Thread View: de.soc.datenschutz
5 messages
5 total messages
Started by Frank Moeller
Sat, 28 Sep 1996 00:00
Telek*m-Faltblatt - Folge 3
Author: Frank Moeller
Date: Sat, 28 Sep 1996 00:00
Date: Sat, 28 Sep 1996 00:00
101 lines
5184 bytes
5184 bytes
" B e i d e r A u s k u n f t t u t s i c h w a s . "
----------------------------------------------------------------
Achtung! Werbefaltblatt in der Telek*m-Rechnung nicht wegwerfen!
----------------------------------------------------------------
Folge 3
Nach bald sechs Wochen bin ich bez�glich der "Komfortauskunft"
ohne Antwort von der Telekom. Sie h�lt es offenbar nicht f�r
n�tig, die Kunden zu informieren. Einer Meldung der Deutschen
Presseagentur (171804 Sep 96) war unl�ngst zu entnehmen, da� die
Telekom die Daten ihrer Kunden bereits seit einigen Monaten ohne
deren Einwilligung in zwei Betriebsversuchen genutzt hat. Es wird
im n�chsten Brief an die Telekom also auch darum gehen zu
erfragen, welche Daten in meinem Falle genutzt wurden.
Doch zun�chst zur zweiten hier behandelten Frage, n�mlicbh der
nach der unaufgeforderten differenzierten Auflistung meines
Kommunikationsverhaltens nach Tarifzonen in meiner j�ngsten
Telefonrechnung. Nun ist das �rgernis - wie gesagt - gering, aber
es ist symptomatisch f�r den sich verst�rkenden Trend des
Entstehens von Aufzeichnungen �ber unser Alltagsverhalten.
Holger Lubitz (hal@caty.ol.sub.de) meinte:
> Denn erfasst werden muss ja sowieso, wann und in welcher Zone
> Du telefonierst, da je nach Zone und Zeit unterschiedliche
> Takte gelten.
Das ist ein Irrtum. Zu Zeiten der mechanischen Z�hlung von
Geb�hreneinheiten gab es auch unterschiedliche Tarifzonen und
Taktzeiten, ohne da� eine detaillierte Auflistung durchgef�hrt
wurde. Es gibt schlicht keinen technischen Zwang, das Verhalten
des Menschen aufzuzeichnen! Somit ist zu fordern, da� jeder Kunde
selbst �ber die Differenzierung entscheiden k�nnen mu�.
Holger schob in seiner weiteren Argumentation den "Schwarzen
Peter" den Konsumenten zu und entlie� das Gro�unternehmen Telekom
aus der Verantwortung:
> Die Rechnung wird vollautomatisch von einem Computer an Dich
> persoenlich versandt und es ist Deine Sache, wem Du sie zeigst.
Im eigenverantwortlich gef�hrten Singlehaushalt mag das kein
Problem sein. Aber warum soll aus der Telefonrechnung - und das
ist anhand der Aufgliederung nach Entfernungszonen in manchen
F�llen ja schon m�glich - sofort ersichtlich sein, da� die
Ehefrau �berm��ig mit der Schwiegermutter telefoniert hat. Wo man
fr�her die hohe Telefonrechnung als gemeinsames Problem gesehen
und jeder f�r sich an M��igung gedacht h�tte, ist nun der
N�hrboden f�r Zwietracht und gegenseitige Vorw�rfe gelegt.
Das Leben wird jedenfalls nicht einfacher mit differenzierten
Aufzeichnungen - ganz im Gegenteil. Man mu� ja zuk�nftig nicht
nur darauf achten, was die Telefonrechnung �ber einen verr�t.
Hinzu kommen die Abrechnungen von Kreditkartenunternehmen,
�ffentlichen Verkehrsmitteln. Aufgezeichnet wird das Verhalten in
Online-Diensten, am Arbeitsplatz, in Freizeiteinrichtungen. Das
Gesundheitswesen wird genauer fragen und festhalten, was einem
Menschen so gefehlt hat usw. usw.
Man sollte seiner Fantasie in dieser Frage keine Grenzen setzen.
Der entscheidende Punkt scheint mir zu sein, da� sich heute
entscheidet, ob die Informationstechnik zu einer
�berwachungstechnik wird. Wenn nicht jedem einzelnen freigestellt
wird, eigenst�ndig �ber Aufzeichnung und Verwendung von Daten
�ber sein Verhalten zu entscheiden, dann werden wir fr�her oder
sp�ter in Strukturen "hineinstolpern", die den Grundwert einer
freiheitlichen Lebensf�hrung ad absurdum f�hren. F�r eine Umkehr
ist es dann m�glicherweise zu sp�t.
