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Article #132

Re: Fragen an MAC benutzer

#132
From: Jochen Wolters
Date: Mon, 12 Oct 1992 11:28
279 lines
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Tag Matthias,

  wenn Du in einer Mac-Newsgroup fragst, musst Du Dich natuerlich zunaechst
auf recht einseitige Hinweise und Einschaetzungen gefasst machen. Wenn Du
also bereit bist, mein Follow-Up auf Deine Fragen zu lesen, so atme jetzt
bitte tief durch, denn es geht jetzt los! :-))))))))))))


>Daher - wir kommen zum Thema - ueberlege ich ernsthaft, gleich einen
>Apple Macintosh anzuschaffen.

  Generell ist Computerkauf auch eine Frage des persoenlichen Geschmacks. Aus
diesem Grund solltest Du, falls Du Interesse an einem Mac hast, zunaechst in
Ruhe einen testen und anschauen. Das kannst Du bei einem guten Haendler, bei
einer Mac Usergroup (MAC e.V., Hochschule...) usw. Sonst kann man naemlich
trotz allem Interesse und aller Vorfreude enttaeuscht werden. So war ich
z.B. die ersten Tage nach dem Kauf ziemlich enttaeuscht von meinem LC II:
nuechterne, fast schon langweilige Oberflaeche; recht wenig mitgelieferte
Software ausser des Systems (z.B. keine Spielchen wie bei WINDOZE :), un-
scheinbares Aeusseres ("Sieht der aber schmalbruestig aus!" :-). Die wahren
Qualitaeten des Mac lernt man erst mit der Zeit kennen. Besonders dann,
wenn man vom Freak-Dasein des MS-DOS Gequaelten ("Was muss ich denn noch
in CONFIG.SYS schreiben, dass das Teil laeuft?"...) ueberwunden hat, und
aufgrund der einfachen Bedienung des Mac, die die Installation von Programmen
vergleichsweise einfach und "sicher" macht, wirklich mit dem Rechner arbeitet.


>Ich habe jedoch keinerlei Erfahrung, was diese Computer fuer Vor- und Nach-
>teile gegenueber PC's haben,

  Nun denn: Nachteile hat ein Mac -besonders im Vergleich zu PCs- eigentlich
nur zwei: den Preis und das etwas begrenzten Angebot an Spielen :).
  Aber ernsthaft: was mir derzeit so spontan in den Sinn kommt, ist folgendes
(ohne Anspruch auf Vollstaendigkeit):

