🚀 go-pugleaf

RetroBBS NetNews Server

Inspired by RockSolid Light RIP Retro Guy

Article View: de.comp.sys.amiga.tech
Article #4578

Elektronikschrott: Die Apollo4040/4060 Karten der Fa. ACT (alias "Winner" alias...)

#4578
From: Torsten Lang
Date: Sat, 06 Apr 1996 13:33
171 lines
13613 bytes
Vorab: Antworten bitte moeglichst per eMail, da ich diese Newsgruppe nur
       unregelmaessig lese. Danke!

Torsten Lang					Bad Nauheim, d. 06.04.1996
Pestalozzistr. 9A 
61231 Bad Nauheim 
Tel.: 06032/87496   (privat, abends)
      06441/9646-31 (tagsueber)	
Fax:  06441/9646-11 (z. Hd. T. Lang)	

EMail: Torsten.Lang@ap.physik.uni-giessen.de 

Betr.:	Elektronik-Schrott: Apollo 4040/4060-Karte der Fa. ACT (sowie OEM-Versionen, z. B. die 
        von Vesalia u. a. vertriebene "Winner"-Karte)


Nachdem der Amiga gerade wieder produziert wird und der Markt sich (hoffentlich) langsam wieder 
erholt, werden auch gleich wieder schwarze Schafe am Markt aktiv, deren Methoden an das Mitte 
der 80er Jahre verbreitete Raubrittertum im PC-Bereich erinnern. So werden halbfertige - besten-
falls im Betastadium befindliche Produkte - als vollwertige Ware verkauft, es werden in den 
Prospekten Ausstattungsmerkmale und Features beworben, die in Wahrheit nicht vorhanden oder 
schlicht unbrauchbar sind, oder Firmen sind nach dem Schalten ihrer Anzeigen nicht mehr greifbar 
(z. B. ELCOR). 

Dass ein solches Vorgehen dem Ruf des Amiga nicht gerade foerderlich ist (und im Falle verstaerkten 
Auftretens den Markt ruinieren kann), duerfte klar sein und sollte auch Amiga Technologies veranlas-
sen, im Falle eines Falles zu handeln (Entzug von Entwickler-Lizenzen, Hardware-Kennungen etc.). 
Schliesslich wird der Amiga nach dem Crash von Commodore und der Uebernahme durch Escom keine 
dritte Chance erhalten, sollten unserioese Geschaeftemacher den Markt ruinieren.

Eine der Firmen, die "Elektronikschrott" verkaufen und mit denen ich im vergangenen halben Jahr 
meine Erfahrungen habe sammeln muessen, ist ACT, Hersteller der "Apollo"-Karten. Wie viele 
Amiga-Fans auf der "Computer '95" in Koeln bemerkt haben, waren Prozessorkarten - speziell sol-
che mit 68040/68060 - fuer den A3000/A4000 praktisch nicht zu bekommen. Die wenigen Cyber-
storm-Karten, die ihren Weg auf die Messe gefunden hatten, gingen - falls ueberhaupt - zu "Mond-
preisen" von ueber 3000DM ueber die Ladentische. Daher habe ich mich nach einer Alternative umge-
sehen und - wie ich glaubte - diese in der Apollo4040 gefunden. Da einige Daten auf der Maschine 
verarbeitet werden mussten und dies nur mit adaequater Ausstattung moeglich war, war ich erst einmal 
froh ueber meinen "Fang".

