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Article #58

SDA-PM: Informatik-Olympiade

#58
From: Christoph Eckert
Date: Mon, 27 Jul 1992 19:01
137 lines
8235 bytes
Newsgroups: srg.ticker
Subject: INFORMATIK: Vierte Internationale Olympiade in Informatik
Date: 22 Jul 92 21:52:31 GMT
Distribution: srg
Organization: Schweizer Radio und Fernsehen (SRG)

Vierte Internationale Olympiade in Informatik
 
Eine Landkarte von Inseln und einen Plan zum Ersteigen eines Berges zu 
erstellen: zwei scheinbar ganz konkrete und an den Sommerurlaub erinnernde 
Aufgaben. Sie wurden aber ausserordentlich kompliziert gestaltet, weil die 
Inseln nur als kodierte Informationen in einer Matrix vorhanden sind, und 
weil die Bergsteiger in einem Klub die beste Methode finden muessen, wie bei 
begrenzter Faehigkeit des einzelnen, genuegend Proviant zu tragen, wenigstens 
einer den Gipfel erreicht. Rechenschritte zur Loesung dieser Probleme zu 
finden waren die Aufgaben in der 4. Internationalen Olympiade in Informatik 
(IOI'92), die vom 12. bis 21. Juli 1992 in Bonn stattfand.
 
Kurz vor den Olympischen Sommerspielen in Barcelona haben 166 Schuelerinnen 
und Schueler aus allen Kontinenten in der IOI'92 ihre geistigen Faehigkeiten 
gemessen. Am 15. und 17. Juli erdachten sie durch praezise Analyse der beiden 
Aufgaben moeglichst elegante Loesungswege und programmierten sie dann am 
Personal Computer. Vom 13. bis 19. Juli war das Gustav-Stresemann-Institut in 
Bonn-Bad Godesberg somit das Weltzentrum des hochqualifizierten Nachwuchses 
in der zukunftstraechtigen Wissenschaft der Informatik.
 
Am 20. Juli wurde in der Abschlussveranstaltung in Schloss Birlinghoven bei 
Bonn, dem Sitz des deutschen Zentrums fuer Informatikforschung, der 
Gesellschaft fuer Mathematik und Datenverarbeitung mbH (GMD), der 
ueberragende Erfolg dieses Wettbewerbs betont.
 
Der Bundesminister fuer Bildung und Wissenschaft, der Informatik-Professor 
Dr. Rainer Ortleb, ueberreichte gemeinsam mit dem nordrhein-westfaelischen 
Kultusminister Hans Schwier und anderen Persoenlichkeiten aus Wissenschaft 
und Forschung den erfolgreichsten Teilnehmern 13 Gold-, 31 Silber- und 41 
Bronzemedaillen. 

Der Bundesbildungsminister hatte in drei Besuchen im Stresemann- Institut 
lebhaften Anteil an dem Gang des Wettbewerbs genommen und mit Teilnehmern 
unmittelbar gesprochen. 

Zahlreiche Sachpreise wurden von Firmen der Privatwirtschaft verliehen, 
darunter einige wertvolle Computer, wie zum Beispiel je drei Laptops der 
Firmen Apple und Siemens Nixdorf.
 
Das Bundesministerium fuer Bildung und Wissenschaft finanzierte in Deutsch- 
land die IOI'92 in gleicher Weise wie die internationalen Schuelerolympiaden 
fuer Chemie, Mathematik und Physik. Darueber hinaus foerderten fuehrende 
Computerhersteller den Wettbewerb. So stellten IBM und Siemens Nixdorf zu- 
sammen rund 200 PCs fuer die Dauer der Olympiade unentgeltlich zur Ver- 
fuegung.
 
Die Kultusministerkonferenz unterstuetzt diese internationalen Wettbewerbe. 
Fuer sie betonte Schwier bei der Abschlussfeier, alle deutschen Bundeslaender 
und die meisten Staaten in allen Kontinenten haetten sich erheblich darum 
bemueht, die Voraussetzung zu schaffen, um Informatikinhalte in den Unter- 
richt aller Schulen und Schulformen einzufuehren.
 
