
ue = M-| Ue = M-\
ss = M-_ (usw)
(Manche dieser Kombinationen sind nur unter Zuhilfenahme von
Shift erreichbar.)
Die Umlaute koennen natuerlich mit xmodmap auf 'sinnvollere'
Tasten umgelegt werden.
(*) XTerm benutzt pseudo ttys und Shells. Wenn eines von
beiden nur 7 Bit darstellt, kann xterm natuerlich keine
Wunder vollbringen. Was pseudo ttys angeht, stellt XTerm
sie zwar auf "pass8" um, aber siehe Punkt "ttys".
emacs
----- Alle Angaben beziehen sich auf Version 18.58; aeltere Versionen
koennen zwar auch gepatched werden (s.u.), aber das funktioniert
angeblich nicht korrekt; neuere Versionen (emacs 19) werden
per default 8-bit-Zeichen anzeigen koennen.
Grundsaetzlich ist der emacs zwar 8-bit-"clean", d.h. er
entfernt an keiner Stelle das 8. Bit, er haelt diese Zeichen
aber fuer nicht lesbar und zeigt sie deshalb oktal an.
Das kann durch den ctl-arrow-patch geaendert werden, der z.B.
von ftp.cs.tu-berlin.de:/pub/gnu/emacs/contrib verfuegbar ist.
(im Fachbereichsnetz installiert)
Der Patch wird aktiviert durch eine Zeile in ~/.emacs:
(set-default 'ctl-arrow 1)
8-bit-Zeichen koennen unter X mit der Compose-Taste wie auf
VT-Terminals eingegeben werden (s.o.). Damit die Zeichen nicht
als Kommandos interpretiert werden, muss vorher quoted-insert
(C-q) eingegeben werden. Das ist umstaendlich und kann wie beim
xterm durch Aenderung der key bindings verbessert werden.
Die Eingabe mittels der Compose-Taste ist aus unbekannten
Gruenden auf richtigen VT's leider nicht moeglich (mit der im
Fachbereichsnetz installierten Version).
Alternativ koennen Umlaute als Folge von 7-bit-Zeichen mit Hilfe
des accent-mode eingegeben werden: er wandelt 7-bit-Sequenzen
("a, "s etc. wie in TeX) in die korrespondierenden Umlaute um.
In ~/.emacs sollte die Zeile stehen:
(autoload 'accent-mode "accent-mode" "Mode for iso chars" t)
Im emacs aktivieren mit:
M-x accent-mode
Der accent-mode stammt von Bernd Petersohn <muecke@cs.tu-berlin.de>
und ist als ftp.cs.tu-berlin.de:/pub/gnu/emacs/contrib/accent-mode.el
verfuegbar.
vi
-- wird -- zumindest bei Sun -- durch die Variable LC_CTYPE
(siehe Stichwort "Shells") auf 8 bit eingestellt.
Utilities
---------
less: abhaengig von LESSCHARSET, leider nicht von LC_CTYPE.
LESSCHARSET muss auf "latin1" gesetzt sein.
awk, sed, andere klassische UNIX Tools: sind sehr haeufig
(auch unter SunOS) nicht 8-bit-clean und auch nicht dazu
zu ueberreden.
Drucken
------- Drucker sind meist ueber serielle Leitungen angeschlossen,
die auf 8 bit eingestellt sein muessen (siehe ttys).
Einstellungen fuer ASCII-Drucker: unbekannt
PostScript-Drucker: Haben Fonts mit Umlauten, die entweder
im Klartext uebermittelt werden koennen (nachdem der
Drucker mit einem entsprechenden Header darauf vorbereitet
wurde), oder verschluesselt als 7-bit-Zeichen (so geben
dvips und troff Umlaute aus).
a2ps kann nur 7-bit-Zeichen ausgeben.
Dafuer gibt es im Fachbereichsnetz /home/pub/bin/iso2ps.
Compiler
--------
C-Compiler moegen keine Umlaute in Bezeichnern, weil das
dem ANSI C Standard widerspricht. Umlaute in Kommentaren
sind meist ungiftig. Umlaute in Strings ebenfalls; die
meisten C Libraries (printf..) sind auch nicht allergisch
dagegen.
Mail
---- Hier muss mensch unterscheiden zwischen MTA (Message Transfer
Agent, sendmail, smail) und UA (User Agent, elm, emacs/Rmail).
sendmail: ist normalerweise nicht 8-bit-clean, sondern entfernt
das 8. Bit aus allen vom Benutzer angenommenen Mails, weil der
entsprechende Standard (RFC822) nur 7 Bit breite Pfade vorsieht.
