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Article #202Re: DTP-Fuehrerschein (war: Text versus DTP)
From: Harm Luebben
Date: Thu, 05 Nov 1992 21:43
Date: Thu, 05 Nov 1992 21:43
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So, einleitend muss ich zu dieser TeX <> DTP competition erwaehnen, dass sich meine Aeusserungen hinsichtlich DTP nur auf "FrameMaker" beziehen, da ich nur bei diesem Programm ausreichend fundierte Aussagen zu der Leistunmgsfaehigkeit machen kann. Erst einmal herzlichen Dank an Lutz Birkhan, der die Aussage Peter Funks ueber das kondensierte Wissen der Buchdrucker mit Fakten hinterlegte. Nun, im einzelnen zu den von ihm angesprochenen Leistungsmerkmalen: 1. Absatzformatierung: FrameMaker organisiert das Dokument u.a. in Absatzformaten, d.h. ich lege eine beliebige Anzahl Absatzformate mit Informationen ueber Abstaende zu anderen Absaetzen u. Raendern oben/unten/links/rechts/erste Zeile, Type, Trennungsregeln, Tabulatoren, Absatznummerierungsregeln (1.a, II., A.iv), etc. an. Diese Absatzformate kann ich danach abrufen und einzelne Formatinformationen (z.B. nur die Abstaende und Stellung im Dokument (immer oben auf der Seite)) in andere Absatzformate kopieren. Absatzformate sind koennen nachtraeglich global, auch in mehreren Dokumenten gleichzeitig geaendert werden. Zusaetzlich gibt es "Zeichenformate", ein Katalog von Typendefinitionen, die fuer die Verwendung anderer Typen (z.B. fuer Hervorhebungen) innerhalb des Absatzes abgerufen werden koennen. Dies in Kombination mit dokumentweiten Definitionen (Ein-, Doppelseitig, Vorgabeseiten fuer Textfluesse und hinterlegte, sich wiederholende Grafiken, Referenzseiten fuer das Layout von z.B. Fussnoten) entsprechen ungefaehr dem was ich bei LaTeX als "style" kenne mit dem Unterschied, dass ich den style bei der Erstellung sehen kann. 1.a Schusterjungen/Hurenkinder: Bei FrameMaker nur als Zeilenanzahl eines Absatzes definierbar, welche nicht alleine auf einer Seite setehn duerfen. (Schusterjungen == Hurenkinder) Die definierbaren Trennungsregeln beinhalten u.a. auch die maximale Anzahl der Trennungen innerhalb eines Absatzes und direkt untereinander, das kuerzeste getrennte Wort, den kuerzesten Praefix und kuerzesten Suffix. >TeX achtet auch >darauf, dass auf eine sehr dicht gesetzte Zeile nicht eine sehr weit gesetzte >Zeile folgt (weil der Kontrast sonst sehr auffallen wuerde). Tja, passe. Ich kann wohl die maximale, minimale und optimale Setzdichte und Wortabstand einstellen aber FrameMaker entscheidet Zeile fuer Zeile individuell neu ohne auf die vorhergehende einzugehen. 2. Mathematischer Formelsatz: Neben allen Merkmalen von TeX enthaelt hier FrameMaker noch die Moeglichkeit Formeln auf Wunsch aufzuloesen und ist hierbei lernfaehig. D.h. ein fuer FrameMaker nicht vereinfachtes Integral kann ihm fuer den spaeteren Gebrauch aufzuloesen beigebracht werden. (Nicht grad das was ich von einem DTP-System erwarte aber irgendwo muss das Memory ja hin) 3. Rivers: Ich habe keinerlei Kenntnis, dass FrameMaker hierfuer Optimierungsregeln schon durch die Reglementierung der Wort-Zeihenabstaende rivers vermeiden laesst. Andererseits habe ich in meinen Dokumenten noch keine rivers entdecken koennen. 4. french-, american spacing. Ich passe wider. (Halte es aber auch nicht fuer besonders signifikant, aehnlich den Formelsatzfeatures des FrameMaker) FrameMaker benutzt so genommen nur das frenchspacing. Dies liesse sich zwar durch Veraenderung der Unterschneidungsregeln fuer die Zeichen "," und "!" aendern, ist aber nicht aus dem Lieferumfang abrufbar. >Die strikte Trennung von Form und Inhalt ist auch bei TeX-Benutzern nicht >unumstritten. Knuth selbst z.B. aendert seinen Text so lange, bis er auch >optisch "richtig" ist. Im allgemeinen kann man aber wohl davon ausgehen, >dass ein sorgfaeltig erstellter Style keine oder nur sehr wenige manuelle >Nachbearbeitungen