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Article #177PROTEL - ab Januar '96 mit 0130-Nummer
From: Kaspar Landsberg
Date: Thu, 14 Dec 1995 00:00
Date: Thu, 14 Dec 1995 00:00
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Ab Januar mit einer 0130-Nummer erstmals gebuehrenfrei ins Internet
"Der Kampf um neue Kunden fuer Internet-Zugaenge wird um eine weitere
Strategie bereichert. Als erster deutscher Provider will Protel kuenftig
fuer 30 Mark pro Monat ein Account anbieten, der das Einloggen ohne
zusaetzliche Telekom-Kosten ermoeglicht.
Mit einem "Knallerangebot" will zum 1. Januar 1996 die Protel
Telekommunikations GmbH ("http://www.protel.de") den Markt fuer Internet-
Dienstleistungen aufmischen. Auf die sich zu diesem Termin drastisch
erhoehenden Telekom-Ortstarife will der Wiesbadener Provider mit einer
eigenen 0130-Nummer reagieren.
Mit ihr koennen Privatkunden kuenftig eine Internet-Verbindung zum
Nulltarif aufbauen und Telekom ausmanoevrieren. "Wir rechnen bis zum
Jahresende 1996 mit 100.000 Usern, die sich ins Internet ueber unsere
Firma einwaehlen werden", ist Geschaeftsfuehrer Sascha Kettner
optimistisch. Die technische Kapazitaet des Angebots ist dabei bereits
heute auf 250.000 User ausgelegt, so dass die Performance auch bei
steigender Kundenzahl hoch bleiben duerfte.
Fuer 30 Mark pro Monat kann der User danach auf der Basis eines analogen
Zugangs weiterhin ohne Zeit- und Volumeneinschraenkungen im Netz surfen
und saemtliche Internet-Dienste (einschliesslich World Wide Web) nutzen.
Das Angebot beinhaltet eine eigene EMail-Adresse, daneben wird Protel
einen eigenen FTP-Server, eine kostenlose Hotline sowie einen Newsserver
anbieten. Geplant ist ein Telefonserver. Er ermoeglicht das weltweite
Telefonieren ueber das Internet zum Nulltarif. Ueber den analogen Zugang
hinaus wird es fuer Privatkunden auch weiterhin fuer einen Aufschlag eine
ISDN-Einwahlmoeglichkeit geben.
Abloesen wird das neue Angebot die bisherige 0180-Nummer, ueber die noch
bis Ende Dezember die bundesweite Einwahl zum guenstigen Ortstarif
moeglich ist und mit der die Firma eine Vielzahl neuer Kunden gewinnen
konnte. So ist die Resonanz der privaten Netzsufer, glaubt man den
Kommentaren in den Internet-Newsgroups (zum Beispiel "de.comm.internet")
oder den Nachrichtenbereichen im German Internet User Forum von Compuserve
durchweg positiv. Beklagt werden zwar die teilweise langwierigen Versuche,
die Protel-Hotline zu erreichen, doch wird deren Service durchweg als
positiv beschrieben. Bei den etablierten national operierenden Providern,
wie Eunet, XLink und MAZ, sieht man die Protel-Initiative mit gemischten
Gefuehlen, "kann sich", so EuNet-Pressesprecher Stephan Deutsch, "nicht
vorstellen, bei einem solchen Preis noch gewinnbringend arbeiten zu
koennen". Denn die 0130-Nummer ist kostenfrei nur fuer den Anrufenden.
Telekom stellt Protel jedoch die wirklichen Gebuehren und damit unter
Umstaenden auch teure Fernverbindungen in Rechnung. Ist also die ganze
Protel-Aktion nur ein cleverer Marketingschachzug, um im Markt auf sich
aufmerksam zu machen? Kettner bestreitet dies, begruendet die im Vergleich
zu anderen Anbietern aeusserst niedrigen Preise unter anderem mit einer
sehr guenstigen, da teilweise eigenentwickelten Hardware- und
Softwareumgebung.
Um an Telekom moeglichst wenig Gebuehren fuer Ferntarife zahlen zu
muessen, will Protel bis Ende 1996 sukzessive 72 Points of Presence (POP),
teilweise in eigener Regie, teilweise im Franchising-Verfahren, im ganzen
Bundesgebiet einrichten.
Da eine 0130-Nummer zwangslaeufig zum Missbrauch reizt, etwa durch den
Aufbau einer Standleitung, wollen Kettner und seine Crew eine eigens
entwickelte Monitoring-Software installieren. Sie soll ueberwachen, wenn
sich etwa Anrufe haeufen oder Dauerverbindungen aufgebaut werden. "Fuer
diesen Fall behalten wir uns vor, Zugaenge auch mal kurzfristig zu sperren
oder Vertraege wegen Missbrauchs zu kuendigen", meint Kettner.
Die anderen Provider wollen dem Protel-Beispiel, so zumindest das Ergebnis
einer CZ-Stichprobe, nicht folgen.
[...]"
Aus: COMPUTER ZEITUNG, Nr. 50, Donnerstag, 14. Dezember 1995
Man darf gespannt sein.
Ein etwas skeptischer jedoch erfreuter Gruss,
Kaspar
PS Die eventuell darauf folgende Diskussion sollte nach Moeglichkeit nur
in de.comm.internet.zugang abgehalten werden (cf. Crosspostings).
--
Kaspar Landsberg
kl@kl.in-berlin.de
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