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Article #359

Re: Beitrag zum Anarchiekongress

#359
From: eMail Press * Wau Holland
Date: Sat, 10 Sep 1994 22:20
147 lines
8195 bytes
BretKwot von Wau bei /emp - der agentur gegen den strich:
zu groben Schnitzeln im:

> Beitrag der Infogruppe Hamburg zum Reader des Anarchiekongresses
> in Hamburg
[...]
> Grundsaetzlich ist es ueber  Computernetze  moeglich,  fuer  alle
> lesbare oeffentliche Nachrichten, nur fuer den Empfaenger lesbare
> (verschluesselte) Privatbriefe oder an eine bestimmte Gruppe  von
> Leuten  adressierte (verschluesselte) Rundschreiben zu verschick�
> en. Neben etwas Kenntnis sind dazu nur ein  einfachster  Computer
> und  ein  Telefonanschluss  noetig.  Das  Ganze ist normalerweise
> nicht teuer, naemlich viel billiger als ein Brief oder  ein  Fax,
> und erreicht auch Laender des Trikont innerhalb weniger Tage.

Das ist so in mehrfacher Hinsicht nicht richtig.

Die �bergro�e Mehrheit von Menschen (mehr als 2/3) haben nicht mal
ein Telefon, von Computer ganz zu schweigen. Die Welt wird gepr�gt
nicht zuletzt von den Nachrichtenagenturen im Norden und umgekehrt
von den informationellen Habenichtsen. So ist die Information �ber
das Auftreten der deutschen _Regierungsrassistin_ _H�hn_ in Kairo zZ
in mindestens einem afrikanischen Land dort nicht einmal bei den
f�hrenden Leuten der Schulinspektion bekannt. Die Infoweitergabe
erfolgte "zuf�llig" durch privates Telefonat, weil von hier aus
gefragt wurde, was sie denn davon halten, da� sie da unten aus
regierungsdeutscher Sicht als "durchschnittlich d�mmer" bezeichnet
werden. Das ist nur ein winziges Beispiel f�r die wirkliche Lage.

Mehr zum Problem der "informationellen Habenichtse" in der Rede von
Bob Jungk auf ISWI Sommer 1993; /emp bem�ht sich darum, die Rede
ins Netz einzusenden.

Die absolut formulierte Aussage "nur f�r den Empf�nger lesbare"
vertraut in falscher Weise auf Verschl�sselung.

> Verschluesselung
>
> Im Gegensatz zu analogen Telefongespraechen kann Informationsaus�
> tausch ueber Computernetze verschluesselt werden.  Damit  koennen
> wir  uns effektiv gegen Abhoeren und Mitschneiden sichern. Solche
           ^^^^^^^^Quatsch!
> Massnahmen unsererseits sollten  sich  allerdings  nicht  an  den
> Kilojahren,  die zu ihrer Entschluesselung gebraucht werden, aus�
> richten, sondern es sollte Wert auf ein Gesamtkonzept gelegt wer�
> den,  das  dem  jeweiligen  Level an Paranoia Rechnung traegt und
> Punkte wie Zugaenglichkeit des Rechners zuhause oder  seiner  Ab�
> strahlungen* beruecksichtigt.

Schon die Orientierung einer Organisation am Paranoia-Level ist
daneben! Nicht: "ziemlich daneben", sondern daneben.
Und "Kilojahre" ist nix als eine Behauptung...
Weiter trifft es zu, da� durch die seit rund acht Jahren
diskutierten Gefahren von ISDN heute Dechiffrieren relativ
unwichtig ist.

In den 60er Jahren gen�gte es bei der alten Vermittlungstechnik
von "ein paar" bekannten K�pfen alle _gehenden_ Telefonate mit
Zeit, Zielnummer, Dauer mitzuspeichern und aus den so gewonnenen
Vernetzungsinformationen ohne einen einzigen Inhalt die
informationelle Hierarchie zu erstellen. Durch eine solche Liste
ist dem �berwachungspersonal die Gruppenhydraulik besser bekannt
als der Gruppe selbst.

IMHO hat das zumindest bei "Anarchisten" als Ursache, da� sie ihre
Gruppenstruktur aufgrund einer ideologisch begr�ndeten
Selbstverleugnung (wie sind doch alle gegen Herrschaft)
nicht wahrnehmen k�nnen ("Anarchisten sind sehr oft Leute, die
ihr Problem, das sie mit ihrer eigenen autorit�ren Art haben,
zu sehr verallgemeinern").

