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Article #81

Re: WiN-Anschluss des Deutschen EUnet

#81
From: Carsten Rossenhoevel
Date: Thu, 20 Aug 1992 11:00
147 lines
8297 bytes
ms@Germany.EU.net (Marc Sheldon) writes:
 > cross@cs.tu-berlin.de (Carsten Rossenhoevel) writes:
 > > Vielen EUnet-Mitarbeitern fehlt die Erkenntnis, dass sich an der
 > > Situation SOFORT etwas aendern muss.
 > 
 > Das ist nicht korrekt. Wir haben durchaus die Erkenntnis, das sich
 > *_SOFORT_* etwas aendern sollte. Nur heisst die Erkenntnis noch lange
 > nicht dass wir sofort etwas aendern koennten.

Voellig klar, dass Eure Moeglichkeiten zur Verbesserung der Situation
aus den verschiedensten Gruenden beschraenkt sind.  Ein grosses
Hindernis scheint mir jedoch zu sein, dass Ihr glaubt, es koenne bis
zur Migration in die Firma nichts mehr geschehen.

Software-Verbesserungen sind doch unabhaengig von den wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen immer moeglich, solange Mitarbeiter vorhanden sind.
Ich weiss nicht, wie die Prioritaeten Eurer Arbeitsverteilung sind,
aber wenn die Wiederherstellung der WiN-Konnektivitaet keine wichtige
Aufgabe ist, fuer die andere Dinge auch mal warten muessen...

 > >["Buendel von Massnahmen"]
 > Ein Teil davon ist aus verschiedenen Gruenden einfach nicht machbar.

Das war mir aus unserer Diskussion vor einem Monat klar geworden.
Du schreibst, "ein Teil" sei nicht machbar.  Der andere Teil moeglicher
Massnahmen schien uns deshalb nicht moeglich, weil er zuviel Kooperation
von seiten der Benutzer erfordert.

Es gibt inzwischen konkrete Initiativen, was News und FTP angeht, die
sehr gut zur Reduktion des WiN-Traffic nach und ueber Unido beitragen
koennen.

Erstens NNTP -- Soweit ich es mitbekommen habe, wollen Vera und
Heiko von der FU Berlin auf der naechsten DFN-Betriebstagung eine
Neuordnung der Newsfeeds vorschlagen.  Den Vorschlag koennte man
mit ein bisschen Nachdenken so erweitern, dass es verschiedene
Klassen von Newsservern in einer Region gibt, die unterschiedlich
weit entfernte Feeds haben 'duerfen'.  Redundanz der Feeds muss 
natuerlich gewahrt bleiben.
Fuer Berlin hiesse das, es gibt vier ueberregionale Server; die
anderen Newssites an der Berliner WiN-VSt werden nur noch von
diesen vier Servern gefuettert, belasten also das WiN, insbesondere
news.germany.eu.net, nicht mehr.
Die vier grossen Sites koennten auch auf mehrere Feeds aus Dortmund
verzichten, da sie News ueber den Berliner POP erhalten.

Zweitens wieder NNTP -- Die Verwendung von XBATCH fuer full newsfeeds
ist beinahe trivial.
Wenn jemand mal eine Woche Zeit faende, koennte das XBATCH Protokoll
so erweitert werden, dass es sich auch als Ersatz fuer normales IHAVE
eignet (das Konzept dafuer ist wieder trivial, nur wird in ganz
Deutschland niemand Zeit finden, es sitzen dutzende von bezahlten
RZ-Mitarbeitern rum, aber die haben alle Wichtigeres zu tun :-(( ).

Drittens FTP -- Ich vermute in Analogie zu unseren eigenen Statistiken,
dass FTP der zweitgroesste Dienst ueber WiN ist.  Wie waere es mit
einer Zugangsbeschraenkung fuer bestimmte Tageszeiten / Maximalzahlen
von Benutzern aus dem WiN / Beschraenkung der bereitgestellten Bandbreite 
in Abhaengigkeit von der Anschlussbelastung? (letzteres gibt es wirklich,
auf ftp.funet.fi!)
Der FTPserver des EUnet ist nicht so wichtig, dass seine Benutzung nicht
wie beschrieben eingeschraenkt werden koennte.  Wenn die Archive-Admins
mit anderen Servern kooperieren (tun sie momentan nicht in besonderes
grossem Umfang, siehe Diskussion "GCC fuer Solaris verfuegbar"),
koennten die Inhalte von ftp.g.e.n durch Spiegelung weiterhin verfuegbar
sein, auch ohne den Dortmunder WiN-Anschluss zu belasten.

Viertens Mail -- solange die Situation so extrem ist, sollte wirklich
mal darueber nachgedacht werden, ob die Philosophie "Anschluesse der
POPs zu Unis werden nicht genutzt" noch angebracht ist.  Der Berliner
POP kann ueber das BerNet (oder wie das heisst, 192.86.163) auch erreicht
werden, ohne dass netmbx' WiN-Anschluss benutzt wird. Trotzdem werden
Mails nicht ueber netmbx geroutet, obwohl das sowohl technisch als auch
administrativ sofort machbar waere.

