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Article #626RB: Norditalien, Slowenien
From: Michael Oberseider
Date: Mon, 08 Dec 2003 16:59
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Hallo zusammen, Nach langer Abstinenz m�chte ich vom eisenbahnerischen Teil meiner Italien- und Slowenienreise berichten. Fahrzeugfreaks werden zu kurz kommen, daf�r handelt es sich eher um einen Erfahrungsbericht. Keine Strecke wurde auf der gesamten Fahrt im Selbstzweck befahren, also alle Zielorte wurden nicht aus eisenbahnerischen Intersse angesteuert. Da die Fahrt im Umfeld von �sterreich liegt, habe ich ein X-Post nach avb mit Fup2 debm gemacht. Abfahrt war am 31.10.2003 um 9:25 mit EC 63. Beim Fahrkartenkauf war es dabei �usserst schwierig, eine Fahrkarte ohne Angabe einer Verbindung zu bekommen, obwohl ich ausdr�cklich eine Fahrkarte mit EC Benutzung ohne Zugbindung verlangte. Offenbar ist die Fr�hbuchermentalit�t allen DB Mitarbeitern in langen Schulungen eingetrichtert worden. Bis Salzburg gab es keine besonderen Vorkommnisse. In Salzburg stieg ich in IC 690 um. Da ich die Strecke �fters gefahren bin, verbringe ich die meiste Zeit der Fahrt bis Villach, ohne die Umwelt der Strecke zu betrachten. Um den Pontebbanazuschlag zu vermeiden, verl�uft die Fahrt von Villach bis Carnia im Bus. Es handelte sich um einen der blauen italienischen �berlandbusse der SAF in Udine. Da der Busfahrer kein Wechselgeld hatte, musste ich noch schnell in einem Gesch�ft passendes Fahrgeld wechseln. Die Fahrt bis zur Grenze in Coccau erfolgte dabei auf der alten Bundesstrasse. Ausser mir sassen noch zwei �ltere deutschsprachige Kanaltaler im Bus. Immer wieder ist die Bahnstrecke zu sehen. In Tarvis passierten wir den alten Bahnhof, welcher jetzt vollkommen abger�umt ist. In Tarvis steigen zahlreiche Passagiere zu. Bei der Weiterfahrt benutzen wir die neue Pontebbana Staatsstrasse, welche ziemlich gut ausgebaut ist und zwischen Tarvis und Carnia keine Ortsdurchfahrt mehr besitzt. Deshalb verl�sst der Bus immer wieder die Staastsstrasse und f�hrt die D�rfer an. Hinter Pontebba benutzt der Bus �ber ein gr�sseres St�ck die alte Strasse, �ber die sich die ersten nordl�ndischen Italienurlauber Richtung S�den qu�lten. Bei Dogna kann man die Reste der alten Bahnlinie, die neue Bahnlinie, die alte Staatsstrass, die neue Staatsstrasse und die Autobahn gleichzeitig sehen. Aufgrund der d�nnen Besiedlung des Kanaltales ist das Fahrgastaufkommen eher gering, der Bus ist halb gef�llt. Zwischedurch versucht der Busfahrer mich zu �berreden, anstatt mit dem Zug mit dem Bus bis Udine zu fahren. Ich beschliesse jedoch wieder ab Carnia den Zug zu benutzen, zumal ich in Udine nochmals umsteigen muss und keine Ahnung habe, wo der Busbahnhof in Udine ist. In Carnia geht es wieder per Bahn weiter. Der Bahnhof von Carnia ist dabei ein h�sslicher Betonneubau, Bilder vom alten Bahnhof Carnia werden um ca. 40 EUR gehandelt. Da die Fahkartenschalter in Carnia geschlossen waren, musste ich mir mein Billett am Automaten kaufen. Dabei hatte ich Gl�ck, denn Friuli Venezia Giulia ist eine der wenigen Regionen, die gut mit Automaten versorgt ist. Erw�hnen m�chte ich noch, dass die �usserst krummen Fahrkartenpreise in Italien bei Kauf am Automaten auf die n�chsten 5 ct abgerundet werden. Die gesamte Fahrt von Villach bis Gorizia kostet so 11,50 EUR, also weniger als alleine der Pontebbanazuschlag. Jedoch findet man den in Italien v�llig gerechtfertigt, da ein durchgehender Internationaler Zug eine Mehrleistung ist. Vielleicht daher auch dieser Brennerzuschlag. Mit geringer Versp�tung verlief die Fahrt bis Udine � Irgendwann hatte ich auf dieser Reise aufgeh�rt, kleine Versp�tungen zur Kenntnis zu nehmen. Auch die Weiterfahrt bis Gorizia verlief problemlos. Mittlerweile heisst der Bahnhof Gorizia nur noch Gorizia und nicht mehr Gorizia Centrale. Z�ge nach Slowenien gibt es