erfordert. Je mehr nachgebessert werden muss, desto >schlechter war wohl das uspruengliche Design, bzw. es wurden eben einige >Faelle einfach nicht beruecksichtigt. Und da ist es wiederum vorteilhaft, >wenn man wie in TeX auch Fallunterscheidungen, komplexe Formeln etc. im >Style verwenden kann, denn dann ist es oft gar nicht mal noetig, manuell >einzugreifen. Ich meine dass im "automatischen Satz" sowohl bei TeX als auch DTP fuer buchdruckerkunstaehnlichen Satz (wenn ich ihn den wollte) manuelle Justierungen abweichen von Formaten und styles notwendig sind. Aestisches Empfinden ist unmoeglich mit Regelwerken in Prozentangaben abzudecken. Aber dies ist ein gemeinsames Problem von TeX und DTP, was ersteres dadurch nicht besser macht. >Frage am Rande: gibt es inzwischen auch DTP-Systeme, die auch die *nach- >traegliche* Aenderung des Styles erlauben? Also dass ich mit meinem >"Hausstyle" den Text eingebe, und mein Nachbar dann meinen Text ohne >Aenderung mit seinem eigenen Style formatiert? Wenn z.B. die Absatz-/Zeichenformate unter dem gleichen Namen abgelegt wurden, ist dieses sofort moeglich. Ansonsten muss jedes Format einzeln kopiert/angeglichen werden, wobei ich selektiv nur die Tabulatoren oder Typen eines anderen Formates uebernehmen kann. >> Ich wuerd daher die mangelhafte Qualitaet von DTP-erzeugnissen nicht >> auf das Konto "DTP an sich" schreiben. > >Naja, sie wird von DTP-Systemen zumindest gefoerdert, da brauch ich mir >nur die vielen mit DTP erstellten Werbeblaetter anzuschauen, die in immer >groesserer Anzahl mit immer schlechterer Qualitaet ins Haus flattern. >In der "Prae-DTP-Zeit" war das weit weniger schlimm. Ich bezweifle >wie gesagt nicht, dass DTP in den richtigen Haenden gute Ergebnisse >hervorbringen kann. Aber das ist wohl mit fast jedem Programm so. Neben Zustimmung hier noch ein kleiner Opinion-Input: Ich kenne *nur* technische Dokumentation, die mit TeX erstellt wurde und kann diese an Hand des Layouts sofort als mit TeX erstellt identifizieren. Dadurch, dass hier anscheinend immer der gleiche "style" verwandt wurde, erscheint das Layout auf Dauer langweilig. > >> Urspruenglich ging es um die These: Mit TeX ist es einfacher *automatisch* >> besseren Satz herzustellen, was ich fuer Unfug halte. >> (Ok, es war andersherum formuliert: "Mit DTP ist es einfacher *automatisch* >> schlechteren Satz erstellen" - genauso Unfug) >> >> Zu obiger Aussage ging es mir um das Werkzeug DTP, wo ich neben den Satz- >> funktionen Ergaenzungen zu Buchfunktionen, Querverweisen, automatischer >> Inhalts-/Index- Sonstwas-Generierung habe, was gerade bei Werksatz die >> Arbeit erheblich vereinfacht. > >Ich verstehe das Argument nicht ganz. Willst Du damit sagen, dass DTP wegen >der Bereitstellung von Funktionen fuer Querverweise, Inhaltsverzeichnis- und >Indexerstellung Pluspunkte beim Werksatz (gegenueber TeX) sammeln kann? Ja, sicherlich. Da meiner Ueberzeugung nach die Schwemme von aesthetisch anekelnden Publikationen auf die *Fehlbedienung* von DTP zu fuehren ist, also die Aussage "Mit dies und das wird es *automatisch* schlechter" obsolet ist, ging ich auf die restlichen Unterscheidungsmerkmale DTP<>TeX ein, was fuer mich insbesondere im Werksatz Faehigkeiten zur Buchorganisation, Quesrverweisen, Fussnotenverwaltung, Indexerstellung etc. sind. Deshalb verstehe ich die Verwendung von TeX *besonders* im Werksatz nicht, da z.B. technische Handbuecher in erster Linie *funktionieren* muessen, also einfach zu lesen, exakt durchnummerierte Kapitel etc. sein/haben muessen. (... zu koennen, geworden, sollen sein ... ;-) ) Vergl. hierzu meine Forderung nach dem DTP-Fuehrerschein. >Es mag ja sein, dass heutige DTP-Programme sowas generell anbieten, weil sie >sonst keiner mehr verwenden wuerde, aber urspruenglich waren das Funktionen, >die erst in etwas fortgeschritteneren (und entsprechend teureren) DTP- >Programmen als Besonderheit