Nach uebereinstimmender Auffassung der Laender ist die informationstechnische 
Bildung Bestandteil des Bildungsauftrags der Schule. Alle Schuelerinnen und 
Schueler sollen im Rahmen ihrer Pflichtschulzeit eine informationstechnische 
Grundbildung erwerben. Eine vertiefende informationstechnische Bildung wird 
im Informatikunterricht vermittelt, der in der gymnasialen Oberstufe als 
Grundkurs angeboten wird. In Nordrhein-Westfalen kann Informatik an manchen 
Schulen sogar als sechsstuendiger Leistungskurs in den drei letzten Schul- 
jahren gewaehlt werden. 

46 Laender hatten Delegationen mit bis zu jeweils vier Schuelern zur IOI'92 
gesandt. Teilnahmeberechtigt waren Jungen und Maedchen, die im Schuljahr 
1991/92 noch zur Schule gingen und nach dem 1. Juli 1972 geboren wurden. Dazu 
kamen je zwei Delegationsleiter. Ausserdem waren aus vier Laendern offizielle 
Beobachter angereist. Als bedauerlich wurde hervorgehoben, dass nur fuenf 
Maedchen an dem Wettbewerb teilnahmen; von den vier niederlaendischen 
Teilnehmern waren nach dem fuer diese Olympiade geltenden Gleichheits- 
grundsatz zwei Maedchen. 

Die deutschen Wettkaempfer wurden aus zwoelf Teilnehmern der Endrunde des 9. 
Bundeswettbewerbs Informatik ausgewaehlt: Wilko Hein, Gymnasium Mellendorf in 
Wedemark bei Hannover, Matthias John, mathematisch-naturwissenschaftlicher 
Zweig des Gymnasiums 7 in Erfurt, Fjodor Luehrig, Stadtgymnasium Detmold, und 
Thomas Mischke, Eleonorenschule Darmstadt. Sie hatten an vier Wochenenden an 
Trainingsseminaren in Bonn und Erfurt teilgenommen. Leiter der deutschen 
Delegation war Dr. Michael Fothe, Gymnasium 7 in Erfurt, seine Stell- 
vertreterin Vera Reineke, Helene-Lange-Schule in Hannover. Mehr als 30 
Schuelerinnen des Clara-Schumann-Gymnasiums in Bonn halfen bei der Betreuung. 

Zugelassen waren die Programmiersprachen Turbo Pascal V.5.5 und V.6.0, 
Turbo C++ und Microsoft C V.5 sowie Quick C, QuickBasic V.4.5 und GWBasic,
LCN Logo V.2.
 
Die Grossforschungseinrichtung Gesellschaft fuer Mathematik und Daten- 
verarbeitung in Sankt Augustin-Birlinghoven, vertreten durch ihren Vor- 
standsvorsitzenden Prof. Dr. Dennis Tsichritzis, und die Gesellschaft fuer 
Informatik e. V. in Bonn, vertreten durch ihren Vorsitzenden Prof. Dr. Roland 
Vollmar, unterstuetzten die Veranstaltung, die von Prof. Dr. Fritz 
Krueckeberg, dem Vorsitzenden des Nationalen Komitees der IOI, und von Dr. 
Peter Heyderhoff, Vorsitzender des Internationalen IOI-Komitees, geleitet 
wurde. 

Die Internationale Olympiade in Informatik diente auch der persoenlichen 
Begegnung der Teilnehmer untereinander. Weltumspannende Freundschaften wurden 
geschlossen. Die Schueler lernten wichtige kulturelle Bereiche Deutschlands 
kennen: die Wissenschafts- und Museumsstadt Bonn, den nordrhein- 
westfaelischen Landtag und die Stadt Duesseldorf, die Schloss- und Neckar- 
romatik sowie einen der bedeutendsten und modernsten wissenschaftlichen 
Verlage in Heidelberg, den Koelner Dom und die WDR-Fernsehstudios in 
Koeln-Bocklemuend sowie das Adenauer-Haus in Rhoendorf und die dortige 
Rheinlandschaft. 

Die IOI findet sei 1989 jaehrlich statt. Gegenueber der letzten Informatik- 
Olympiade in Athen hat sich die Zahl der teilnehmenden Laender in Bonn 
verdoppelt. Fuer die naechste IOI im Jahre 1993 wurde nach Argentinien 
eingeladen. 

Internationale Olympiade in Informatik, Organisationsbuero, Dr. Peter 
Heyderhoff, Schloss Birlinghoven, Postfach 13 16, D-5205 Sankt Augustin. 
Telefon 02241-14 2494, Telefax 02241-14 2090.
 
oder bei der Quelle des Textes: Patrik Tschudin Tel. 061 261 50 81 
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