Die Karte war jedenfalls erstmal nicht lieferbar und der auf der Messe angekuendigte Liefertermin um 
einige Wochen ueberschritten. Als ich das Teil dann endlich in Haenden hatte (Anfang Dezember), stell-
ten sich bald gravierende Maengel heraus (diese werde ich im Folgenden noch genauer beschreiben). 
U. a. fehlte Installationsmaterial wie die fuer Karten dieser Groesse erforderlichen Kunststoff-Stuetzen, 
ein Installationshandbuch habe ich ebenfalls bis zuletzt nicht erhalten (dieses sei "in Kuerze" liefer-
bar... es darf gelacht werden). Der sogenannte Fast SCSI II Controller entpuppte sich als selbstge-
strickte Billigst-Loesung, die fuer eine Karte dieser Preisklasse (immerhin mit 68060 fast so teuer 
wie eine Cyberstorm) einfach nicht tragbar ist, und beim RAM gab es auch erhebliche Einschraenkun-
gen. Weiterhin hatte ich nach der "problemlosen Uebernahme" meiner mit RDB versehenen Platte auf 
einmal wieder Platz - Die Daten waren jedenfalls weg. Nach der Restauration war ShapeShifter an 
der Reihe. Device-Disks? Fehlanzeige! SCSI? Im Prinzip ja, aber nur bis zum Initialisieren durch den 
Mac! Danach war die Platte am Apollo-Controller einfach nicht mehr zu finden!!! Ich forderte die 
Firma auf, die Fehler umgehend zu beheben, andernfalls wuerde die Karte innerhalb der 14-Tages-
Frist zurueckgesandt. Herr Christ von der Firma ACT rief mich umgehend zurueck und bat mich um 
Geduld - schliesslich koenne ich - sollten die Probleme nicht behoben werden koennen, die Karte pro-
blemlos zurueckgeben - ein Luege, wie sich spaeter herausstellte. Jedenfalls hatte ich mich auf diese 
Versprechung eingelassen... Man versprach mir, mir noch vor den Weihnachtsfeiertagen 
entsprechende Updates zu schicken - Fehlanzeige. Da die Karte nicht zu gebrauchen war und ich 
auch bis zu den gesetzten Fristen kein Update erhielt, ging die Karte zu ACT zurueck - Ruecktritt vom 
Kaufvertrag - wie versprochen... um dann nach 14 Tagen erneut auf meinem Schreibtisch zu landen 
- offenbar arbeiten in dieser Firma auch noch Analphabeten, mein Schreiben war schliesslich deutlich 
genug. Da ich ein relativ geduldiger Mensch bin, habe ich die Karte zur Probe erneut eingebaut und 
zwischenzeitlich mit dem inzwischen ebenfalls gelieferten 68060-Prozessor bestueckt - berau-
schend war's nicht: Immerhin funktionierte mein alter A2091, den ich aus Kompatibilitaetsgruenden 
unbedingt benoetige, nun ueberhaupt nicht mehr - adieu ShapeShifter, adieu Mac. Ich stellte die Firma 
also erneut vor die Wahl, die Karte entweder sofort zurueckzunehmen oder mir eine entsprechende 
funktionsfaehige Hardware (Leih-Mac, Fastlane ZIII Controller...) zur Verfuegung zu stellen - Funk-
stille! Da mein Termin (Stichwort: Datenverarbeitung unter ShapeShifter) allmaehlich anzubrennen 
drohte habe ich mir kurzfristig eine Cyberstorm-Karte beschafft (die uebrigens zu meiner vollen Zu-
friedenheit funktioniert) und mir 4 Tage Urlaub genommen, um meinen Termin zu wahren. Mittler-
weile liegt die Apollo-Karte mit der Forderung der Rueckzahlung der Kosten zzgl. weiterer aufgelau-
fener Kosten in Hoehe von mittlerweile >100DM fuer Versand, div. Briefe und Telefonkosten (auf die 
Forderung des Ersatzes weiterer durch ACT verursachter finanzieller Schaeden - s. o. - habe ich im 
Hinblick auf eine zuegige Abwicklung sogar verzichtet!) wieder bei ACT - seit fast drei Wochen! Wie 
ich nun endlich erfahren habe, akzeptiere man die Rueckgabe so nicht. Ich werde das angekuendigte 
Schreiben von ACT noch abwarten, sollten aber aufgelaufenen Versandkosten moniert werden o. ae. 
werde ich mein Geld wohl einklagen muessen - also wieder Urlaub nehmen, zum Anwalt rennen 
(=weitere fin. Schaeden...)...

BTW: Eigentlich wollte man mir die Hardware-Infos zum SCSI-Controller sowie das 68060 Soft-
ware-Kit von Motorola geben, da ich urspruenglich einen SCSI-Treiber fuer die Karte sowie das Soft-
ware-Kit in Linux/68k einbinden wollte - auch hier bis heute Funkstille (trotz diverser Anfragen)!

