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Started by Martin Recke
Tue, 15 Apr 1997 00:00
Medialist 19.97: Apokalypse Revisited
Author: Martin Recke
Date: Tue, 15 Apr 1997 00:00
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Medialist 19.97: Apokalypse Revisited Hgg. von Martin Recke Berlin: Deutliche Kritik an Reiter-Pl�nen zur ARD-Reform -- Diepgen: Vorschl�ge "weiterentwickeln und konkretisieren" Auf deutliche Kritik sind die Planskizzen des ARD-Vorsitzenden Udo Reiter gesto�en, mit denen Reiter die Gr�ndung einer neuen, von der ARD und dem Land Berlin getragenen K�rperschaft "ARD-Berlin" vorgeschlagen hatte. "Er setzt mit diesen �u�erungen die Axt an die gesamte ARD", sagte die SFB-Rundfunkratsvorsitzende Marianne Brinckmeier am 14. April. Sie warf dem MDR-Intendanten vor, er wolle "um jeden Preis" in die Hauptstadt. Die ARD-Struktur�berlegung sei dabei nur nebens�chlich. Die Argumentation, da� der SFB unterfinanziert sei und deshalb der Aufgabe als Hauptstadtsender nicht gerecht werde, gelte nicht, weil diese Aufgabe durch das Hauptstadtstudio �bernommen werden k�nne. Reiter hatte in einem am 13. April ver�ffentlichten Zeitungsinterview f�r eine von sechs mittleren und gro�en ARD-Anstalten und dem Land Berlin getragene �ffentlich-rechtliche Anstalt in Berlin pl�diert. Die Aufgaben dieser Einrichtung sieht der ARD-Chef neben der Grundversorgung Berlins mit H�rfunk- und Fernsehprogrammen in der Hauptstadt-Berichterstattung und in zentralen Dienstleistungen f�r die ARD. In den Aufsichtsgremien sollen nach den Reiter-Vorschl�gen die ARD-Mitglieder und das Land Berlin gleicherma�en vertreten sein. Reiter verwies auf das Modell des Deutschlandradios, das vom ZDF und der gesamten ARD getragen werde. F�r die beiden kleinen ARD-H�user in Bremen und im Saarland sieht Reiter die M�glichkeiten, entweder mit gr��eren Nachbaranstalten zu fusionieren oder Aufgaben und Personalbestand zu reduzieren und sich "praktisch aus dem Ersten Programm" zur�ckzuziehen. "Sie w�ren dann nur noch Regionalsender, also ARD-Anstalten zweiter Klasse", so Reiter w�rtlich. Den Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB), der bislang ohne Finanzausgleich auskommt, erw�hnte Reiter nicht. Anfang April hatte der MDR-Chef seine Pl�ne bereits dem Medienausschu� des Berliner Abgeordnetenhauses vorgetragen (Medialist 17.97). Der SFB erkl�rte inzwischen, er werde bei der n�chsten ARD-Hauptversammlung in Baden-Baden fragen, ob angesichts der Reiter-Vorschl�ge die ARD-Fernsehprogrammdirektion aus M�nchen und "ARD-aktuell" aus Hamburg nach Berlin abgegeben w�rden. Der Sender wies darauf hin, da� ein gemeinsames Hauptstadtstudio der ARD derzeit bereits entstehe und allen ARD-Anstalten zur Verf�gung stehen werde. Mit den Reiter-Vorschl�gen stehe der F�deralismus der ARD auf dem Pr�fstand, hie� es. Auf den Regierenden B�rgermeister k�nne Reiter sich nicht berufen, da dieser an einer starken Landesrundfunkanstalt interessiert sei. Der Berliner Regierungschef Eberhard Diepgen begr��te am 14. April "alle �berlegungen zu einem st�rkeren Engagement der ARD" in Berlin und nannte eine Reihe von "unverzichtbaren Eckpunkten" f�r die Diskussion: Die Regionalberichterstattung sei Teil des Grundversorgungsauftrags und m�sse durch einen "leistungsstarken Hauptstadtsender" sichergestellt werden. Dabei seien alle denkbaren Gestaltungsm�glichkeiten auszuloten. Die Geb�hreneinnahmen des SFB seien um ein Vielfaches gr��er als die von Radio Bremen und dem Saarl�ndischen Rundfunk. Nach einem eventuellen Auslaufen des Finanzausgleichs ab dem Jahr 2001 m�sse der SFB finanziell auf eigenen F��en stehen k�nnen. Ein "Hauptstadtsender" verdiene nur dann seinen Namen, wenn er "origin�r aus der und �ber die Hauptstadt berichtet, also nicht lediglich ein Zulieferer zum ARD-Gemeinschaftsprogramm ist", so die Erkl�rung Diepgens. Er forderte die ARD auf, die Vorschl�ge weiterzuentwickeln und zu konkretisieren und dies mit Berlin zu besprechen. Beobachter sehen in den �u�erungen Diepgens eine abwartende Skepsis gegen�ber den Pl�nen Reiters. Kritik �u�erte auch der Vorsitzende der Bundestags-Enquetekommission "Zukunft der Medien", Siegmar Mosdorf. Mit einer derartigen Neuordnung ginge die regionale Identit�t der Rundfunkanstalten verloren, so Mosdorf am 14. April. Es gebe zwar "ohne Zweifel institutionellen Reformbedarf" bei der ARD, mit dem Modell Reiters jedoch w�rde "auch der kulturelle F�deralismus in Deutschland nicht mehr richtig wiedergegeben", erkl�rte Mosdorf. Die neue ARD-Architektur solle durch die Ministerpr�sidenten der L�nder ausgearbeitet werden. Der Verwaltungsrat des SFB wird sich am 16. April mit dem Vertrag zwischen SFB und ORB �ber eine Kooperation bei zwei weiteren H�rfunkprogrammen befassen (Medialist 12, 15 und 16.97). Es gilt als unsicher, ob das Gremium dem Vertrag zustimmen wird (Medialist 18.97). Die Rundfunkratsvorsitzende Marianne Brinckmeier forderte im Zusammenhang mit den Vorschl�gen Reiters, die Kooperation der beiden H�user fortzusetzen. Sie h�tte immer davor gewarnt, da� SFB und ORB daran scheitern k�nnten, "einen starken �ffentlich-rechtlichen Rundfunk" in der Region zu gestalten, und so zum "Spielball der gro�en Anstalten" w�rden. (mr) -- The Medialist distributes various news about media topics. It's in German. Die Medienliste verbreitet diverse Medienmeldungen mit dem Schwerpunkt Berlin. Sie erscheint in den Newsgroups de.soc.medien, bln.medien und prenzlnet.medien sowie auf http://userpage.fu-berlin.de/~mr94/medialist/. Die Liste ist moderiert. Beitraege nimmt Martin Recke <mr94@prenzlnet.in-berlin.de> entgegen. Um die Medienliste per Mail zu beziehen, genuegt eine Mail an <medialist-request@prenzlnet.in-berlin.de> mit SUBSCRIBE im Body. HELP im Body schickt einen Hilfstext. Kommerzielle Weiterverwertung der Medienmeldungen ist generell nicht gestattet. Falls Sie dies dennoch beabsichtigen, wenden Sie sich bitte an Martin Recke <mr94@prenzlnet.in-berlin.de>. Nichtkommerzielle Weiterverbreitung der Medienliste ist nur komplett gestattet. Alle Rechte vorbehalten.
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