Die Implementierung von sendmail im Fachbereichsnetz aendert sich
ab und zu auf subtile Weise (Fragen bitte an uli@cs.tu-berlin.de);
im Moment (Oktober 1992) werden Umlaute in Mails zu manchen Sites
unverschluesselt uebertragen, zu den meisten Sites jedoch in
7-Bit-Zeichen gewandelt, vor denen ein escape character eingefuegt
wird. Zumindest theoretisch ist somit die Rekonstruktion beim
Empfaenger moeglich, aber da die Kodierung keinem internationalen
Standard entspricht...
Allgemein gilt , dass fuer den Empfaenger Sonderzeichen nur 'sinnvoll'
sind, wenn der Sender spezifiziert hat, welcher Zeichensatz benutzt
wurde. Die Syntax der entsprechenden Header-Felder ist zwar seit
Juni 1992 standardisiert (in RFC1341 == MIME), aber noch nicht
weit verbreitet.
Ein praktikabler Header fuer den Mailaustausch ueber Pfade,
die bereits 8-bit-clean sind, ist:
MIME-Version: 1.0
Content-Type: text/plain; charset=ISO-8859-1
Content-Transfer-Encoding: 8bit
WICHTIG: Dummerweise spezifiziert RFC822, dass Internet Text
Messages (Mails, News-Artikel) nur 7-bit-Zeichen enthalten duerfen.
Aus Kompatiblitaetsgruenden wurde diese Beschraenkung auch mit
RFC1341 nicht aufgehoben.
Das heisst, alle oben genannten Massnahmen sind nur normkonform,
wenn die UAs Mails in/aus 7-bit-Zeichen codieren/rekonstruieren.
Insbesondere ist der Header "Content-Transfer-Encoding: 8bit"
_nicht_ RFC822-konform, weil er spezifiziert, dass 8-bit-
Zeichen uebertragen werden; ich habe ihn zitiert, weil er
die Situation widerspiegelt, wie 8-bit-Zeichen in Mails und
Newsartikeln uebertragen werden, die vom Fachbereichsnetz
ausgehen.
elm2.3: Benutzt zur Eingabe einen Editor, siehe dort.
Ausgabe: Der elm "builtin" pager ist NICHT 8-bit-clean, weil
er faelschlicherweise isprint() benutzt (s.o.).
Bis es eine korrigierte Version gibt, kann der Pager in
~/.elm/elmrc mit "pager = less" umgesetzt werden.
elm2.4: Ist in Zusammenarbeit mit dem Programm 'metamail'
MIME-faehig. [Weiteres demnaechst]
emacs/Rmail: siehe emacs.
News
---- Das Newssystem selbst ist durchgaengig de facto 8-bit-clean.
(Zur Zulaessigkeit der Verwendung von 8-bit-Zeichen siehe
aber Stichwort "Mail"). Nur noch sehr wenige Sites benutzen
das alte Bnews, das das 8. Bit abschneidet.
Newsreader: rn, trn: sind ohne weitere Einstellungen 8-bit-clean.
nn: in ~/.nn/init: "local data-bits 8"
gnus: siehe emacs.
Netiquette -- WARNUNG
---------------------
Es wird davon abgeraten, in englischsprachigen Newsgroups/Mails
Umlaute zu benutzen (Achtung: ~/.signature).
Die meisten Amis haben noch nie was von ISO 8859 gehoert.
In Europa wird sich ISO 8859 vermutlich in ca. zwei Jahren
durchgesetzt haben (subjektive Prognose); im Moment sind aber
leider die meisten Mail-/Newsleser noch nicht darauf eingestellt --
viele Betriebssysteme sind inzwischen in der Lage, 8-bit-Zeichen
anzuzeigen (siehe oben), aber solange jeder Benutzer dazu seine
Umgebung noch umkonfigurieren muss, wird es Leute geben, die
8-bit-Zeichen nicht angezeigt bekommen und deshalb den Erzeuger
dieser Zeichen anmeckern ("flamen").
Ich persoenlich sage dann immer, "SunOS? HP? Xterm? Selber schuld,
bringt Eure Umgebung in Ordnung, hier ist unser /usr/INFO/Umlaute,
damit kriegt Ihr das schon hin"... :-)
Aber wer garantiert keinen Aerger haben will, muss leider
noch auf Umlaute in Mails / News verzichten, wenn er sich
nicht mit den Emfaengern abgesprochen hat.