  - wichtigster Vorteil: einfachste und vor allen Dingen konsistente Bedienung.
Z.B. sind die Befehle fuer Oeffnen einer Datei, des Beenden eines Programms
usw. grundsaetzlich in allen Programmen gleich, sowohl was den Menueeintrag
angeht, als auch was die Shortcuts betrifft. Man kann gut und gerne davon
ausgehen, dass man bei einem neuen Programm aus diesem Grunde bereits 
ca. 25% aller Befehle kennt, im Gegensatz zu DOS, wo jeder sein eigenes
Sueppchen kocht. Dadurch ist die Motivation, neue Software zu nutzen, weitaus
hoeher, da die Einarbeitungszeit -nachweislich!- ca. 50% geringer ist, als
bei anderen Plattformen. 
  - Intuitivitaet: eine kuenstliche Trennung in Programm- und Dateimanager
gibt es nicht. Der Aufbau der Oberflaeche ("FINDER") ist durchweg nachvoll-
ziehbar. Beispiel: wenn man Dateien loeschen moechte, so zieht man das
entsprechende Symbol einfach auf den Papierkorb, der danach auch "voll"
aussieht! :) Versehentlich geloescht? Doppelklick auf den Papierkorb, die
Datei wieder herausholen, fertig. Entgueltiges Loeschen ueber Menueeintrag.
zweites Beispiel: Benennen einer Datei durch Klicken auf den Namen. Danach
kann man diesen editieren und mit <return> bestaetigen. Umstaendlich Wege
ueber Menues entfallen. Wie im echten Leben halt: um einen Ordner zu 
benennen, schreibst Du doch auch nur den neuen Namen drauf, und gehst nicht
erst zu einem Studienkollgen und gibst ihm den Auftrag dazu, oder? :-)
  -MultiTasking: System 7 bietet Cooperative Multitasking, d.h. die gerade
aktive Anwendung gibt den Prozessor selbst frei, wenn es ihr passt. Aber es
ist durchaus moeglich, Programm, wie z.B. Archiver, im Hintergrund laufen
zu lassen, waehrend man "vorne" einen Text editiert usw.
  -Plug'n'Play: Der mac wird vorwiegend ueber sogenannte Kontrollfelder -CDEVs
fuer ControlDEVices- konfiguriert. Um z.B. die Bildschirmfarbtiefe zu 
aendern, ruft man das CDEV Monitore auf, und waehlt aus einem entsprechenden
Menue aus. So etwas wie CONFIG.SYS, AUTOEXEC.BAT o.ae. gibt es -Dank Gott!-
auf dem Mac nicht. CDEVs und andere Systemerweiterungen, Fonts, usw. werden
einfach in einen entsprechenden Ordner innerhalb des Systemordners gelegt und
damit hat sich's. 
  Installationen von groesseren Paketen werden entweder ueber einen "Installer"
erledigt, die meist auch das Paket wieder entfernen (!) koennen, oder aber
durch einfaches kopieren aller Dateien in einen Ordner. Die Konfiguration wird
auch hier -wie oben bereits erwaehnt- aus dem Programm heraus vorgenommen. 
  -kompaktere Programme: in der Regel bestehen Mac-Programme aus dem eigentlich
Programm, einer Preferences Datei, vielleicht einigen wenigen Zusatzfiles 
(Trennhilfe, Woerterbuch...), aber mehr nicht. Das ganze Gedoens wie bei DOS,
dass man fuer einen Anwendung 20..30 Dateien benoetigt, gibt es auch nicht.
Wenn man ein Programm loeschen will, genuegt es in der Regel, den Programm-
ordner und ggf. das Preferences File aus dem Prefs-Folder im Systemordner
zu loeschen.
  -Speicherverwaltung: im Info-Fenster zu einer Datei kann man eingeben, wie
viel Speicher dem Programm zustehen soll. Probleme, dass eine Datei nicht
in den Editor passt? Ein bisschen mehr Speicher zugewiesen und schon geht's.
Eine 640k Grenze gibt es nicht. Programme wie QEMM sind also ueberfluessig.
Der gesamte Speicher, den man einsteckt, kann man also auch wirklich fuer
Programme und nicht nur fuer Overlays o.ae. nutzen. (Abgesehen von LC II,
den man Hardwaremaessig auf 12MB aufruesten kann, dessen Hardware jedoch nur
10MB erkennt und also unterstuetzt :(
  -Spass: der Macintosh hat wie kaum ein anderer Rechner sogenannte Easter
Eggs hervorgebracht. Das sind versteckte, meist witzige Features in Programmen,
in denen z.B. die Bilder von den Programmentwicklern dargestellt werden usw.
So nuechtern und "straight-forward" die Oberflaeche ist, so spassig sind 
manche Programmautoren "drauf". Beispiel: das "About"-Fenster des Viren-
Scanners Disinfectant besteht zunaechst aus einem Bild des Autors und etwas
Text. Mit einer dudligen :) Musik werden dann die Namen aller bekannten Mac-
viren in das Fenster gescrollt und "nach oben gefahren", bis eine Liste
entsteht, die schliesslich von einem Fuss plattgetreten wird. :-) Andererseits
ist es auch moeglich, mit einem Programm saemtlichen FINDER-Actionen Sounds
zuzuordnen. Beispiel: ein lautes Schmatzen beim Einlegen einer Diskette, ein
geschreites "neeeeeiiiiiiiiiiiinnnnnn" beim Auswerfen derselben usw. Wie
witzig und freakig der Mac wird, bestimmt der User selbst. 
  Dieses "Feature" mag auf den ersten Blick ueberfluessig wirken, aber nach
einiger Zeit moechte man diesen Spass nicht mehr missen. Das gehoert einfach
zum mac dazu, wie der "Happy-Mac" bei Booten, der gar nicht mehr so happy
guckt, wenn ein Hardwarefehler auftritt...
 

  Das sollte als erster Ueberblick eigentlich reichen. Es gibt so viele
Features, die den Mac einzigartig machen, dass man sie gar nicht alle
aufzaehlen kann. Daher: nimm Dir etwas Zeit und spiele einmal ein, zwei
Stuendchen mit einem Mac herum. Ich garantiere Dir, dass -wenn Dir der erste
Eindruck gefaellt- der Mac "Dein" Rechner ist.


>	- Tabellkalkulationen, die mir auch grafisch gute
>	  Ergebnisse liefern (z.B. EXCEL von Microsoft)

  Fuer den Mac gibt es eine Reihe von guten Spreadsheets, u.a. eben auch
EXCEL. Die neue Version von LOTUS 1-2-3 for the Macintosh ist auch nicht
zu verachten.


>	- Textverarbeitung (Profimaessig!)