gross herausgestellt wurden. Und das ist auch Sicher wuerde ich wahrscheinlich kein DTP-Programm verwenden, wenn diese Leistungen nicht angeboten wuerde, allerdings verstehe ich CorelDraw und PageMaker nicht als DTP-, sondern als Malprogramm fuer Flugblaetter. [.. Probleme der software bei Querverweisen ..] >Es eruebrigt sich eigentlich, darauf hinzuweisen, dass solche Querverweise >(im weiteren Sinne) von Anfang an in TeX (zumindest LaTeX) vorhanden sind, >ja sogar selbstverstaendlich sind. Und wer diesbezueglich spezielle >Wuensche hat, kann die entsprechenden Makros von TeX auch aendern und >seinen eigenen Beduerfnissen anpassen, z.B. Bibliographien in jedem Kapitel >(auch ein "Querverweis im weiteren Sinne", ich weiss gar nicht, ob sowas >von DTP-Systemen ueberhaupt angeboten wird), differenzierte Stichwortver- >zeichnisse, die z.B. zwischen Erwaehnung und Definition eines Wortes unter- >scheiden, usw. Bibliographien sind nur eine Art der unzaehligen Moeglichkeiten bei Querverweisen bei FrameMaker. Querverwqeise werden hierbei als "Marker" bezeichnet und eingeordnet, wobei ich die Moeglichkeit habe eine Marke als Index, Thema und weiteren 40 verschiedenen Marker-Arten zu markieren um schliesslich ein Dokument automatisch aus einem subset dieser Marker zu generieren. (Verzeichnis aller Abbildungen, Inhaltsverzeichnis, Index) Hierbei kann die generierte Datei noch mit den Texten eines gewissen Absatzformates gemischt werden. (alle Kapitelueberschriften kombiniert mit Marken des Typs "Fehlermeldung" und Abbildungsverzeichnis und Querverweisen in andere Dokumente) > A complete document development process involves a number of subtasks > ranging from authoring, reading, filing, to printing. There are certain > aspects of document development that are best-suited to a source-language > approach while others are easier to deal with using direct-manipulation > techniques. A hybrid paradigm combining the best of both approaches > seems most desirable. In such a hybrid system, a document has at least > two representations: a *source* representation with embedded commands > that yields flexible high-level abstractions, and a *target* represen- > tation displaying an object's final appearance that gives precise > placement and orientation in response to direct manipulations. Von FrameMaker gibt das MIF (Maker Interchange Format), welches eine Makrosprache darstellt, die als Input und Output von FrameMaker verstanden wird und das Dokument komplett beschreibt. Es gibt hierzu, aehnlich zu TeX, eine Vielzahl von Filtern um MIF in Postscript, Word, HPGL etc. hin- und zurueckzuwandeln. Leider ist dies, aenlich wie TeX, nicht als Standard zu bezeichnen, da FrameMaker-typische Eigenleistungen in dieser Sprache abgebildet werden. Frage: Wie bringt SGML den Leistungsumfang von allen Systemen unter einen Hut ohne zum intermedialen Format zu verkuemmern, was nur die Basisinformation abbilden kann. > >Der Unterschied ist vielleicht etwas leichter in Grafik-Systemen zu sehen: >bestimmte grafische Elemente (z.B. eine Comic-Figur) sind auf jeden Fall >einfacher mit der Maus zu zeichnen als per Programmiersprache (grafische >Befehle). Andererseits sind viele regelmaessige Figuren einfacher und vor >allem exakter algorithmisch zu definieren. Wenn ich z.B. fuenf Rechtecke >in Kreisform um ein mittleres Rechteck anordnen will, dann hab ich erheblich >zu kaempfen, wenn ich das allein mit der Maus erledigen muss. Hab ich dagegen >die Moeglichkeit, ein kleines Prograemmchen zu schreiben, dann ist diese >Aufgabe relativ einfach (z.B. mit Turtle-Grafik: fuenf Vektoren, jeweils >um 360/5 = 72 Grad versetzt, bestimmen die Mittelpunkte der Rechtecke). .. oder ich definier mir in FrameMaker einen "Textflow", der Postscript-Code enthaelt. Ich hoffe der Verteufelung von DTP Einhalt geboten zu haben. h a r m
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