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Article #1342

FAZ zu Telekomtarifen

#1342
From: Markus Kolbeck
Date: Sun, 07 Jan 1996 00:00
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Hier ein Artikel aus der FAZ vom 06.01.1996 zum Thema Telekomtarife

Ruf mal teurer an

JJ. Vielen Buergern ist die Lust vergangen, mal wieder anzurufen, wie es  
in einer Telefonwerbung hiess. Die saftige Erhoehung der Gebuehren im  
Nahbereich hat den Volkszorn erregt. Dabei sind diese Aenderungen seit  
Sommer 1994 bekannt. Doch die "Bild"-Zeitung hat jetzt eine Protestwelle  
inszeniert, in die sich nun Politiker aller Parteien willig einreihen. Auf  
einmal scheint vergessen, worueber grundsaetzliches Einverstaendnis  
besteht: in Deutschland muessen sich alte Strukturen aendern, was  
Privatunternehmen machen koennen, soll der Staat nicht mehr tun, nicht  
zuletzt bei der Post. Darum ist die Postreform beschlosssen worden. Der  
Fernsprechverkehr wurde einer neugegruendeten Telekom AG uebertragen,  
deren Aktien in diesem Jahr an der Boerse eingefuehrt werden sollen und  
die von 1998 an auch Konkurrenz bekommt. An die Spitze der Telekom hat man  
nicht mehr einen Politiker oder Ministerialbeamten, sondern einen  
wettbewerbsfaehigen Manager berufen, der nun handelt. Doch dies soll  
offenkundig nach dem in Deutschland beliebten Motto geschehen: Wandel muss  
sein, nur darf er niemand weht tun.
Der Telekom-Chef Sommer ist in einer heiklen Lage. Noch ist die Telekom  
Monopolist. Ausserdem bleibt Sommer ein Unternehmenschef, der sein Auge  
auch auf die Politik zu richten hat. Doch ein Unternehmen, dessen Aktien  
demnaechst bei in- und auslaendischen Anlegern plaziert werden sollen,  
kann nicht in erster Linie fuer Soziales zustaendig sein. Wenn Politiker  
Telefon-Sozialpolitik wollen, muessen sie dies auf andere Weise tun. Dass  
man die bislang nicht kostendeckenden Nahgespraeche verteuert und die viel  
zu teuren Ferngespraeche verbilligt, ist unternehmerisch richtig. Auf  
Dauer wird die Telekom schon im eigenen Interesse marktgerechte  
Preispolitik  betreiben muessen. Rabatte nach amerikanischem Vorbild fuer  
Private sind in Aussicht gestellt.
Natuerlich will Sommer die verbleibende Monopol-Zeit nutzen, um Gewinn   
moeglichkeiten auszuschoepfen und die Telekom fuer die Boerse attraktiv zu  
machen. Damit ist auch der Postminister einverstanden gewesen. Eine von  
der Politik jetzt aus populistischen Motiven erzwungenen Kehrtwende waere  
daher fatal fuer Boersengang und Unternehmensimage. Besser waere es, der  
Telekom ganz schnell Konkurrenz zu verschaffen, noch vor 1998.

[* 0341/4802521 * markus@le-line.east.de *]
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From: markus@le-line.east.de (Markus Kolbeck)
Subject: FAZ zu Telekomtarifen
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