nicht mehr. Am 1.11.2003 verlief die Fahrt nach Padova mit IR 2453 und mit IC 616 ohne Probleme. Bei der R�ckfahrt am 3.11. machte ich einen schwerwiegenden Fehler. Ich w�hlte IC 702 f�r die R�ckfahrt. Es war ung�nstig, weil dies ein Zug mit besonders langem Laufweg (aus Rom). Solche Z�ge sind sehr anf�llig f�r Versp�tungen. Mit +15 schien ich zun�chst noch Gl�ck gehabt zu haben. Trotz 15 min Aufenthalt in Mestre wurden +30 daraus, die bis Udine nicht mehr aufgeholt wurden. Der Anschluss nach Gorizia war also weg. Anschlusssicherung gibt es in Italien �berhaupt nicht, wer eine Verbindung mit zu knappen Anschl�ssen w�hlt ist selbst schuld. Ein sicherer Anschluss betr�gt mindestens 30 Minuten. So wurde ich bei Kauf der Fahrkarte am Automaten darauf hingewiesen, dass meine Verbindung eine knappe Umsteigzeit (11 min) hat. Also in ein Cafe setzen und auf den n�chsten Zug warten. Dieser hatte noch eine Gleis�nderung erfahren, so dass pl�tzlich die gesamte Menschenmasse auf dem Bahnsteig sich in Bewegung setzte und durch die Unterf�hrung auf den Nachbarbahnsteig bewegte. 4.11.: An diesem Tag stand die Fahrt nach Cividale und Palmanova an. Durchgehende Fahrscheine zur Privatbahn gibt es in Italien nicht. Also muss ich aufgrund der knappen Umsteigzeit in Udine den Fahrschein im Zug l�sen, was 2 EUR Aufpreis kostes (bei 1,80 EUR Grundpreis). Die FUC benutzt dabei die Bahnhofsanlage der Trenitalia mit, was in Deutschland im ex-KPEV oder W�rttembergischen Bereich un�blich ist. Am Endbahnhof sind die Fahrzeuge der Privatbahn abgestellt. Der Endbahnhof besitzt auch einen Fahrkartenschalter. Die Fahrkarten der FUC sind Pappkarten und sehen �hnlich wie Bustickets in Italien aus. Cividale ist allein schon wegen der Altstadt ein lohnendes Reiseziel, immerhin ist es die alte Hauptstadt von Friaul. Am Nachmittag fuhr ich nach Palmanova. Die eingleisige Strecke ist elektrifiziert. In Palmanova verzweigen sich die Strecken nach Cervignano und San Giorgio. Cervignano lag bis 1919 in �sterreich, deshalb ist das dichte Streckennetz zu erkl�ren. Der Bahnhof von Palmanova liegt deutlich ausserhalb der bis heute nicht �ber die Mauern hinausgewachsenen alten Festungsstadt mit sechseckigem Marktplatz. Bei der R�ckfahrt erlebte ich, dass der EC CARLO GOLDONI aus Wien mit 330 (!) Minuten Versp�tung angesagt wurde. 6.11: An diesem Tag fuhr ich nach Verona. Da in Italien h�herwertige Z�ge zuschlagpflichtig sind und Zuschl�ge entfernungsabh�ngig, muss man beim Fahrkartenkauf immer die Verbindung kennen. Also enstscheide ich mich f�r IC 704/705 MIRAMARE. Aufgefallen ist mir dabei, das die Trenitalia heutzutage die Fahrscheine gebrochen ausgibt, ein Ticket f�r den IC-Abschnitt und ein anderes f�r den Abschnitt ohne zusachlagpflichtige Z�ge, ohne dass dabei die Degression verloren geht. Ich h�tte auch noch den EN 237/238 SAN MARCO erreicht. Der Wechsel der Zugnummer dieses Zuges auf der Strecke ist dadurch erkl�rt, dass in Italien Z�ge Richtung Norden und Osten immer ungerade Nummern haben, in Gegenrichtung gerade. Wenn ein Zug die Fahrtrichtung wechselt, �ndert er im Laufweg die Nummer. In Portuguaro war dabei der SAN MARCO aus mir nicht erkl�rbaren Gr�nden abgestellt, Ankunftsversp�tung in Mestre + 40. Auch die Weiterfahrt des MIRAMARE Richtung Rom und Neapel verz�gerte sich um 40 Minuten, obwohl beide Zugh�lften rechtzeitig in Mestre bereitstanden. Am n�chsten Tag fuhr ich nach Mantova. Auch diese eingleisige Strecke ist elektrifiziert. Ich habe den Eindruck, dass sehr viele Strecken in Italien elektrifiziert sind. Dank einer Versp�tung von 50 Minuten erreiche ich am 9.11. bei der Fahrt nach Vicenza noch den IR um 15:22. Am 10.11. fuhr ich von Vicenza nach Gorizia. Da ich rechtzeitig am Bahnhof war, w�hlte ich die Strecke �ber Castelfranco und spare mir so s�mtliche Zuschl�ge. Die Strecke ist zweigleisig. In Treviso ging es weiter mit dem IR 2462/3 nach