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Article #172Re: Wann braucht man eine eigene Domain?
From: Heiko Schlichting
Date: Mon, 23 Nov 1992 04:49
Date: Mon, 23 Nov 1992 04:49
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kosta@blues.kk.sub.org (Kosta Kostis) writes:
>
>Wenn ich im SubNet eine Domain aufmachen will z. B. "xxx.sub.org",
>dann schicke ich dem Matthias eine Mail und der richtet mir diese
>ein, wenn technisch nichts dagegenspricht. Gebhren lasse ich mal
>auen vor... Einfacher geht's nicht mehr. ;-)
Wobei "xxx.sub.org" eine Third-Level-Domain ist und "xxx.de" eben
eine Second-Level-Domain. Eine Unterdomain in einer bestehenden
IN-Domain auf Third-Level-Ebene ist auch ohne Probleme zu bekommen,
z.B. blues.rhein-main.de. Eine Domain "blues.org" bekommst Du aber
auch nicht einfacher als "blues.de".
Das hat auch alles seinen Sinn. Wenn naemlich alle auf Second-Level
Ebene eine Domain fuer x (x<10) Rechner haben wollen, dann koennen wir
auch gleich beim flachen Namensraum bleiben und Maps benutzen.
>Wenn ich im IN eine Domain aufmachen will, mu ich sie "vorstellen"
>und bekomme dann erzhlt, ich solle mich doch vorhandenen Domains
>anschlieen. ;-) Besonders ungern gesehen scheinen "kleine" Domains.
Im IN ist das richtig. Das IN hat naemlich schon bei der Gruendung
beschlossen, dass regionale Domain eingefuehrt werden sollen. Das
wurde nie ganz streng gehandhabt, aber die Idee ist immer die gleiche
geblieben. Ausserdem gab es noch einen ganz entscheidenden Punkt:
wenn es in einer Region nur eine Domain gibt, machen sich IN-Domains
gegenseitig keine Konkurrenz. Das hat bis heute auch relativ gut
funktioniert.
Es ist auch aufwendiger fuer das IN, wenn das Praesidium aus extrem
vielen Leuten besteht, die informiert werden muessen, damit im IN
eine Entscheidung gefaellt werden kann. Niemand wird daran gehindert,
an der Entscheidungsfindung seinen Beitrag zu leisten, aber wenn die
Domains sehr klein sind (wie bei .sub.org), dann muessen im Extremfall
alle Rechnerbetreiber gefragt werden. Das ist nicht der Sinn des INs,
welches sich als Dachverband der einzelnen (Regional-)Domains versteht.
>Ich kann das ja teilweise verstehen, weil im IN einiges mehr verbunden
>ist mit einer Domain als die pure Routing-Information und ein
>Abrechnungskonto, richtig?
Da gibt es noch mehr Punkte:
- jede IN-Domain wird (frueher oder spaeter) versuchen, ueber die
lokale Universitaet geroutet zu werden. Wenn es eine IN-Domain
fuer die Region gibt, sind die Probleme deutlich geringer, als
wenn da 10 Kleckerdomains ankommen. Das ist eines der Haupt-
argumente fuer "grosse" Regionaldomains und das hat bisher auch
ganz gut funktioniert. Anderenfalls hat der erste Glueck und
alle nachfolgenden sehen in die Roehre, weil keine Uni sowas
mitmachen wird. Sowas ist ganz klar nicht im Sinne des IN.
- Konkurrenzdruck. Es ist zu erwarten, dass der Konkurrenzdruck
steigt, wenn es mehrere Domains an einem Ort gibt. Da mag nicht
ueberall so sein, aber wenn es zu Problemen kommt, ist es zu
spaet, etwas rueckgaengig zu machen
- Abrechnung: wird nur unwesentlich komplizierter, aber es wird
deutlich aufwendiger, die Verantwortlichen anzumahnen, weil das
Geld oder die Sitemeldung nicht rechtzeitig eingegangen ist.
- Die DNS-Eintraege werden mehr. Das kostet Plattenplatz, Speicher-
kapazitaet, Netzbelastung und Arbeitskraft. Fuer den einzelnen
Rechner ist das nicht sehr viel, aber ueber alle Nameserver/
-anfragen gemittelt ist das gewaltig viel. Die Zahl der
noetigen Aenderungen im DNS steigt mit der Anzahl der Domains
gewaltig an. Sowas ist nicht mehr zu unterschaetzen, denn
bei uns zeigen die MX-Records auf verschiedene Rechner und nicht
wie bei .sub.org (fast) alle auf UKa.
- das IN-Praesidium wird groesser und eine Entscheidungsfindung
wird erschwert.
- die Anzahl der Sachkundigen in einer Domain ist meist nicht
sehr gross. Das Verhaeltnis ist besser, wenn es weniger Domains
gibt. Die Aufgaben eines Domainverwalters einer IN-Domain
unterscheidet sich erheblich von den Aufgaben eines Inhabers
einer .sub.org-Unterdomain. Der .sub.org-Unterdomain entspricht
wirklich die Third-Level-Domain beim IN - da nimmt naemlich der
Domainverwalter die Arbeit ab, die Matthias Urlichs den
.sub.org-Teilnehmern abnimmt. Eine IN-Domain entspricht in
etwa ".sub.org" - das IN ist eine Ueberstruktur/Zusammenschluss,
den es in dieser Form bei .sub.org m.W. nicht gibt. [Natuerlich
weiss ich, dass .sub.org einer *sehr grossen* IN-Domain entsprechen
wuerde und das .sub.org keine Regionaldomain ist.]