  MS WORD for the Mac, WordPerfect, Nisus, was darf's sein? :)


>	- gelegentlich DTP (nicht immer, aber immer oefter),
>          sollte dann einigermassen komfortabel sein

  Der Macintosh ist ***DIE*** DTP-Plattform schlechthin. Wenn Du wirklich
tiefer in Desktop-Publishing einsteigen moechtest, ist der Mac zweifelsfrei
die beste Wahl.


>	- Datenbanken
>	- sonstige Anwendungen, die man eben so macht

  Alles zu haben, was es auch in anderen Rechnerwelten gibt. (Sogar Kommando-
zeilen Extensions! :)


>	- evtl. auch Programmieren (Hobbymaessig)

  Auch hier hat der Mac den entscheidenden Vorteil, dass er der wohl am
besten dokumentierte Rechner ueberhaupt ist. Die Buecher -"Inside Macintosh"-
werden von Addison Wesley verlegt, aber von APPLE selbst herausgegeben. 
Saemtliche wichtigen Funktionen, wie I/O, Graphikdarstellung ueber QuickDraw
usw. stellt Dir der Mac selbst zur Verfuegung. (Nicht umsonst sind die meisten
Programme auf dem Mac deutlich kleiner, als auf z.B. DOS). Features wie
automatischen Ditherung bzw. Anpassung an unterschiedliche Farbtiefen
von Monitoren, die das System Dir abnimmt, sind da nur die Spitze des 
Eisbergs. Uebrigens kannst Du problemlos mehrere Monitore gleichzeitig an
einen Mac anschliessen und alle benutzen. So kann man ein Fenster von einem
Monitor auf den anderen ziehen. Wenn beide unterschiedliche Farbtiefe bieten,
passt QuickDraw das Fenster automatisch an. Zieht man also ein 24-bit-Farbbild
genau auf die Mitte zwischen beiden Monitoren, so erscheint die eine Haelfte
mit "Millions of Colors", die andere Schwarz-Weiss!


>	- auf jeden Fall weiterhin als eigener Host am Netz teilnehmen;
>	  momentan erledigt das Waffle unter DOS fuer mich

  Kein problem.


>	- Spiele spielen :-)

  Ohhhh jaaa! :-) Der mac ist zwar nicht so sehr mit Spielen gesegnet, wie
beispielsweise der AMIGA oder -in zunehmendem Masse- der IBM PC. Dennoch
gibt es hervorragende Game-Ware, wie z.B. Lemmings (endlich!), SIERRA
Adventures, Flightsims usw. auch fuer den Macintosh.


>Die Mindesvorraussetzungen waeren fuer mich, dass der Mac ausreichenden
>RAM-Speicher sowie Harddisk-Speicher besitzt,

  Die Konfiguration kannst Du beim Kauf in gewissen Grenzen selbst bestimmen,
jedoch ist nachtraegliches Aufruesten oft billiger (RAM ueber Standart SIMMs,
HDs mittels SCSI-Laufwerken (ggf. Laufwerkshoehe beachten [z.B. bei LC]!)).


>einen Farbmonitor hat,

  Fuer jeden Macintosh gibt es eine Moeglichkeit, einen Farbmonitor anzu-
schliessen, entweder aufgrund von Standart-Hardware (z.B. LC II: 256 Farben
aus 24 bit bei 640x480 Punkten) oder aber als NuBus Karte (24Bit 21" kein
Problem - abgesehen vom Preis) oder schliesslich als SCSI-Monitor fuer
PowerBooks (die APPLE-Notebooks) und die "Campingfernseher"-Modelle. 


>problemlos zu bedienen und einfach anzuschliessen ist.

  Das ist beim Mac grundsaetzlich kein Problem: 
  - die Interfaces sind sinnvoll gekennzeichnet: Serielle Schnittstelle nicht
    als solche, sondern als MoDem-und Printerport (eine parallele Schnittstel-
    le hat der Mac nicht)
  - dieAufloesung des Monitors wird der Grafikhardware ueber eine Codierung im
    Monitorkabel mitgeteilt
  - saemtlich Eingabegeraete werden ueber den Apple Desktop Bus -kurz ADB- 
    angeschlossen: die Maus in die Tastatur, die Tastatur an den Rechner; nach 
    Belieben kann man auch noch Grafik-Tabletts, Trackball, Joystick usw. 
    einschleifen.
  - externe Laufwerke wie CD-ROM, Syquest-Wechselplatte, 128MB 3.5" Magneto-
    optische usw. werden ueber den SCSI-Port angedockt. Bis zu 7 Geraete sind
    insgesamt -incl. der internen- moeglich.
  - ein Mini-LAN ist ueber den eingebauten AppleTalk Port problemlos moeglich.
    fuer groessere Plaene gibt es Ethernet Karten.


