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1 total messages Started by QueerLinx Fri, 20 Feb 1998 00:00
Kundgebung - "Gegen die Vernichtung intersexueller Menschen"
#61
Author: QueerLinx
Date: Fri, 20 Feb 1998 00:00
157 lines
6966 bytes
Kundgebung

Fuer die Wuerde intersexueller Menschen!
Gegen Geschlechtsnormierungen im medizinischen Bereich!
21. Februar 1998 um 11:00 Uhr vor dem Charite-Hochhaus

Vom 20.-22.02.1998 findet im Neubau Hoersaalkomplex der Charite das 3.
Symposium fuer Kinder- und Jugendgynaekologie statt.

Im Zentrum stehen die Differenzierung von Normvarianten, echte
Pathologie und praeventive Aufgaben. Veranstalter sind die AG Kinder-
und Jugendgynaekologie (Vorsitz: Prof. Dr. med. H.-G. Doerr, Erlangen)
in Zusammenarbeit mit der Oesterreichischen und der Schweizer AG Kinder
und Jugendgynaekologie. In der begleitenden Ausstellung praesentieren
sich die finanziell unterstuetzenden Pharma-Konzerne und die
Bundeszentrale fuer gesundheitliche Aufklaerung. VertreterInnen aus
medizinischen Fachgebieten aber auch JuristInnen und VertreterInnen der
anwesenden Pharma-Konzerne treffen sich zum interdisziplinaeren
Austausch.

Themen sind u.a. "Wachstums- und Gewichtskurven deutscher Maedchen und
Normwerte des Koerpermassenindex", "Juristische Aspekte der
Schwangerschaftsverhuetung bei behinderten und drogenabhaengigen
Maedchen", "Indikationen zur Sexualhormonbehandlung bei Maedchen" sowie
"Intersexualitaet und genitale Fehlbildungen". Allein aus diesen
Beispielen wird deutlich, dass der Kinder- und Jugendgynaekologie die
Definition, Praevention und Behandlung geschlechtlicher Normabweichungen
ein wichtiges Anliegen ist.

Besonders betroffen von derartiger Behandlung sind intersexuelle Kinder,
also Menschen, deren aeussere und/oder innere Genitale bei der Geburt
als abnorm klassifiziert werden. Die Willkuer dieser Klassifizierung
wird allerdings an den medizinisch festgelegten Normen deutlich: Bei
einer Klitoris bis zu 1 cm wird das Kind als Maedchen - ab einer
Penisgroesse von 2,5 cm als Junge eingestuft. Auch stellen diese Normen
Ideale und nicht statistische Mittelwerte dar. Entsprechend den
Normvorgaben gelten 0,4 bis 4 % der Gesamtbevoelkerung als intersexuell
sowie 5 bis 15 % der weiblichen Menschen als genital fehl- oder
missgebildet und ganze 70% als vermaennlicht.

Im Mittelpunkt unserer Kundgebung soll die Situation hermaphroditischer
Menschen stehen. Denn an hermaphroditischen Saeuglingen werden bereits
im Alter ab drei Wochen genitale Operationen vorgenommen. Zudem werden
ihnen hochdosierte Hormonpraeparate verabreicht, sie werden haeufigen
gynaekologischen Untersuchungen ueber mehr als ein Jahrzehnt ausgesetzt,
Blutabnahmen, Urinkontrollen sowie die Dehnung einer kuenstlich
angelegten Vagina folgen.

Die medizinisch nicht notwendigen Behandlungen sind extrem
traumatisierend, denn neben massiven Integritaetsverletzungen kommen
strikte Tabuisierungsanweisungen, Reduktion zum Objekt sowie
gesamtpersonelle Ablehnung seitens des sozialen Umfeldes hinzu.
Lebenslange physische und psychsiche Schaedigungen sind die Folge.
Beeintraechtigungen, welche es offiziell zu vermeiden galt, werden
dadurch noch verstaerkt.



