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3 total messages Started by Stefan Strigler Fri, 06 Nov 1998 00:00
PM: Neugr�ndung des WHK
#38
Author: Stefan Strigler
Date: Fri, 06 Nov 1998 00:00
66 lines
4085 bytes
whk - wissenschaftlich-humanit�res komitee
Regionalgruppe Berlin via AHA e.V., Mehringdamm 61, 10961 Berlin
email: whk@altavista.net

Berlin, 27. 10. 1998


Presseerkl�rung


"Durch Wissen zur Gerechtigkeit", so hie� ein Leitspruch des 1897 in 
Berlin unter Federf�hrung des Arztes Magnus Hirschfeld gegr�ndeten 
"Wissenschaftlich-humanit�res Komitees", der weltweit ersten Homosexu-
ellenorganisation. Damals bezog sich der aufkl�rerische Impetus vor 
allem auf die Vermittlung von Wissen �ber die verschiedenen M�glich-
keiten von Sexualit�t.
Hundert und ein Jahr sp�ter ist hierzulande viel erreicht: Homosexuali-
t�t steht nicht mehr per se unter Strafe, die Gesellschaft ist 
toleranter gegen�ber abweichenden Lebensweisen, anderen Sexualit�ten 
geworden und ungez�hlte Vereine streiten f�r Gleichberechtigung -  in 
den gegebenen Verh�ltnissen.
Doch ist das schon Gerechtigkeit, etwas, das auf der Idee umfassender 
Gleichheit sowohl zwischen den Individuen als auch der des Individuums 
gegen�ber Staat und Gesetz basiert? Vielmehr erleben wir, da� die 
b�rgerlichen Repr�sentanten vor allem schwuler M�nner, aber auch les-
bischer Frauen, bereit sind, f�r den Erwerb bestimmter Vorrechte sich 
und ihre Klientel dem heterosexuell gepr�gten Wertekanon zu unterwerfen 
und dabei neue Formen von Diskriminierung, vor allem soziale Kontrolle 
und politische Disziplinierung, billigend in Kauf zu nehmen.
"Durch Wissen zur Gerechtigkeit" bedeutet f�r uns, gerade dies nicht zu 
tun und solchen Tendenzen entgegenzutreten. Unser Wissen um die Wir-
kungsweise einander bedingender und durchdringender Unterdr�ckungs-
systeme -  allen voran Patriarchat und Kapitalismus - soll nun in kon-
krete politische Arbeit m�nden, die auf Emanzipation und damit Humani-
t�t in umfassendem Sinne setzt und sich vor allem dem Solidarit�ts-
gedanken verpflichtet f�hlt. Die Teilhabe an Vorrechten kann f�r uns 
weder Zwischen- noch Endstation emanzipatorischer Arbeit sein.
So haben wir uns entschlossen, den Grundgedanken des historischen WhK 
wieder aufzugreifen und ihn - konsequenterweise unter demselben Namen - 
sch�pferisch auf unsere Zeit, ihre konkreten Gegebenheiten anzuwenden. 
Das setzt in unseren Augen neben enger Verbindung zu anderen 
Befreiungsbestrebungen und -bewegungen eine radikale Pr�fung, Kritik und
Infragestellung aller gesellschaftlichen Verh�ltnisse voraus. Denn die 
Befreiung der Sexualit�t in einer ansonsten unfreien Gesellschaft ist 
schlechterdings unm�glich.
Mit dem heutigen Tage haben wir das WhK wiedergegr�ndet - nicht als 
Organsiation respektabler Herren, nicht als honorige Wissenschaftler, 
nicht "von oben", sondern als Basis-Initiative selbstbewu�ter "schwuler 
S�ue" mit politischer Erfahrung, einem klar umrissenen Programm und mit 
dem Ziel einer Assoziation sexualemanzipatorischer Gruppen. Das neue 
whk wird, wie das im Kaiserreich gegr�ndete, keine Massenorganisation 
werden, hofft aber dennoch auf Zulauf von seiten all jener, die sich 
nicht gleichstellen und letztlich in ihrer Lebensweise gleichschalten 
lassen wollen.