>Ist das nicht nderbar?
Man kann alles aendern. --> Mitgliederversammlung des IN. Wenn Du
selbst nicht kommst, so wird das sicher jemand anderes zur Sprache
bringen, sofern viele Leute Deiner Meinung sind. Und wenn nicht viele
Leute Deiner Meinung sind, so wuerde es vermutlich ja auch nicht
angenommen werden.
>Problem 1:
> IN-Domains sind stimmberechtigt. Die Anzahl der Stimmen ist
> abhngig von der Anzahl der Mitglieder. Zuviele stimmberechtigte
> Domains erschweren die Entscheidungsfindung.
>
>Lsung 1:
> IN-Domain knnten erst ab einer Mindeststimmenanzahl
> stimmberechtigt sein, sich aber für Abstimmungen mit
> anderen Domains zusammenschliessen. Ggf. auch für die
> Abrechnung.
Sowas gab es im IN schon mal und hiess damals "Mitverwaltete Domain" (im
Gegensatz zur "Selbstverwalteten Domain"). Wurde auf der Gruendungs-
versammlung zum Verein gestrichen, da es nicht mehr gewuenscht wurde.
Daraufhin sind auch alle Verweise auf "mitverwaltete Domains" aus dem
IN-Info verschwunden.
>Problem 2:
> IN-Abrechnungen geschehen Domain-weise. Viele kleine Domains
> erhhen den Abrechnungs-Aufwand.
>
>Lsung 2:
> Irgendwo muß sich eine kleine Domain ans Usenet anschließen.
> Die Domain, die den Feed bietet, *knnte* auch die Abrechnung
> bernehmen. Ob ich z. B. an den Christian oder den Winfried
> oder den Thomas meinen Beitrag für "swb", "RoBIN" oder
> "rhein-main" oder aber für "xxx" entrichte, sollte doch
> egal sein.
Wobei Du davon ausgehst, dass eine IN-Domain sich bei einer anderen
IN-Domain anschliesst. Dieses ist die Ausnahme - normalerwiese
schliesst sich eine IN-Domain bei einer Universitaet oder anderen
Einrichtung mit WiN-Anschluss an. Das wird zumindestens 1993 der
Normalfall sein.
>Problem 3:
> Viele kleine Domains erhhen den Routingaufwand.
>
>Lsung 3:
> Der Routingaufwand wird in Kauf genommen. ;-)
Das ist aber kein Routingaufwand innerhalb des INs, sondern erfordert
Eintragungen beim DE-NIC, EUnet (ggf. DFN) und bei der versorgenden
Organisation mit WiN-Anschluss . Das ist einfach nicht sinnvoll.
Zumal dann eben auch noch jede Kleckerdomain ein Class-C-Netz haben
will usw.
Das mag ja persoenlich ganz nett sein, wenn man seine "eigene" DE-Domain
und sein eigenes Class-C-Netz hat, aber fuer das IN ist sowas eben
eher schaedlich als nuetzlich. Deshalb wurde im IN immer entschieden,
solchen Wuenschen nicht nachzugeben. Wir werden sehen, was im Dezember
dazu gesagt wird...
>> Es mag einigen Leuten vielleicht Spass machen, irgendwelche Phantasie-
>> namen in einer Domain zu nehmen. Ergonomisch ist das aber Bloedsinn.
>
>Ergonomie? Ist meiner Meinung nach nicht so extrem wichtig.
Mag sein, aber es geht nicht nur um die persoenliche Meinung, sondern
auch um das gesamte IN. Wenn wir dem DE-NIC sagen, dass wir fuer
jede Privatperson eine DE-Domain haben wollen: --> vergiss es.
Es kann auch nicht jeder seine eigene .ORG-Domain oder seine eigene
Toplevel-Domain bekommen.
>Ich wrde gerne eine Domain "blues.de" aufmachen, weil ich nun mal
>Blues Musik mache, die Band in der ich spiele "The Blues Family" heit
>und drei von fnf der Bandmitglieder bereits in meiner SubNet-Domain
>"kk.sub.org" sind. Ist das so unverstndlich?
Fuer mich ist das unverstaendlich. Wie waere es mit einer eigenen
Toplevel-Domain ".BLUES" auf der Ebene wie ".DE"? Diese Domains sind
auch kostenlos, aber Du musst das SRI-NIC ueberzeugen - genau wie Du
das IN (bzw. DE-NIC) von blues.DE ueberzeugen muesst.
So schoen es Dir selbst auch gefallen mag: hier muessen einfach die
Interessen aller ueber Deinem eigenen Interesse stehen - ob ich Dein
persoenliches Interesse nun verstehen kann oder nicht.
Wenn das DE-NIC solchen Bitten nachgeben wuerde, wuerde es Aerger mit
dem SRI-NIC, den anderen Verwaltern von Topleveldomains und der
deutschen Internet-Gemeinde bekommen. Wenn Du mir nicht glaubst, kannst
Du gern Ruediger Volk (rv@deins.informatik.uni-dortmund.de) fragen.
Heiko
PS: wenn Du weiterhin auf Antworten von mir wert legst: verwende keine
Umlaute.
--
Heiko Schlichting | Freie Universitaet Berlin
heiko@groucho.chemie.fu-berlin.de | Institut fuer Kristallographie
Technical Details
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