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Article #147SDA-PM: Amerik. und jap. Chip-Industrie: weiterhin Spannungen
From: Christoph Eckert
Date: Sun, 09 Aug 1992 19:11
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Newsgroups: srg.ticker Subject: SDA: Keine Ruhe im japanisch-amerikanischen Chipkrieg Date: 5 Aug 92 14:41:55 GMT Distribution: srg Organization: Schweizer Radio und Fernsehen (SRG) Keine Ruhe im japanisch-amerikanischen Chipkrieg Bilaterales Halbleiterabkommen im ersten Jahr ohne Ergebnisse Hintergrund von David Rosenthal. Washington, 5. Aug. (sda) Die amerikanisch-japanischen Handelsbeziehungen bleiben gespannt. Fuer schlechte Stimmung sorgt nicht zuletzt der zu tiefe Marktanteil, den amerikanische Firmen auf dem japanischen Chip-Markt haben. Ein bilaterales Fuenfjahres- Abkommen sollte Ordnung schaffen, wurde aber zum Zankapfel der beiden Laender. Und Grund zur Entspannung hat der am Dienstag veroeffentlichte Lagebericht der US- Regierung keinen gegeben. Als vor einem Jahr das Halbleiterabkommen zwischen den USA und Japan in Kraft trat, war von offizieller Seite viel Zuversicht zu vernehmen. Nachdem ein frueheres Abkommen dieser Art gescheitert (und ausgelaufen) war, sollte das juengste Unterfangen endlich dafuer sorgen, den immensen japanischen Chipmarkt auch fuer die auslaendische Konkurrenz zu oeffnen. Die europaeischen Chipproduzenten waren damit freilich nur am Rande gemeint. In erster Linie ging es um die amerikanischen Hersteller, wird ihr eigenes Land doch ebenso von japanischen Chips ueberflutet. Abgemacht waren 20 Prozent Abgemacht wurden 20 Prozent Marktanteil fuer Chipimporte bis Ende 1992. Den restlichen Inlandbedarf an Elektronikchips haette die Produktion in Japan abdecken duerfen. Dabei handelt es sich immerhin um einen Markt, in dem jedes Jahr 50 bis 60 Firmen rund 20 Mrd. Dollar fuer solche Halbleiter ausgeben. Doch heute, ein Jahr nach diesem Abkommen, hat sich offenbar nicht viel veraendert. Die Amerikaner sagen, auslaendische Halbleiter haetten in Japan noch immer nur 14,6 Prozent Marktanteil. Nach Lesart der Japaner sind es dagegen bereits 16,1 Prozent, da sie den Chipverbrauch amerikanischer Firmen im Lande nicht miteinbezogen haben wollen. Wie auch immer, beide Zahlen waren zu tief. Von amerikanischer Seite hagelten die Proteste zuerst von den Chipherstellern selbst: Das bilaterale Abkommen sei "kurz vor dem Versagen", hiess es, die japanischen Firmen wuerden immer noch fast keine auslaendischen Halbleiter kaufen. Dann, nachdem sich der Branchenverband bei US- Praesident Bush persoenlich beschwert und Sanktionen verlangt hatte, doppelte auch das US- Handelsministerium nach und drueckte in der offenbar aeusserst wichtigen Angelegenheit seine "schweren Bedenken" aus. In der Tat waeren Sanktionen nicht neu. 1986 war zwischen den Amerikanern und Japanern schon einmal ein Halbleiterabkommen abgeschlossen worden, das von den Japanern allerdings nur neun Monate danach wieder gebrochen wurde. Dem Dumping von Computerchips in die USA und Dritte Welt begegneten die Amerikaner mit Sanktionen in Form von 300 Mio. Dollar an Importzoellen auf bestimmte Elektronikwaren. Das fuehrte im uebrigen zu einer generellen Verteuerung der Produkte in den USA, da auch US- Hersteller japanische Bauteile benoetigten. Der Anteil auslaendischer Chips in Japan stieg von 9,1 Prozent (1986) auf 13,2 Prozent im Jahre 1990. Den US-Firmen brachte dieser Anteil damals rund 2,2 Mrd. Dollar an Umsatz. Notabene waren schon damals 20 Prozent als Zielvorgabe abgemacht. Japaner demonstrieren guten Willen Die Japaner hatten daraus gelernt, dass mit den Amerikanern offenbar nicht zu spassen war. Nachdem die US-Handelsbeauftragte Carla A. Hills Ende Mai gar eine ministeriale Untersuchung in der Sache fuer den August angekuendigt hatte, versuchten die offiziellen und privaten Stellen in Japan guten Willen zu zeigen. Im Juni wurde eilends ein "Notfallplan" ins Leben gerufen. Die zehn groessten Chipabnehmer sollten die Amerikaner ueber ihre Beduerfnisse fuer das zweite Halbjahr orientieren. Wenig spaeter lud die lokale Lobby die Halbleiterfabrikanten aus den USA und Europa gar zu Einzelgespraechen mit potentiellen Kunden in Japan ein. Vertreter des US-Handelsministeriums begruessten die Versprechungen der Japaner zwar, betonten jedoch, dass nun Taten, nicht Worte folgen muessten. Die Entschuldigung der japanischen Industrie, die schlechte Wirtschaftslage wuerde sie davon abhalten, mehr auslaendische Chips zu kaufen, wurden in amerikanischen Medienberichten zurueckgewiesen. Das Fazit der am 4. August veroeffentlichten Untersuchung kam denn auch erwartet: "Bislang keine genuegenden Fortschritte", liess die US- Handelsbeauftragte Hills in der Presseerklaerung wissen. Dabei zweifle sie keine Sekunde an der Faehigkeit der amerikanischen Industrie. Vielmehr liege es in der Macht der japanischen Regierung und Industrie, die ungenuegenden Fortschritte zu korrigieren und den Zugang zum japanischen Markt zu erweitern. Von Sanktionen wurde vorderhand zwar nicht offen gesprochen, doch drohte die Handelsbeauftrage mit "zusaetzlichen Schritten, um noetigenfalls die Erfuellung des Abkommens zu erreichen". Andrew A. Procassini, Vorsitzender der US-Branchengruppierung Semiconductor Industry Association, meinte nach der Ankuendigung: "Waere das Abschotten des eigenen Chipmarktes eine olympische Disziplin, so waere Japan zweifellos der Gewinner der Goldmedaille." Es geht auch anders ... Ddie amerikanisch-japanische Chip-Beziehung hat jedoch zwei Seiten. Waehrend sich naemlich die Firmen ihrer Marktanteile wegen gegenseitig bekaempfen, kooperieren sie wiederum friedlich miteinander, wo es ums gemeinsame Geschaeft geht. Die kuerzlich angekuendigte Forschungsgemeinschaft zwischen der amerikanischen IBM, der europaeischen Siemens und der japanischen Toshiba zur Entwicklung eines neuen Speicherchips ist nur ein Beispiel dafuer. (wk) folgt Kurzfassung (sda). -- Chris Eckert, XGP Switzerland Internet Mail: check@ixgch.imp.com, SRI-NIC: CE13 Phone: +41-61 8115635 (voice/MET), +41-61 8115492 (ixgch) @ Ixgate Switzerland (ixgch.imp.com) / XGP Switzerland "You never stop Anywhere." (Bob Dylan)
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