>Tja und natuerlich, welche Konfiguration ihr mir empfiehlt,

  Im Prinzip laufen alle vernuenftig geschriebenen Programme auf jedem Macin-
tosh, es sei denn, sie verlangen nach einer bestimmten Farbtiefe, einem
Koprozessor oder aehnlichem. Jedoch gilt fuer das Gros der Programme, dass der
verwendete Rechner eigentlich nur noch ueber die Geschwindigkeit bestimmt!


>womit man unbedingt einsteigen muss

  Eigentlich tun es bereits die kleinsten Macs: LC II oder Classic II. Dabei
ist der LC II ein "echter" Desktop Rechner, der noch einen externen Monitor
benoetigt, waehrend der Classic eine "Henkelmann" mit eingebautem 1-Bit-
Monitor ist. Fuer meinen Geschmack ist der Henkelmann-9"-Monitor fuer
laengeres Arbeiten zu klein. Ich selbst habe an meinem LC II den APPLE 13"
RGB Monitor angeschlossen, der zwar recht teuer ist, aber dafuer ein fast
unschlagbar gutes Bild liefert. Ein VGA-Monitor kann aber auch verwendet 
werden. 
  Wie gesagt, kommt es bei der Wahl des Rechners darauf an, wieviel Speed
Du benoetigst. Daher ist es wirklich sinnvoll, in Frage kommende Modelle
zu vergleichen, waehrend des gleiche Programm auf den einzelnen Maschinen
laeuft.
  Was jeder Mac serienmaessig hat: zwei Serielle (Modem und Printer), SCSI
Anschluss, AppleTalk Netzwerkanschluss, APPLE Soundchip, Audio-Out, die
neueren Modelle haben Micro-Anschluss (Sampler bis 22kHz Abtastfrequenz),
Tastatur und Maus (ADB).
  Noch ein Tip: Du solltest schon darauf achten, dass der Mac Deiner Wahl
einen 68030 Prozessor hat, da dies inzwischen der APPLE-Standart ist. Zudem
bietet nur er eine eingebaute PMMU -also Memory Manager- der fuer virtuellen
Speicher -serienmaessig unterstuetzt- noetig ist.


>was evtl. nachgeruestet werden kann

  Alles! FPU (bei den Modellen, die den nicht serienmaessig bieten), High-
End-Graphik, RAM, Laufwerke aller Art, Monitore bis 21", ADB Devices wie
Grafiktablett etc, HardDiskRecording (fuer bestimmte Modelle ohne zusaetz-
liche Hardware!), Beschleunigerkarten (50MHz 68030 fuer LC II...) etc. etc.


>und was eurer Meinung nach Schnickschnack ist.

  Das was ein Mac serienmaessig mitbringt, ist eigentlich alles mehr oder
weniger sinnvoll. Was Du nachtraeglich einbaust, musst Du selbst abwaegen.


>PSS: Kennt jemand Fachhaendler, Vertriebe etc. pp. die fuer Studenten
>     Rabatte einraeumen?

  Abgesehen von Laufwerken und RAMs koennte sich ein Einkauf von Hardware
in den Staaten lohnen, insbesondere bei Software. Es gibt in den Staaten eine
Menge von guten Mail-Order-Haeusern, die auch wissen, wie man die Produkte
nach Europa schafft bzw. explizit diesen Service anbieten (MacConnection,
MacWarehouse, The Mac Zone usw...). Als "Daumenwert" kann man den 2 bis
2.5 fachen Dollarwert ansetzen. Wenn Du also ein Programmpaket in den Staaten
bestellst, was dort $100,- kostet, so wird es Dich, bis es bei Dir ist, etwa
200 bis 250 DM kosten. Ueberschreitet der "deutsche Preis" diesen Wert
erheblich, lohnt es sich in den USA zu bestellen. Aber vorsicht: inzwischen
schalten US-Mailorder-Haeuser schon Anzeigen in MacWelt und MacUp, aber zu
geradezu unverschaemten Preisen, gegen die selbst deutsche Versender schon
gut aussehen. Also wenn US-Firma, dann auch in den USA bestellen.

  Wenn Du noch Fragen hast, frage ruhig! Flames als Reaktion auf dumme
Fragen gibt es in der Mac-"Szene" kaum!

  MFG,
        Jochen.
-- 
Jochen Wolters       |          jochenw@POOL.informatik.rwth-aachen.de  
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It takes words to express that idea, or any idea."  ---  Michael Swain
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Subject: Re: Fragen an MAC benutzer
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Date: 12 Oct 92 11:28:23 GMT
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