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2 total messages Started by Werner Zipperer Thu, 17 Oct 1996 00:00
1931 ist nicht 1996?
#457
Author: Werner Zipperer
Date: Thu, 17 Oct 1996 00:00
42 lines
3145 bytes
Hallo,
zur aktuellen Spardiskussion ein sch�nes Zitat, das zeigt wie sich die  
Zeiten �hneln und vor allem die Argumente der Unternehmer. Eine an den  
Reichskanzler Br�ning (1930-32) gerichtete Stellungnahme des  
'Reichsverbandes der deutschen Industrie' vom 4. Mai 1931 zeigt erstaunliche  
�hnlichkeiten mit der heutigen Diskussion:

"Der Wirtschafts- und Finanzplan (...) der Regierung (...) ging von der  
Feststellung aus, da� die H�he der von Gehalt und L�hnen, von Steuern und  
Soziallasten bedingten Gestehungskosten einer Anpassung der deutschen  
Wirtschafstverh�ltnisse an die Umw�lzungen auf dem Weltmarkt und damit auch  
einer Gesundung der deutschen Wirtschaft hemmend im Wege steht (...).
Die deutsche Industrie hat sich dieser Auffassung (...) in vollem Umfang  
angeschlossen (...). Die deutsche Sozialpolitik mu� endlich den seit Jahren  
von ihr eingehaltenen verh�ngnisvollen Weg der fortgesetzten Erh�hung der  
Einnahmen und der Leistungen der Sozialversicherungstr�ger aufgeben und das  
Ziel verfolgen, die Ausgaben ohne Zusch�sse aus dem Reichsetat zu decken.  
Das kann aber nur durch eine Senkung der jetzt weit �berh�hten Leistungen  
geschehen (...). Die gegenw�rtige Wirtschaftslage verlangt mehr als je eine  
Auflockerung der bestehenden Erstarrung auf dem Gebiete von Lohn- und  
Arbeitszeit, wenn es gelingen soll, in unserer Selbstkostengestaltung das  
Ziel zu erreichen, das (...) der Regierung vorgeschwebt hat. Wir halten  
(...) die bisher durchgef�hrten Lohnsenkungen in ihren Auswirkungen noch  
nicht f�r zureichen. Die Selbstkosten m�ssen von der Lohnseite eine weitere  
Entlastung erfahren. Nur auf diesem Wege kann auf die Dauer eine  
Verringerung der Arbeitslosigkeit und eine Vermehrung der Arbeitspl�tze  
erzielt werden."

Quelle: Flemming, J. u.a.[Hg.], Die Republik von Weimar, Bd. 2: Das  
sozial�konomische System, D�sseldorf 1979, S. 325ff. Zitiert nach: Zinn,  
K.G., Politikversagen in der Krise. Die 'Gro�e Depression' im Vergleich zur  
gegenw�rtigen Wirtschaftslage, in: Sozialismus Nr. 10/96, S. 7ff.

Rot's Fr�ntle
Zipp
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Re: 1931 ist nicht 1996?
#531
Author: Thilo Pfennig
Date: Sat, 19 Oct 1996 00:00
30 lines
2114 bytes

In article <6J0EtKXUF9B@p-wzi.cl-hh.comlink.de>, Werner Zipperer writes:

> 
> Hallo,
> zur aktuellen Spardiskussion ein sch�nes Zitat, das zeigt wie sich die  
> Zeiten �hneln und vor allem die Argumente der Unternehmer. Eine an den  
> Reichskanzler Br�ning (1930-32) gerichtete Stellungnahme des  
> 'Reichsverbandes der deutschen Industrie' vom 4. Mai 1931 zeigt 
erstaunliche  
> �hnlichkeiten mit der heutigen Diskussion:
>...
> Nur auf diesem Wege kann auf die Dauer eine  
> Verringerung der Arbeitslosigkeit und eine Vermehrung der Arbeitspl�tze  

> erzielt werden."


Ja, nett...;-) - Und es zeigt, da� die Politik in den Jahrzehnten nichts 
dazugelernt hat. Also zeigt es eine Kontunit�t an. Das wiederum bedeutet, 
da� Argumente nicht der Situation angepa�t weden, sondern ewige G�ltigkeit 
(oder Ung�ltigkeit, je nach Sichtweise) haben. Weiterhin k�nnen wir daraus 
schlie�en, da� die heutige Diskussion keinswegs so drastisch ist, wie 
dargestellt. Schlie�lich herrschten das viel katastrophalere Bedingungen.


--
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<URL:mailto:Thilo.Pfennig@kiel.netsurf.de>
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