Mit unserer Kundgebung
----------------------

* konfrontieren wir Aerzte mit den grausamen Folgen ihrer Lehrmeinung
und ihres Tuns;
* wollen wir Eltern betroffener Kinder zum Nachdenken ueber den Sinn und
Unsinn unfreiwilliger irreversibler Eingriffe in den Koerper ihres
Kindes bringen;
* weisen wir auf die zerstoererischen Folgen von naiven und stereotypen
Klischees geschlechtlicher und koerperlicher "Normen" hin;
* nehmen wir den Umgan mit hermaphroditischen Kindern zum Anlass, um die
Illusion der Zweigeschlechtlichkeit zu hinterfragen.


Wir fordern
-----------

* den sofortigen Stop unfreiwilliger und nicht somatisch begruendeter
koerperlicher Eingriffe an hermaphroditischen Kindern;
* eine Neuorientierung der Medizin in eine Medizin im Sinne der
betroffenen Menschen und die Verabschiedung von einer Medizin, die die
herrschenden Vorstellungen von Normalitaet vollstreckt;
* das koerperliche und geschlechtliche Selbstbestimmungsrecht fuer alle
Menschen. 

Termine
-------

21.02.1998
**********
      11:00 Uhr
Kundgebung vor dem Charite-Hochhaus Philippstrasse/Ecke Luisenstrasse
U-Bhf. Oranienburger Tor (U6), Bus 140
      17:00 Uhr
Pressekonferenz und
      18:00 Uhr
Infoveranstaltung im Senatssaal der Humboldt-Universitaet
Hauptgebaeude der HUB, Unter den Linden 6

Weitere Veranstaltungen
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14.03.1998  19:00 Uhr
Vortrag, Film und Gespraech zu Intersexualitaet
im Cafe des Sonntags-Club, Rhinower Str. 8, Prenzlauer Berg

15.03.1998  19:00 Uhr
Filme zu Intersexualitaet und Geschlechterkonstruktion
im Info-Laden, Kopenhagener Str. 14, Prenzlauer Berg

Weitergehendes Informationsmaterial auf nachfolgenden Internet-Seiten
---------------------------------------------------------------------

                                                    http://www.isna.org 

                                                 
http://www.qis.net/~triea 

                                             
http://users.southeast.net/~help 

                                      
http://home.t-online.de/home/aggpg/index.htm 

Pressekontakte
--------------

Arbeitsgruppe gegen Gewalt in der Paediatrie und Gynaekologie (AGGPG)
Tel. 0421-376 29 05 oder E-Mail an aggpg@t.online.de
Berlin: Corinna Genschel, Tel. 030-611 61 42
Oliver Numrich, Tel./Fax 030-444 29 13


Wir sind
--------

ein Buendnis von FeministInnen, Intersexuellen, Lesben,
MenschenrechtlerInnen, Schwulen, Transsexuellen und Transgender-Personen


Mit dieser Kundgebung solidarisieren sich
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Sonntagsclub e.V., Berlin, (030) 449 75 90
FFGZ Feministisches Frauengesundheitszentrum, Berlin, (030) 213 95 97
LaBAS Landesverband der Berliner Aids Selbsthilfegruppen, Berlin, (030)
31 50 46 80
Mutvilla lesbisch-schwule Interessenvertretung an der HU, Berlin
QUEERSTUDIEN beim Institut fuer Kulturwissenschaft der HU, Berlin
Spinnboden e.V. Lesbenarchiv, Berlin, (030) 448 58 48
AGGPG AG gegen Gewalt in der Paediatrie und Gynaekologie, Bremen, (0421)
376 29 05
Lobby fuer Menschenrechte e.V. Metzingen, (07123) 60 655
SHG Schwule Hochschulgruppe an der Freien Universitaet Berlin
Die Queerulanten (Schwule Antifa), Berlin


FORWARDED BY
http://QueerLinx.home.pages.de
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