Mit der DIV-Technik, den digitalen Vermittlungsstellen, ist heute
"�berwachung auf Knopfdruck" auch dort m�glich, wo kein ISDN-
Anschlu� ist. Bei jede DIVl werden sowohl gehende als auch kommende
Verbindungs-Daten �ber Anrufe gespeichert. Eine Verwertung der
Daten, um etwa per Programm ein �bersichtliches Struktogramm
zu erstellen, ist technisch gar kein Problem.

> Ist PGP 'geknackt' worden?
>
> In  dieser  Kette  ist PGP** fast immer das staerkste Glied, auch
> wenn es so scheint, als sei es in absehbarer  Zeit  (6  Jahre  ?)
> moeglich, Schluessel der kleinsten einstellbaren Laenge aufzuloe�
> sen. Schluessel der Laenge 1024 und groesser, wie  sie  normaler�
> weise benutzt werden, schliessen dieses Risiko aus.

Falsch. In dieser Kette ist verantwortlicher _sozialer_ Umgang mit
Fragen, was Informationsweitergabe hei�t und bewirkt, das
st�rkste Glied.
Wer auf Technik wie PGP vertraut, wird auf die Schnauze fliegen.
Das ist aber nur der soziale Aspekt.
Der wissenschaftliche besagt, da� die Sicherheit von PGP nicht
beweisbar ist. Weiter ist nicht beweisbar, f�r wielange die jetzige
Version mit derzeit verf�gbarer Rechentechnik "nicht knackbar" ist.

Ich habe auf dem letzten CCCongress zwar Kryptographie f�r die
Massen empfohlen, aber keine unkritische Jubelberichterstattung.

Abgesehen davon kenne ich einige fitte Mathematiker...
Von denen h�re ich Dinge �ber PGP... Bei Gelegenheit mehr dazu.

Ist wenigstens einer der Autoren obigen Quatsches in der Lage,
englischsprachige PGP-Bretter zu lesen und zu verstehen?
Mich w�rde das verwundern, sonst k�me solcher K�se nicht auf
deutsch heraus.
[...]

PGP:
> **)  Ein  Verschluesselungsprogramm,  das auf freiem Code basiert
> und im Gegensatz zu anderen ohne staatliche oder  sonst  zentrale
> Einmischung in die Schluesselverteilung auskommt

"Frei" ist relativ. Z. B. in Frankreich ist Verschl�sselung verboten.
Die Frage der Nicht-"Einmischung in die Schl�sselverwaltung" ist
zwar prinzipiell richtig, jedoch unterstelle ich den Autoren, sich
nur mit der juristischen derzeitigen Lage besch�ftigt zu haben.
Wer mal �ber Krypto-Lobbyarbeit nachdenken will: gerne!
PM hierher, aber nur unverschl�sselt...

In einem anderen Diskussionsstrang wurde sch�n herausgearbeitet,
da� PGP bnutzt wird, um einerseits der eigenen Person "Bedeutung"
zu verleihen durch Verschl�sselung der PM und andererseits den
verbreiteten Bits "Gewicht" durch die digitale Unterschrift.
Oder, noch anders: Man k�nnte auch einen Liebesbrief, der einem
sehr am Herzen liegt, als Wertbrief mit 42 Millionen DM als
"Wertangabe" verschicken. Das ist gewiss gut f�r die subjektive
Befindlichkeit. �hnlich bei PGP, nur "kostet" PGP nix.
Liebesbriefe sind einem in aller Regel auch nach zehn Jahren nicht
peinlich.
Wer heute rechtswidrig agiert und sich in falscher Sicherheit
wiegt, die "nur" zehn Jahre w�hrt, k�nnte sich Probleme in eben
zehn Jahren schaffen.
Mein Motto ist

_"egal, was jemand anstellt, es kommt alles raus. Irgendwann..."_

Wer durch pseudowissenschaftliche Publikationen Menschen in
falscher Sicherheit wiegt, betreibt gef�hrliche Politik.
Ich widerspreche.
Und zwar nicht IMHO, sondern absolut.

Wau - f�r /emp - die agentur gegen den strich
------------------------------------------------------------------
_Entschulding: Meine Deutsch ist scheissbar. Bitte Flammt mir nicht!_
Zur Verwendung als .sig vom englischsprachigen Autor genehmigt mit
dem Zitat:        _Ich bin stoltz, so beruhmt im Deutschland zu sein_
## CrossPoint v3.02 ##
Technical Details
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References: <34ht83$f97@krabat.ccc.de>

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From: EMP@BIONIC.zer.de (eMail Press * Wau Holland)
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Subject: Re: Beitrag zum Anarchiekongress
Date: Sun, 11 Sep 1994 00:20:00 +0200
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