Warum also, um auf Holger zur�ckzukommen, sind Institutionen
(z.B. die Telekom) unschuldig, wenn sie mit erheblichem
Kostenaufwand Systeme schaffen, die unser Leben immer
detaillierter dokumentieren? Warum ist die Ansicht weit
verbreitet, der einzelne Mensch habe gef�lligst selbst damit
zurechtzukommen, da� er durch vorhandene Daten immer h�ufiger in
die Situation ger�t, sich in unvorhersehbaren Zusammenh�ngen
unvermittelt f�r irgendetwas aus dem Alltag rechtfertigen zu
m�ssen?
. .
.
'
Frank M�ller
'
-----------------------------------------------------------------
http://mips.jura2.uni-hamburg.de/~fmoeller
-----------------------------------------------------------------
"Zur�ck zur Werbung":
## CrossPoint v3.02 ##
Re: Telek*m-Faltblatt - Folge 3
Author: Michael Kovar
Date: Wed, 02 Oct 1996 00:00
Date: Wed, 02 Oct 1996 00:00
58 lines
3376 bytes
3376 bytes
deKlein@ozet.de (Thomas de Klein) wrote: >On 28 Sep 1996 00:00:00 +0000 f.moeller@cl-hh.comlink.de (Frank >Moeller) wrote: >>Es gibt schlicht keinen technischen Zwang, das Verhalten >>des Menschen aufzuzeichnen! Somit ist zu fordern, da� jeder Kunde >>selbst �ber die Differenzierung entscheiden k�nnen mu�. Den Zwang sehe ich direkt auch nicht. > Aber wenn es um Rechnungserstellung geht und ich irgendetwas bezahlen >soll, ist es mir schon sehr wichtig, da� ich detailiert aufgef�hrt >bekomme, was ich da eigentlich bezahlen soll. Mir pers�nlich w�re es >z. B. sehr angenehm, wenn die Telekom ganz selbstverst�ndlich (und >ohne daf�r nochmal extra Geld zu wollen) Einzelverbindungsnachweise >mit den Rechnungen verschicken w�rde (und wenn dann noch dabeistehen >w�rde welche Summen auf welche Nummern entfallen sind, w�re das noch >besser. Jetzt mu�t Du Dir noch selber ausrechnen, wieviel Geld Du >letzten Monat mit den Gespr�chen mit der Oma verprasst hast). Mmhh, der Einzelverbindungsnachweis ist doch eigentlich kostenlos. Lediglich f�r die Einrichtung mu�t Du 19,- DM blechen. Wozu ist mir allerdings schleierhaft. Jedes andere Unternehmen erstellt ohne zus�tzliche Geb�hren eine pr�ff�hige Rechnung. Nur Telekom will daf�r Kohle. > Und was den "N�hrboden f�r Mi�trauen und Zwietracht" in Familien >betrifft, den die Telefonrechnung legen k�nnte: Ich glaube das >bewertest Du zu hoch. Wenn sich ne Familie wegen sowas tierisch in die >K�ppe kriegt, stimmt da was nicht bei denen. Vor allem, es m�ssen doch alle (vollj�hrigen) Mitglieder eines Haushaltes den Antrag unterschreiben, da� eine detaillierte Rechnung gew�nscht wird. Wie kann man sich �ber etwas in die Haare geraten, wozu "alle" zugestimmt haben? Nichts desto trotz stimme ich zu, da� jeder selbst entscheiden soll, wie seine Telefonrechnung aussieht (detailliert oder Summenposten). > Jetzt kannst Du nat�rlich sagen, da� ich das zu blau�ugig sehe, aber >wie gesagt, wenn es darum geht etwas zu bezahlen finde ich es schon >wichtig detailierte Angaben dar�ber zu haben f�r was ich mir da Geld >aus der Tasche leiern lasse. Mir w�re es sogar lieber, ich w�rde alle Telefonnummern bis auf die letzte Ziffer sehen. So habe ich manchmal M�he herauszufinden, welche Nummer damit wohl gemeint ist... >Gru� >Thomas >*********************************************************************** >Thomas de Klein Die Weisheit des Tages: >e-mail: deKlein@ozet.de "Besser Niedertr�chtig, als Hochschwanger" >*********************************************************************** Michael Kovar Fax/Box: +49 30 6671018 anrufgesteuerte PC-Einschaltung Linux-m68k in der Box erh�ltlich
Re: Telek*m-Faltblatt - Folge 3
Author: Oliver Gertz
Date: Thu, 03 Oct 1996 00:00
Date: Thu, 03 Oct 1996 00:00
31 lines
1919 bytes
1919 bytes
