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Thread View: de.alt.studienreform
4 messages
4 total messages Started by Arnd Kessler Sun, 23 Oct 1994 08:42
Studiengeb�hren
#35
Author: Arnd Kessler
Date: Sun, 23 Oct 1994 08:42
56 lines
4202 bytes
Hallo Leute,
es gibt mal wieder Neues aus Erlangen. Der Rektor der hiesigen Universit�t  
musste sich notgedrungen einem Interview zum Thema Studiengeb�hren  
stellen. Hier die Zusammenfassung, so, wie sie in den Erlanger Nachrichten
am 22.10.94 erschienen ist :
"Kein geeigneter Weg"
Meldung der DPA zum Thema dementiert
Studiengeb�hren sind kein geeigneter Weg, die hochschulpolitischen  
Probleme zu l�sen, lautet die �berzeugung von Prof. Gotthard Jasper,  
Rektor der Universit�t Erlangen-N�rnberg.
Jasper bezog damit auf Anfrage unserer Redaktion klare Stellung gegen�ber  
einer Meldung der DPA. Darin hatte es geheissen, ein Gro�teil der  
bayrischen Hochschul-Rektoren sei daf�r, von den Studenten eine  
Semestergeb�hr von 1000 DM zu erheben, um damit die Finanzausstattung  
ihrer Hochschulen zu verbessern.
Unabh�ngig von seiner pers�nlichen Ansicht bezeichnete Jasper dies in  
dieser Form als Falschmeldung. Richtig sei vielmehr, dass die Rektoren  
Baden-W�rtembergs und Bayerns gemeinsam seit l�ngerem an einem  
Positionspapier zum Thema Studiengeb�hren arbeiten.
"Wir haben das deshalb gemacht, weil uns klar ist, dass eine Diskussion  
�ber dieses Thema unweigerlich bevorsteht. Und f�r diese Diskussion  
wollten wir ger�stet sein", so Jasper.
Herausgekommen ist dabei nach seinen Worten "ein ausdr�cklich als intern  
deklarietes Papier, das nicht f�r die �ffentlichkeit bestimmt war". Es  
sollte den zust�ndigen Ministern in den beiden Bundesl�ndern zur Kenntnis  
zugeleitet werden.
Den Inhalt des Papiers erl�uterte Jasper wie folgt: "Es enth�lt zun�chst  
eine Pr�ambel, ind er festgehalten ist, dass es unter den Rektoren eine  
sehr kontroverse Diskussion zu diesem Thema gegeben hat und eben kein  
eindeutiges Votum f�r oder gegen eine Studiengeb�hr".
Ein erster Teil enthalte dann eine Liste vieler Argumente, die in dieser  
kontroversen Diskussion f�r oder gegen eine Studiengeb�hr vorgebrachr  
worden sind. Wer ihn "ein bisschen" kenne, werde wissen, "dass ich unter  
denjenigen war, die Argumente gegen ein Studiengeb�hr beigetragen haben".
Der zweite Teil des Papiers h�lt laut Jasper fest, "dass die Rektoren an  
eine politische Einf�hrung einer Studiengeb�hr zahlreiche Bedingungen  
kn�pfen, zum Beispiel, dass das Geld direkt in die Verbesserung des Lehr-  
betriebes an den Hochschulen fliessen m�sste und nicht im Staatshaushalt  
versickern darf". In diesem Zusammenhang betonte  der Rektor, das Papier  
sei so formuliert, "dass auch entschiedene Gegner einer Studiengeb�hr  
damit einverstanden sein k�nnen".

Mal 'ne Verst�ndnisfrage: K�nnen Studiengeb�hren eigentlich auf  
L�nderebene eingef�hrt werden? Wenn ja, bedarf es ja nur noch einer  
politischen Einigung und dann kann es losgehen! Ich halte es f�r eine  
Frechheit den Studenten gegen�ber hier wieder eine Diskussion zu beginnen,  
ohne �berhaupt sich der �ffentlichkeit zu stellen. Wieder mal typisch!
Vielleich regiert die Angst davor. Man sollte sie ihnen nicht nehmen!!