Aus meinen bisherigen Erfahrungen heraus kann ich alle potentiellen Kaeufer dieser Karte nur vor 
dem Kauf warnen. Alle, die eine solche Karte bereits besitzen, sollten ueberpruefen, ob folgende Pro-
bleme ebenfalls auftreten bzw. relevant sind. Im Zweifelsfalle: Karte umgehend zuruecksenden!!! Loe-
sungen hatte ACT bisher naemlich nicht anzubieten - lediglich "Bug-Changes":

- Installationsmaterial und -handbuch fehlen und werden offenbar auch nicht nachgeliefert.
- Fuer den SCSI-Bus steht kein externer Anschluss bereit (also ggf. bei Phase 5 bestellen...).
- Die Installationssoftware hatte mir bei der "problemlosen Uebernahme" meiner RDB-formatierten 
  Festplatte erstmal alle Daten vernichtet!
- Ueberhaupt sollte man die Platte gleich Neuformatieren, sonst funktionieren u. U. die Einstellungen 
  (Cache etc.) nicht mehr und fuehren beim erneuten Boot-Versuch zum Absturz...
- Der Speicher der Karte ergibt nur beim Einsatz von 32MB-Simms einen zusammenhaengenden 
  Block - fuer diverse alternative Betriebssysteme wie NetBSD, MacOS (ShapeShifter) und sicher-
  lich auch diverse Amiga-Software ein ernstes Problem - zumal 32MB-Simms schwer zu beschaf-
  fen und verhaeltnismaessig teuer sind. Man wolle das Problem per MMU beheben - und was sagen 
  ShapeShifter, NetBSD und Virtuelle Speicher-Verwaltungen wie Giga-MEM und VMEM dazu???
- Bei den ersten ausgelieferten Karten funktioniert der Zorro-DMA aufgrund eines Design-Fehlers 
  nicht. Der Fehler ist zu beheben - vorausgesetzt man bekommt das Update oder verzichtet fuer 
  ein paar Monate auf seine Karte und schickt sie ein (moeglichst unfrei, Kosten werden naemlich 
  nicht freiwillig ersetzt!).
- Mit dem 68060 funktionieren diverse SCSI-Controller nicht mehr, betroffen sind u. a. A2091 
  (trotz 7.0er ROMs) sowie GVP-Adapter (vermutlich weitere). Der Rechner bootet in diesen Fael-
  len einfach nicht mehr, sondern stuerzt sofort ab, sollte der jeweilige Zorro-Bus Controller akti-
  viert sein.
- Schwere Fehler im Cache-Management: Bereits das Ein-/Ausschalten der Caches mit CPU60 
  (liegt der Karte bei) kann zum Absturz fuehren (etwa alle 2-5 mal).
- In dieselbe Rubrik duerften auch Probleme mit Reset-fester Software fallen, z. B. laeuft 
  PrepareEmul (gehoert zu ShapeShifter) nicht mehr.
- Auch einige Probleme mit dem SCSI-Device duerften hier unterzubringen sein.
- Es wurde nirgends dokumentiert, wo die Flags fuer Features wie den Read- oder Write-Cache lie-
  gen. Ich halte diese Information durchaus fuer wichtig!
- Das SCSI-Device weist mehrere schwere Fehler auf:
  - Bei starker SCSI-Belastung (konkurrierende Zugriffe wie z. B. beim gleichzeitigen Validieren 
    mehrerer Partitionen) kommt es des oefteren zu Abstuerzen.
  - Der Write-Cache funktioniert (sogar lt. ACT!!!) nicht mit dem 68060!
  - Bei Software, die unter Umgehung des Amiga Filesystems direkt auf das Device zugreift, treten 
    ebenfalls schwere Inkompatibilitaeten auf:
    So funktionieren Device-Disks unter ShapeShifter nicht, SCSI geht nicht bei "direkter Uebertra-
    gung", AFS macht ebenfalls Probleme (lt. ACT!). Weiterhin bleibt auch DiskSalv (oder eher das 
    SCSI-Device) einfach stehen oder stuerzt komplett ab, wenn das SCSI-Device zu stark belastet 
    wird.
  - LUNs werden fuer eigene Zwecke missbraucht, es ist kein Betrieb von Multi-LUN Geraeten (z. B. 
    CD-Wechsler) moeglich.
  - Das Automounten von Cross-DOS Partitionen (habe ich mit dem A2091 bisher erfolgreich 
    praktiziert) fuehrt zum Absturz des Rechners!
  - Nach dem Formatieren durch ShapeShifter (uebrigens das Formatieren von Platten vom Device 
    nicht korrekt unterstuetzt - fehlt deshalb etwa diese Option in der Installationssoftware?) werden 
    einige Platten einfach gar nicht mehr vom Device erkannt - wohl dem, der jetzt einen Atari oder 
    einen A2091 (aber bitte vorher Apollo ausbauen!) o. ae. hat!
  - Beim Scannen des SCSI-Busses durch einen Mac-Treiber (an sich keine gefaehrliche Sache) 
    "haengt sich das SCSI-Device der Apollo-Karte auf", d. h. es funktionieren keine Plattenzu-
    griffe mehr!
- Ueberhaupt ist der SCSI-Controller das Letzte: Es handelt sich hier um eine selbstgestrickte 
  PIO-Loesung, die bei Uebertragungen mindestens 70% der CPU-Leistung frisst. "Wer einen 'richti-
  gen' Controller benoetigen wuerde, kaufe sich sowas ohnehin zu, schliesslich sei die Apollo-Karte ja 
  sehr preisguenstig und der SCSI-Controller nur eine Dreingabe" - und wo steht das in der Pro-
  dukt-Werbung???