Im Namen der Gr�ndungsmitglieder:
J�rgen Aaron Nehm

			Weitere Ausk�nfte: 030/4 22 24 67

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F�r das WHK,
		Steve
Re: PM: Neugr�ndung des WHK
#39
Author: Carsten Baumgardt
Date: Sat, 07 Nov 1998 00:00
35 lines
2294 bytes
In article <m3ogqkmuu8.fsf@zeank.dialup.fu-berlin.de>,
	Stefan Strigler <steve@zeank.dialup.fu-berlin.de> writes:

Hi!

> Doch ist das schon Gerechtigkeit, etwas, das auf der Idee umfassender
> Gleichheit sowohl zwischen den Individuen als auch der des Individuums
> gegen�ber Staat und Gesetz basiert? Vielmehr erleben wir, da� die
> b�rgerlichen Repr�sentanten vor allem schwuler M�nner, aber auch les-
> bischer Frauen, bereit sind, f�r den Erwerb bestimmter Vorrechte sich
> und ihre Klientel dem heterosexuell gepr�gten Wertekanon zu unterwerfen
> und dabei neue Formen von Diskriminierung, vor allem soziale Kontrolle
> und politische Disziplinierung, billigend in Kauf zu nehmen.

Nun, sie verkaufen eine Vorstellung als Gerechtigkeit, die es nicht ist, weil  
sie sich auf Bedingungen einl��t, die nicht alle haben wollen. Wenn ich aber  
z.B. erst heiraten wollen oder sonstigen vorauseilenden Gehorsam t�tigen mu�,  
um dem Hetero gleichgestellt zu sein, dann ist das keine Gerechtigkeit,  
sondern ein Gnadengesuch. Dementsprechend sollten sich solche Leute  
vielleicht Parolen wie "Gleichstellung nur f�r Heiratswillige" auf ihre  
Fahnen schreiben, das w�re wenigstens ehrlich.

> Unser Wissen um die Wir-
> kungsweise einander bedingender und durchdringender Unterdr�ckungs-
> systeme -  allen voran Patriarchat und Kapitalismus - soll nun in kon-
> krete politische Arbeit m�nden,

Dar�ber w��te ich gerne mehr.

> sondern als Basis-Initiative selbstbewu�ter "schwuler
> S�ue" mit politischer Erfahrung, einem klar umrissenen Programm
                                   ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Gibt es das schon? Wo zu lesen?

Carsten
Re: PM: Neugr�ndung des WHK
#40
Author: Stefan Strigler
Date: Sat, 07 Nov 1998 00:00
24 lines
1664 bytes
c.bg@gmx.de (Carsten Baumgardt) writes:

> > Unser Wissen um die Wir-
> > kungsweise einander bedingender und durchdringender Unterdr�ckungs-
> > systeme -  allen voran Patriarchat und Kapitalismus - soll nun in kon-
> > krete politische Arbeit m�nden,
> 
> Dar�ber w��te ich gerne mehr.
> 
> > sondern als Basis-Initiative selbstbewu�ter "schwuler
> > S�ue" mit politischer Erfahrung, einem klar umrissenen Programm
>                                    ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
> Gibt es das schon? Wo zu lesen?

Das gibt es nat�rlich schon, allerdings noch nicht im Netz. Mach ich, sobald 
ich Lust dazu habe ... aber ich schicke es Dir per mail.

Gr��e,
	Steve

PS: Wir haben uns tats�chlich wegen Jens Riwa gegr�ndet! ;-)
-- 
Lebt und lest QueerLinx! Zeitschrift zur Vernetzung Queer-Denkender.
	--->> http://QueerLinx.home.pages.de <<---
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