Ciao Arnd (MPO)


HASTA LA VISTA......BABY!!!!   Arnd Kessler Ebrardstr.76 D-91054 Erlangen
..........................................................................

## CrossPoint v3.02 ##
Re: Studiengeb�hren
#36
Author: Lars Brueckner
Date: Mon, 24 Oct 1994 13:59
70 lines
4751 bytes
In article <5ZOrMoKyACB@jester.franken.de>, Arnd@jester.franken.de (Arnd Kessler) writes:

> Der zweite Teil des Papiers h�lt laut Jasper fest, "dass die Rektoren an  
> eine politische Einf�hrung einer Studiengeb�hr zahlreiche Bedingungen  
> kn�pfen, zum Beispiel, dass das Geld direkt in die Verbesserung des Lehr-  
> betriebes an den Hochschulen fliessen m�sste und nicht im Staatshaushalt  
> versickern darf". In diesem Zusammenhang betonte  der Rektor, das Papier  
> sei so formuliert, "dass auch entschiedene Gegner einer Studiengeb�hr  
> damit einverstanden sein k�nnen".

  Das halte ich fuer ausgemachten Bloedsinn. Wenn eine Uni mit sagen wir
  30000 Studenten auf einmal 30000 * 1000 = 30 000 000 DM pro Semester mehr
  einnimmt werden bestimmt die Zuweisungen vom Staatshaushalt eingefroren/
  gekuerzt/ beendet.
 
> Mal 'ne Verst�ndnisfrage: K�nnen Studiengeb�hren eigentlich auf  
> L�nderebene eingef�hrt werden? Wenn ja, bedarf es ja nur noch einer  
> politischen Einigung und dann kann es losgehen! Ich halte es f�r eine  
> Frechheit den Studenten gegen�ber hier wieder eine Diskussion zu beginnen,  
> ohne �berhaupt sich der �ffentlichkeit zu stellen. Wieder mal typisch!
> Vielleich regiert die Angst davor. Man sollte sie ihnen nicht nehmen!!
> 
  Wenn in dieser Frage ein Land (sagen wir mal Ba ;) in dieser Sache einen
  Alleingang macht wird wohl ein Chaos auf die Laender und Gerichte zukommen
  wie es in diesem Staat wohl noch nie war:

  - Jemand stammt aus H. und studiert in Ba. Er muss hohe Gebuehren zahlen und
    ein anderer aus Ba. studiert (fasst) umsonst in H.; das wuerde wohl einigen
    Zuendstoff geben, da die Eltern des aus H. stammenden Studis wohl zu Recht
    sich als doppelt abgemolken vorkommen (schliesslich finanzieren Ihre Steuern
    auch noch die Uni's in H. waehrend das Land Ba. finanziell besser steht)
  
  - Was ist mit den Leuten die wg. der ZVS an eine teure Uni muessen?

  - Duerfen 'billige' Uni's noch jemand aufnehmen deren Heimatlaender diese 
    Gebuehren erheben ?
   
  - Sollten diese Leute dann auch hohe Gebuehren zahlen (als 'Ausgleich') ?

  Reichlich Stoff fuer Politiker und Verwaltungs- und Verfassungsgerichte. Meine
  Meinung, falls ein Land tatsaechlich so etwas beschliessen sollte:

   1. Diverse Verfuegungen legen das ganze erst mal auf Eis.
   2. Diverse Gerichte behandeln das wohl ein paar Jahre.

  Bekommt das Land dann schliesslich Recht und erhebt Gebuehren gibt es wohl
  zwei Moeglichkeiten:

   a ) alle anderen Laender ziehen nach :-(

   b ) Die Laender beginnen einen regelrechten Bildungskrieg mit gegenseitigen
       Abweisungsbeschluessen etc. ; Das ZVS-Info (wenn es dann ueberhaupt noch
       eine ZVS gibt) duerfte die Seitenstaerke eines Brockhaus erreichen.
       Die Folge duerfte sein, dass die Studienplatzwahl erheblich eingeschraenkt
       wird und man aermere Studierwillige aus teuren Laendern wohl ueberhaupt
       nicht mehr an den Unis finden wird - die koennen sehen das Sie so zu
       etwas kommen und dann vielleicht Ihre Kinder auf die Uni zu schicken.

