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Article #328

BND: Ulfkottes Wunderwelten

#328
From: Electronic mail press
Date: Fri, 01 Aug 1997 00:00
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/emp 01.08.1997 - "Verschluss-Sache BND" heisst ein Buch von Udo
Ulfkotte. FAZ-Lesern ist er bekannt fuer phantastische Geschichten
aus aller Welt. Auf Antrag der FAZ wurde sein Schreibstil gerichtlich
ueberprueft, um herauszufinden, ob man wegen Ulfkotte die FAZ in die
Naehe der journalistischen Prostitution ruecken darf.

Die Pruefung ergab: man darf.

Da ging es um Aussenpolitik, um die Rolle von Shell in Nigeria.

Einen anderen Versuch, Maechtigen in die Seele zu kriechen,
nahm Ulfkotte beim neuen Chef des BND, Hansjoerg Geiger, vor.
Das Portrait war nicht schlecht gemacht. Schreiben kann Ulfkotte
und zumindest seine kuerzeren Texte sind nicht so zaeh wie das Buch.

Doch er scheint jeden Text, den er produziert, so zu verfassen,
dass er als "Eintrittskarte" fuer sonstwas dienen kann.
Ulfkotte setzt die Tradition des "Hofberichterstatters" fort
und hofiert irgendwie jedem, der ihm interessant erscheint und
der ihm etwas einbringt.

Das Portrait von Geiger brachte ihm das Wohlwollen des "Dienstes"
ein. Und so durfte Ulfkotte laut einer BND-Mitteilung zwar nicht
"stapelweise" Material einsehen, aber immerhin "begrenzte Mengen".

Letzteres berichtete Ulf C. Goettges in seiner Rezension des
Buches unter "http://www.BerlinOnline.de/archiv/
berliner_zeitung/?dump=319466&TEXT1=FAZ&TEXT2=&TEXT3=&TEXT4=".

"Nicht der BND ist das Problem, sondern unser verkrampfter Umgang
damit" schliesst Goettges seine Rezension.

Das mag allgemein zutreffen, nur sehen etliche Hacker solche
"Dienste" eher locker: als beamtete Wettbewerber im Ringen um
Erkenntnis. Im Unterschied leisten Hacker der Gesellschaft
jedoch oeffentliche Dienste und keine geheimen.

Das Urteil von Goettges, der BND sei "ein Geheimdienst wie jeder
andere, nicht besser, aber eben auch beileibe nicht schlechter"
greift etwas zu kurz. Denn es gibt schon Unterschiede zwischen
Mossad, BND, CIA, Stasi usw.
So ist zB der BND weniger gewalttaetig als US-Dienste. Auch der
Umgang mit den Maschen der Gesetze ist "deutscher" und deshalb
kann Ulfkottes Behauptung, der BND wuerde Telefonate auf
Richtfunkstrecken abhoeren, Konsequenzen haben. Denn das ist
"Inland" und verboten und der Herr Geiger muss den Sachverhalt
ausgiebig bebrueten; Schweigen hilft da eher nicht.

Die Beziehung Ulfkottes zur Prostitution ist interessant,
denn er stellt als Tatsache dar - ohne Beweise zu liefern -
Glenn Miller waere bei einem Bordellbesuch an Herzinfarkt
gestorben. Weil diese Behauptung in den USA fuer Aufregung
sorgte und sein Buch bekannt machte, wurde er dazu befragt.
Als Beleg nannte er, dies sei ihm im Gespraech mit BND-
Spezialisten am Rande genannt worden und das habe er
mitgeschrieben. Weiter meinte er sinngemaess, er habe nicht
geahnt, dass heisse Luft Wirbel macht.

Physikalische Gesetze sind nicht sein Metier und das zeigt sich
auch bei seiner Darstellung technischer Details, Funknetze und
Abhoeren betreffend. Ich habe das Machwerk nur im Buchladen diagonal
durchgefraest. Eine detailliertere Rezension ist fuer die naechste
Datenschleuder des CCC geplant, denn manches teuflische Detail
koennte schon interessant sein - wenn es ueberprueft wurde.
Und was falsch ist, kann immer noch als Anregung dienen.

Insgesamt ist "Verschluss-Sache BND" fuer die Katz, so Ulfkottes Wid-
mung vorn im Buch. Natuerlich handelt es sich nicht um eine vulgaere
Hauskatze, sondern um eine Rassekatze. Soviel hoefischer Stil muss
sein bei 48 DM fuer einen Reisser, der keiner ist.

Alleruntertaenigst,
Wau Holland fuer eMailPress, die agentur gegen den strich...

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From: EMP@NADESHDA.gun.de (Electronic mail press)
Subject: BND: Ulfkottes Wunderwelten
Date: 1997/08/01
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