Gorizia. Dabei hatte ich den Eindruck gewonnen, als wenn man in der Relation Treviso - Trieste eine Durchfahrt durch den Bahnhof von Udine in beiden Fahrtrichtungen m�glich ist. Am 12.11. schliesslich ging es von Nova Gorica nach Maribor. Zun�chst fuhr ich mit Nahverkehrsz�gen bis Divaca. Der Zug bis Sezana war dabei so voll mit Sch�lern, dass die Fahrt im Gang stattfinden musste. Die Strecke ist dabei zweigleisig trassiert, ein Tunnel in Nova Gorica ist zweir�hrig, die zweite R�hre ist jetzt Radweg. In Sezana endet die Wocheinerbahn mit km 131. Dort muss von einem Diesel- in einen Elektrotriebwagen umgestiegen werden. Mit diesem ging es �ber die Hauptbahn, beginnend mit km 678, Tendenz fallend. Nach zwei Stationen, in Divaca stieg ich in den IC um. Trotz des grossen �BB Streiks, zeigt das Zuglaufschild Graz. Unagenehm empfand ich vor allem die Radiobedudelung im IC, welche �ber die Lautsprecheranlage verbreitet wurde. Bis Zidani Most fiel die Kilometrierung auf 502 ab, dort begann sie mit 502 wieder von Neuem, Tendenz steigend. Ungew�hnlich fand ich die h�ufigen Halte des IC, wie unter anderem in Lasko (dort steht eine der bedeutendsten Brauereien in Slowenien) und Poljcane. In Pragersko wurden zwei Wagen f�r Murska Subota abgeh�ngt. Maribor wird p�nktlich erreicht, im �brigen habe ich in es zu sch�tzen gelernt, in Slowenien den Aufenthaltsort des Zuges mit der Uhr bestimmen zu k�nnen. Am 16.11. fand die R�ckfahrt von Maribor nach M�nchen statt. Zuerst mit dem ICS 19 nach Ljubljana. Von dort mit einem Elektrotriebwagen (Desiro) bis Jesenice. Dort ist km 630 erreicht, es stellt sich nur die Frage: wohin sind es 630 km von dort? Ohne �sterreichische Grenzkontrolle steige ich in den Cityshuttle nach Villach um. Auch im Zug gab es keine Grenzkontrolle. So einfach ist also die Einreise in die EU. Die Weiterfahrt ab Villach erfolgte mit IC 797 UNSER SOZIALES �STERREICH. Richtig aufgefallen ist mir, dass keine Soldaten unterwegs waren. Ist das eine Folge des Streiks oder f�hrt �sterreichs Milit�r nicht Bahn. Salzburg wurde mit +5 erreicht, angesichts italienischer Verh�ltnisse eine eher harmlose Versp�tung. Die letzte Etappe bis M�nchen erfolgte mit EN 228 ORIENT EXPRESS. Dieser Zug bestand �berwiegend aus franz�sischem Wagenmaterial. Zwischen M�nchen Ost und M�nchen Pasing wurde dabei der Hauptbahnhof umfahren und es wurden Streckenabschnitte benutzt, welche im Tagverkehr nicht befahren werden, abgesehen von der S20 vielleicht. Pasing wurde mit gut zehn Minuten Versp�tung erreicht, so genau weiss ich das nicht mehr, schliesslich war ich ja mit der Trenitalia unterwegs. Fazit: Bahnfahren in Italien, kann ganz angenehm sein, zumindest wenn man sich an einige Unterschiede gew�hnt. Zum Beispiel darf man sich nie auf einen Anschluss verlassen, was allerdings auch nicht so schwer f�llt, da es in Italien keine minutengenau abgestimmten Anschl�sse gibt. Auch von einem Taktfahrplan ist man in Italien zum Teil weit entfernt, oft sind die Fahrpl�ne sehr bedarfsabh�ngig gestaltet. Irgendwie scheint es mir, als wenn bestimmte Hauptstrecken und Knotenpunkte st�ndig �berlastet sind, was die Quelle zahlreicher Versp�tungen ist. Aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass Versp�tungen viel gelassener hingenommen werden und nicht schon bei einer 10 Minutenversp�tung gleich eine grosse Hektik ausbricht. Auch das Zuschlagwesen ist in Italien akzeptierter, auch wenn es extrem kompliziert ist. Es soll einerseits die Kurzstreckenfahrer aus hochwertigen Z�gen fernhalten, andererseits sind Qualit�tsunterschiede zwischen Zuggattungen viel deutlicher als in anderen L�ndern. Ich pers�nlich hatte auch den Eindruck gewonnen, dass die Italiener lange Strecken ungern mit dem Auto fahren, wof�r auch die relativ hohen Benzinpreise und Autobahngeb�hren verantwortlich sind. Gruss, Michael
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