Frank schrieb am 03.10.96 bez�glich "Telek*m-Faltblatt - Folge 3" folgendes: > > Das Leben wird jedenfalls nicht einfacher mit differenzierten > Aufzeichnungen - ganz im Gegenteil. Man mu� ja zuk�nftig nicht > nur darauf achten, was die Telefonrechnung �ber einen verr�t. > Hinzu kommen die Abrechnungen von Kreditkartenunternehmen, > �ffentlichen Verkehrsmitteln. Aufgezeichnet wird das Verhalten in > Online-Diensten, am Arbeitsplatz, in Freizeiteinrichtungen. Das > Gesundheitswesen wird genauer fragen und festhalten, was einem > Menschen so gefehlt hat usw. usw. Nun, aber diese Daten werden zumindestens nicht legal verkn�pft. Ich sehe gerade bei den "gro�en" Datensammlern (Telokom, Beh�rden etc.) weinger Probleme als bei kleineren, da erste unter einer viel st�rkeren �ffentlichen Kontrolle stehen und so die Datenschutzbestimmungen einhalten m�ssen. Problematisch ist der kleine Versand, der meine Daten weitergibt. Im Prinzip sieht die von Dir beschriebene Situation so aus, wie sie fr�her im kleinen Dorf war: es gibt soziale Kontrolle. Ob diese legitmiert ist oder nicht spielt eine andere Rolle. Doch wenn lange Telefonate mit der Schiegermutter nicht nur den Geldbeutel sondern auch die Beziehung belasten, ist das wohl weniger ein Datenschutzproblem... Viele Gr��e, Oliver Oliver Gertz Aachen, Germany Oliver@Gertz.Oche.de
Re: Telek*m-Faltblatt - Folge 3
Author: Matthias Andree
Date: Mon, 07 Oct 1996 00:00
Date: Mon, 07 Oct 1996 00:00
37 lines
2520 bytes
2520 bytes
kovar@baerlin.in-berlin.de (Michael Kovar) schrieb am 02.10.1996: > Mmhh, der Einzelverbindungsnachweis ist doch eigentlich kostenlos. > Lediglich f�r die Einrichtung mu�t Du 19,- DM blechen. Wozu ist mir > allerdings schleierhaft. Jedes andere Unternehmen erstellt ohne zus�tzliche > Geb�hren eine pr�ff�hige Rechnung. Nur Telekom will daf�r Kohle. Telekom saniert sich auf diese Weise. Es ist aber eigentlich nicht einzusehen, da� eine selbstverst�ndliche Leistung bezahlt wird. > Mir w�re es sogar lieber, ich w�rde alle Telefonnummern bis auf die letzte > Ziffer sehen. So habe ich manchmal M�he herauszufinden, welche Nummer damit > wohl gemeint ist... Es gab mal den Rat, einfach noch drei Ziffern bei der Wahl anzuh�ngen. Auf die Verbindung hat das normalerweise (zumindest bei Einzelanschl�ssen) keinen Einflu�, denn wenn in einem Ortsnetz eine Rufnummer 12345 hei�t, gibt es keine l�ngeren Rufnummern in diesem Netz, die 12345X hei�en. Ob es allerdings funktioniert, kann ich nicht sagen, hab es nie versucht. Was mich in dem Zusammenhang wurmt: wenn die Telekom aufgefordert wurde, mit dem Versand der Rechnung die Verbindungsdaten zu l�schen, verweigert sie automatisch den Einspruch, weil sie nicht pr�fen k�nne. Wie ist das zu bewerten? Riecht wie Datenschutz gegen Verbraucherschutz einzutauschen. Gru�, -- MATTHIAS ANDREE * �ffentlicher PGP-Schl�ssel auf Anfrage verf�gbar Der maximale Voluminarquotient subterraner Noctusukkulenten ist reziprok proportional zum relativen Intellekt des Agrar�konoms.
Re: Telek*m-Faltblatt - Folge 3
Author: Holger Reuchlin
Date: Fri, 18 Oct 1996 00:00
Date: Fri, 18 Oct 1996 00:00
28 lines
1488 bytes
1488 bytes
> Es gab mal den Rat, einfach noch drei Ziffern bei der Wahl anzuh�ngen.
> Auf die Verbindung hat das normalerweise (zumindest bei
> Einzelanschl�ssen) keinen Einflu�, denn wenn in einem Ortsnetz eine
> Rufnummer 12345 hei�t, gibt es keine l�ngeren Rufnummern in diesem
> Netz, die 12345X hei�en. Ob es allerdings funktioniert, kann ich nicht
> sagen, hab es nie versucht.
>
Klappt, das prktiziere ich hier oftmals.
Klappt besser, als eigentlich anzunehmen ist:
Ich hatte mal ne MSN namens 91115. Im gleichen Ortsnetz gibt es ein
Kloster.
Die haben nun einen ISDN-Anschlu� bekommen namens 91150. Und siehe da,
n�chtens wurden wir aus dem Schlaf gerissen, weil Leutchens ihren
Beichvater
sprechen wollten. Nach einigem Hin und Her gabs eine andere MSN von der
Telekom - kostenlos.
H. Reuchlin
HReuchlin@swol.de
Thread Navigation
This is a paginated view of messages in the thread with full content displayed inline.
Messages are displayed in chronological order, with the original post highlighted in green.
Use pagination controls to navigate through all messages in large threads.
Back to All Threads