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Article #2Re: Lehramt Informatik? (was: Re: Gute und schlechte Internet-Software)
From: Markus Gonaus
Date: Sat, 22 Aug 1998 00:00
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On 22 Aug 1998 10:44:18 GMT, faber+usenet@dbai.tuwien.ac.at (Wolfgang Faber) wrote: >Im Artikel <35f2e859.21955747@news.aon.at>, >magonaus@via.at (Markus Gonaus) schrieb: >> War es vor zehn Jahren vielleicht noch n�tzlich, einen Filter >> programmieren zu k�nnen, > >Informatikunterricht =/= "Lernen, wie man einen Filter programmiert" Ich muss gestehen, mir noch keinen Lehrplan f�r das Unterrichtsfach Informatik angeschaut zu haben. Aber meiner Erfahrungen nach, gibt es drei Typen von Informatikunterricht. Die einen verbringen ein Schuljahr damit eine Programmiersprache zu erlernen, und erstellen als kr�nenden Abschluss im zweiten Semester ein Programm, das eine lineare Regression rechnet, haben aber keine Ahnung davon, da� Excel Regressionen nicht nur rechnen, sondern auch zeichnen kann. Der zweite Typ lernt alles �ber Sortieralgorithmen oder Ganzzahlarithmetik und der Computer kommt in diesem Unterricht eigentlich nur als das vor, wof�r man das zu lernen hat. Und der dritte Typ spielt Doom. Das aus einem derartigen Unterricht Bildung erwachsen k�nnte, lasse ich mir vielleicht im dritten Fall noch einreden, aber sonst nicht. [Computer als Werkzeug] >Mit �hnlichen Argumenten k�nnte man folgendes behaupten: >"Nachdem man mathematische Methoden heutzutage bei verschiedenen >Berechnungen in allen m�glichen Bereichen braucht, mu� das Ziel sein, >Rechnen zu einem normalen Werkzeug in den meisten Unterrichtsf�chern >zu machen. Dazu ist wahrscheinlich eine Rechen�bung in jedem >Lehramtsfach der sinnvollere Weg, als das Erfinden eines >Mathematik-Lehramtsstudiums." Nun Physik Lehrer haben eben diesen Auftrag. Sonst gibt es halt kaum Gegenst�nde in denen Mathematik ein wichtiges Werkzeug w�re. Aber so ist es z.B. mit dem Lesen. Nur ganz am Anfang der Volksschule gibt es ein eigenes Fach lesen. Nicht dass nacher lesen nicht mehr wichtig w�re, oder dass es nicht weiterentwickelt werden m�sste. Nein, das Lesen ist ein derartig grundlegendes Werkzeug, dass es in allen Unterrichtsf�chern integriert wird. >Im Ernst, Deine Argumentation ist, denke ich, an mehreren Stellen zu >kritisieren: > >Schulen sollten meiner Meinung nach nicht haupts�chlich daf�r da sein, >um den Sch�lern Fertigkeiten zu vermitteln, das pa�t eher zu einer >Lehre. In einer Schule sollte man wenigstens den Versuch machen, den >Sch�lern die Materie begreifbar und nicht nur anwendbar Da hast du schon recht. Ich frage mich nur, wie ein Unterrichtsgegenstand Informatik dazu beitragen kann. Ich vermisse die Bildungsinhalte. Sicher, man kann anfangen Halbleiterlogik einzuf�hren. Aber w�rde das wirklich das Geheimnis der Funktion von Rechenmaschinen l�ften? Ich glaube nicht. Dass man mit AND OR und NOT Gattern mehr als eine Additionsmaschine aufbauen kann, scheint zwar offensichtlich zu funktionieren, aber vorstellen kann ich es mir trotzdem nicht. Man k�nnte �ber Datenreduktion reden. Dann bek�men wenigstens so Verfahren wie die Fourier-Analyse aus der Mathematik etwas Fleisch. Nur: In der Mathematik kommt das wenn �berhaupt in der letzten Klasse. Informatikunterricht findet aber in den unteren Klassen der Oberstufe statt. Ich sehe da n�mlich ganz massiv den Widerspruch zwischen Erwartungshaltung der Gesellschaft gegern�ber einem Informatikunterricht und allf�lligen Bildungszielen entstehen. Denn gewollt wird nicht mehr und nicht weniger als die F�higkeit, Word, allenfalls noch Excel und den Browser bedienen zu k�nnen. Und dazu brauchts wirklich kein Unterrichtsfach Informatik. >Du schreibst einerseits von Standardsoftware, andererseits >argumentierst Du, da� gewisse, vor 10 Jahren interessante, Dinge heute >nicht mehr aktuell sind. Sowohl Hard- als auch Software ver�ndern sich >�u�erst rasch, und die Fertigkeiten, die man heute braucht, werden >schon in relativ kurzer Zeit veraltet sein. Daher spricht aus meiner >Sicht auf dem Informatiksektor ganz besonders viel gegen ein >Unterrichten von Fertigkeiten in der Verwendung von gerade aktueller >Standardsoftware und besonders viel f�r ein Vermitteln von Grundlagen. Sorry, ich verstehe nicht ganz, was du mit Grundlagen meinst. Moderne Software ist ja geradezu bem�ht den Anwender von so Sachen wie Filestruktur oder Datenformaten abzuschirmen. Solches Wissen ist vermutlich schon bald so unwesentlich, wie heute die Verfahren zum Wurzelziehen ohne Taschenrechner. Schon heute wissen die allermeisten Anwender nicht, wo Word denn ihren Text ablegt. >Ferner argumentierst Du, da� man "den Computer zu einem ganz normalen >Werkzeug in jedem Unterrichtsfach machen" und nicht in ein >"Informatikghetto" stecken soll. Ich sehe den Widerspruch hier >nicht. Was spricht dagegen, sowohl Grundlagen im Informatikunterricht >zu vermitteln, und zus�tzlich den Computer in anderen >Unterrichtsf�chern einzusetzen? Ganz einfach die Tatsache, dass der Informatikunterricht die Computerr�ume in der Schule komplett auslastet. Wenn der Historiker vorhat, die Sch�ler eine Netzrecherche �ber den 30 J�hrigen Krieg machen zu lassen, muss er das Monate vorher anmelden. Und damit ists wohl nichts mit dem Alltagswerkzeug. >Zusammenfassend bin ich der Meinung, da� Informatik zu einem so >wichtigen Element des modernen Lebens geworden ist, da� wir den >Sch�lern grundlegendes informatisches Wissen nicht vorenthalten >sollten. > >Wolfgang >PS: Crosspost & F'up nach de.sci.informatik.misc
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