Alles in allem keine Guten Aussichten.

-Lars
 

+-----------------------------------------------------------------------------+
| Lars Brueckner  Uni:    In der Stetbach 20    Heimat: Ludwig Erhard Str. 5a |
|                         64372 Ober-Ramstadt           63486 Bruchkoebel     |
|                 e-mail: larsbruk@rbg.informatik.th-darmstadt.de             |
+-----------------------------------------------------------------------------+
| "In dieser Veranstaltung wird bewusst auf jegliche Systematik verzichtet."  |
+-----------------------------------------------------------------------------+
Re: Studiengeb�hren
#37
Author: Michael Engert
Date: Tue, 25 Oct 1994 17:37
21 lines
1779 bytes
Arnd@jester.franken.de (Arnd Kessler) writes:

> Mal 'ne Verst�ndnisfrage: K�nnen Studiengeb�hren eigentlich auf  
> L�nderebene eingef�hrt werden? Wenn ja, bedarf es ja nur noch einer  

Hallo,

die Studiengebuehren koennen selbstverstaendlich auf Laenderebene 
eingefuehrt werden, die Kulturhoheit liegt ja bei den Laendern. Es gab 
auch bereits einige Versuche, so zum Beispiel in Berlin.

In Bayern sind Studiengebuehren bereits jetzt eingefuehrt. Seit dem 7. 
Maerz zahlen Gaststudierende und Studierende in sogenannten 
"weiterbildenden Studiengaengen" seit diesem Sommersemester 
Studiengebuehren!

Servus, Michi.

--------------------------------------------------------------------------
 Michael Engert                                    michi@bello.wor.sub.de
 D-82538 Geretsried                  michi@eikon.e-technik.tu-muenchen.de
Re: Studiengeb�hren
#38
Author: Andreas Vox
Date: Thu, 27 Oct 1994 11:07
40 lines
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Michael Engert (michi@bello.wor.sub.de) wrote:
: Arnd@jester.franken.de (Arnd Kessler) writes:

: > Mal 'ne Verst�ndnisfrage: K�nnen Studiengeb�hren eigentlich auf  
: > L�nderebene eingef�hrt werden? Wenn ja, bedarf es ja nur noch einer  

: Hallo,

: die Studiengebuehren koennen selbstverstaendlich auf Laenderebene 
: eingefuehrt werden, die Kulturhoheit liegt ja bei den Laendern. Es gab 
: auch bereits einige Versuche, so zum Beispiel in Berlin.

: In Bayern sind Studiengebuehren bereits jetzt eingefuehrt. Seit dem 7. 
: Maerz zahlen Gaststudierende und Studierende in sogenannten 
: "weiterbildenden Studiengaengen" seit diesem Sommersemester 
: Studiengebuehren!
[Greetings deleted]

Interessant. Wie hoch sind denn die? 
Allerdings d�rfte das nur bei den Studieng�ngen m�glich sein, die nicht
unter das allgemeine Recht auf Bildung fallen, sprich die Zusatzstudien-
g�nge. Sonst k�nnten die Studis die Studiengeb�hren beim BAF�G-Bedarfssatz 
geltend machen. Nach meiner Rechtsauffassung m��te das sp�testens beim BVG 
wegen Recht auf Bildung und Gleichbehandlungsgrundsatz etc. durchkommen. 
Und dann w�re nat�rlich die Reaktion der Bundesregierung interessant,
denn schlie�lich w�rde dann indirekt der Hochschulbetrieb aus dem 
Bundesetat finanziert - d�rfte Waigel nicht gefallen (abgesehen davon, da�
das auch dem Grundgesetz widersprechen w�rde)

Eine weitere Gefahr sind nat�rlich sog. "Strafgeb�hren" f�r Leute, die
angeblich "zu lange" studieren. Zum einen greift dann meine obige
Argumentation nicht, zum anderen d�rfte es schwieriger sein, gegen die zu
erwartende Entsolidarisierungskampagne anzuk�mpfen (nach dem Motto: "Die
sind ja selbst schuld, warum studieren die so lange")

Trotzdem, keinen Fu�breit den Studiengeb�hren! 

Ciao
Andreas
 
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