Die beiden NNTP-Verbesserungen koennen (von der Implementation des
XBATCH auf news.germany.eu.net abgesehen) auch ohne Mitwirkung
des EUnet in Angriff genommen werden.
Wesentlich (!!) dafuer ist jedoch Eure verbale Unterstuetzung, um
die vielen kleinen Sites, die (gerade auch in Berlin!) full
ihave/sendme newsfeeds ueber WiN aus Dortmund beziehen, davon zu
ueberzeugen, dass das eine absolut sinnlose Verschwendung von 
Bandbreite ist.
Ohne diese verbale Unterstuetzung verpufft jede Aktion zur
Verbesserung der Feedstruktur -- die Berliner Unis werden schliesslich
gemeinsam soviel NNTP traffic nach Dortmund erzeugen wie eine einzige
kleine Firma... Na toll.

 > [An NNTP] sollte eher etwas
 > dran gedreht werden. Nur liegt da das Problem nicht mehr bei uns.
 > Wir stellen unseren WiN-Kunden frei, Ihren News-Feed woanders zu
 > bekommen.

Das nuetzt nichts.  Jede nicht besonders engagierte Site wird
sich daraufhin sagen, "laeuft doch. Warum aendern?"
Ohne etwas mehr Nachdruck wird sich nichts im Verhalten kleiner
Kunden aendern.  (Schon allein weil sie gar keine Ahnung haben,
was sie mit ihrem Newsfeed anrichten -- dass News 60--70 % Eurer
Anschlusskapazitaet braucht, war mir bisher auch unbekannt!)

 > Ich weise noch einmal darauf hin, dass wir fuer Anfragen immer offen
 > sind. Ich moechte ungern dreimal taeglich sechseitige Mails austauschen,
 > lieber kuemmere ich mich um dringende technische Probleme, aber wenn
 > unsere Kunden das so wollen ...

:-) Es ist bestimmt keine schlechte Idee, an Diskussionen in den News
teilzunehmen -- so kriegst Du viel einfacher heraus, welche Wuensche
die Kunden haben, und durch News werden Deine Mitteilungen viel 
effizienter verbreitet, als wenn Du Dich mit einzelnen Kunden ueber 
die Hotline (gips die noch?) oder per Mail unterhaeltst.

Du schreibst, Ihr seid fuer Anfragen offen.  Aus eigener Erfahrung
weiss ich, dass das nur (dann sehr zufriedenstellend!) gilt, wenn
man sich nicht an postmaster oder de-domain oder aehnliche wendet.
Normale Anfragen gehen nach /dev/null.  
Es hilft nur, "jemanden zu kennen, an den man sich wenden kann".

Der Artikel von Andreas <hok@zorga.ruhr.de> weist auf den Unterschied
zwischen "offen fuer Anfragen" und "offen fuer technische Verbesserungen"
hin.  Es ist zwar schon ein guter Ansatz, Mail und News zu beantworten,
aber das allein reicht nicht aus.  sigh. :-(

 > Es gibt einige
 > Kunden, die sich nicht an diese Absprache halten und weit mehr
 > als 500 MB internationalen Verkehr monatlich produzieren. Das fuehrt
 > dann zu Problemen bei der internationalen Konnektivitaet.

Mir erscheint momentan unvorstellbar, ueber WiN 500 MB Traffic zu
erzeugen, das waeren immerhin 200 cps.
Falls es doch moeglich ist, wird ein nicht unerheblicher Anteil des
Verkehrs aus ICMP-Paketen bestehen.  Die koennen natuerlich in eine
Mengenberechnung einbezogen werden.  
Ich glaube also nicht, dass eine Uni momentan in der Lage ist, ueber
WiN mehr als 500 MB Verkehr (auf vernuenftige Weise berechnet) im Monat
zu erzeugen.
Nenn bitte mal ein Beispiel.

Falls es Unis gibt, die sinnlos Bandbreite verschwenden (z.B. durch
Dauer-pings oder falsch konfigurierte Newsserver, die alles erhaltene
sofort zurueckschicken), dann muessen sie -- zur Not oeffentlich -- 
darauf hingewiesen werden.

CU, Carsten

......................................................................
Carsten Rossenhoevel                {cross,gnu,ftpadm}@cs.tu-berlin.de
                                            {caro,newsmaster}@specs.de
Technical Details
Message-ID: <EF95XZW@mailgzrz.tu-berlin.de>
Path: arc1-ca.pugleaf.net!sparky!uunet!wupost!zaphod.mps.ohio-state.edu!sol.ctr.columbia.edu!ira.uka.de!math.fu-berlin.de!zrz.tu-berlin.de!cross
References: <1992Aug18.170729.119542@rrz.uni-koeln.de> <PK75JWG@mailgzrz.tu-berlin.de> <ms.714224218@walhalla>

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Subject: Re: WiN-Anschluss des Deutschen EUnet
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Date: Thu, 20 Aug 1992 11:00:53 GMT
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