Zum Schluss die fundamentale Frage: Was ist eigentlich ISO-8859?
| Newsgroups: fb20.sun
| From: cabo@cs.tu-berlin.de (Carsten Bormann)
| Date: Fri, 22 May 1992 18:07:39 GMT
|
| In der UNIX-Welt West-Europas hat sich ISO 8859-1 (oder der aeltere,
| aber aehnliche DEC-Hausstandard) durchgesetzt. Ein a-Umlaut ist hier
| z.B. \344. In der IBM-PC-Welt ist ein a-Umlaut aber ein \204 (man
| korrigiere mich; ich habe gerade keine Code Page 437 zur Hand).
|
| Da man in 190 Positionen [die restlichen sind mit Sonderzeichen wie
| ESC belegt] nicht alle lateinischen alphabetischen Zeichen (und schon
| gar nicht Kyrillisch, Hebraeisch, Arabisch, Griechisch) unterbringen
| kann, gibt es aber auch noch ISO 8895-2 (Ost-Europa), [sorry, den Rest
| schreibe ich auf Englisch, weil ich ihn gerade greifbar habe] and two
| other character sets the target regions of which were not identified in
| the standard (ISO 8859-3, ISO 8859-4). In addition, Latin/Cyrillic (ISO
| 8859-5), Latin/Arabic (ISO 8859-6), Latin/Greek (ISO 8859-7), and
| Latin/Hebrew (ISO 8859-8) character sets have been standardized under
| the same design rules. Finally, a fifth Latin alphabet was created to
| satisfy the needs of a European economic region that needed Turkish
| national characters but could live without the Icelandic/Faroese
| national characters present in ISO 8859-1 (ISO 8859-9). ISO 8859-1 to
| ISO 8859-4 and ISO 8859-9 are known informally as Latin-1 to Latin-5;
| all of these character sets are a subset of the revised version of ISO
| 6937-2 (which was amended in 1989 to include a non-breakable space, a
| soft hyphen, a not sign, and a broken vertical bar). The right code
| pages of ISO 8859-5 to ISO 8859-8 are currently the accepted way to
| encode the major non-Latin alphabetic character sets.
|
| requirements for syllabic or ideographic character sets have up to now
| been satisfied by national standards such as the Japanese (JIS) or
| Chinese national character sets, some of which are registered under
| ISO 2375 and thus are part of ECMA-48. A new work item is under way
| to define a unified coded character set for alphabetic, syllabic, and
| ideographic writing systems, based on a multi-byte encoding (ISO/IEC
| 10646, currently at the stage of a Draft International Standard).
| Unfortunately, as the harmonization of the various far-east
| ideographic repertoires is a time-consuming process, agreement of this
| new standard still seems to be years away.
Nachtrag im September 1992: ISO 10646, der endgueltige ;-) weltweite
Standard fuer Zeichensaetze, wurde inzwischen verabschiedet.
Die untersten 127 Zeichen sind identisch mit US-ASCII, die untersten
256 Zeichen gleichen ISO-8859-1. Alle anderen ISO-8859-Varianten
und andere Zeichensaetze wurden in 16-bit-Zeichen kodiert.
ISO 10646 sieht zwar auch vier Byte lange Zeichen vor, bisher sind
diese aber noch nicht standardisiert, da weltweit alle Zeichen in
zwei Byte passten.
Literatur
---------
Coded Character Set -- 7-Bit American Standard Code for Information
Interchange, ANSI X3.4-1986.
Information Processing -- 8-bit Single-Byte Coded Graphic Character
Sets -- Part 1: Latin Alphabet No. 1, ISO 8859-1:1987.
Crocker, D.: RFC 822 -- Standard for the format of ARPA Internet
text messages. August 1982.
Borenstein, N.; Freed, N.: RFC 1341 -- MIME (Multipurpose Internet
Mail Extensions): Mechanisms for specifying and describing the
format of Internet message bodies. Juni 1992.
Moore, K.: RFC 1342 -- Representation of non-ASCII text in Internet
message headers. Juni 1992.
Borenstein, N.: RFC 1343 -- User agent configuration mechanism for
multimedia mail format information. Juni 1992.
Borenstein, N.: RFC 1344 -- Implications of MIME for Internet mail
gateways. Juni 1992.
IEEE Standard 1003.1 (POSIX.1)
ISO/IEC 9945-2.2 Committee Draft POSIX Shell and Utilities (POSIX.2),
informative annex F, ISO/IEC JTC1/SC22 N1063. Oktober 1991.
ANSI X3.159-1989 C language standard. 1989.
X/OPEN Portability Guide Volume 3 (XVS Supplementary Definitions),
Chapter 3 (Native Language Support). 1987.
Solaris 1.0.1 Developer's Set, System Services Overview, pp. 115--158,
Native Language Application Support. Sun Microsystems 1992.
SunOS4.1 Reference Manual (printed Version): ascii(7), iso_8859_1(7),
locale(5), ctype(3V), gettytab(5). Februar 1990.
Richard M. Stallman: GNU Emacs Reference Manual. 1988--.
--end-of-file--
Technical Details
Message-ID:
<1eodqpINNihs@mailgzrz.TU-Berlin.DE>Path:
arc1-ca.pugleaf.net!sparky!uunet!math.fu-berlin.de!mailgzrz.TU-Berlin.DE!crossReferences:
<1992Nov21.203214.7755@phys-chemie.uni-wuerzburg.dbp.de>Show Full Headers
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