Wer also auf hohe Tranferraten bei wenig CPU-Belastung Wert legt, muss sich noch einen ZorroIII 
SCSI-Controller wie den Fastlane ZIII oder den A4091 zulegen - zusammen mit der Apollo 4060 
kostet der Spass ca. 2500DM - also "wirklich preiswert".

Also bleibt letztenendes nur die Nutzung als reine Prozessorkarte mit 68040 (wg. 68060 Cache-
Problemen ist dieser ja nicht nutzbar!) - zur Erinnerung: die original-CBM-040er-Karte kostet als 
Ersatzteil etwa 600-700DM, also nicht einmal die Haelfte der Apollo!

Wie man der langen Liste entnehmen kann, habe ich unfreiwillig fuer ACT reichlich "Beta-Testing"
getrieben. Wenn ich dafuer schon nicht bezahlt werde, darf ich doch zumindest verlangen, dass man 
mir meine Auslagen (zumindest die, die "direkt greifbar" sind, wie Telefonkosten, Versandkosten, 
Briefe, Transport-Versicherungen...) bei der Rueckgabe der Karte ersetzt, zumal der Programmie-
rer der Software (SCSI-Device) mir gegenueber klar zu verstehen gegeben hatte, dass er in absehba-
rer Zeit keine Loesung anbieten koenne - mit ein Grund fuer die Rueckgabe.

Uebrigens: Ich haette diesen Brief nicht schreiben muessen, waeren nicht saemtliche Probleme (bis auf 
die Multi-LUN Unterstuetzung - aber die kommt demnaechst) mit der Anschaffung der Cyberstorm-
Karte behoben gewesen. Der Rechner ist seitdem nicht mehr wiederzuerkennen. Uebrigens ist bei 
der Cyberstorm auch das Interface zum Chip-RAM deutlich zuegiger und erreicht gerade beim 
Schreiben (wichtig fuer Animationen, Spiele...) die maximal moeglichen Transferraten!

Da ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass ich der einzige betrogene Kunde bin, bitte ich alle, die 
aehnliche Erfahrungen gemacht haben, mir einen kurzen Brief (o. EMail) zu schreiben.

Anm. fuer die Redaktion: auch wenn das Dokument reichlich lang ist, halte ich eine Veroeffentlichung 
(notfalls gekuerzt) fuer ueberaus wichtig; umso mehr, als dass ich auch aus mehreren anderen Quellen 
erfahren habe, dass die Kaeufer mit der Stabilitaet der Apollo-Karten nicht zufrieden sind!

Mit freundlichen Gruessen,
                      T. Lang
Technical Details
Message-ID: <4k5rqn$m39@c4.hrz.uni-giessen.de>
Path: arc1-ca.pugleaf.net!c4.hrz.uni-giessen.de!vision!gdg7

Show Full Headers
Complete Article Headers
Path: arc1-ca.pugleaf.net!c4.hrz.uni-giessen.de!vision!gdg7
From: gdg7@vision.hrz.uni-giessen.de (Torsten Lang)
Newsgroups: de.comp.sys.amiga.tech
Subject: Elektronikschrott: Die Apollo4040/4060 Karten der Fa. ACT (alias "Winner" alias...)
Date: 6 Apr 1996 13:33:11 GMT
Organization: Hochschulrechenzentrum (HRZ) der Universitaet Giessen
Message-ID: <4k5rqn$m39@c4.hrz.uni-giessen.de>
NNTP-Posting-Host: vision.hrz.uni-giessen.de
Summary: Warnung vor den Apollo-Karten!
X-Newsreader: TIN [version 1.2 PL2]